Schloss Herzberg

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Dieser Artikel erläutert Schloss Herzberg im Harz; zu der teils gleich benannten Burg bei Breitenbach am Herzberg siehe Burg Herzberg.
Schloss von Herzberg aus gesehen
Schlossinnenhof mit Fachwerkbauten auf Steinsockel

Schloss Herzberg ist eine Schlossanlage in Herzberg am Harz im Landkreis Osterode am Harz, Niedersachsen (Deutschland). Die heutige Vierflügelanlage hat ihren Ursprung etwa im 11. Jahrhundert als mittelalterliche Burg. Nach einem Brand im Jahr 1510 wurde sie als Schloss neu aufgebaut und ist eine der wenigen Schlossanlagen Niedersachsens, die in Fachwerkbauweise errichtet wurden. Wegen der über 700 Jahre langen Zugehörigkeit zum Adelsgeschlecht der Welfen wird die Anlage auch als Welfenschloss Herzberg bezeichnet.

Geographie[Bearbeiten]

Das Schloss Herzberg steht auf dem Schloßberg, einer bewaldeten Anhöhe (275 m ü. NN) direkt oberhalb bzw. westlich des Zentrums der Stadt Herzberg am Harz, die am Südwestrand des Harzes liegt. Nördlich vorbei am Schloss verläuft ein Abschnitt des Flusses Sieber.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Schloss von Herzberg aus gesehen, tags und nachts
Herzberg 1753 mit Schloss Herzberg

Beim heutigen Schloss handelt sich um eine geschlossene Vierflügelanlage mit rechteckigem Innenhof (40 × 58 m). Die heutige Schlossanlage ist ein Wiederaufbau der Burganlage nach einer schweren Feuersbrunst im November 1510. Seit dem 1528 abgeschlossenen Wiederaufbau bestehen die Gebäudeuntergeschosse aus Sandstein. Ein Gebäudeflügel hat Obergeschosse in Stein, während die Obergeschosse der anderen drei Flügel in Fachwerk errichtet wurden. Der Zugang durch einen Torturm und einem sich daran anschließenden Torzwinger wurde beibehalten. Die frühere Burg- bzw. das heutige Schlossinnere betritt man nach dem Passieren des zweigeschossigen Torhauses. Der Schlossturm, wegen seiner Uhr auch als Uhrturm bezeichnet, wurde in der Ostecke erbaut. Seine drei Obergeschosse bestehen aus Fachwerk.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss als Merian-Kupferstich von 1654 (Ausschnitt)
Wappen mit Niedersachsen-Ross (oben) außen über dem Schlosseingang
Fachwerkverzierungen am Schlossturm
Blick vom Schlossinneren (Torhaus) in den Torzwinger

Ursprünglich war das Schloss eine Burg, die auf einem 1024 bis 1029 dort erbauten Jagdhaus beruht. Als Erbauer der Burg wird der König und spätere Kaiser Lothar III., bekannt als Lothar von Süpplingenburg, vermutet. 1144 wurde auf Anordnung der Welfen durch die aus Bayern stammende Ministeriale-Familie von Göttingen Schloss Herzberg mit der umliegenden Pflege für die Welfen in Besitz genommen. Zuvor war der 1143 ohne Lehnserben verstorbene Graf Hermann von Lutterberge dort wohnhaft gewesen. 1143 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt, 1158 gelangte sie bei einem Gütertausch zwischen Friedrich Barbarossa und dem Welfen Heinrich dem Löwen endgültig in das Eigentum (Allod) des Welfen. Heinrich der Löwe trat im Gegenzug dafür Erbgüter seiner ersten Gemahlin Clementia von Zähringen in Schwaben ab. Seither befand sich die Befestigungsanlage 708 Jahre lange ununterbrochen in der Hand der Welfen bis zum Untergang des Königreichs Hannover 1866. Auf Hertsberg stellte die Kaiserin Maria von Brabant, die Witwe von Kaiser Otto IV., 1218 eine Urkunde aus, so dass die Burg kurzfristig Kaiserresidenz war. Im Jahre 1279 diente das Schloss als Wohnsitz für die Witwe Herzog Albrechts des Großen. Von 1337 bis 1714 war das Schloss fast ohne Unterbrechung herzogliche Residenz.

Die Burg wurde ab 1290 Wohnsitz der welfischen Linie Braunschweig-Grubenhagen, die sich ab diesem Zeitpunkt gebildet hatte. Von 1384 bis 1402 war es als Apanage im Besitz des ehemaligen Abts von Corvey, Ernst von Braunschweig-Grubenhagen. Ab 1486 residierten hier die Herzöge des Fürstentums Grubenhagen bis zu ihrem Aussterben 1596. Danach ging die Anlage an die welfische Linie Braunschweig-Lüneburg über.

Von der schweren Feuersbrunst auf der Burg 1510 ist überliefert, dass sich die Schlossherrenfamilie, Herzog Philipp I. mit Gemahlin Katharina und dem Sohn Philip, in letzter Minute vor dem rasch um sich greifenden Feuer retten konnte. Der Schildknappe und die Kammerfrau der Herzogin seien beim Brand umgekommen.

Bis 1635 lebte in dem Schloss Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg mit seiner Gemahlin Landgräfin Anna Eleonore von Hessen-Darmstadt. Dort wurde 1629 der erste Kurfürst von Hannover, Ernst August Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, geboren.

1714 wurde das Schloss als Residenz aufgegeben. Seit 1882 ist es Sitz des Amtsgerichts Herzberg. 1900 wurde im Schloss ein Museum eingerichtet. Obwohl das Schloss seit dem Brand die Jahrhunderte weitgehend unzerstört überdauerte, erlitt es gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwere Beschädigungen, die heute alle behoben sind. In der Nacht zum 4. April 1945 kam es unterhalb des Schlosses in der nahe gelegenen Sprengstofffabrik, wo 40.000 kg Sprengstoff und 8.000 Minen lagerten, zu einer gewaltigen Detonation. Davon wurde das Dach des Schlosses abgedeckt. Im Zuge dessen wurde auch das Museum zerstört und vermutlich geplündert. 1947 kam es zu weiteren Beschädigungen durch die Sprengung von Militärbunkern in der Nähe.

Heute beherbergt das Schloss ein kleines kulturelles Zentrum mit einem Restaurant, einem Museum und dem Rittersaal, der für verschiedene kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Das Museum zeigt die Geschichte der Forstwirtschaft des Harzes, die Schlossgeschichte und die Geschichte der Welfen. Weitere Ausstellungsbereiche präsentieren die Geschichte der Herzberger Gewehrmanufaktur sowie den Herzberger Orgelbauer Johann Andreas Engelhardt. Im Rahmen der Dauerausstellung kann ein Faksimile des Evangeliar Heinrichs des Löwen betrachtet werden.

2006 wurde das Schloss umfassend saniert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Phillip Julius Rehtmeier: Historische Beschreibung, S. 311, Braunschweig 1722
  • Die Chronik Arnolds von Lübeck. Nach der Ausgabe der Monumenta Germaniae, übersetzt von Dr. J.C.M. Laurent, Berlin 1853
  • Hans Adolf Schultz: Burgen und Schlösser des Braunschweiger Landes, Braunschweig 1980, ISBN 3-878840128
  • Hans Grüneberg: Schloss Herzberg und seine Welfen, Stadt Herzberg am Harz 2012, ergänzte Neuauflage der Ausgabe vom April 1993
  • Ernst Andreas Friedrich: Das Schloß Herzberg, S. 97-98, in: Wenn Steine reden könnten. Bd. 4. Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5
  • Jürgen Wilke: Die Geschichte des Wappens der Stadt Herzberg/Harz, S. 1-33 + Literaturverzeichnis, Göttingen 1998
  • Wolfenbüttel Nds.StA. 1 Urk. 2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Herzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.65583333333310.331111111111Koordinaten: 51° 39′ 21″ N, 10° 19′ 52″ O