Schloss Mergentheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

p3

Deutschordensschloss Mergentheim
Deutschordensschloss mit Deutschordensmuseumvon der Einkaufsstraße in Bad Mergentheim aus fotografiert

Deutschordensschloss mit Deutschordensmuseum
von der Einkaufsstraße in Bad Mergentheim aus fotografiert

Alternativname(n): Schloss Mergentheim
Entstehungszeit: 11. Jahrhundert
Burgentyp: mittelalterliche Wasserburg
Umbau zum Schloss
Erhaltungszustand: Erhalten
Ständische Stellung: Residenz der Hoch- und Deutschmeister
Zentrale des Deutschen Ordens
Ort: Bad Mergentheim
Geographische Lage 49° 29′ 28,2″ N, 9° 46′ 33,5″ O49.4911629.775976Koordinaten: 49° 29′ 28,2″ N, 9° 46′ 33,5″ O
Schloss Mergentheim (Baden-Württemberg)
Schloss Mergentheim
Das Deutschordensschloss

Das Schloss Mergentheim (ehemaliges Deutschordensschloss von Mergentheim) war als Burg im heutigen Bad Mergentheim zunächst Mittelpunkt einer Grafschaft im Taubergau. Sie kam 1219 als Komturei an den Deutschen Orden. Das Schloss war ab 1527 Sitz der Deutschmeister und einige Jahre später auch des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Damit war sie bis zum Ende des Alten Reiches Sitz der Leitung des Ordens. Gleichzeitig war sie Mittelpunkt des Meistertums Mergentheim als weltlicher Besitz der Deutsch- und Hochmeister.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1058 wird eine Burg in Mergentheim erstmals urkundlich genannt, die im 12. Jahrhundert ausgebaut wurde. Im Jahr 1219 schenkten die drei Brüder Heinrich, Andreas und Friedrich von Hohenlohe, von einem Kreuzzug zurückgekehrt, ihre Wasserburg und Besitzungen in Mergentheim dem neugegründeten Deutschen Orden. 1255 lässt die Familie derer von Hohenlohe eine Burgkapelle an der Ostseite und den Palas an der Südseite hinzufügen. 1339 kommt es zur erneuten Erweiterung der Anlage.[1]

Die Burg entwickelte sich in der Folgezeit zur bevorzugten Residenz der Deutschmeister. Nach der Reformation wurde die Burg 1525 sogar der Hauptsitz des Südwestens der Hoch- und Deutschmeister und damit zur Zentrale des Deutschen Ordens, nachdem in den Bauernkriegen im selben Jahr die Burg Horneck zerstört wurde. Der Hauptstützpunkt des Deutschen Ordens blieb hier von 1527 bis 1809 erhalten und es wurden bedeutende Gäste wie der Kaiser und einflussreiche Fürsten empfangen.[1]

Zwischen 1568 und 1628 kam es zum Umbau der mittelalterlichen Wasserburg zum Schloss. So entstand beispielsweise 1574 die Berwart-Treppe zwischen dem West- und dem Südflügel. Zwischen 1730 und 1799 wird die Anlage zu einem Barockschloss erweitert.[1]

Als es 1809 zur Auflösung des Deutschen Ordens durch Napoleon Bonaparte kommt, unterliegt das Schloss Mergentheim verschiedenen Folgenutzungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt 1956 die Restaurierung des Kapitelsaals und 1961 die Gründung des Deutschordensmuseums. Von 1975 bis 1996 wird das Schloss restauriert und dient heute als bekanntes Wahrzeichen des Ortes Bad Mergentheim.[1]

Anlage[Bearbeiten]

Schloss Mergentheim, Berwart-Wendeltreppe (Blick nach oben)
Klassizistische Hauptstiege nach Entwürfen von Hofrat Adam Stahl aus dem Jahr 1799

Die Anlage des Schlosses zeigt noch heute Spuren der ursprünglichen mittelalterlichen Wasserburg: die ringförmige Anordnung der Gebäude, gekrümmte Mauern des Nordflügels, ebenso Bewehrungen und Wassergräben. Mit der Funktion als Hauptsitz wurde die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts immer mehr ausgebaut, und im Laufe der Zeit errichtete man eine repräsentative Renaissance-Anlage. Die berühmte Wendeltreppe des Baumeisters Blasius Berwart entstand.

Die Schlosskirche Bad Mergentheim, Baden-Württemberg auf einer Silbermedaille der inzwischen aufgelösten Partin Bank

Seit 1626 schließt sich an den Kern der Schlossanlage das Äußere Schloss an. Dazu gehören unter anderem der Hauptportalbau, die Brücke über den Wehrgraben sowie das Kanzlei- und Archivgebäude. Im 18. Jahrhundert erfolgten umfangreiche Umbauten, die dem Schloss seine heutige Gestalt gaben. Die Schlosskirche wurde unter Beteiligung von Balthasar Neumann erneuert, die prachtvolle Fürstenwohnung und der Kapitelsaal gebaut und der Schlosspark neu angelegt. Am Südflügel entstand ein Rokoko-Gartenfesthaus nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters François de Cuvilliés. Von diesem Gebäude sind nur noch einige Gartenfiguren erhalten und heute im Deutschordensmuseum ausgestellt.

Mit der Säkularisation und der Aufhebung des Deutschen Ordens unter Napoleon erlosch 1809 nach 300 Jahren der höfische Glanz der Residenz der Hoch- und Deutschmeister in Mergentheim. In der Folge wurde Mergentheim ins Königreich Württemberg eingegliedert.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Landeseigenes Monument[Bearbeiten]

Schloss Mergentheim zählt zu den landeseigenen Monumenten, die von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut werden.

Deutschordensmuseum[Bearbeiten]

Seit 1996 steht das Schloss der Öffentlichkeit nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wieder vollständig als Deutschordensmuseum zur Verfügung. Die Geschichte des Deutschen Ordens von den Anfängen 1190 bis heute wird mit Texten, Bildern und Objekten ausgebreitet. Dabei können die folgenden Aspekte besichtigt werden: Die Geschichte des Deutschen Ordens, fürstliche Räume, die Stadtgeschichte Mergentheims, Jüdisches Leben in Mergentheim - am Beispiel Hermann Fechenbach, das „Mörike-Kabinett“, die „Puppenstuben“, die „Adelsheim'sche Altertumssammlung“, das Schloss, der Schlosspark, Sammlungen verschiedener Ausstellungsstücke, eine Bibliothek, die Geschichte des Museums und eine Ausstellung „Museum unterwegs“.[2] Gelegentlich sind im Deutschordensmuseum auch Sonderausstellungen zu wechselnden Themen vorhanden.[3]

Hauptartikel: Deutschordensmuseum

Literatur[Bearbeiten]

  • Regina Hanemann (Autorin): Schloss Mergentheim mit dem Deutschordensmuseum, Deutscher Kunstverlag, 56 Seiten, Berlin/München 2006, ISBN 978-3422020276.
  • Friedrich-Wilhelm Krahe (Autor): Burgen des deutschen Mittelalters - Grundriss-Lexikon, Stürtz Verlag, Würzburg 2000, ISBN 3-88189-360-1.
  • Walther-Gerd Fleck (Autor): Burgen und Schlösser in Nordwürttemberg - Ein Handbuch mit 95 Aufnahmen und 8 Farbtafeln, S. 289ff., Weidlich Verlag, 1979 Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-8035-1014-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Bad Mergentheim, Deutschordenschloss. Deutsches Burgenarchiv, abgerufen am 9. Mai 2015.
  2. Der Deutsche Orden von 1190 bis heute. Deutschordensmuseum, abgerufen am 9. Mai 2015.
  3. Sonderausstellungen. Deutschordensmuseum, abgerufen am 9. Mai 2015.