Schloss Kaiserebersdorf

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Blick auf das Schloss über den Münnichplatz
Ein Trakt des Schlosses Kaiserebersdorf
Schloss Kaiserebersdorf, 1750

Das Schloss Kaiserebersdorf ist ein Schloss im Bezirksteil Kaiserebersdorf im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering an der Kaiser-Ebersdorfer Straße 297.

Geschichte[Bearbeiten]

1162 schenkte Kaiser Barbarossa einem Konrad de Prato ein Gut, das sich zwischen Schwechat und der Donau befand. Auf diesem Areal wurde eine wehrhafte Burg errichtet. Sie bestand aus einem inneren Wassergraben und Zwinger, einer mit Türmen versehenen Umfassungsmauer, sowie Palisaden und einem äußeren Wassergraben, der früher von der Schwechat gespeist wurde. Später kam sie in den Besitz der Herrn von Himberg, die sich ab 1243 Himberg-Ebersdorf nannten. 1269 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Hier waren dann die Herren von Ebersdorf, nachmalig Grafen von Thierstein und oberste Kämmer in Österreich, ansässig.[1]

1499 kam die Burg infolge eines Gütertausches an die Habsburger, die die Burg und das spätere Schloss auch des Öfteren als Residenz nutzten und zu Jagdzwecken aufsuchten. Unter Kaiser Maximilian I. wurde die noch festungsartige Burg durch namhafte Architekten und Baumeister der Renaissancezeit wie den italienischen Architekten Pietro Ferrabosco, die Baumeister Hans Tscherte, Hermes Schallautzer sowie den Steinmetz Benedikt Kölbl in ein prunkvolles Jagd- und Lustschloss im Stile der Renaissance umgebaut.

1550 erfolgte unter Ferdinand I. ein weiterer Ausbau. 1552 wurde unter Maximilian II. die erste Menagerie Europas im Schloss eingerichtet. Sie beherbergte neben Löwen, Tigern, Giraffen und Bären auch Soliman, den ersten Elefanten Wiens, den Kaiser Maximilian II. als Hochzeitsgeschenk aus Spanien mitgebracht hatte. Schon bevor die Menagerie angelegt wurde, befand sich ein Wolfsgehege auf dem Gelände, in dem Wölfe für die Jagd gehalten wurden.[2] Zwischen 1558 und 1561 wurde das Schloss unter Maximilian nochmals stark erweitert und ausgebaut. Quellen und spätere wissenschaftliche Ausgrabungen im Jahr 1990 belegen, das es in dieser Zeit starke bauliche Veränderungen innerhalb des Uhrtraktes gegeben hat und der Zöglingstrakt errichtet worden ist, der südwestlich an den Uhrtrakt anschließt und mit diesem durch einen schmalen Trakt verbunden war. 1607 übersiedelte die Menagerie in das nahe Schloss Neugebäude und später ins Schloss Schönbrunn. 1618 wurde von Steinmetzmeistern aus Kaisersteinbruch ein neues Portal gefertigt.[3]

Während der Zweiten Türkenbelagerung brannte das Schloss komplett ab. Unter Leopold I. wurde es von 1687 bis 1689 für 136.000 Gulden im barocken Baustil wieder errichtet, wobei der Kanzlei- und Südtrakt sowie wohl die Schlosskapelle neu errichtet wurden und die Gebäude die heutige Fassadengliederung erhielten. Die Initialen von Leopold I. lassen sich deshalb noch heute auf dem Doppeladler über dem Hauptportal finden. 1745 überließ Maria Theresia dem Domherrn Anton Marxer das Schloss als Unterkunft für Arme und Waisen.

1773 ließ Josef II. das Schloss in eine Kaserne für die Artillerie umfunktionieren. Ab 1868 wurde hier Infanterie der k.u.k. Armee stationiert, unter anderem das k.u.k. Regiment Hoch- und Deutschmeister. Von 1883 bis 1918 war hier das k.u.k. Monturdepot untergebracht.

Ab den späten 1920er Jahren wurde die einstige Kaiserresidenz schließlich nur noch als Jugendstrafanstalt genutzt.[4] Seit 1975 ist in Schloss Kaiserebersdorf mit der Justizanstalt Simmering eine Strafvollzugsanstalt für männliche Erwachsene eingerichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien (in 6 Bänden). Band 1 (A–Da). Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4.
  • Michaela Müller (et al.): Die archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen im Schloss Kaiserebersdorf. (2 Bände und CD-ROM). Monografien der Stadtarchäologie Wien, Band 3. Magistrat der Stadt Wien, MA 7 - Referat Stadtarchäologie (bzw.: Phoibos-Verlag), Wien 2008, ISBN 978-3-901232-98-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Kaiserebersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens 1, 1831, S. 225 ff (Google eBook, vollständige Ansicht).
  2. Erster Zoo war nicht in Schönbrunn auf ORF vom 8. Mai 2012 abgerufen am 8. Mai 2012
  3. Bericht vom 20. Februar 1618 aus Kaisersteinbruch an die NÖ.-Herren Verordneten, verfasst vom Rentmeister Johann Miller: ...die sechs Meister, als Ulrich Payoß, Pietro de Magistris, Leonhardt Holzäpfel, Nicola Nuovo, Andre Ruffini und Antonius Bregno, so alle wälsche, vier Meister von Ihrer Kayserlichen Majestät ... anjetzt auf Ebersdorf ein Haupttor führen.
  4. M. Leisching: Bei den Zöglingen in Kaiserebersdorf. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, 26. Juni 1934, S. 6 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp, sowie
    Herbert Exenberger: Gefängnis statt Erziehung. Jugendgefängnis Kaiser-Ebersdorf 1940–1945. Von der Erziehungsanstalt zum Jugendgefängnis. In: doew.at, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, abgerufen am 13. Jänner 2011.

48.15916666666716.473055555556Koordinaten: 48° 9′ 33″ N, 16° 28′ 23″ O