Schlossrued
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Schlossrued | |
|---|---|
|
|
|
| Basisdaten | |
| Kanton: | Aargau |
| Bezirk: | Kulm |
| BFS-Nr.: | 4142 |
| PLZ: | 5044 |
| Koordinaten: | (649397 / 238069)47.2916598.091665499Koordinaten: 47° 17′ 30″ N, 8° 5′ 30″ O; CH1903: (649397 / 238069) |
| Höhe: | 499 m ü. M. |
| Fläche: | 7.25 km² |
| Einwohner: | 874 (31. Dezember 2008)[1] |
| Website: | www.schlossrued.ch |
| Karte | |
Schlossrued ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Ruedertal.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Die Gemeinde liegt im unteren Teil des Ruedertals, das von der Ruederche durchflossen wird und auf beiden Seiten von Hügelketten begrenzt wird. Der Talboden ist im oberen Teil nur knapp 50 Meter breit, weitet sich aber im unteren Teil auf eine Breite von rund 250 Metern. Die nordöstliche Seite des Tales ist stark zergliedert und besteht aus zahlreichen kurzen Seitentälern mit den dazwischen liegenden Ausläufern des Galgenmoos (654 m ü. M.) und des Sämlen (643 m ü. M.); diese bilden die Grenze zum Wynental. Die südwestliche Talseite ist gleichmässiger geformt und steigt zur Burg (649 m ü. M.) und zum Rand der Rötler-Hochebene an; diese grenzen das Ruedertal vom Suhrental ab. Ein Kilometer südöstlich der Hauptsiedlung Schlossrued liegt das Dorf Kirchrued, wo die einzige Kirche des gesamten Tales steht. Daneben sind über das ganze Gemeindegebiet zahlreiche Einzelhöfe verstreut.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 725 Hektaren, davon sind 242 Hektaren bewaldet und 47 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 680 Metern am Rand der Rötler-Hochebene, die tiefste Stelle liegt auf 475 Metern an der Ruederche.
Nachbargemeinden sind Schöftland im Nordwesten, Unterkulm im Norden, Oberkulm im Osten, Schmiedrued im Südosten, Kirchleerau im Süden und Staffelbach im Westen.
[Bearbeiten] Geschichte
Die Besiedlung des Ruedertales erfolgte im 5. und 6. Jahrhundert durch die Alamannen, die den dichten Urwald rodeten. 1160 wurden in der «Acta Murensia» des Klosters Muri erstmals die «Herren von Ruoda» erwähnt. Diese waren ein Ministerialengeschlecht der Grafen von Kyburg, ab 1264 der Habsburger. Sie gaben ihre Stammburg Alt-Rued wahrscheinlich während des 11. oder 12. Jahrhunderts auf und zogen auf die andere Talseite in das Schloss Rued. Die Eidgenossen zerstörten die Burg Alt-Rued während des Sempacherkriegs im Jahr 1386.
1415 wurde der Aargau von den Eidgenossen erobert; Schlossrued gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter aus der näheren Umgebung. Schliesslich wurde die Herrschaft Rued, die neben dem Ruedertal auch die Dörfer Kirchleerau und Moosleerau umfasste, von den aus Italien stammenden Herren von May erworben, die bis 1861 im Schloss residierten. Die Reformation wurde 1528 eingeführt.
Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehört Schlossrued zum Kanton Aargau. Erst 1834 verkauften die von May ihre letzten übrig gebliebenen Rechte an den Kanton. 1816 wurde das Ruedertal in die Gemeinden Schlossrued und Schmiedrued aufgeteilt. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägte die Landwirtschaft das Leben der Gemeinde.
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
Das Schloss Rued befindet sich auf einem Felsvorsprung nördlich des Dorfes Schlossrued. Die aus dem Mittelalter stammende Burg wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach einem Grossbrand vollständig neu aufgebaut und in ein Wohnschloss umgewandelt.
Die ältesten Teile der Kirche von Kirchrued stammen aus dem 13. Jahrhundert, um 1500 wurde an den rechteckigen Bau ein Chor angefügt. Von aussen her erscheint das Gebäude wie eine grosse Kapelle.[2]
[Bearbeiten] Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg weisser, rot bedachter Turm mit schwarzem Tor, überhöht von zwei gekreuzten weissen Rudern und sechsstrahligem weissem Stern.» Die ungeteilte Gemeinde Ruedertal hatte bis 1816 das erstmals 1279 bezeugte Wappen der Herren von Rued geführt, ein Ruder gekreuzt von einem Schifferstachel. Auf dem Gemeindesiegel von 1872 waren die verschiedenen Symbole unübersichtlich angeordnet. 1953 wurden diese neu geordnet, nachdem der Gemeinderat sich geweigert hatte, ein oder zwei Symbole zu streichen.[3]
[Bearbeiten] Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung:[4]
| Jahr | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 |
| Einwohner | 719 | 886 | 848 | 805 | 749 | 833 | 867 | 903 |
Am 31. Dezember 2007 lebten 877 Menschen in Schlossrued, der Ausländeranteil betrug 5,9 %.[5] Bei der Volkszählung 2000 waren 73,2 % reformiert, 13,6 % römisch-katholisch und 2,0 % moslemisch; 0,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 96,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 0,9 % Serbokroatisch.[6]
[Bearbeiten] Politik und Recht
Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2006-2009 ist Martin Goldenberger.
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Schlossrued gehört zum Friedensrichterkreis Schöftland.
[Bearbeiten] Wirtschaft
In Schlossrued gibt es rund 300 Arbeitsplätze, davon 45 % in der Landwirtschaft, 29 % in der Industrie und 26 % im Dienstleistungsbereich.[7] Neben der Landwirtschaft ist vor allem die Metall- und Holzverarbeitung vorherrschend. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Schöftland oder in der Region Aarau.
[Bearbeiten] Verkehr
Schlossrued liegt abseits der Hauptverkehrsachsen, ist aber durch Nebenstrassen mit dem Suhrental und dem Wynental verbunden. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die Postautolinie, die zwischen Schöftland und Schmiedrued (Ortsteil Schiltwald) verkehrt.
[Bearbeiten] Bildung
Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule werden gemeinsam mit der Nachbargemeinde Schmiedrued geführt, während die Bezirksschule in Schöftland besucht werden kann. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2008 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
- ↑ Michael Stettler: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau - Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
- ↑ Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
- ↑ Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Kulm - Statistisches Amt des Kantons Aargau
- ↑ Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
- ↑ Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
- ↑ Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
[Bearbeiten] Weblinks
Beinwil am See | Birrwil | Burg | Dürrenäsch | Gontenschwil | Holziken | Leimbach | Leutwil | Menziken | Oberkulm | Reinach | Schlossrued | Schmiedrued | Schöftland | Teufenthal | Unterkulm | Zetzwil
Kanton Aargau | Bezirke des Kantons Aargau | Gemeinden des Kantons Aargau

