Schnabelkürzen

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Bei einem Huhn wird der Schnabel kupiert, um Kannibalismus zu verhindern.

Als Schnabelkürzen wird das teilweise Entfernen von Schnabelteilen bezeichnet. Dies kann als tierärztlicher Eingriff bei übermäßigem Schnabelwachstum notwendig sein oder als vorbeugende Maßnahme gegen Kannibalismus in der Massentierhaltung von Hühnervögeln. Bei Letzterem ist meist vom sogenannten Touchieren oder auch Kupieren die Rede.

Therapeutisches Schnabelkürzen[Bearbeiten]

Übermäßiges Schnabelwachstum bei einem Wellensittich – eine medizinische Indikation für das Schnabelkürzen

Das therapeutische Schnabelkürzen ist vor allem bei übermäßigem oder gestörtem Schnabelwachstum notwendig. Es tritt vor allem bei Papageien auf. Die Ursachen sind vielfältig[1]:

  • Haltungsfehler wie ungenügende Klettermöglichkeiten, die zu einer verringerten Abnutzung des Schnabels führen
  • Mangelernährung, vor allem ein Vitaminmangel
  • Leberschäden
  • Trauma
  • Feder- und Schnabelkrankheit der Papageien

Das Schnabelkürzen erfolgt durch Korrekturzangen, Feilen oder Walzenfräser und kann meist auch in wachem Zustand durchgeführt werden. Kommt es zu Blutungen, muss eine sorgfältige Blutstillung mit Adrenalin-Tupfern oder Eisen(III)-chlorid erfolgen.[1]

Massentierhaltung[Bearbeiten]

Hahn mit kupiertem Schnabel

Bei der Geflügelhaltung von Hühnern und Puten in großer Gruppen stellt Kannibalismus ein wirtschaftliches Problem dar.[2] Durch das Schnabelkürzen soll Kannibalismus verhindert werden. Die Spitzen der Schnäbel werden durch heiße Klingen oder durch Laser abgetrennt.[3] Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer betonte 2013 jedoch: „Schnabelkürzen ist ein schmerzhafter Eingriff. Das routinemäßige Schnabelkürzen von Millionen Hühnern ist nach den gemachten Erfahrungen in Österreich nicht notwendig“.[4]

In Österreich wird das Schnabelkürzen nicht mehr praktiziert, im deutschen Bundesland Niedersachsen soll bis 2016 der Ausstieg erfolgen.[4] Sowohl in Niedersachsen als auch in Mecklenburg-Vorpommern ist das Schnabelkürzen zum 31. Dezember 2016 verboten worden. Ab 2017 sollen Eier von schnabelgekürzten Hennen in den meisten Supermarktketten nicht mehr angeboten werden.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Touchieren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michael Pees: Leitsymptome bei Papageien und Sittichen. Enke, 2. Aufl. 2011, ISBN 978-3-8304-1084-3, S. 182–199.
  2. Fries, R. und Flisikowski, K., Hans Eisenmann-Zentrum, TU-München, Molekulargenetik des Federpickens bei Legehennen, 2009
  3. Albert-Schweitzer-Stiftung: Kritischer Bericht zum Thema Schnabelkürzen
  4. a b Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 8. Juli 2013: Niedersachsen stoppt Schnabelkürzen bei Legehennen
  5. Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 5. August 2014: Ab 2017 bleibt der Schnabel jetzt bundesweit dran!