Schloss Prösels

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Schloss Prösels

Das Schloss Prösels liegt bei Völs, östlich von Bozen in Südtirol. Das Schloss ist die Stammburg der Herren von Völs. Das erste Mal wird das Schloss 1279 in einer Urkunde als castrum presile genannt, doch war es wahrscheinlich schon um 1200 errichtet worden. Seine Blütezeit erlebte Schloss Prösels Anfang des 16. Jahrhunderts, als es Leonhard der Ältere von Völs zu einer prunktvollen, spätgotischen Schlossanlage ausbauen ließ. Nach dem Aussterben der Herren von Völs und etlichen Besitzerwechseln wurde das Schloss im Jahr 1978 vom Kuratorium Schloss Prösels GmbH erworben.[1] Heute finden auf dem Schlossgelände neben den traditionellen Schlossführungen auch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, wie z.B. Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Auf dem Weg von Blumau nach Völs am Schlern befindet sich auf der rechten Seite ein markanter Felskopf, auf dem sich das alte Schloss Prösels erhebt.[1] Es liegt in der Fraktion Prösels, welche zur Gemeinde Völs am Schlern zählt und zwischen den beiden größeren Gemeindefraktionen Völs und Völser Aicha liegt.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Anfänge[Bearbeiten]

Erstmals wird die mittelalterliche Burg (castrum presil) in einer Urkunde aus dem Jahre 1279 erwähnt. Erbaut wurde die Burg von den Herren von Völs, welche zunächst den Bischöfen von Brixen dienten. Zuerst wurde die Burg nach der dortigen Kapelle benannt, anschließend jedoch als Burg Prösels oder Burg Völs bezeichnet, da sie sich nicht weit vom Hauptdorf Völs befand. Nachdem der Machtbereich der Bischöfe von Brixen und Trient eingeschränkt wurde, erhielten die Herren von Völs als landesfürstliche Ministerialen die Burg.[1]

Leonhard der Ältere von Völs[Bearbeiten]

Leonhard der Ältere von Völs war der bedeutendste Burgherr. Er nahm in jungen Jahren am Krieg gegen Venedig (1508-1516) teil und bekleidete von 1498 bis zu seinem Tod im Jahre 1530 das Amt des Landeshauptmannes an der Etsch und Burggrafen zu Tirol. Leonhard wirkte vor allem als Gutsverwalter und war mit dem Habsburgerkaiser Maximillian I. eng befreundet.[1] Sein Leben war aber nicht nur durch seine administrativen Aufgaben gekennzeichnet, sondern fand auch in den Völser Hexenprozessen von 1506 und 1510 und dem Bauernaufstand von 1525 einen Höhepunkt. Leonhards größte Hinterlassenschaft stellt aber sicherlich das Schloss selbst dar, das er zum größten Teil erbauen ließ und bis heute fast gänzlich erhalten ist.[1]

Völser Hexenprozesse[Bearbeiten]

Vor 500 Jahren fanden auf Schloss Prösels tatsächlich Hexenprozesse statt, die für ungefähr 30 Personen mit dem Todesurteil durch Verbrennen endeten. Nicht nur Frauen wurden der Hexerei beschuldigt, auch zwei Männern kosteten die Prozesse das Leben. Den Schuldigen warf man vor, sich dem Teufel unterworfen zu haben. Die Anklageschriften bezichtigten die Angeklagten des Mordes an den eigenen Kindern, und beschuldigten sie, auf Besen durch die Luft geritten zu sein und an Teufelstänzen teilgenommen zu haben. Allerdings konnte bis heute nicht einwandfrei geklärt werden, an welcher Stelle die Hexenverbrennungen stattfanden.[4]

Zum Gedenken an den ersten Hexenprozess im südlichen Teil Tirols haben die Gemeinden Völs und Kastelruth 2006 eine Skulptur mit Gedenktafel auf Schloss Prösels angebracht. Am 18. August 2006 wurde das historische Drama Anna Jobstin im Burghof von Schloss Prösels uraufgeführt. Anna Jobstin war die erste Angeklagte in der Hexenverfolgung von 1506.

Kuratorium Schloss Prösels[Bearbeiten]

1978 erwarb das so genannte Kuratorium Schloss Prösels die Burg.[5] Dieses Konsortium aus Privatpersonen und den Gemeinden des Schlerngebietes (Kastelruth, Völs) sowie der Gemeinde Tiers ist bis heute der Schlossbesitzer. Zunächst wurde die Restaurierung des Schlosses in Angriff genommen und seit dem Jahre 1982 wird die Burg als Austragungsort von verschiedenen kulturellen Veranstaltungen und Führungen genutzt.[6]

Sehenswertes[Bearbeiten]

Kapelle[Bearbeiten]

Ebenso von Leonhard erbaut wurde die Kapelle auf Schloss Prösels, welche der Heiligen Anna geweiht ist. Durch die Form des Portals und des Netzrippengewölbes erkennt man deutlich, dass die Kapelle aus dem 3. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts stammt. Besonders bemerkenswert am Gebäude ist ohne Zweifel die handwerklich herausragende Ausführung der baulichen Details.[5]

Waffensammlung[Bearbeiten]

Die Waffensammlung des Franz Anton von Kofler kam nach der Restaurierung des Schlosses als Leihgabe der Südtiroler Landesregierung auf die Burg. Die meisten der ausgestellten Objekte stammen aus dem 19. Jahrhundert und stammen unter anderem von den Schlachtfeldern in Solferino und Custoza (Italienische Unabhängigkeitskriege). Aber auch Stücke aus der Zeit Leonhards sind im Waffensaal zu finden. Besonders kurios ist die Rüstung eines Samuraikämpfers aus dem fernen Orient.[5]

Ausstellungsgalerie[Bearbeiten]

Im so genannten „Tischlerhaus“ auf Schloss Prösels finden seit dem Jahre 1982 in den Sommermonaten immer wieder Kunstausstellungen verschiedener Maler und Bildhauer statt. Jeder Künstler, der im Schloss seitdem zu Gast war, hinterließ jeweils ein Werk seiner Ausstellung. Somit bildete sich im Laufe der Jahre eine umfangreiche Bilder- und Skulpturensammlung, die im Rahmen der Schlossführungen besichtigt werden kann. In den Räumlichkeiten der Burg sind auch Kunstwerke der bekannten Künstlerin Lotte Copì zu finden. Außerdem sind im ehemaligen Wohntrakt der Herren von Völs die 98 verbliebenen Werke der berühmten Batzenhäusl-Sammlung aus Bozen zur Besichtigung ausgestellt.[5]

Kulturelle Darbietungen[Bearbeiten]

Im Sommer werden im Schloss täglich Führungen angeboten. Aber auch viele weitere kulturelle Veranstaltungen finden in dem historischen Gemäuer statt. Von Musik über Kunst bis hin zum Theater ist für jedermann etwas dabei. Zusätzlich kann das Schloss für private Veranstaltungen, wie z. B. Hochzeiten oder sonstige Feiern, für einen Tag angemietet werden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Helmut Stampfer: Schloss Prösels: Bollwerk aus der Zeit Maximilians I. (= Burgen. 8). Schnell und Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2333-9.
  • Hanns-Paul Ties: Die Freiherren von Völs und die Antike. Bildprogramme der Renaissance in den Burgen Prösels und Haselburg (Südtirol), in: Stefanie Lieb (Hg.): Burgen im Alpenraum, Forschungen zu Burgen und Schlössern, Bd. 14, Petersberg 2012, S. 171-184

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Prösels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e  Helmut Stampfer: Schloss Prösels, Völs am Schlern. 3 Auflage. Völs am Schlern 1998.
  2. Schloss Prösels. Das Schloss, das einst Oswald von Wolkenstein besaß. In: Urlaubsportal seiser-alm.it. Abgerufen am 28. Mai 2012.
  3.  Graziadei Helga: Die schönsten Burgen und Schlösser in Südtirol. d. Südwest-Verlag, Lana 1998.
  4.  Elmar Perkmann: Die Völser Hexenprozesse 1506 und 1510. Gemeinde Völs am Schlern, 2006.
  5. a b c d e Kuratorium Schloss Prösels, Informationsbroschüre "Schloss/Castel Prösels".
  6. Schloss Prösels. In: Ferienportal suedtirol-it.com. Abgerufen am 28. Mai 2012.

46.50545211.495696Koordinaten: 46° 30′ 20″ N, 11° 29′ 45″ O