Schloss Güstrow

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Das Güstrower Schloss

Das Schloss Güstrow liegt in der Stadt Güstrow südlich von Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Es gilt als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Norddeutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadt und Schloss Güstrow im 16. Jahrhundert auf der Vicke-Schorler-Rolle (älteste Abbildung). Hervorhebenswert ist der Verbindungsgang zum Dom.
Raumorganisation im 1. Obergeschoss (um 1558)

An Stelle des heutigen Schlosses existierte bereits eine slawische Burganlage. Im Jahr 1307 wurde erstmals eine Burg der Fürsten von Werle erwähnt.[1] Mit dem Aussterben der Fürsten von Werle kam die Burg 1436 in den Besitz der Herzöge von Mecklenburg und wurde deren zweiter Wohnsitz. Zu einem regionalen Zentrum der Renaissancekultur wurde der Ort aber erst, nachdem Teilungen des Herzogtums 1547 und 1552 unter die beiden Brüder Herzog Johann Albrecht I. und Herzog Ulrich die Einrichtung einer zweiten fürstlichen Hofhaltung notwendig gemacht hatten. In Güstrow regierte Herzog Ulrich von Mecklenburg, während die Linie seines Bruders in Schwerin ihre Residenz ausbaute. Herzog Johann Albrecht hatte dort und mit dem Fürstenhof (1553) in Wismar bereits seit den frühen 1550er Jahren die Formen der italienischen Renaissance in der Region eingeführt.[2]

Mit dem Aussterben der 1621 entstandenen Linie der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow im Jahr 1695 kam Güstrow an die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin, wurde deren Nebenresidenz und Wohnsitz der Kurtisanen des Hofes. Das Schloss wurde jedoch kaum noch genutzt und begann zu verfallen. 1795 musste der Ostflügel schließlich wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Ab 1800 erfolgte die Nutzung als Kriegslazarett und ab 1817 als Landesarbeitshaus, hier wurden nach der Bauernbefreiung nicht versorgte Personen untergebracht. Später wurde das Schloss in ein Altenheim umgewandelt. Im Rahmen dieser Nutzungen wurde die alte, prachtvolle Ausstattung vielfach umgebaut oder auch zerstört.

Im Jahr 1557 brannte der Südflügel der Güstrower Burg ab und bot so Herzog Ulrich die Gelegenheit, die alte Burg prächtig dem Rang ihres Besitzers entsprechend auszubauen. Für den Güstrower Neubau wurde der italienischstämmige Architekt Franz Parr (gest. 1580) aus Schlesien verpflichtet, der dort an dem von seiner Familie geleiteten Ausbau des Renaissanceschlosses in Brieg/Brzeg gearbeitet hatte. Ab 1558 entstand der Eingangsflügel auf der Westseite und die westliche Hälfte des zum Garten ausgerichteten Südflügels, und um 1565 war der Rohbau vollendet. Damals gab Franz Parr die Bauleitung ab und trat in die Dienste des schwedischen Königs; sein Bruder, der Bildhauer und Stuckateur Christoph Parr arbeitete aber noch bis 1570 in Güstrow, bevor auch er in schwedische Dienste trat. Die älteste Abbildung des Schlosses von 1585 findet sich auf der Vicke-Schorler-Rolle im Archiv der Hansestadt Rostock.

Mit dem Aussterben der 1621 entstandenen Linie der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow im Jahr 1695 kam Güstrow an die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin, wurde deren Nebenresidenz und Wohnsitz der Kurtisanen des Hofes. Das Schloss wurde jedoch kaum noch genutzt und begann zu verfallen. 1795 musste der Ostflügel schließlich wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Ab 1800 erfolgte die Nutzung als Kriegslazarett und ab 1817 als Landesarbeitshaus, hier wurden nach der Bauernbefreiung nicht versorgte Personen untergebracht. Später wurde das Schloss in ein Altenheim umgewandelt. Im Rahmen dieser Nutzungen wurde die alte, prachtvolle Ausstattung vielfach umgebaut oder auch zerstört.

Seit 1972 wird das Schloss Güstrow als Museum für norddeutsche Kunst des Mittelalters, Jagd- und Prunkwaffen und zeitgenössische Kunst genutzt. Es ist heute einer der Standorte des Staatlichen Museums Schwerin.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Ein erneuter Brand zerstörte 1586 auch den Nordflügel der alten Burg. Von 1587 bis 1591 wurde der Nordflügel des Schlosses nach Entwürfen des Niederländers Philipp Brandin erbaut.[3] Im Jahr 1594 erweiterte man den Bau um den Ostflügel, nach Entwürfen von Claus Midow. Von 1628 bis 1630 war das Schloss Güstrow die Residenz von Wallenstein. Mit dem Bau von Torhaus und Schlossbrücke durch Charles Philippe Dieussart wurde 1671 der Schlossbau abgeschlossen.[4]

Das Schloss wurde als programmatische Synthese älterer einheimischer Schlösser (unregelmäßiges Erscheinungsbild, Turmarchitektur und deren Anordnung, vgl. z.B. Meißen, Torgau, Heidelberg) und Motiven italienischer und französischer Renaissancearchitektur gestaltet. Es handelt sich um einen aufwändig verputzten Backsteinbau, der an den Fassaden und im Inneren zahlreiche Formelemente aus der Antike (Säulenordnung, Rustika) aufnimmt und sie durchaus neu kombiniert. Die verwendeten Muster des Außenbaus werden auch im Inneren an den Deckenstuckaturen und in den Mustern der Fußböden wieder aufgenommen. Besonders erwähnenswert sind der stuckierte Ahnen- und Hirschfries (1570er Jahre, Christoph Parr) und die Deckenstuckaturen von 1620 des Stuckateurs Daniel Anckermann im Festsaal des Schlosses.[5] Beide sind teilweise mit aufgesetzten Figuren verziert.

Von 1963 bis 1978 erfolgte durch die DDR eine umfassende Restaurierung des Schlosses. Der Schlosspark im Stil eines Renaissancegartens wurde ebenfalls restauriert und gehört zu den seltenen Beispielen einer solchen Gartenanlage in Deutschland.

Heute[Bearbeiten]

Das Schloss ist sanierungsbedürftig, voraussichtlich 2016 soll mit notwendigen Arbeiten begonnen werden. In der Vergangenheit wurden Bereiche des Schlosses gesperrt, weil Bestandteile der Fassade und des Daches herunterzustürzen drohten.[6]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Schlie: Die Kunst und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin.Band IV., Schwerin 1901
  • Regina Erbentraut: Schloß Güstrow. Schwerin 1999
  • Wilhelm Gernentz: Studien zur Baugeschichte des Güstrower Schlosses. Güstrow 1963
  • Stephan Hoppe: Die ursprüngliche Raumorganisation des Güstrower Schlosses und ihr Verhältnis zum mitteldeutschen Schloßbau. Zugleich Beobachtungen zum „Historismus“ und zur „Erinnerungskultur“ im 16. Jahrhundert. In: Forschungen zu Burgen und Schlössern. Band 5. Burgen und frühe Schlösser in Thüringen und seinen Nachbarländern. München, Berlin 2000, S. 129–148
  • Carsten Neumann: Schloß Güstrow (Der historische Ort, Heft 14). Berlin 1995
  • Ralf Weingart: Der Neubau des Güstrower Schlosses durch Franz Parr – „… wider die allte form, maß und gestalt“? In: Kornelia von Berswordt-Wallrabe (Hrsg.): Schloss Güstrow. Kunst und Prestige 1556–1636, Katalog zur Ausstellung Schloss Güstrow, 6. Mai bis 6. August 2006. Schwerin 2006, S. 14–21
  • Caroline Konkolewski, Marcus Köhler, Sandra-J. Kuhn, Uwe-Berend Zimmer: Das Schloß Güstrow und seine Außenanlagen: im Umgang mit dem historischen Hintergrund - ein Entwurf eines realistischen Konzeptes einer Neuplanung, 2001
  • Rat d. Bezirkes: Das Schloß Güstrow, Rat d. Bezirkes, Schwerin 1972
  • Stiftung Mecklenburg: Renaissance in Mecklenburg, S. 305, Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2011
  • Wilhelm Lesenberg: Das Schloss zu Güstrow, Dissertation, Buchdruckerei Sengenbusch, 1911

Gedruckte Quellen[Bearbeiten]

Ungedruckte Quellen[Bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • LHAS Bestand: 2.21-1 Geheimes Staatsministerium und Regierung, 8034, 5896
    • LHAS Bestand: 10.34-3 Bezirksleitung der SED Schwerin, Restaurierung Schloss Güstrow, 2757

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Güstrow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brigitte Birnbaum: Das Schloss an der Nebel: Historische Erzählungen über das Güstrower Schloss, S.77, Landesverlags und Druckverlags mbH Mecklenburg & Co. KG, 1991
  2. Wilhelm Gernentz: Studien zur Baugeschichte des Güstrower Schlosses, Kreisheimatmuseum, Güstrow 1963
  3. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band II Nordostdeutschland, S. 167-168, Ernst Wasmuth AG Berlin, 1906
  4. Friedrich Schlie: Die Kunst und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin.IV. Band, S. 254-258, Schwerin 1901
  5. Kornelia von Berswordt-Wallrabe: Schloss Güstrow: Prestige und Kunst, 1556-1636, Staatliches Museum Schwerin, 2006
  6. Sanierung von Schloss Güstrow frühestens 2016

53.79083333333312.177777777778Koordinaten: 53° 47′ 27″ N, 12° 10′ 40″ O