Schloss Vincennes

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Der Donjon des Schlosses von Nordosten

Das Schloss Vincennes in der am südöstlichen Rand von Paris gelegenen Stadt Vincennes ist neben dem Louvre eines der bedeutendsten Schlösser in der Geschichte Frankreichs. Sein Wohnturm (Donjon) ist mit 50 Meter Höhe einer der höchsten Frankreichs.

Die Anlage[Bearbeiten]

Der eigentliche Schlossbezirk ist eine rechteckige Anlage, die von einer 1.200  Meter langen Mauer mit neun ursprünglich etwa 40 Meter hohen Türmen und einem 27 Meter breiten Wassergraben umgeben ist. An der westlichen Längsseite wird die Mauer von dem wehrhaften Wohnturm unterbrochen. Er hat einen quadratischen Grundriss von 16,20 Meter und ist sechs Stockwerke hoch. Die Dicke seiner Mauern beträgt etwa 3,30 Meter. Die eigentlichen Schlossgebäude sind der sogenannten Pavillon des Königs und der Pavillon der Königin, die sich im südlichen Hof gegenüberstehen und deren Außenseiten mit der Umfassungsmauer bündig sind. In der Mitte der Anlage steht die Sainte-Chapelle genannte Schlosskapelle, die zwischen 1380 und 1552 errichtet wurde und große Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Kirchenbau auf der Île de la Cité von Paris aufweist.

Seit 1988 werden umfangreiche Renovierungsarbeiten durch das Kultur- und Verteidigungsministerium vorgenommen. Die Schlosskapelle und der Donjon wurden bereits aufwändig restauriert. Für die Restaurierungen und die gesamten Innen- und Außenarbeiten im und am Schloss wendete der französische Staat zwischen 1990 und 2006 über 43 Millionen Euro auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf einen der sog. Pavillons
Blick auf die Kapelle

Der Wald von Vincennes war ein beliebtes Jagdgebiet Ludwigs VII. Gegen 1150 errichtete er mitten im Wald einen Jagdpavillon. Im 13. Jahrhundert ließen Ludwig IX. (der Heilige) und Philipp II. August einen königlichen Herrschaftssitz errichten, das Château du Bois-de-Vincennes, das im 18. Jahrhundert zerstört wurde. In diesem Waldschlösschen starben Ludwig X. und Karl IV. (1328), der letzte Kapetinger-König.

Karls Nachfolger Philippe VI., der erste Valois, plante ab 1337 die Errichtung eines Donjons im westlichen Teil des Anwesens, dessen Bau während des Hundertjährigen Krieges unter Johann II. dem Guten und seinem ältesten Sohn, Karl V. vorangetrieben wurde und erst 1373 vollendet war. In unsicheren Zeiten diente diese massive, befestigte Anlage dem König als Residenzschloss.

Im 17. Jahrhundert fügte Louis Le Vau, Architekt des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., zwei Flügel hinzu, den Pavillon des Königs und den Pavillon der Königin. Das Schloss wurde so zum dritten königlichen Wohnsitz. Als Vincennes vom königlichen Hof aufgegeben wurde, diente es als Staatsgefängnis, in dem unter anderem der Marquis de Sade, der Graf Mirabeau und Diderot gefangen gesetzt wurden.

Im Jahr 1739 wurde eine Porzellanmanufaktur im Schloss gegründet, die 1756 nach Sèvres übersiedelte. Unter diesem Namen sind die neben dem Meißner kostbarsten Porzellane des 18. Jahrhunderts auch heute noch bekannt.

1804 wurde Louis Antoine Henri de Condé, Herzog von Enghien, auf Befehl Napoléon Bonapartes, wegen angeblicher Verschwörung im Wassergraben des Schlosses durch ein Erschießungskommando hingerichtet, nachdem er zuvor als Sympathisant der Bourbonen aus seinem damaligen Wohnsitz, dem badischen Ettenheim, entführt worden war. Am 15. Oktober 1917 wurde auch Mata Hari als angebliche deutsche Spionin standrechtlich im Festungsgraben erschossen.

Der Park wurde im 19. Jahrhundert im Stil englischer Landschaftsgärten gestaltet. Napoleon III. übergab ihn mit einer Ausdehnung von fast 10 Quadratkilometern 1860 als öffentliche Einrichtung an Paris.

1940 diente das Schloss dem französischen Generalstab bei der erfolglosen Verteidigung des Landes gegen die deutsche Invasion als Hauptquartier. Anschließend war es von deutschen Truppen besetzt, die es am 20. August 1944 wieder räumen mussten, nicht ohne einige Schäden zu hinterlassen.

Heute sind im Schloss verschiedene Dienststellen des Verteidigungsministeriums (Militärarchiv und Militärgeschichtliche Forschung) sowie des Ministeriums für Kultur und Kommunikation (Zentrum für nationale Denkmäler) untergebracht.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Am Schloss Vincennes liegt die östliche Endstation der Métro-Linie 1 des Pariser U-Bahn-Systems. Nicht weit davon befindet sich die Station Vincennes des Pariser Schnellbahnstrecke RER A.

Literatur[Bearbeiten]

  • Luce Gaume: Le château de Vincennes. Un histoire militaire. Chaudun, Paris 2008, ISBN 978-2-35039059-8.
  • Ulrike Heinrichs: Vincennes und die höfische Kultur. Die Bildhauerkunst in Paris 1360–1420. Reimer, Berlin 1997, ISBN 3-496-01154-8 (zugl. Dissertation, Freiburg/B. 1997).
  • Martial Pradel de Lamase: Le château de Vincennes. Calmann-Lévy, Paris 1932.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Vincennes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8427777777782.4358333333333Koordinaten: 48° 50′ 34″ N, 2° 26′ 9″ O