Schloss Zellhof

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Schloss Zellhof um 1674, Stich von Georg Matthäus Vischer

Schloss Zellhof liegt außerhalb des Marktes Bad Zell in der Streusiedlung Zellhof (Katastralgemeinde Brawinkl). Der Name Zellhof kommt wahrscheinlich, wie beim Markt Bad Zell, von einer „Celle“, die für durchreisende Geistliche errichtet wurde. Dieser Hof bei der Celle entwickelte sich somit zum Zellhof und später zum Adelssitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Schloss war jahrhundertelang mit der Burg Prandegg aufs engste verbunden (Durch Grenzverschiebungen 1784 gehört jene heute nicht mehr zu Bad Zell, sondern zum Gemeindegebiet von Schönau im Mühlkreis).

Jörger von Prandegg-Zellhof[Bearbeiten]

Das Schloss im ausgehenden 19. Jahrhundert (vgl. Bilder unten - viele Teile wurden abgerissen)

Zellhof wird – im Besitz der Zellhofer – urkundlich 1347 genannt. Es folgten häufige Besitzerwechsel und Ausbauten zu einem Edelsitz. In den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts gelangten die Jörger von Tollet in den Besitz der benachbarten Herrschaft Prandegg. Hilleprant Jörger kaufte 1536 von Regensburg den Markt Zell (Bad Zell), samt der hohen Gerichtsbarkeit und der Vogtei über die Pfarre Zell ab. Damit war der Jörger aber noch nicht zufrieden, bzw. suchte er danach, diesen Besitz abzurunden. Er erwarb viele andere Höfe und Zehente in der Gegend von Zell und Gutau dazu. Hilleprant Jörger gelangte damit zu einem ansehnlichen Besitz, den seine Erben und Nachkommen vergrößerten. 1596 wurde der Freisitz Habichrigl (Gemeinde Bad Zell) samt den dazugehörenden Höfen erworben. Schließlich wurde 1607 auch das Schloss Zellhof und nach 1630 das Schloss Aich gekauft. Die Jörger wohnten meist auf Prandegg, benützten aber Schloss Zellhof als quasi Zweitwohnsitz oder als Wohnung für Besuche. Die beiden Herrschaften Prandegg und Zellhof wurden vereint, woraus ein großes Einflussgebiet der Jörger entstand. Ferdinand Jörger ließ 1618-1622 den großen Trakt mit der großen Freitreppe, in dem sich die Prunkgemächer befanden, und dann auch noch den anstoßenden zweistöckigen Trakt neu erbauen.

Freiherr Hans Maximilian Jörger[1] führte mit seiner Familie ein standesgemäßes Leben. Er hatte auf Prandegg einen Kammerdiener und drei Lakaien, die gnädige Frau eine Verwalterin und ein Zimmermädchen. Auf Prandegg gab es weiterhin Gärtner, Bäcker, Schneider, Jäger, Binder, Reitknechte, Vorreiter, Kutscher, Köche, einen Torwart und zwei Turmwächter. Für die Wirtschaft waren ein Meier, ein Knecht und eine Dirn angestellt. Wohnte die Herrschaft vorübergehend in Schloss Zellhof, nahm man das nötige Personal einfach mit. Auf die Tafel der Herren von Prandegg und Zellhof kam neben gewöhnlicher Kost auch Wild, Hasen und Fisch. Heringe und Gewürze kaufte man in Zell, Linz oder Wien. Auch Zitronen und Tomaten kamen in die Küchen von Prandegg und Zellhof. Die Kleidung war ebenfalls standesgemäß: Der Freiherr besaß neben einfachen Kleidern auch seidene goldbestickte Westen, Pariser Strümpfe und Schuhe aus Wien. Die Dienerschaft, vom Lakaien bis zum Vorreiter, trug Livree. Häufig unternahm man Reisen, sowohl der Freiherr, wie auch die gnädige Frau. Besonders gerne besuchte man größere Märkte, wie in Linz, wo man neben dem Hausbedarf auch Luxuswaren einkaufte (Majolika- Geschirr, Spielwaren, etc.).

Spielberger, Starhemberger, Salburger ab 1631[Bearbeiten]

Südflügel mit ehem. Schlosskapelle (ganz rechts)

Als bekennende Protestanten mussten die Jörger schließlich 1631 ihren gesamten Besitz (Prandegg, den Markt Zell, Schloss Zellhof, Pranthof/Gemeinde Gutau, Schloss Habichrigl, Schloss Aich und alle anderen Höfe und Zehente) an Gotthard von Scherffenberg, Herr auf Spielberg verkaufen. Dieser verstarb aber relativ bald darauf und seine Witwe heiratete 1636 Hans Reichard von Starhemberg. Die Scherffenberger und auch die Starhemberger hielten sich aber schon lieber auf Schloss Zellhof auf als in Prandegg auf. Deshalb wurde auch der Amtssitz des Pflegers schließlich nach Zellhof verlegt. Auch die Bezeichnung Herrschaft Prandegg wurde langsam umgewandelt in Herrschaft Zellhof. Nur das Landgericht Prandegg behielt seinen Namen, auch wenn dessen Sitz auf Zellhof war, und hieß zuletzt Landgericht Prandegg-Zellhof. Hans Reichard von Starhemberg - ihm war die Gegend zu rau, wie er selbst sagte - verkaufte aber bereits 1642 den gesamten Besitz an die Salburger, die die größte Ausdehnung der Herrschaft erreichten. Die Burg Prandegg verfiel indes immer mehr. Lediglich die Brauerei und die Hoftaverne wurden durch die Salburger weitergeführt, aber dann auch aufgelassen.

Am Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss gänzlich umgebaut. Die alte Schlosskapelle St. Jakob wurde abgerissen, dafür errichtete man eine neue Kapelle und verband diese durch eine ziemlich lange Galerie mit Dachreiter mit dem Hauptstock des Schlosses. An den anderen Gebäudeteilen wurden ebenfalls Veränderungen vorgenommen Das Schloss zeigte sich im 19. Jahrhundert als reizvolle, aber unregelmäßige, vierseitige Anlage um einen weiten Innenhof. Der Südflügel war der Wirtschaftstrakt, ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach, an den im Osten die Kapelle anschließt (bis heute erhalten).

Verfall nach 1806 und heutige Nutzung[Bearbeiten]

Schloss Zellhof 2006

1806 starb die Zellhofer Linie der Salburger aus. Der Besitz ging an die Grafen Dietrichstein über, die wiederum Zellhof und Prandegg 1823 an die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha auf Greinburg weiterverkauften.

Nach der Aufhebung der Grundherrschaften 1848 kam es zum langsamen Verfall des Schlosses und schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum teilweisen Abriss der Gebäude (Palas, Turm, etc.). Die Besitzer, die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha, übergaben das Schloss der Gemeinde Bad Zell, die es wiederum den Inwohnern zum Nutzen übergab.

Heute sind nur mehr Teile der einst so schönen Anlage erhalten. Die ehemalige barocke Jakobskapelle ist heute eine unansehnliche, ruinöse Rumpelkammer. Äußerlich zwar noch als Kapelle identifizierbar (oktogonaler Grundriss), ist im Inneren das Gewölbe demoliert und die Einrichtung verschwunden. Lediglich einzelne Malereien deuten auf die einstige Verwendung als Schlosskapelle hin.

Die ehemalige Schlosstaverne unweit des Schlosses wird heute nach wie vor als Gaststätte benutzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesdenkmalamt Österreich (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Oberösterreich Mühlviertel. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 978-3-85028-362-5.
  • Lambert Stelzmüller, Alois Schmid: Heimatbuch der Marktgemeinde Bad Zell. Linz 1985.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Zellhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einblicke in das Leben einer adeligen Familie des 17. Jahrhunderts. Quelle: Zellhofer Archiv.

48.34194444444414.700555555556Koordinaten: 48° 20′ 31″ N, 14° 42′ 2″ O