Schloss Monbijou

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Dieser Artikel behandelt das frühere Schloss Monbijou in Berlin; für das ehemalige Lustschloss bei Zweibrücken siehe Lustschloss Monbijou.
Schloss Monbijou, Südfassade und Spree mit der Sophienkirche im Hintergrund. Um 1739/40

Das Schloss Monbijou war ein Schloss in Berlin am nördlichen Ufer der Spree. Es lag gegenüber dem heutigen Bode-Museum in Sichtweite zum Stadt- und Residenzschloss der Hohenzollern. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt, daher wurde es 1959 vollständig abgerissen.

Die Anfänge[Bearbeiten]

An dieser Stelle, am einstigen Spandauer Heerweg (heute Oranienburger Straße), damals noch vor den Mauern Berlins, befand sich im Mittelalter ein kurfürstliches Vorwerk mit einer Meierei. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Gebiet verwüstet.

1649 befahl Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der Große Kurfürst), das Gelände wieder zu kultivieren und schenkte es seiner ersten Frau Luise Henriette von Oranien. Die ließ mit großem Engagement ein Mustergut mit Landwirtschaft und Milchwirtschaft nach holländischem Vorbild einrichten. Hier wuchsen als Zierpflanzen und Kuriositäten die ersten Kartoffeln in der Mark Brandenburg. Nach Henriettes Tod 1667 ging das Vorwerk in den Besitz der zweiten Frau des Kurfürsten über, Dorothea Sophie von Brandenburg. Nun wurde ein Garten mit einem kleinen Sommerhaus angelegt, die Keimzelle von Schloss und Schlosspark.

1686 wurde der Hugenotte und Glaubensflüchtling Pierre I Mercier vom Großen Kurfürsten zum Hoftapetenwirker bestallt. Er gründete gemeinsam mit seinem Schwager Jean I Barraband eine Tapisserie, die im Schloss Monbijou eingerichtet wurde. Unter Merciers Nachfolger Jean II Barraband wurde die Fabrik stetig ausgebaut, so dass 1718 auch das Parterregeschoss des Marstalls für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt werden musste. In diesen Räumen befand sich zuvor bereits eine Manufaktur, die Delon’sche Strumpffabrik. [1]

Friedrich I., nach dem Tod seines Vaters 1688 Kurfürst von Brandenburg und seit 1701 König in Preußen, beschloss, die Anlage erweitern zu lassen. Graf von Wartenberg, sein leitender Minister und Günstling trat als Bauherr für ein „Lust-Haus“ auf, ein kleines Schloss von nur 400 m² Grundfläche, das von Hofbaumeister Eosander von Göthe zwischen 1703 und 1706 im Stil des Spätbarock errichtet wurde. Friedrich I. überließ es der Gräfin von Wartenberg, seiner Mätresse. Ihr Mann allerdings fiel 1710 beim Kronprinzen in Ungnade und wurde vom König entlassen.

Residenz der Königinnen[Bearbeiten]

Brasilianisches Kabinett im Schloss (Ölbild von Eduard Gaertner, 1853)

Von 1712 an diente das Schlösschen als Sommerresidenz von Sophie Dorothea, seit 1706 verheiratet mit Friedrich Wilhelm, dem Sohn und Nachfolger Friedrichs I. Ihr, aber auch ihrem Schwiegervater wird die Namensgebung zugeschrieben: Monbijou, nach dem französischen mon bijou (mein Schmuckstück). 1717 logierte während einer Auslandsreise Zar Peter der Große von Russland mit seinem Hofstaat für zwei Tage im Schloss Monbijou. Zeitgenössischen Berichten zufolge war das Anwesen nach Abreise der russischen Gäste „in völlig ruiniertem Zustande“. Dorotheas Sohn, Friedrich II. (der Große), ließ gleich nach seinem Regierungsantritt das Schloss modernisieren und erheblich erweitern. Sein Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Oberaufseher aller königlichen Bauten und Architekt von Sanssouci, ließ neue Anbauten und Nebengebäude errichten, wodurch sich die Anlage zur Spree hin bis zur mehrfachen Größe ihres Ursprungs ausdehnte. 1742 meldeten die „Berlinische(n) Nachrichten“ die Schlüsselübergabe an die Königinmutter, was „bey höchstderoselben ein gantz ungemein Vergnügen erweckt“ habe. Dorothea verbrachte dort alljährlich die Sommermonate, gab Soupées, Maskenbälle und Konzerte – Vergnügungen, die sie lange entbehrt hatte. Zum Schloss gehörte eine eigene Bootsanlegestelle, da die Herrschaften oftmals lieber bequem auf dem Wasserwege eintrafen als sich über die holprigen Straßen zu bemühen.

Nach dem Tod der Königin Sophie Dorothea 1757 blieb das Schloss längere Zeit unbewohnt. Von 1786 an war es Hauptwohnsitz der Königin Friederike Luise, die von ihrem Mann, König Friedrich Wilhelm II. (im Volksmund der Dicke Lüderjahn), durch zahlreiche Liebschaften und zwei offizielle morganatische Ehen gedemütigt wurde und 1805 in Monbijou starb. Als Residenz für Angehörige des Hofes hatte das Schloss danach ausgedient, auch wenn die Tradition der kulturellen Vergnügungen fortgesetzt wurde. Noch in den Jahren 1819–1820 fanden dort unter der Leitung des Fürsten Anton Heinrich Radziwill Privataufführungen zweier Szenen aus Goethes Faust statt, eine der ersten Faust-Aufführungen überhaupt.

Das Hohenzollernmuseum [Bearbeiten]

Plan des Hohenzollernmuseums 1904

Um 1820 wurden die sogenannten „Germanisch-slawischen Alterthümer“ aus der Königlichen Kunstkammer ausgegliedert und als „Museum für Vaterländische Alterthümer“ im Schloss Monbijou untergebracht. Nachdem die Sammlungen um neue Kategorien (Gemälde, Schmuck, Porzellan) ständig erweitert worden waren, ließ Kaiser Wilhelm I. schließlich 1877 das Schloss mit seinen 42 Sälen als Hohenzollernmuseum der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Einrichtung verstand sich nun einerseits als kulturhistorische Bildungsstätte, andererseits als ein Ort, an dem die Dynastie der Hohenzollern ihre eigene Geschichte und Bedeutung feiern ließ. Direktor war von 1884–1893 Robert Dohme.

Das Museum überdauerte die Abschaffung der Monarchie in Deutschland. Seine Bestände verblieben im Besitz des Königshauses, ihre Verwaltung übernahm der Staat, der Schloss Monbijou dafür zur Verfügung stellte und die Verpflichtung übernahm, das Museum in der gewohnten Form zu erhalten. Erst im Zweiten Weltkrieg fand es sein Ende. Große Teile der Sammlungen waren während des Krieges ausgelagert worden und wurden nach Kriegsende in die Sowjetunion oder an andere Orte verbracht. 1940/41 hatte Albert Speer, Lieblingsarchitekt des Diktators Adolf Hitler noch vorgeschlagen, das Schloss umzusetzen, um gegenüber der Museumsinsel Platz für drei großangelegte Museumsneubauten zu schaffen – Teil der Planung für das Großprojekt Welthauptstadt Germania. Schloss Monbijou sollte vollständig abgetragen und im Park des Schlosses Charlottenburg, zwischen Spreeschleuse und S-Bahn-Ring wieder aufgebaut werden. Der Kriegsverlauf machte diese Pläne gegenstandslos.

Kriegsschäden und Abriss[Bearbeiten]

Alle Fenster des Schlosses hatte man schon 1940 vorsorglich zugemauert, bei einem Bombenangriff im November 1943 brannten die Gebäude dennoch aus und wurden weitgehend zerstört. Die Ruinen standen noch bis 1959, dann ordnete der Ost-Berliner Magistrat gegen heftigen Protest von Museumsfachleuten und Teilen der West-Berliner Öffentlichkeit den endgültigen Abriss an – offenkundig ähnlich ideologisch motiviert wie 1950 bei der Sprengung des ebenfalls im Krieg schwer beschädigten – obschon unstrittig wiederaufbaubaren – Stadtschlosses der Hohenzollern oder 1960 des Braunschweiger Schlosses in der Bundesrepublik. Geblieben sind einige Namen. Auf dem Gelände zwischen Oranienburger Straße und Spree entstand eine etwa drei Hektar große Grünanlage mit Kinderschwimmbad, der heutige Monbijoupark. In der nahen Umgebung gibt es den Monbijouplatz, die Monbijoustraße und die Monbijoubrücke – nur für Fußgänger und Radfahrer –, die an der Nordspitze der Museumsinsel beide Spreeufer miteinander verbindet.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Kemper: Schloss Monbijou. Von der Königlichen Residenz zum Hohenzollern-Museum. Nicolai Verlag: Berlin 2005; ISBN 3-89479-162-4.
  • Folkwin Wendland: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert; (Das klassische Berlin); Propyläen: Berlin 1979; S. 247-257; ISBN 3-549-06645-7.
  • Ulrike Eichhorn: Wahre Geschichten um Berliner Schlösser; Tauchaer Verlag: Taucha 2012; S. 60-69; ISBN 978-3-89772-205-7.
  • Dr. Ed. Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, Seite 46, Nachdruck im Scherer-Verlag Berlin, 1885.
  • Johannes Fischer: Die Französische Kolonie zu Magdeburg, Seite 150, Magdeburger Kultur- und Wirtschaftsleben Nr. 22, 1942

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Monbijou Palace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ed. Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen. Nachdruck im Scherer-Verlag Berlin, 1885, S. 46

52.52333333333313.396666666667Koordinaten: 52° 31′ 24″ N, 13° 23′ 48″ O