Schmetterlingshorst

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Schmetterlingshorst im Herbst 2011

Der Schmetterlingshorst ist eine historische Ausflugsgaststätte im Ortsteil Köpenick des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick. Seit Ende der 1990er-Jahre wird das 1898 eröffnete, 1943 stark zerbombte und wiederaufgebaute Gartenrestaurant vom Bezirkssportbund Treptow-Köpenick e. V. als gemeinnütziger Schul-, Sport- und Wanderstützpunkt betrieben.

Für Ausflügler bietet die Einrichtung einen Imbissverkauf mit Stühlen, Tischen und Spielgeräten im Garten an (Stand 2012). In einer angegliederten Halle präsentiert der Schmetterlingshorst in einer Dauerausstellung eine Schmetterlingssammlung. Der Name des Hauses geht auf die Sammlung zurück. Nach Angabe des Schmetterlingshorstes handelt es sich um die zweitgrößte Ausstellung dieser Art in Europa und die größte in Deutschland.[1] Schmetterlingshorst liegt im Revier Teufelssee des Berliner Stadtforstes am Nordufer des Langen Sees, östlich des Seebads Wendenschloss. Am gegenüberliegenden Südufer des von der Dahme durchflossenen Sees befindet sich das Strandbad Grünau.

Geschichte[Bearbeiten]

Den Namen gab dem Schmetterlingshorst sein Gründer, der Glasgraveurmeister und Lepidopterologe (Schmetterlingsforscher) Johannes Bittner. Bittner präsentierte in einem angegliederten Ausstellungsraum seine zu dieser Zeit angeblich weltweit berühmte Schmetterlingssammlung. Die Sammlung wurde 1943 mit dem Haus zerstört.

Der aus Böhmen stammende Bittner eröffnete seine Schmetterlingsschaubude mit einem Imbiss und Ausschank im Jahr 1898 und betrieb sie anfänglich unter dem Namen Restaurant Johann Bittner. 1904 wurde am Haus eine Dampferanlegestelle eingerichtet.[2] Hier verkehrte die Richard (heute unter dem Namen Eintracht fahrendes Museumsschiff der Berlin-Brandenburgischen Schiffahrtsgesellschaft e. V. im Historischen Hafen Berlin), ein knapp 17 Meter langes Motorschiff vom Löcknitztyp der Rummelsburger Anker-Werft, betrieben von Richard Eckner in Grünau vor allem im Übersetzverkehr Grünau – Schmetterlingshorst und Marienlust.[3] Marienlust war eine weitere Ausflugsgaststätte, die rund 800 Meter östlich des Schmetterlingshorstes gleichfalls am Langen See lag, 1997 abbrannte und komplett abgetragen wurde.[4] Die Anlegestelle förderte den Ausflugsverkehr derart, dass Bittner den Schmetterlingshorst 1906 erheblich ausbaute und unter anderem um einen großen Parkettsaal erweiterte.

Mitglieder der Lepidopterologen-Vereinigung Orion zu Berlin 1902 im Restaurant Johann Bittner

Eine Zeitlang diente Schmetterlingshorst der am 1. August 1890 gegründeten Lepidopterologen-Vereinigung Orion zu Berlin (später umbenannt in Entomologischer Verein Orion zu Berlin) bei Exkursionen als Vereinsgaststätte. Am Heiligabend 1943 wurden die Gebäude durch einen Bombenangriff stark zerstört. Bis Anfang der 1990er-Jahre betrieb ein Pächter das ab 1947 wiederaufgebaute Restaurant. Wegen zu hoher Pachtkosten gab der Pächter kurz nach der Wende den Betrieb auf. Anschließend lag das Gelände bis 1999 brach und verwilderte. 1999 begann der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick e. V., unterstützt durch einen ortsansässigen Baumarkt und weitere Spender, mit Rekonstruierungsmaßnahmen, die 2012 weitgehend abgeschlossen sind. Als neuer Pächter verzichtete der Bezirkssportbund nach Absprache mit dem Bezirksamt auf die Wiedereröffnung des Schmetterlingshorstes als Gaststätte und richtete einen gemeinnützigen Schul-, Sport- und Wanderstützpunkt mit einem Imbiss für Ausflugsgäste ein.[2]

Schmetterlingssammlung und Ausstellungen[Bearbeiten]

Nach der Vernichtung der Bittnerschen Sammlung 1943 wird seit 2007 eine neue Schmetterlingssammlung gezeigt. Den Kern dieser Sammlung bildet die Jacobs’sche Sammlung, die Herbert Jacobs – in den 1970er-Jahren zweiter Vorsitzender des Entomologischen Vereins Orion zu Berlin[5] – von 1902 bis 1952 angelegt hatte. Erweitert unter anderem um eine Spende von zehn Schaukästen des Naturkundemuseums, stehen heute 73 Schaukästen mit 3.540 exotischen und einheimischen Schmetterlingen sowie Insekten im alten Raum neben dem ehemaligen Gasthaus der Öffentlichkeit in einer Dauerausstellung zur Verfügung. Nach Angabe des Stützpunktes handelt es sich um die zweitgrößte Ausstellung dieser Art in Europa und die größte in Deutschland. Insbesondere Schulklassen nutzen die Führungen durch die wissenschaftlich betreute Sammlung.[1]

In der Langen Nacht der Wissenschaften 2011 bildete der Schmetterlingshorst einen der Anlaufpunkte. Neben der Präsentation der Sammlungen wurden dabei Experimente zum Thema Lichtquellen als Todesfalle für Insekten und zur Insektenfütterung durchgeführt. Bei der Insektenfütterung stellten Entomologen von Orion und NABU „Rezepte“ für Köder vor und lockten mit den Ködern Falter und weitere Insekten an. Die Experten zeigten, wie sich mit dem gezielten Einsatz der Köder das Vorkommen einer Art in einer bestimmten Region nachweisen lässt.[6]

Darüber hinaus finden im Schmetterlingshorst wechselnde und kostenlose Kunstinstallationen, Modenschauen und Ausstellungen statt, beispielsweise lokaler Maler und Fotografen oder zur Bezirksgeschichte.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schmetterlingshorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Schmetterlingshorst, Homepage. In der Menüleiste links die Unterseite Schmetterlinge aufrufen.
  2. a b Schmetterlingshorst, Homepage. In der Menüleiste links die Unterseite Geschichte aufrufen.
  3. Historischer Hafen Berlin. Siehe Motor-Fahrgastschiff Eintracht.
  4. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung- und Umwelt: Wanderungen am Langen See und zur „Langer Eiche“.
  5. Entomologische Gesellschaft Orion – Berlin: Aus der Vereinschronik.
  6. Lange Nacht der Wissenschaften. Standort 6, Schmetterlingshorst.
  7. Schmetterlingshorst, Homepage. In der Menüleiste links die Unterseite Ausstellungen aufrufen.

52.41222222222213.609444444444Koordinaten: 52° 24′ 44″ N, 13° 36′ 34″ O