Weimarer Stadtschloss

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Blick zum Haupteingang mit Schlossturm, links die Bastille
Bastille

Das Weimarer Stadtschloss (auch Residenzschloss) befindet sich in der Stadtmitte von Weimar am nördlichen Ende des Ilmparkes. Das Schloss ist Teil des UNESCO-WeltkulturerbesKlassisches Weimar“ und seit Ende 2008 im Eigentum der Klassik Stiftung Weimar, mit Ausnahme des Gebäudeensembles der Bastille, das der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gehört.[1] Das Stadtschloss beherbergt das Schlossmuseum mit dem Ausstellungsschwerpunkt Malerei von 1500 bis 1900.

Hus tu Wymar[Bearbeiten]

Möglicherweise hielten an diesem leicht erhöhten Ort am Ufer der Ilm schon die Könige der Thüringer im frühen 6. Jahrhundert Hof.[2] Urkundlich belegbar ist aber erst ein Graf Wilhelm von Weimar. Er fungierte als Gastgeber eines Conventus magnus, welcher im Hus tu Wymar unter Kaiser Otto II. abgehalten wurde. Ab dem 10. Jahrhundert ist an diesem Ort eine Wasserburg nachweisbar, welche als Herrschaftssitz der Grafen von Orlamünde (früher Grafen von Weimar) genutzt wurde.

1299 brannte die vermutlich größtenteils hölzerne Burg ab.[3] Der Burgstall ging in den Besitz der Wettiner über, die hier eine neue Burganlage errichteten. Beim großen Brand 1424 fiel nicht nur der größte Teil von Weimar, sondern auch die Burg ein weiteres Mal den Flammen zum Opfer. Wilhelm der Tapfere, der erste Wettiner der hier längere Zeit Hof hielt, ließ die Burg nun als vollständig steinerne Anlage wieder aufbauen. 1439 konnte der Neubau bezogen werden. Aus dieser Zeit stammt der noch heute existierende Hausmannsturm und der daran anschließende Torbau, der später von den darin wohnenden Hofdamen spöttisch als die „Bastille“ bezeichnet wurde.

Hornstein[Bearbeiten]

Stadt und Schloss um 1650, mit Blick auf die Ilm und die Schlossbrücke

1485 wurde das Kurfürstentum Sachsen geteilt. Weimar und nahezu ganz Thüringen fielen an die in Torgau und Wittenberg residierende ernestinische Linie der Wettiner. Friedrich der Weise residierte ab dieser Zeit öfter in Weimar. 1513 richtete sich Johann der Beständige, Friedrichs verheirateter Bruder, hier eine eigene Hofhaltung ein. Damit wurde das Weimarer Schloss, das inzwischen den Namen Hornstein trug, offizielle Nebenresidenz der Ernestinischen Wettiner.

Ab 1535 wurde die spätgotische Burg durch die Baumeister Konrad Krebs und Nikolaus Gromann im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich I. zum Renaissance-Schloss umgestaltet. Mit dem Grünen Haus war die Anlage 1604 endlich fertiggestellt. Der im Stil der deutschen Renaissance gestaltete Gebäudekomplex war wie viele Residenzen der Zeit noch als wehrhafte Schlossanlage konzipiert und rings von Wassergräben umgeben, die aus der vorbeifließenden Ilm gespeist wurden. Seine Gebäude bildeten ein unregelmäßiges Oval um einen weitläufigen Innenhof.

Unter Herzog Johann von Sachsen-Weimar und dessen Ehefrau Dorothea Maria von Anhalt entwickelte sich die kleine Residenz zu einem Musenort von europäischer Bedeutung. Der Historiker Friedrich Hortleder war hier als Hauslehrer tätig und Melchior Vulpius, ein Vorfahr von Goethes Ehefrau, leitete die Schlossmusik. Der Reformpädagoge Wolfgang Ratke gründete 1612 hier eine Deutsche Schule und am 24. August 1617 wurde hier auch die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet. Am 2. August 1618 - zeitgleich mit dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs - brannte das Schloss zur Hälfte nieder. Den Gerüchten nach war an dem Unglück ein unvorsichtiger Goldmacher schuld.

Die ab 1619 errichtete Schlosskapelle mit der Orgel über dem Altar (Ölgemälde von Christian Richter um 1660)

Herzog Johann Ernst d. J. verpflichtete zum Wiederaufbau den italienischen Baumeister Giovanni Bonalino, der bis dahin beim Bamberger Bischof unter Vertrag stand. Im Jahre 1619 war Baubeginn. Der immer noch burgähnliche Hornstein sollte einer aus Italien inspirierten Vierflügelanlage weichen, welche allen repräsentativen Zwecken genügen konnte. Das Gebäude war durchgehend mit drei Geschossen geplant und gruppierte sich um einen rechteckigen Innenhof.[4] Ein herausragender Platz war einer Kirche zugedacht, welche auch als einziges Gebäude fertiggestellt wurde. Kriegsbedingt ruhte der weitere Bau nach der Weihe der Kirche 1630. Ihres bemerkenswert aufragenden Altars wegen wurde sie bald Himmelsburg genannt. Die architektonische Gestaltung der Schlosskapelle war einzigartig. Über dem Kirchenschiff erhob sich, durch ein Oberlicht mit dem Kirchenraum verbunden, eine Capella, in der sich die Orgel befand. Von oben herab durchströmte die Musik die Kirche. Der junge Johann Sebastian Bach, der in den Jahren 1708 bis 1717 als Organist in dieser Kirche tätig war, komponierte, inspiriert von dieser außergewöhnlichen akustischen Situation, einige Werke für diesen Ort. Himmelskönig, sei willkommen ist eine dieser Kantaten, deren Titel den Raum der Schlosskapelle beschreibt. Beim Schlossbrand vom 6. Mai 1774 wurde die Schlosskapelle vollständig zerstört. Die äußere Kubatur der Schlosskapelle ist dabei erhalten geblieben, jedoch verraten die Fassaden nichts von der Nutzung des Raumes im 17. Jahrhundert.

Wilhelmsburg[Bearbeiten]

Ab 1626 regierte in Weimar Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar. Er nahm sich 1651 der Bauruine an und beauftragte den thüringischen Baumeister Johann Moritz Richter d. Ä. Dieser konzipierte den Hornstein nach französischen Vorbildern zu einem offenen dreiflügeligen Ensemble, welches sich einem Park öffnet. Dieser Park entstand nach italienischen und französischen Vorbildern. Wegen Geldmangel kam es aber immer wieder zu Unterbrechungen des Baubetriebs. Als Herzog Wilhelm IV. 1662 starb, wurde der Bau ganz eingestellt. Seit dieser Zeit trägt aber das Schloss – nach seinem Bauherrn – den Namen Wilhelmsburg.

Der Glockengießer Nicolaus Jonas Sorber schuf 1712 das fünfstimmige Geläut des Schlossturms in Weimar, das im Original erhalten ist. Es zählt zu den schönsten und bedeutendsten mehrstimmigen Geläuten des Barock.

Der barocke Aufsatz des Turms nach Gottfried Heinrich Krohne

1728 bekam der mittelalterliche Rundturm nach einem Entwurf von Gottfried Heinrich Krohne einen barocken Aufsatz, welcher bis heute ein Wahrzeichen für Schloss und Stadt ist.

Das Residenzschloss der Goethezeit[Bearbeiten]

Am 6. Mai 1774 brannte die barocke Wilhelmsburg bis auf Turm und Torbau erneut nieder. Da ab 1788 immer teurere Sicherungsmaßnahmen der Schlossruine nötig wurden, zog Herzog Carl August schon einen Neubau in Betracht. Er gründete im März 1789 die Schlossbaukommission, in der von Anfang an Johann Wolfgang von Goethe sehr tatkräftig mitarbeitete. Schließlich beschloss man aber einen Wiederaufbau unter Benutzung großer Teile der alten Bausubstanz. Goethe engagierte den Hamburger Architekten Johann August Arens, den er 1787 in Rom kennengelernt hatte und der vor allem den Grundriss zum Wiederaufbau entwarf. Doch 1791 machten sich die Auswirkungen der Französischen Revolution und finanzielle Engpässe bemerkbar und Arens verlor auch Interesse an diesem Auftrag. Goethe war allerdings zu dieser Zeit schon derart mit dem Bau vertraut, dass er die Arbeiten nach den Plänen von Arens fortführen ließ und 1796 auch das Richtfest gefeiert werden konnte. Als die Burggräben dann endlich im Zuge der Baumaßnahmen eingeebnet waren, verlor sich auch der Festungscharakter. Die jetzt nach Süden offene Dreiflügelanlage korrespondierte sehr gut mit dem von Goethe mitgestalteten Landschaftsgarten.

Für den Innenausbau im Rahmen des Grundrisses von Arens konnte Goethe ab 1797 den Ludwigsburger Architekten Nikolaus Friedrich von Thouret als neuen Schlossbaumeister gewinnen. Thouret entwarf auch heute noch vorhandene Räume im Stil des Klassizismus mit programmatischer Bezugnahme vor allem auf die griechische Antike, so z.B. das Speisezimmer, das Entréezimmer und weite Teile des Appartements für die Großherzogin Louise im Ostflügel.

Das 1801 von Heinrich Gentz entworfene Treppenhaus

Nachdem Thouret keine weiteren Pläne mehr lieferte, wurden ab Ende 1800 die übrigen Innenräume von Heinrich Gentz aus Berlin in einer besonders strengen Spielart des Klassizismus gestaltet. Hierzu zählen vor allem das eindrucksvolle Teppenhaus mit seiner dorischen Säulenordnung, der ionische Festsaal mit den Annexräumen auf der Gartenseite, die Speisegalerie, die Räume für die Erbprinzessin Maria Pawlowna im Nordwesten sowie das neugotische Bernhardzimmer im zweiten Stock. Diese Räume gehören zu den Hauptwerken klassizistischer Innenraumdekoration in Deutschland bzw. der beginnenden Neugotik.[4]

Am 1. August 1803 konnte der Ostflügel von Herzog Carl August und seiner Familie bezogen werden. Aber erst nach den Wirren der napoleonischen Kriege war der weitere Ausbau möglich. Ab 1816 wirkte hier in Weimar der Oberlandesbaudirektor Clemens Wenzeslaus Coudray, der jedoch erst 1830 mit größeren Aufträgen bedacht wurde.

Vom Residenzschloss zum Museum[Bearbeiten]

Das Stadtschloss (Stahlstich von J. W. Appleton nach einer Vorlage von Otto Wagner um 1845)
Residenzschloss (Südansicht zwischen ca. 1890 und 1900)

Die Großherzogin Maria Pawlowna ließ ab 1835 nach einem Generalentwurf von Karl Friedrich Schinkel durch bekannte Maler ihrer Zeit die sogenannten Dichterzimmer als Memorialstätten für die berühmtesten der verstorbenen Weimarer Literaten ausschmücken: Friedrich Preller der Ältere dekorierte das Wieland-Zimmer mit Landschaftsszenen aus dem Oberon und Bernhard von Neher bekam den Auftrag für das Goethe- und das Schiller-Zimmer. Für das letztere übernahm Woldemar Hermann 1837/1838 die Pilastergestaltung nebst den Medaillons mit Szenen aus der Glocke.[5]

In den Jahren 1844 bis 1847 erhielt die neue Schlosskapelle durch Heinrich Heß eine byzantinische bzw. neuromanische Innenraumgestaltung. Mitte des 19. Jahrhunderts konnte Coudray die von Richter konzipierte Anlage nun endlich fertigstellen. Die zum Park hin zunächst offene Dreiflügelanlage wurde erst 1913/14 durch einen Verbindungstrakt geschlossen.

Am 9. November 1918 unterschrieb Großherzog Wilhelm Ernst im Stadtschloss seine Abdankungsurkunde. Nur einige Wochen später konstituierte sich in denselben Räumen die erste republikanische Regierung. Diese Zeit genügte, um einer ganzen Epoche den Namen Weimarer Zeit zu geben. Das Parlament tagte nahezu zeitgleich im Deutschen Nationaltheater. Seit 1923 ist fast das gesamte Stadtschloss ein Museum. Im Dritten Reich konnte man recht wenig mit der Anlage anfangen. Die Gauleitung ließ sich einen eigenen repräsentativen Bau erstellen und Adolf Hitler stieg im Hotel Elephant ab. Zur DDR-Zeit war das Schloss Sitz der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur (NFG) im Südflügel und der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar. Es beherbergte neben einer Restaurationswerkstatt eine ständige Ausstellung der wertvollsten Bestände der Sammlung.

Ausstellung[Bearbeiten]

Ein Großteil des Schlosses beherbergt heute das Schlossmuseum mit einer umfassenden kunsthistorischen Ausstellung mit Schwerpunkt auf Malerei zwischen 1500 und 1900. Im Einzelnen gliedert sich die Ausstellung in folgende Sammlungsbereiche: Renaissance-Malerei (mit einer umfangreichen Sammlung von Werken Lucas Cranach des Älteren und Lucas Cranach des Jüngeren) und sakrale Kunst (vor allem mittelalterliche Holzschnitzereien) im Erdgeschoss, Malerei der Goethezeit in den Repräsentationsräumen im ersten Obergeschoss und Werke der Weimarer Malerschule (19. Jahrhundert) sowie der Moderne (frühes 20. Jahrhundert) im zweiten Obergeschoss.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Bothe: Dichter, Fürst und Architekten. Das Weimarer Residenzschloß vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Ostfildern-Ruit 2000. (grundlegend zur Baugeschichte mit zahlreichen historischen Plänen und Ansichten)
  • Residenzschloss Weimar. 15 Jahre – 15 Millionen Investitionen. Die Grundsanierung in 15 Jahren durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. (= Berichte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Bd. 7.) Imhof-Verlag, Petersberg 2009.
  • Christian Hecht: Dichtergedächtnis und fürstliche Repräsentation. Der Westflügel des Weimarer Residenzschlosses. Architektur und Ausstattung. Ostfildern 2000.
  • Lothar Hyss: Der Wiederaufbau des Weimarer Residenzschlosses in den Jahren 1789-1803. Unter besonderer Berücksichtigung des Beitrages von Heinrich Gentz. Weimar 1996, ISBN 3-932124-12-X (zugleich Kunsthistorische Dissertation Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1996 unter dem Titel Der Wiederaufbau des Weimarer Residenzschlosses in den Jahren 1789 - 1803).
  • Roswitha Jacobsen (Hrsg.): Residenzschlösser in Thüringen: kulturhistorische Porträts. Quartus-Verlag, Bucha 1998.
  • Willi Stubenvoll: Schlösser in Thüringen: Schlösser, Burgen, Gärten, Klöster und historische Anlagen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Verl. Ausbildung + Wissen, Bad Homburg 1997.
  • Adolph Doebber: Das Schloss in Weimar : seine Geschichte vom Brande 1774 bis zur Wiederherstellung 1804. Fischer, Jena 1911.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung des MDR vom 12. Dezember 2008
  2. Detlef Ignasiak: Das Stadtschloss in Weimar. In: Die Residenzschlösser der Ernestiner in Thüringen. Hg. v. Roswitha Jacobsen. Bucha bei Jena 2009, S. 10.
  3. Detlef Ignasiak: Das Stadtschloss in Weimar. In: Die Residenzschlösser der Ernestiner in Thüringen. Hg. v. Roswitha Jacobsen. Bucha bei Jena 2009, S. 11.
  4. a b Rolf Bothe: Dichter, Fürst und Architekten. Das Weimarer Residenzschloß vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Ostfildern-Ruit 2000
  5. Christian Hecht: Dichtergedächtnis und fürstliche Repräsentation. Der Westflügel des Weimarer Residenzschlosses. Architektur und Ausstattung. Ostfildern 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Weimar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.98055555555611.332222222222Koordinaten: 50° 58′ 50″ N, 11° 19′ 56″ O