Schloss Harkotten

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Doppelschlossanlage Harkotten

Das Schloss Harkotten befindet sich im Sassenberger Stadtteil Füchtorf im Münsterland und ist eines der seltenen Beispiele einer Doppelschlossanlage. Da sie zu privaten Zwecken genutzt wird, ist sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Schlossanlage geht auf einen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert zurück. Zwischen 1297 und 1309[1] erbaute Heinrich II. von Korff als Lehnsmann des Bistums Münster eine Wasserburg zur Sicherung der Bistumsgrenzen gegenüber Osnabrück, die von einem umfangreichen Gräftensystem umgeben war. Nach seinem Tod 1334 teilten seine beiden Söhne Heinrich und Eberhard den Besitz unter sich auf. Während Eberhard den westlichen Teil der Burg erhielt, kam der östliche Teil an Heinrich, der sich anschließend von Korff-Smiesing nannte. Seit jener Zeit existieren auf dem Areal zwei getrennte Herrenhäuser. Die Vorburg, die Mühle, das Gerichtshaus mit Kerker und die Försterei blieben aber ebenso wie die Brauerei und die ab 1311 erbaute Schlosskapelle im gemeinsamen Besitz beider Familienzweige.

Schloss von Ketteler[Bearbeiten]

Schloss von Ketteler

Nachdem die Familie von Korff-Smiesing 1615 im Mannesstamm erloschen war, kam ihr Anteil an der Anlage über die Erbtochter Christine an die Familie ihres Ehemanns, die Freiherren von Ketteler. 1755 ließen diese ihren Teil der Burg abreißen und an gleicher Stelle ab 1754 ein repräsentatives Barockschloss nach Plänen des fürstbischöflichen Feldhauptmanns und Landesingenieurs Johann Leonhard Mauritz Gröninger erbauen. Fertiggestellt wurde es erst im Jahr 1767, da die Bauarbeiten während des Siebenjährigen Krieges von 1758 bis 1763 unterbrochen wurden. Die Freitreppe vor dem Schlossportal wurde sogar erst 1796 fertiggestellt. Nach 1800 kam nördlich des Schlossgebäudes eine Gartenanlage hinzu, die sich an barocken Vorbildern orientierte.

Nachdem die Firma des Designers Luigi Colani mehrere Jahre im Schloss beheimatet war, schloss 1988 die Familie Sieger einen Erbpachtvertrag mit der Familie Ketteler ab und ließ es umfassend restaurieren. Die Räume werden noch heute als Sitz einer Designagentur der Brüder Christian und Michael Sieger genutzt. Gleichzeitig wurden durch den belgischen Gartenarchitekten Jacques Wirtz auch die Außenanlagen wiederhergestellt.

Schloss von Korff[Bearbeiten]

Schloss von Korff

Nachdem das östliche Herrenhaus der Burg bereits im 18. Jahrhundert von der Familie von Ketteler abgerissen und durch den Neubau eines Schlosses ersetzt worden war, ließ auch die Familie von Korff zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr altes Herrenhaus niederlegen, um ein neues, modernes Gebäude zu errichten. In der Zeit von 1804 bis 1806 ließ Friedrich Anton von Korff gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosine ein schlichtes Schloss im Stil des Klassizismus errichten. Als Architekten beauftragte er dafür Adolph von Vagedes, dem das anhaltische Schloss Wörlitz bei Dessau als Vorbild für seine Pläne diente.

Nachdem im Zuge des Schlossneubaus bereits die Gräften des Korff'schen Anteils zugeschüttet worden waren, wurden 1831 auch die übrigen Außenanlagen umgestaltet. Westlich des Herrenhauses wurde ein zentrales Rondell mit Rasenfläche und einem Teich in dessen Mitte angelegt sowie ein Wirtschaftsgebäude nördlich davon errichtet. In jenem Jahr wurde auch der mittig vor der Westfassade gelegene Portikus zu einer Eingangshalle umgebaut.

Im Jahre 2002 entstanden in dem heute noch von der Familie Korff bewohnten Schloss Dreharbeiten zum ersten Tatort Münsters: Der dunkle Fleck.

Bei Renovierungsarbeiten wurden 2014 Wandbemalungen des Hofmalers Philipp Bartscher entdeckt.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Mittelrisalit des Schlosses von Ketteler
Wirtschaftsgebäude des Schlosses von Korff

Schloss von Ketteler[Bearbeiten]

Das barocke Schlossgebäude ist ein verputzter Backsteinbau mit zwei Geschossen, die sich über einem Keller erheben und durch ein flaches Mansarddach abgeschlossen sind. Eine doppelläufige Freitreppe führt zum Portal im Mittelrisalit der Südfassade, das einen halbovalen Grundriss besitzt und durch einen geschwungenen Giebel mit dem Allianzwappen der Familien von Korff und von Ketteler abgeschlossen ist.

Flache Seitenrisalite umschließen mit einer sich anschließenden, niedrigen Mauer einen kleinen Ehrenhof im Süden. Der Garten nördlich des Schlossgebäudes kann über eine Terrasse im Hochparterre betreten werden. Im Inneren sind noch alte Marmorkamine und aufwändig gearbeitete Stuckdecken erhalten.

Im restaurierten Barockgarten findet sich heute eine Sammlung zeitgenössischer Kunstobjekte, die durch den Schlossherrn und seinen Sohn Michael sowie befreundete Designer und Künstler gefertigt wurden.

Die Weiße Dame[Bearbeiten]

Im Treppenhaus des Kettlerschen Schlosses hängt seit vielen Jahrzehnten ein Bildnis, welches allgemein die Bezeichnung „Weiße Dame“ trägt. Es ist eine Pastellzeichnung einer Frau aus dem 18. Jahrhundert mit einem großen Federhut. Nimmt man das Bild von der Wand und hält es gegen das Licht, tritt eine zweites Bild in Sicht, welches ebenso hässlich ist, wie das erste liebreizend war. Der Samt des Hutes sieht aus wie hartes Strohgeflecht, die Augen sehen starr, die Pupillen sind klein und ohne Leben, Mund und Kinn hässlich entstellt und der nackte Hals ist voller blutig-roter Striemen. Wie dieses Bild entstanden ist, ob es eine Übermalung oder durch Scheuern der Pastellfarben unter dem Glasrahmen hervorgerufen wurde, ist heute nicht mehr feststellbar. Um dieses Bild ranken sich nach der Art einer Weißen Frau verschiedene Sagen und Erzählungen. Nach der einen soll sie eine als Hexe verbrannte Jungfrau sein, nach der anderen „Breen Tühne“, eine zur nächtlicher Stunde emporsteigende Nebelfrau. Andere Erzählungen bringen es mit der in der Nähe gelegenen Totenknapp, wieder andere mit den beiden im Südosten im zweiten Stock des Schlosses zugemauerten Fenstern in Verbindung. Im 18. Jahrhundert wollte ein Bewohner gesehen haben, wie die weiße Dame zu mitternächtlicher Stunde aus der breiten Gräfte (Breen Tühne) emporschwebte und durch das geschlossene erste Fenster in das Schloss eindrang, um nach einer halben Stunde durch das zweite Fenster wieder zu entweichen. Den guten Menschen erschien sie als liebreizende junge Frau, den bösen als die hässliche Hexe. Nachdem man das erste Fenster zugemauert hatte, benutzte sie das zweite. Als das zweite Fenster auch zugemauert wurde, verblieb sie im Schloss und soll sich heute noch dort aufhalten und alle zwölf Jahre zu mitternächtlicher Stunde erscheinen, wenn sich kleinere Nebelwölkchen über der Gräfte und den Wiesen erheben.[3]



Voll Liebreiz, Glück und Leben
dein Bildnis an der Wand!
Keins darf den Blick erheben
das an dir Falsches fand.

Einst wurdest du geschunden,
als Hexe dann verbrannt,
weil keinen sie gefunden,
der seine Schuld bekannt.


Als mahnendes Gewissen
gehst du im Schloss umher
das Antlitz scherzzerrissen,
die Augen hoffungsleer.

Die Ihr's nicht glaubt, betrachtet
im Gegenlicht das Bild.
Seht, was sich leidumnachtet
und schreckend Euch enthüllt.

Otto Nisch[4]

Schloss von Korff[Bearbeiten]

Der klassizistische Bau erhebt sich auf einem länglichen, rechteckigen Grundriss über zwei Geschosse mit einem flachen Walmdach. Seine Westfassade ist durch drei Risalite gegliedert. Die beiden seitlichen Risalite werden von Lisenen umrahmt und sind durch eine Balustrade abgeschlossen. Der Mittelrisalit besitzt als oberen Abschluss einen flachen Dreiecksgiebel mit dem Wappen der Schlosserbauer. Ihm ist ein Portikus mit dorischen Säulen vorgebaut, der einen Balkon trägt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Kordt: Das Korffsche Schloß Harkotten. In: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. A. Henn, Ratingen/Rhld. 1961, S. 25–28.
  • Bernhard Riese: Burg Harkotten in Mittelalter. In: Kreisheimatverein Beckum-Warendorf (Hrsg.): An Ems und Lippe. Warendorf 1985, S. 67–69.
  • Bernhard Riese: Die Burgkapelle in Harkotten. In: Kreisheimatverein Beckum-Warendorf (Hrsg.): An Ems und Lippe. Warendorf 1988, S. 76–77.
  • Bernhard Riese: Harkotten im 18. Jahrhundert. In: Kreisheimatverein Beckum-Warendorf (Hrsg.): Heimatkalender des Kreises Warendorf. Darpe, Warendorf 1991, ISSN 0932-3864, S. 70–72.
  • Erich Tönspeterotto, Birgit Cremers-Schiemann: Schlösser im Münsterland. Artcolor, Hamm 1994, ISBN 3-89261-125-4, S. 104–107.
  • Dr. Bernhard Riese: Füchtorf eine Heidedorf im Münsterland, Warendorf 1957

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Harkotten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. Töspeterotto, B. Cremers-Schiemann: Schlösser im Münsterland, S. 104.
  2. Ulrich Lieber: Kunsthistoriker auf Schloss Harkotten. Experten sprechen von Sensation. In: Westfälische Nachrichten. Ausgabe vom 14. Februar 2014 (online).
  3. Bernhard Riese: Füchtorf eine Heidedorf im Münsterland. Warendorf 1957, S. 210–11.
  4. * Dr. Bernhard Riese: Füchtorf eine Heidedorf im Münsterland, Warendorf 1957, S. 211

52.0608333333338.0319444444444Koordinaten: 52° 3′ 39″ N, 8° 1′ 55″ O