Schlotheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Schlotheim in Thüringen. Für weitere Bedeutungen siehe Schlotheim (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schlotheim
Schlotheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schlotheim hervorgehoben
51.24694444444410.656388888889243Koordinaten: 51° 15′ N, 10° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Schlotheim
Höhe: 243 m ü. NHN
Fläche: 22,31 km²
Einwohner: 3795 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99994
Vorwahl: 036021
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 057
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99994 Schlotheim
Bürgermeister: Hans-Joachim Roth (CDU)
Lage der Stadt Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis
Altengottern Anrode Bad Langensalza Bad Langensalza Bad Tennstedt Ballhausen Blankenburg Bothenheilingen Bruchstedt Dünwald Flarchheim Großengottern Großvargula Haussömmern Herbsleben Heroldishausen Hornsömmern Issersheilingen Kammerforst Kammerforst Kirchheilingen Kleinwelsbach Klettstedt Körner Kutzleben Vogtei Marolterode Menteroda Mittelsömmern Mühlhausen Mülverstedt Neunheilingen Vogtei Vogtei Vogtei Obermehler Oppershausen Oppershausen Rodeberg Schlotheim Schönstedt Schönstedt Südeichsfeld Sundhausen Tottleben Unstruttal Urleben Weberstedt WeinbergenKarte
Über dieses Bild
Schloss Schlotheim (Rückansicht)
Stadtkirche
Rathaus
Ein Fachwerkhaus in der Stadt
Kriegerdenkmal neben der Kirche
Dorfkirche "Martin Luther" in Hohenbergen

Schlotheim ist eine Stadt im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Schlotheim liegt in der Mitte Deutschlands in hügeliger Landschaft im Nordwesten des Thüringer Beckens. Die Stadt ist Namensgeber des herzynisch, d. h. von Nordwest nach Südost, verlaufenden Schlotheimer Grabens, dessen Verlauf hier vom Tal der Notter auf den im Stadtgebiet mündenden Marolteroder Bach übergeht und im zweitgenannten Abschnitt durch die Heilinger Höhen flankiert wird.

Notter in Schlotheim

Nach Norden reicht das Stadtgebiet bis in die südöstliche Abdachung des Dün.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Ortsteile der Stadt Schlotheim sind Mehrstedt und Hohenbergen.

Außerdem ist Schlotheim Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schlotheim mit den Orten Schlotheim, Bothenheilingen, Issersheilingen, Kleinwelsbach, Körner, Marolterode, Neunheilingen und Obermehler.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kirchberg, auch Alte Schanze genannt, war mit einer Wallburg südlich der jetzigen Stadt an der Notter-Niederung auf einer fünf Hektar großen Fläche schon in der Jungsteinzeit belegt. Siedlungsspuren und Feuersteingeräte sowie Römische Münzen wurden gefunden. Die Wallburg war wohl Flucht-, Kult- und Versammlungsstätte. Reste des Walls sind neben Erhebungen im Gelände noch erkennbar.[2]

Im 10. Jahrhundert war Schlotheim Königshof mit Burg.[3] Die Burg Schlotheim wurde erstmals 974 erwähnt, während Wolfgang Kahl die urkundliche Ersterwähnung des Ortes in der Zeit von 802 bis 817 nachweist.[4] Unter dem Landgraf Ludwig III. wird ein Günther von Schlotheim genannt, der auch unter Herrmann I. am Hof genannt wird. Dieser Schlotheim begleitete Ludwig nach Otranto und verstarb wie sein Herr an Typhus. Auch die Schlotheimer waren Besitzer einer Burg, verloren aber in den Wirren der Wettiner an Besitz und Einfluss.[5] Im Jahr 1277 erhielt Schlotheim das Stadtrecht. Die Stadt kam 1323 zur Grafschaft Hohnstein und wurde 1340 schwarzburgisch. 1425 kaufte Friedrich von Hopffgarten Stadt und Schloss vom Grafen Heinrich von Schwarzburg. Sie gehörte ab 1571 zu Schwarzburg-Sondershausen und ab 1599 zu Schwarzburg-Rudolstadt. Schlotheim war seitdem eine Exklave der Schwarzburg-Rudolstädter Unterherrschaft.

Seit dem Mittelalter hat der Anbau von Hanf und Flachs Tradition und bildete die Grundlage der Leineweberei und des Seilerhandwerkes. Die früheste Erwähnung eines Schlotheimer Seilers findet sich in einem Dokument des ehemaligen Schlotheimer Klosters aus dem Jahr 1387. Doch erst 1624 kam der Gewerbezweig durch Ansiedlung des ortsfremden Seilermeisters Peters wieder in Gang. Die Seilerei von Gottfried Heinrich Angermann und die seiner Nachfahren (Familie Martini) stehen für den Übergang zur Gurtweberei, womit im 18. und 19. Jahrhundert die ersten Manufakturbetriebe der Stadt entstanden. Der Erfurter Textil-Großhändler Krakrügge veranlasste 1836 den Aufbau der ersten Fabrikanlage. Um 1850 betrieben in Schlotheim über 50 Handwerks- und Industriebetriebe die Seile-, Riemen- und Gurtfertigung. Hierbei wurden nun besonders die Transmissionsriemen für die zu dieser Zeit in großer Zahl betriebenen Dampfmaschinen von wirtschaftlicher Bedeutung. Der Schlotheimer August Reuschel hatte durch weitere technische Verbesserungen die Treibriemenseilerei begründet und wurde damit zu einem der vermögendsten Einwohner der Stadt. Um die Jahrhundertwende führte das Schlotheimer Gewerbeverzeichnis neunzehn Industriebetriebe der Seiler-Branche. Bis 1989 hatte Schlotheim in der Weberei und Seilerei bis zu 2500 Arbeitsplätze aufgebaut. In Schlotheim war der Stammbetrieb des auf Sportartikel spezialisierten VEB Kombinat SPONETA beheimatet, diese Firma wurde 1953 gegründet und 1993 erfolgreich privatisiert.[6]

In der Zeit von 1772 bis 1778 wirkte hier Johann Georg August Galletti, der Vater der „Kathederblüte“. Ab 1836 entwickelte sich eine Seilereitradition. Schlotheim wurde 1897 an das Eisenbahnnetz angeschlossen und 100 Jahre später wieder vom Netz genommen. Im Juli 1997 fand die feierliche Eröffnung des Verkehrslandeplatzes statt.

Im Jahr 2006 stieg die Verschuldung durch vielfältige Investitionen der Stadt Schlotheim auf über 13,114 Mio. €. Dies macht eine Pro-Kopf-Verschuldung von 3804 Euro aus, wenn man die Verschuldung der Eigenbetriebe hinzunimmt, erhöht sich die Pro-Kopf-Verschuldung auf 5604 Euro (Stand 2007).[7]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[8][9]
Wahlbeteiligung: 54,6 % (2004: 62,4 %)
 %
40
30
20
10
0
37,0 %
30,6 %
17,3 %
15,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
-16,8 %p
+4,3 %p
+4,2 %p
+8,2 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgender Sitzverteilung:

  • SPD: 6 Sitze (–3)
  • CDU: 5 Sitze (+1)
  • LINKE: 3 Sitze (+1)
  • FDP: 2 Sitze (+1)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün ein silberner Drudenfuß.“

Altes Wappen[Bearbeiten]

Zur Zeit der DDR war das Pentagramm von sechs silbernen Sternen begleitet. Ein Vorhängeschloss im Wappen war um etwa 16.Jahrhundert der Anfang und seit 1505 ist das heutige Wappen bekannt.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Stadtkirche St. Servator, ein ursprünglich romanischer Kirchenbau, wurde nach einem Brand 1547 vereinfacht neu errichtet. Nach der "Wende" wurde die notwendige Sanierung auch mit Mitteln der Deutsche Stiftung Denkmalschutz durchgeführt. An der Südseite der Kirche findet man Grabsteine von früheren Pfarrern in Schlotheim.
  • Auf dem Kirchhof steht ein eindrucksvolles Ehrenmal für die gefallenen und vermissten Soldaten beider Weltkriege aus dem Ort
  • In Schlotheim sind mehrere Bürgerhäuser (Fachwerk) und eine historische Windmühle erhalten. Es existiert eine Gedenkstätte für Thomas Müntzer.
  • Das Schloss war in der Vergangenheit Wohnsitz der Familie Hopfgarten, die seit 1425 die Geschichte der Stadt bestimmte. 1768 wurde die alte Burg abgerissen und ein stattliches Barockschloss wurde errichtet. Vom ehemaligen Schlosskomplex existieren heute noch das Schloss, die Schäferei und das Försterhaus. Das Schloss beherbergt heute eine heiltherapeutische Kinder- und Jugendeinrichtung.[11]
  • Von den ehemals vier Windmühlen und zwei Wassermühlen der Stadt blieb nur die 1861 als Erdholländer erbaute, nun denkmalgeschützte „Linkemühle“ erhalten. Der steinerne Turm wurde 1922 durch Umbau auf 13 Meter Höhe vergrößert. Bis 1948 war die Mühle in Betrieb und wurde durch einen elektrischen Hilfsmotor bei Windstille unterstützt. In der DDR-Zeit wurde die Mühle als Materiallager der Firma Sponeta genutzt. 1992 erwarb die Stadt den Mühlenkomplex, zu dem auch ein größeres Fachwerkgebäude gehört, von der Treuhand-Stiftung, um das Bauwerk vor dem Abriss zu retten. Seit 2007 bemühen sich der städtische Heimat- und Geschichtsverein und der Thüringer Mühlenverein um die Rettung des Technischen Denkmals.[12]
  • Das Seilermuseum befindet sich neben der Windmühle in einem zweigeschossigen Fachwerkbau, der ursprünglich 1896 auf dem Firmengelände von Friedrich August Müller in der Talstraße errichtet wurde. Durch einen erforderlichen Umbau gelangte das völlig demontierte Gebäude im Jahr 1957 in die Bahnhofstraße und wurde auf dem Betriebsgelände vom VEB Sponeta neu errichtet, es diente bis 1989 als Produktionsgebäude.[6]
  • Seit 2011 findet jährlich auf dem Flugplatz Obermehler-Schlotheim nordwestlich von Schlotheim das Extreme Metal-Festival Party.San statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Neben der industriellen Seilerei werden auch Sport- und Campingartikel, Schulmöbel und Stühle und Lederwaren in Schlotheim hergestellt. Daneben ist ein Automobilzulieferer und eine Kunststoffverarbeitung ansässig.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Schlotheim gibt es neben Grund- und Regelschule auch ein Gymnasium.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 158.
  3. Werner Mägdefrau: Thüringen im Mittelalter 1130–1310. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-152-8, S. 136.
  4. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 158.
  5. Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen. Verlag Dr. Bussert & Stadeler, 2004, ISBN 3-932906-22-5, S.203
  6. a b  N.N.: Das Seilermuseum Schlotheim. In: Nationalparkverwaltung Hainich (Hrsg.): hainichlandaktiv. Nummer 07/2007, Sonsdruck, Bad Langensalza, S. 3-4.
  7. Gudrun Schnetter: Schulden der öffentlichen Haushalte und deren öffentlich bestimmten Fonds, Einrichtungen und wirtschaftlichen Unternehmen Ende 2007. Thüringer Landesamt für Statistik, März 2009. (PDF; 956 kB)
  8. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=064&gemnr=64057
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=064&gemnr=64057
  10.  Karlheinz Blaschke, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: «Schlotheim». In: Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, Leipzig 1979.
  11.  Stadtverwaltung Schlotheim: Schlotheim - Seilerstadt. In: Moment. Das Magazin. Nummer 06/2008, sonsdruck, Bad Langensalza, S. 23-24.
  12.  Frank Blaß: Die Schlotheimer Windmühle. In: Moment. Das Magazin. Nummer 06/2008, sonsdruck, Bad Langensalza, S. 25-26.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlotheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien