Schloss Landsberg (Meiningen)

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Schloss Landsberg auf einer Lithografie erschienen 1858
Ansicht 2007
Ansicht von 1890 mit dem Haus des Schlossverwalters (links) und den Resten des Bergfrieds
Das Schloss bei Nacht
Der Rittersaal

Das Schloss Landsberg in Meiningen ist ein ehemaliges Lustschloss der Herzöge von Sachsen-Meiningen und beherbergt heute ein romantisches First-Class-Hotel.

Das Schloss wurde auf den Ruinen der im Bauernkrieg zerstörten Burg Landeswehre in den Jahren 1836 bis 1840 erbaut und befindet sich auf einem 378 Meter hohen Bergkegel, der zwischen Walldorf und Meiningen ins Werratal hineinragt. Das Schloss Landsberg ist im Besitz der gemeinnützigen „Stiftung Meininger Baudenkmäler“.

Bauwerk[Bearbeiten]

Das Schloss ist ein neugotisches Bauwerk, das englische Adelssitze des 19. Jahrhunderts zum Vorbild hatte. Es besteht aus drei Teilen, dem eigentlichen Schloss mit drei Türmen, dem Torhaus sowie dem Haus des Schlossverwalters. Die Anlage ist von einer zinnenbekrönten Mauer umgeben.

Hinter dem nördlich gelegenen Torhauses steht rechter Hand nach einem kleinen Anstieg das Haupthaus, begrenzt von einem nördlichen runden Turm mit kegelförmiger Spitzhaube und einem achteckigen Turm mit zinnenbekrönter Plattform. Über eine breite aber kurze Freitreppe gelangt man in die unteren Räume mit der Burgschänke. Eine daneben befindliche mit reich verzierter Steinbrüstung versehenen Freitreppe führt hinauf zu dem Haupteingang an der Ostseite des Schlosses. Von hier kommt man zunächst in die Waffenhalle mit Eichenholz vertäfelter Decke und anschließend über einen Gang in den Rittersaal. Daneben ist der Zugang zum zinnenbekrönten Hauptturm mit seiner 100-stufigen Wendeltreppe, von dessen Plattform der Besucher einen weiten Rundblick über die nördlichen Stadtteile von Meiningen sowie Walldorf, in das Werratal, in die Rhön und bis zum Dolmar genießen kann.

Hinter dem Haupthaus liegt der Schlosshof mit Brunnen, dem sich das Gebäude des Schlossverwalters anschließt. Zwischen diesem Haus und einer Pforte, die den südlichen Abschluss der Schlossanlage bildet, ist der Bergfried der einstigen Burg Landeswehre in die Schlossmauer integriert. Die Decken zahlreiche Räume und Säle sind mit gotischen Netzrippengewölben versehen. Das Schloss ist mit weiteren runden Türmchen mit Kegelhauben, Mauern und sonstigem Zierrat versehen.

Sehenswert sind der „Löwenerker“ am Hauptturm und der neugotische Rittersaal, der mit reichverziertem Eichenholz vertäfelt wurde und unter anderem mit acht großen Wandgemälden geschmückt ist, die Ereignisse aus der wettinisch-sächsischen und thüringischen Geschichte darstellen. Im Schloss befinden sich luxuriös ausgestattete Gemächer und Suiten, darunter die reichlich vergoldete Hochzeitssuite.

Meiningen, Schloss Landsberg

Hotel[Bearbeiten]

Das heutige 4-Sterne-Hotel, 1978 von der HO als Luxushotel eröffnet, steht heute unter der Leitung der Meininger Hotels mit Flair GmbH. Es verfügt über insgesamt 13 Doppelzimmer und 7 Suiten, darunter eine Hochzeitssuite, die alle mit Ausnahme der Zimmer im Dachgeschoss per Lift erreichbar sind. Alle Zimmer sind mit Dusche oder Bad, WC, Fön, Telefon, TV mit Radio-Wecker und Minibar ausgestattet und sind luxuriös und individuell eingerichtet. Sie verfügen weiterhin über einen ISDN-Anschluss und W-Lan-Internetzugang. In den Suiten stehen den Gästen zusätzlich Bademäntel und Regenschirme zur Verfügung. Zum Hotel gehören die Restaurants „Rittersaal“ mit Terrasse und „Burgschänke“ mit Biergarten und weiterhin eine Turmbar.

Während der DDR-Jahre erfreute sich das Hotel bei Diplomaten und Botschaftern wegen seiner Architektur und exponierten Lage großer Beliebtheit. Zu den bekannten Gästen gehörte in dieser Zeit auch Hot Chocolate. Heute ist das Hotel wegen seiner märchenhaften Architektur ein beliebtes Ziel für Hochzeitspaare aus ganz Deutschland. Aus diesem Grund hat die Stadt Meiningen hier seit 2005 eine Außenstelle des Standesamtes eingerichtet. Zu den bekannten Gästen der letzten Jahre gehörten unter anderen Jörg Pilawa, Gunther Emmerlich, Janine Kunze und Tina Ruland.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptturm mit Löwenerker

Die → Burg Landeswehre wurde erstmals 1129 urkundlich erwähnt. Sie diente dem Schutz der Handelsstraßen nach Würzburg (Hohe Straße) und Fulda (Frankfurter Straße), der Werratalstraße Richtung Salzungen, der Werrafurt bei Walldorf und dem Zugang nach Meiningen. Zu ihr gehörte auch ein Gutshof am Fuß des Berges. Im Deutschen Bauernkrieg stürmten am 13. Mai 1525 werraaufwärts ziehende Bauernhaufen die Burg und zerstörten sie bis auf den Bergfried und Teile der Mauer. Sie war seitdem unbewohnbar. Der Turm, der sich 1685 bei einer Sprengung zur Gewinnung von Baumaterial zur Seite neigte, ist in Resten bis heute erhalten und in das Schlossensemble integriert.

Angeregt durch seine Besuche bei seiner Schwester Adelheid, Königin von Großbritannien, erwarb Bernhard Erich Freund, regierender Herzog von Sachsen-Meiningen, 1836 den Berg Landsberg und die dazugehörigen Grundstücke mit dem Gutshof und ließ bis 1840 unter Leitung des Architekten August Wilhelm Döbner ein neues Schloss im neugotischen Stil nach dem Vorbild englischer Adelssitze errichten. Der Gutshof wurde bis 1842 zu einer im schweizerischen Stil gehaltenen Meierei mit Scheunen, Ställen, Remise und Herrenhaus um- und ausgebaut.

Blick vom Schlosshof

Bis zum Ersten Weltkrieg war das Schloss ein beliebtes Ausflugsziel. Dann kam es in Privatbesitz und war bis 1945 nicht mehr zugänglich. Nach kurzzeitigen Nutzungen als Seniorenheim und Bildungseinrichtung betrieb die HO seit den 1960er Jahren im Schloss eine Ausflugsgaststätte. Diese bauten es in den Jahren 1975 bis 1978 schließlich zu einem Luxus-Hotel um. Von 1991 bis 1996 befand sich das Schloss im Besitz von Prinz Friedrich-Ernst von Sachsen-Meiningen, der den Hotelbetrieb weiterführte. Im März 1997 übernahmen die Meininger Hotels mit Flair GmbH das Schloss und Hotel und führten 2003 umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten durch. Anfang 2008 wurde das Schloss in die „Stiftung Meininger Baudenkmäler“ überführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Bechstein: Schloss Landsberg. Neue Ausgabe. Mylius in Sonneberg, Meiningen 1847.
  • Friedrich Tenner: Burgen um Meiningen. In: Mitteilungen der Gemeinde der Steinsburgfreunde. Bd. 2, Heft 5, 1937, ZDB-ID 802933-7,.
  • Armin Ender: Der Landsberg bei Meiningen. In: Beiträge zur Stadtgeschichte Meiningens (= Südthüringer Forschungen. Bd. 17, ISSN 0585-8720). Staatliche Museen, Meiningen 1982, S. 51–64.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Landsberg (Meiningen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.60055555555610.394722222222Koordinaten: 50° 36′ 2″ N, 10° 23′ 41″ O