Schloss Friedrichshof

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Schloss Friedrichshof, Eingangsseite
Haupteingang zum Schlosspark
Einer der Gänge im Schloss
Der Chef des Hauses Hessen Moritz Landgraf von Hessen (1926-2013) vor dem Schloss

Schloss Friedrichshof ist eine ehemalige kaiserliche Residenz in Kronberg im Taunus. Seit 1954 befindet sich dort das Schlosshotel Kronberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Friedrichshof wurde von 1889 bis 1893/94 als Witwensitz in Kronberg im Taunus für die ehemalige deutsche Kaiserin Victoria (Kaiserin Friedrich) im neugotischen Tudorstil errichtet, die es zu Ehren ihres verstorbenen Gemahls Friedrich III. „Friedrichshof“ nannte.

Die Kaiserin erwarb am 28. September 1888 das ca. 100 Morgen große Gelände einschließlich der erst 12 Jahre zuvor fertiggestellten „Villa Schönbusch“ von den Erben des 1887 verstorbenen Frankfurter Bankiers, Teehändlers und Ehrenbürgers der Stadt Kronberg Jacques Reiss und erweiterte es durch einige Zukäufe. Sie finanzierte es großteils aus einem Vermächtnis von fünf Millionen französischen Francs, die ihr die bedeutende Genueser und Pariser Mäzenin Maria Brignole Sale De Ferrari, Herzogin von Galliera, 1888 hinterlassen hatte. Die Bauplanung übernahm der spätere „Wirkliche Geheime Oberhofbaurat“ und Architekt Ernst von Ihne, der in dem von 1889-1893 errichteten Witwensitz „Elemente der deutschen und italienischen Renaissance mit denen der englischen Tudor-Gotik sowie mit hessisch-fränkischem Fachwerk“[1] verband. Trotz der Mischung der Stilrichtungen und benutzten Materialien vermittelt der Bau den Eindruck eines großen englischen Landsitzes. Typisch für diesen Baustil sind u.a. die großen Repräsentations- und Gesellschaftsräume sowie die strikte Trennung von Herrschafts- und Wirtschaftsflügel. Innerhalb des Parkbereiches liegen außerdem die „Cottage“ (Wohnhaus des Hofmarschalls) und der großzügig angelegte Marstall. Weitere Wirtschaftsgebäude (Gärtnerei, Meierei, Verwaltung) liegen außerhalb des Parks (im heutigen Stadtteil Schönberg).

Die Kaiserin wirkte maßgeblich an der Gestaltung des Denkmals für ihren verstorbenen Gatten im benachbarten Stadtpark mit.[2] Sie konnte die Einweihung des Denkmals im Jahre 1902, an der auch Kaiser Wilhelm II. teilnahm, nicht mehr erleben, sie verstarb 1901 an einem Krebsleiden. Das Schloss mit dem gesamten Inventar, den verschiedenen Kunstsammlungen und ihrem schriftlichen Nachlass hinterließ die Kaiserin ihrer jüngsten Tochter, der Landgräfin Margarethe von Hessen mit der Auflage, Schloss Friedrichshof und die Parkanlagen unverändert zu lassen. 1928 ging Schloss Friedrichshof in die Kurhessische Hausstiftung ein, um der Verstaatlichung fürstlichen Eigentums zu entgehen.

Nach der Besetzung Kronbergs am 29. März 1945 wurde das Schloss von der US-Armee beschlagnahmt und zunächst als Truppenunterkunft, später als Offiziersklub und zeitweilig als Residenz des US-amerikanischen Oberkommandierenden in Europa, General Dwight D. Eisenhower genutzt. Die hessischen Kronjuwelen im Wert von mehreren Millionen Dollar waren von der Familie in einem Seitenkeller vergraben worden. Nach dem Krieg entdeckte sie die Club-Managerin Kathleen Nash. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann, dem US-amerikanischen Colonel Jack W. Durant, stahl sie die Juwelen im November 1945. Sie wurden in Einzelteile zerlegt und anschließend in der Schweiz verkauft. Nach langen und schwierigen Verhandlungen (in deren Verlauf ein US-amerikanisches Gericht die Klage des Prinzen von Hessen auf Herausgabe der Juwelen nicht zuließ, da er als „feindlicher Ausländer“ in den USA nicht prozessfähig sei) erhielt das Haus Hessen die verbliebenen Juwelen zurück, von denen ein Teil bis heute verschollen ist. Durant wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Während der US-amerikanischen Besetzung des Schlosses arbeitete Hans Günter Winkler dort als Stalljunge und als Reitlehrer.

1953 gelangte Schloss Friedrichshof wieder in den Besitz der Hessischen Hausstiftung.

Nach notwendigen Umbauten und durch die US-amerikanische Besatzung notwendig gewordenen Renovierungen wurde 1954 Schloss Friedrichshof als „Schlosshotel Kronberg“ eröffnet. Es wird vom Haus Hessen betrieben und gehört mittlerweile zu den „Small Luxury Hotels of the World“.[3] und wird als 5-Sterne-Haus kategorisiert. In den Räumen des Hotels befinden sich noch große Teile des ursprünglichen Mobiliars sowie Kunstwerke aus der Sammlung von Kaiserin Friedrich. Auch ihre umfangreiche Bibliothek ist weitgehend erhalten.

Am 8. März 1967 wurden das Obergeschoss sowie der Dachstuhl durch einen Großbrand zerstört und nach umfangreichen Veränderungen (Anpassung der Räume an den Hotelbetrieb) neu aufgebaut.

In Teilen des Schlossparks und in angrenzendem Gelände jenseits der Hainstraße befindet sich der 18-Loch-Golfplatz des „Golf- und Landclub Kronberg e.V.“. Hier und im Hotel fanden und finden abseits des Hauptstadtrummels (ob Bonn oder Berlin) auch bedeutende Gipfeltreffen statt.[4] [5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Claudia Schneider: „Schloß Friedrichshof“ Magisterarbeit, Frankfurt 1983
  2. Als Geburtsjahr der Parkidee für den Stadtpark kann das Jahr 1896 angesehen werden, in dem in der Kronberger Bürgerschaft der Wunsch entstand, „in der Nähe des Schlosses Friedrichshof zur Erinnerung an unseren hochseligen Kaiser Friedrich, unter Umgestaltung des zwischen dem Schlosse und dem Bahnhof gelegenen [...] Wiesengrundes zu einer öffentlichen Anlage, ein würdiges Denkmal zu errichten.“ (aus dem Protokoll einer Bürgerversammlung vom 15. November 1896 nach Wilhelm Jung, 1976), zitiert nach Andrea Sliwka
  3. Schlosshotel Kronberg, Eintrag auf „Small Luxury Hotels of the World“'
  4. „Erst als Gromyko am 30. Oktober 1970 am 14. Loch auf dem Golfplatz des Schlosshotels in Kronberg zu Scheel [...] ,ja’ gesagt hatte und das Viermächteabkommen [über Berlin] in trockenen Tüchern war, konnten die Ratifizierungsverfahren für den Moskauer und Warschauer Vertrag eingeleitet werden.“ (Daniel Koerfer in der FAZ vom 26. Juli 2013)
  5. G5-Finanzminister-Treffen 8.–9. Dezember 1982

Literatur[Bearbeiten]

  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990 ISBN 3-89214-017-0, S. 222–224.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlosshotel Kronberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.1888888888898.51Koordinaten: 50° 11′ 20″ N, 8° 30′ 36″ O