Schloss Wernigerode

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Schloss Wernigerode
Schloss Wernigerode

Schloss Wernigerode

Entstehungszeit: 12. bis 13. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten, zum Schloss umgebaut
Ständische Stellung: Adel
Ort: Wernigerode
Geographische Lage 51° 49′ 49,9″ N, 10° 47′ 42″ O51.8305310.79499Koordinaten: 51° 49′ 49,9″ N, 10° 47′ 42″ O
Schloss Wernigerode (Sachsen-Anhalt)
Schloss Wernigerode

Das Schloss Wernigerode im sachsen-anhaltischen Wernigerode erhielt seine jetzige Gestalt im ausgehenden 19. Jahrhundert und wurde zu einem Leitbau des norddeutschen Historismus. Es beherbergt heute ein vielbesuchtes Museum und eine Außenstelle der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Wernigerode um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Wernigerode - Stadt und Schloss, ca. 1820

Die erste urkundliche Erwähnung eines Grafen von Wernigerode im Jahre 1121 ist gleichzeitig die Ersterwähnung der Rodungssiedlung Wernigerode, deren Anfänge jedoch etwa ein Jahrhundert früher zu datieren sind. Die Burg Wernigerode wird erstmals im Jahre 1213 als castrum erwähnt, was ihren geschichtlichen Ursprung offenlässt.

Die Grafen von Wernigerode hatten ihre Herrschafts- und Besitzrechte in einem Bereich, der durch eine Vielzahl von anderen kleinen Territorialgewalten geprägt war. Unmittelbar benachbart waren die Grafen von Blankenburg und von Regenstein, mit denen es häufig Auseinandersetzungen gab.

Auf einer Anhöhe rund 100 Meter oberhalb der verkehrsgünstig gelegenen Rodungssiedlung Wernigerode ließ Graf Adalbert oder dessen unmittelbare Nachkommen, die neben den Grafschaftsrechten auch die Verwaltung des Reichsforstes am Nordostharz innehatten, eine Burg errichten, die sie zu ihrem dauerhaften Herrschaftssitz wählten. Zu ihren Füßen kreuzten sich zwei Handels- und Heerstraßen, was einer der Hauptgründe war, warum sich im Schutz der Burg zahlreiche Handwerker und Händler in Wernigerode niederließen. Der rasch anwachsenden Siedlung verliehen die Grafen von Wernigerode am 17. April 1229 das Stadtrecht nach dem Vorbild des benachbarten Goslar. Das weitgehend in sich abgeschlossene Territorium der Grafschaft Wernigerode, wie es über viele Jahrhunderte bestand, bildete sich hingegen erst 1343 heraus. Damals wurden die in einem verheerenden Nachbarschaftskrieg unterlegenen Grafen von Regenstein gezwungen, große Teile ihres Gebietes an die Grafen von Wernigerode abzutreten.

Als die Grafen von Wernigerode 1429 in männlicher Linie ausstarben, übernahmen die verwandten Grafen zu Stolberg die Grafschaft Wernigerode und damit auch die Burg. Während der neu erworbene Besitz zunächst an Graf Heinrich von Schwarzburg verpfändet wurde, ließen sich im 16. Jahrhundert hier mehrere Vertreter der Grafen zu Stolberg nieder. Im ausgehenden Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Wernigerode jedoch nach Auseinandersetzungen mit Vertretern der Stadt Wernigerode als Herrschaftssitz aufgegeben und die stolbergische Residenz nach Ilsenburg verlegt. Erst der junge Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, dem die Herrschaft 1710 durch Erbfolge zugefallen war, verlegte seinen Hofhaltungssitz wieder nach Wernigerode zurück und ließ die Burg zu einem Barockschloss umbauen. Einer seiner Nachfolger, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, finanzierte den aufwendigen Umbau zu einem Repräsentationsschloss des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wie es noch heute in großen Teilen erhalten ist. Der Innenhof des Schlosses erhielt seine malerische Gestaltung. Dabei entstand auch die 1880 nach Plänen des Wiener Architekten Friedrich von Schmidt vollendete Schlosskirche. Die Kerbschnitzereien in den Brüstungsfeldern des Neorenaissancefachwerks am von 1878 bis 1881 errichteten Saalbau und am Holzhaus schuf der Wernigeröder Holzbildhauer Gustav Kuntzsch.

1929 wurde das Schloss als ständiger Wohnsitz der Familie Fürst zu Stolberg-Wernigerode aufgegeben. Teile der Außenanlagen und inneren Räumlichkeiten konnten von April 1930 bis Ende Dezember 1943 im Rahmen von Führungen gegen Entgelt öffentlich besichtigt werden. Jährlich besuchten damals über 40.000 Personen das Schloss. Ab 1944 wurde der größte Teil des Schlosses von der Rüstungskontor GmbH für Wohnzwecke genutzt. Botho Fürst zu Stolberg-Wernigerode als Eigentümer des Schlosses wurde 1945 durch die sogenannte Bodenreform enteignet.

Mitte Dezember 1946 kam es zu einer unkontrollierten Vernichtungsaktion aller historischen Waffen und Rüstungen sowie der Gemälde von Personen in Uniformen oder mit militärischen Ehrenzeichen durch sowjetische Militärangehörige.

Die im Schloss befindliche Außenstelle der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt wird von Konrad Breitenborn geleitet.

Museum[Bearbeiten]

Im Schloss entstand nach Übergabe an die Stadt Wernigerode 1946 ein nach Propagandazwecken ausgerichtetes "Feudalmuseum".[1] Von 1990 an firmierte das Schloss zunächst als "Schloßmuseum" und dient seit 1998 als erstes deutsches museales Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. In annähernd 50 Räumen werden original eingerichtete Wohnräume des deutschen Adels vor 1918, sowie thematische Räume zur Geschichte der Familie Stolberg-Wernigerode und zum zweiten deutschen Kaiserreich gezeigt. Zusätzliche Schwerpunkte sind außerdem Kunsthandwerk und Möbel vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.[2]

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Wernigerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Entwertete Aktien - Adel im Untergang" Der Spiegel vom 26. Mai 1949
  2. Website Museen Sachsen-Anhalts - Schloss Werningerode