Schloss Possenhofen

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Schloss Possenhofen

Schloss Possenhofen ist eine Schlossanlage bestehend aus dem Alten Schloss, ein kubischer Walmdachbau mit vier quergestellten Ecktürmen, dem Neuen Schloss, auch Hufeisenbau genannt, und der Schlosskapelle, die zwischen beiden Baukörpern liegt und diese über einen Gang verbindet. Das Schloss befindet sich im Ortsteil Possenhofen der Gemeinde Pöcking im Landkreis Starnberg, Oberbayern. Prinzessin Elisabeth in Bayern (auch bekannt als Sisi), die spätere Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, verbrachte hier ihre Kindheit, wodurch das Schloss später zu großräumiger Bekanntheit gelangte.

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserin Elisabeth von Österreich als Braut vor Possenhofen (1853, Stahlstich von Andreas Johann Fleischmann)

1536 erbaute der Landschaftskanzler Jakob Rosenbusch das nach dem Ort benannte Schloss, nachdem er zuvor schon ein Herrenhaus aus Holz an dieser Stelle hatte errichten lassen. Wenig später erhielt er von den bayerischen Herzögen die Edelmannsfreiheit, und Possenhofen wurde zur Hofmark erhoben. Rosenbusch erhielt 1548 das Dorf Feldafing, erwarb in Pöcking einige Güter sowie 1545 die Insel Wörth. Als er starb, ging der Besitz an seinen Sohn Christoph Rosenbusch, welcher die Hofmark 1582 an den Hauptmann Mathias von Schöll verkaufte.

Nach mehreren anderen Besitzern, zuletzt dem Reichsgrafen Basselet von la Rosée, gelangten das Schloss und die beiden Hofmarken Possenhofen und Garatshausen 1834 in den Besitz von Herzog Max Joseph in Bayern. Seine Tochter Elisabeth (Sissi) und ihre zahlreichen Geschwister verbrachten hier eine - ihren Berichten zufolge glückliche - Kindheit. Für den Film Sissi von 1955 diente jedoch das Schloss Fuschl am Fuschlsee im Salzkammergut als Szenerie.

Schloss Possenhofen, Aquarell von 1839 von Franz Xaver Nachtmann

Der zunächst zweigeschossige, dreiflügelige Hufeisenbau wurde vor 1840 errichtet, ein weiteres Obergeschoss kam erst um 1900 hinzu. Um 1860 erfolgte eine Neugestaltung der Fassaden nach dem Geschmack der Zeit. Die Schlosskapelle entstand um 1854 nach Plänen von Daniel Ohlmüller.

Die herzoglich bayerische Familie verwendete das Schloss nach dem Ersten Weltkrieg immer weniger. Schließlich wurde es 1940 an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt verkauft, die es der Luftwaffe zur Sanitätsausbildung überließ. Danach wurde das Schloss unter anderem als Lazarett, Versorgungskrankenhaus und Fabrik für Fahrrad-Hilfsmotoren verwendet. Diese Nutzungen und nicht zuletzt ein Schafstall im Schloss führten zum fast kompletten Verlust der ursprünglichen Inneneinrichtung und Raumgestaltung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verkamen Schloss und Anlage zusehends.

1981 wurde die völlig heruntergekommene Schlossanlage Possenhofen von Franz Schilke erworben. Im sogenannten Hufeisentrakt befand sich eine schäbige Fertigungshalle, und das „Sisi-Schloss“ war zum Hühner-, Hasen- und Ziegenstall verkommen. Der damalige Landrat Rudolf Widmann empfahl, die ruinierten Gebäude abzureißen und ein modernes Hotel an dieser Stelle zu errichten. Bei zahlreichen Teilen des maroden Gebäudekomplexes bestand sogar Einsturzgefahr, das Mauerwerk war großflächig von Bauschwämmen und Pilzen befallen. Durch das Engagement von Schilke, gemeinsam mit weiteren als Bauherren auftretenden Investoren, wurde unter der Bauleitung der Münchner Architekten Erwin Schleich, Olivier Freiherr von Beaulieu-Marconnay und Alexander Krieger die Sanierung und Umwandlung in eine Eigentumswohnanlage durchgeführt, wobei auch der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Michael Petzet, einbezogen war.

Schlosskapelle

Die das Schloss beeinträchtigende Straßenführung wurde verlegt, dafür wurde das dortige Seeufer der Öffentlichkeit überlassen. Wo einst nur die herzogliche Familie baden durfte, ist seit 1985 eine zwei Hektar große Fläche vor der Schlossanlage für jedermann zugänglich. Das Schloss selbst ist allerdings nicht zu besichtigen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Schober: Schlösser im Fünfseenland. Bayerische Adelssitze rund um den Starnberger See. Oreos Verlag, 2005, ISBN 3-923657-83-8, S. 204–225.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Possenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.9587511.313055555556Koordinaten: 47° 57′ 31,5″ N, 11° 18′ 47″ O