Schnürpflingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schnürpflingen
Schnürpflingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schnürpflingen hervorgehoben
48.27259.9930555555556537Koordinaten: 48° 16′ N, 10° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Alb-Donau-Kreis
Höhe: 537 m ü. NHN
Fläche: 10,71 km²
Einwohner: 1334 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89194
Vorwahl: 07346
Kfz-Kennzeichen: UL
Gemeindeschlüssel: 08 4 25 110
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 17
89194 Schnürpflingen
Webpräsenz: www.schnuerpflingen.de
Bürgermeister: Michael Knoll
Lage der Gemeinde Schnürpflingen im Alb-Donau-Kreis
Landkreis Biberach Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Heidenheim Landkreis Reutlingen Ulm Allmendingen (Württemberg) Allmendingen (Württemberg) Altheim (Alb) Altheim (bei Ehingen) Altheim (bei Ehingen) Amstetten (Württemberg) Asselfingen Ballendorf Balzheim Beimerstetten Berghülen Bernstadt (Alb) Blaubeuren Blaustein Breitingen Börslingen Dietenheim Dornstadt Ehingen (Donau) Ehingen (Donau) Emeringen Emerkingen Erbach (Donau) Griesingen Grundsheim Hausen am Bussen Heroldstatt Holzkirch Hüttisheim Illerkirchberg Illerrieden Laichingen Langenau Lauterach (Alb-Donau-Kreis) Lonsee Merklingen Munderkingen Neenstetten Nellingen Nerenstetten Oberdischingen Obermarchtal Oberstadion Öllingen Öpfingen Rammingen (Württemberg) Rechtenstein Rottenacker Schelklingen Schnürpflingen Setzingen Staig Untermarchtal Unterstadion Unterwachingen Weidenstetten Westerheim (Württemberg) Westerstetten BayernKarte
Über dieses Bild

Schnürpflingen ist eine baden-württembergische Gemeinde im Alb-Donau-Kreis.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Schnürpflingen liegt im Waldgebiet der Holzstöcke am Fluss Weihung, etwa 15 Kilometer südlich von Ulm und 10 km östlich von Laupheim.

Gliederung[Bearbeiten]

Neben dem Hauptort gehören auch Ammerstetten und Beuren zur Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Schnürpflingen musste vielen Herren dienen und hat demzufolge eine sehr bewegte und wechselvolle Geschichte. Über die Gründungszeit und die frühe Siedlungsgeschichte der Ortschaft ist allerdings nichts Genaues bekannt. Jedoch lässt sich aus dem Namen und der Lage des Ortes schließen, dass er zu den ältesten im Kreis Ulm gehört, denn die Ortsnamen mit der Endung ingen stammen in der Regel aus der Karolingerzeit, wurden also vor dem Jahr 1000 gegründet.

Hauptartikel: Wallburg Schnürpflingen

Im Ortsteil Ammerstetten finden sich Spuren aus der Römerzeit. Hier führte eine Römerstraße auf den Rommelsberg, etwa eine Viertelstunde östlich von Bihlafingen. Früh urkundlich erwähnt sind die Ortsteile Ammerstetten (1193) und Beuren (1275). Der Hauptort Schnürpflingen, der möglicherweise auf den Personennamen snurtilo oder snurf zurückzuführen ist, wird erstmals im Jahre 1260 geschichtlich gesichert erwähnt.

Der damalige Herr von Schnürpflingen, Otto Besserer, Sohn des Ulmer Stadtrechners Heinrich Besserer, soll der Stifter der Kirche von Schnürpflingen gewesen sein. Besserer war einer jener Edelleute, die innerhalb einer Grafschaft einen Herrensitz mit dem dazugehörigen Dorf als freies Lehen hatten. Solche Ritter standen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Grafen. Das Schloss der Besserer stand auf dem Platz des früheren Bräuhauses. So unterstand also Schnürpflingen der Grafschaft Kirchberg und war in der Folgezeit mit deren Schicksal eng verbunden. Auch Schnürpflingen ging mit den Grafen von Kirchberg den Weg der Herzöge von Bayern und damit der zeitweiligen Eingliederung in den vorderösterreichischen Landesverband bis zum Erwerb der Grafschaft durch das Augsburger Handelsgeschlecht der Fugger (1507).

Weihung bei Beuren
Hügel bei Beuren
Kirche Mariä Unbefleckte Empfängnis

Aus den nun folgenden Jahren sind einige Urkunden erhalten, die das Verhältnis zwischen den Herren von Schnürpflingen und den Fuggern regelten. Die bekannteste Urkunde stammt aus dem Jahre 1572 von Christoph Fugger und Eitel Hans Besserer. Darin wird die Frage der niederen Gerichtsbarkeit, des Waidwerks und anderes mehr geregelt.

Der Ort Beuren gehörte als freies Reichslehen ebenfalls zu Schnürpflingen. In der folgenden Zeit erhoben sich Spannungen zwischen den Fuggern und Besserern, da letztere die Reformation in Schnürpflingen einführten.

1617 kamen durch Einheirat auch die von Berlichingen als Besitzer von Schnürpflingen in den Ort. 1669 verloren die Besserer die Herrschaft über Schnürpflingen, ihnen verblieb nur noch das Reichslehen Beuren. 1694 verkaufte Johann Philipp Besserer dieses Reichslehen an den Abt von Wiblingen. Mit dem Verkauf Beurens hatten die Besserer ihren letzten Besitz verloren, über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. In diese Epoche fällt auch die Gegenreformation. Der Flecken Schnürpflingen blieb bis 1656 lutherisch. Graf Albert Fugger von Kirchberg stellte dann das alte Bekenntnis in Schnürpflingen wieder her. Die Einwohner wurden vor die Wahl gestellt, entweder den katholischen Glauben wieder anzunehmen oder aber Haus und Hof zu verkaufen und auszuwandern. So sollen laut Überlieferung alle Bewohner in die Nachbarorte umgesiedelt sein. Da nun das Dorf ohne Einwohner war, zogen Leute aus verschiedenen Gauen, aus der Schweiz, Tirol und Bayern hierher.

Im Jahr 1694 wurde Beuren und 1701 Ammerstetten fuggerisch. 1762 nahm sogar ein Vogt aus der Grafschaft Fugger seinen Wohnsitz in Schnürpflingen. 1810 kam die Grafschaft Kirchberg und damit auch Schnürpflingen an Württemberg.

Im Laufe der wechselvollen Geschichte der Gemeinde Schnürpflingen wurde der Ort auch von manchen schrecklichen Kriegen und Katastrophen heimgesucht. Zwar ist aus den Schreckensjahren des Dreißigjährigen Krieges nichts überliefert, die fürchterliche Hungersnot im Jahre 1771 jedoch ausführlich im Pfarrbuch beschrieben. Einzelheiten über das wüste Treiben der napoleonischen Truppen im Ort sind ebenso überliefert. Als das schrecklichste Jahr in der Geschichte des Dorfes nennt der Chronist das Jahr 1852. Denn am 24. April wurden innerhalb einer halben Stunde durch eine Feuersbrunst 21 Gebäude eingeäschert. 36 Gefallene und drei Vermisste im Ersten Weltkrieg, 25 Gefallene und 16 Vermisste im Zweiten Weltkrieg hat Schnürpflingen zu verzeichnen.

Blick auf Schnürpflingen

Religionen[Bearbeiten]

Schnürpflingen ist überwiegend römisch-katholisch und Sitz einer eigenen Pfarrgemeinde. In Schnürpflingen geboren wurde Franz Xaver Renner d.i. Pater Frumentius Renner OSB (2. Mai 1908 bis 18. Dezember 2000), der in der Benediktiner-Erzabtei Sankt Ottilien als Organist, Zelerar, Archivar, Lateinlehrer und Chronist wirkte. Er fasste unter anderem die Ordenschronik "Der fünfarmige Leuchter".

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Kirchberg-Weihungstal mit Sitz in Illerkirchberg an.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Schnürpflingen hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,2 %
48,8 %
FORTSCHRITT Fortschritt 51,2 5 nicht bekannt nicht bekannt
FW Die Freie Wählervereinigung 48,8 5 nicht bekannt nicht bekannt
gesamt 100,0 10 100,0 10
Wahlbeteiligung 61,7 % 59,4 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • bis 1986: Guse
  • 1986 – 2010: Manfred Häberle
  • Am 28. Februar 2010 wurde Michael Knoll aus Laupheim-Untersulmetingen zum neuen Bürgermeister gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt auf rotem Grund ein silbernes Hirschgeweih, aus dem eine ebenfalls silberne Tanne wächst. Das Wappen soll auf die waldreiche Umgebung des Ortes hinweisen. Die Farben Weiß und Rot zeigen die frühere Zugehörigkeit zu Österreich an. Der Gemeinde Schnürpflingen wurde 1956 die Befugnis erteilt, dieses Wappen zu führen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Schnürpflingen unterhält seit Jahren eine freundschaftliche Beziehung zur französischen Gemeinde Authon-du-Perche.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Geiselmann: 800 Jahre Ammerstetten. Schnürpflingen 1994

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schnürpflingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien