Schmalblättriger Gänsefuß

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Schmalblättriger Gänsefuß
Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Chenopodieae
Gattung: Gänsefüße (Chenopodium)
Art: Schmalblättriger Gänsefuß
Wissenschaftlicher Name
Chenopodium pratericola
Rydb.

Der Schmalblättrige Gänsefuß (Chenopodium pratericola) ist eine Pflanzenart in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Er stammt aus Nordamerika und kommt auch in Mitteleuropa vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Schmalblättrige Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 20 bis 80 cm. Der stets aufrechte, mäßig bis stark bemehlte Stängel ist unverzweigt oder im oberen Teil verzweigt.

Die wechselständigen, mehr oder weniger bemehlten Laubblätter sind dicklich und etwas fleischig. Der 0,4 bis 1 cm lange Blattstiel erweitert sich keilförmig in die Blattspreite. Die Blattspreite ist 1,5 bis 4,2 (bis 6) cm lang und 0,4 bis 1 (bis 1,4) cm breit, lineal, schmal lanzettlich oder länglich-elliptisch, zugespitzt, und meist dreinervig (selten einnervig). Der Blattrand ist ganzrandig oder weist nahe der Basis ein Paar Lappen auf.

Blütenstand und Blüten[Bearbeiten]

Die Blütenknäuel sind meist dicht in endständigen oder achselständigen Rispen angeordnet und reifen unregelmäßig heran. Die Tragblätter sind blattartig. Die zwittrigen Blüten besitzen eine Blütenhülle aus (vier bis) fünf dicht bemehlten, länglich-eiförmigen, bis zur Basis getrennten Tepalen mit einer Länge von 0,8 bis 1 mm und einer Breite von 0,5 bis 0,7 mm, die auf dem Rücken stark gekielt sind. Die Blüten enthalten (vier bis) fünf Staubblätter und einen Fruchtknoten mit zwei Narben.

Die Blütezeit reicht von August bis Oktober.[1] Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch den Wind.[2]

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Die reife, eiförmige Frucht ist zwischen den abstehenden Tepalen sichtbar. Die glatte Fruchtwand haftet dem Samen nicht an. Der Same mit einem Durchmesser von 0,9 bis 1,3 mm ist rund mit abgerundetem Rand. Die schwarze Samenschale hat eine runzelige Oberfläche.

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[3]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Schmalblättrige Gänsefuß ist eine Nahrungspflanze für die Schmetterlingsraupen von Gänsefuß-Blütenspanner (Eupithecia sinuosaria) und Melden-Blattspanner (Pelurga comitata).[4]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Schmalblättrigen Gänsefußes liegt in Nordamerika. Dort besiedelt er offene sandige Böden, Trockengebüsche oder Salbeibuschland und kommt häufig in salzigen oder alkalinen Lebensräumen vor. Von der Ebene gedeiht er bis zu einer Höhenlage von 2400 m.

In Mitteleuropa, Ost- und Nordeuropa kommt der Schmalblättrige Gänsefuß gelegentlich als eingeführte Adventivpflanze vor. In Deutschland gilt die Art als eingebürgerter Neophyt.[5] Hier wächst er selten und unbeständig in kurzlebiger Ruderalvegetation (Chenopodietea-Gesellschaften), besonders an Umschlagplätzen wie Bahnhöfen oder Hafenanlagen oder an Müllplätzen, bevorzugt auf sandigen Böden.[1][6] Bekannte Fundorte liegen beispielsweise in der Oberrheinebene.[6]

In der Schweiz gilt die Art als stark gefährdet, regional sogar als ausgestorben.[7]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Chenopodium pratericola erfolgte 1912 durch Per Axel Rydberg.[8]

Synonyme von Chenopodium pratericola Ryd., die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Botrys pratericola (Rydb.) Lunell, Chenopodium leptophyllum pratericola (Rydb.) F.C. Gates und Chenopodium leptophyllum var. pratericola (Rydb.) F.C. Gates. Als weitere Synonyme gelten Chenopodium desiccatum var. leptophylloides (Murr) Wahl, Chenopodium leptophyllum var. leptophylloides (Murr) Thell. & Aellen, Chenopodium petiolare var. leptophylloides Murr und Chenopodium pratericola subsp. eupratericola Aellen.[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Die Blätter und jungen Sprosse des Schmalblättrigen Gänsefußes können gekocht wie Spinat zubereitet werden. Die Samen können gemahlen als Mehlzusatz dienen oder sind gekocht als Pseudogetreide essbar. Es wird empfohlen, sie über Nacht einzuweichen und danach gründlich abzuspülen, um die Saponine zu entfernen.[9]

Die ganze Pflanze kann als Färbepflanze für gold-grüne Farbtöne verwendet werden.[9]

Belege[Bearbeiten]

  • Steven E. Clemants, Sergei L. Mosyakin: Chenopodium. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 4: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-517389-9, Chenopodium pratericola, S. 288 (online). (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rudolf Schubert, Walter Vent (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 5. Auflage. Band 4: Kritischer Band, Volk und Wissen, Berlin 1982, S. 169
  2. Chenopodium pratericola bei BiolFlor - Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  3. a b Chenopodium pratericola bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 10. Februar 2012.
  4. Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández:Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen 10. Februar 2012
  5. Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore): Chenopodium pratericola. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011, abgerufen 10. Februar 2012.
  6. a b  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1983, ISBN 3-8001-3429-2, S. 343.
  7. Chenopodium pratericola. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora). Abgerufen am 6. Mai 2015.
  8. Per Axel Rydberg: Studies in the Rocky Mountain Flora – XXVII. In: Bulletin of the Torrey Botanical Club. Band 39, Nr. 7, 1912, S. 301–328 (hier: S. 310), Digitalisat.
  9. a b Chenopodium pratericola bei Plants For A Future. Abgerufen am 10. Februar 2012.

Weblinks[Bearbeiten]