Schneeferner

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Schneeferner
Der Nördliche Schneeferner sowie die Reste des Südlichen Schneeferners (links) Ende Juli 2006

Der Nördliche Schneeferner sowie die Reste des Südlichen Schneeferners (links) Ende Juli 2006

Lage Bayerische Alpen, Deutschland
Gebirge Wettersteingebirge
Fläche 0,326 km² (2009)[1]
Eisvolumen 5,56 Millionen m³ (2006)[1]
Koordinaten 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ O47.41410.9750Koordinaten: 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ O
Schneeferner (Bayern)
Schneeferner
Entwässerung Partnach, Loisach, Isar, Donau

Der Schneeferner ist ein Gletscher in den Bayerischen Alpen. Er befindet sich auf dem Zugspitzplatt, einer von West nach Ost abfallenden Hochfläche südlich des Zugspitzgipfels, die den Talschluss des Reintals bildet. Die Schmelzwasser des Gletschers versickern in der verkarsteten Hochfläche und treten im Reintal wieder an die Oberfläche, wo sie die Partnach speisen. Der Schneeferner ist einer der nördlichsten Gletscher der Alpen.

Geschichte[Bearbeiten]

Gegen Ende der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert bedeckte ein großer Gletscher, der Plattachferner genannt wurde, fast das gesamte Zugspitzplatt zwischen dem Jubiläumsgrat und den Plattspitzen. Er hatte damals eine Ausdehnung von etwa 300 ha[1] und hinterließ bei seinem Rückzug große, bis heute sichtbare Moränen.

Von etwa 1860 bis in die 1950er-Jahre hinein verlor er jährlich ungefähr 23.000 m² an Fläche und ist so schließlich auf 60 ha geschrumpft.[2] Dabei spaltete er sich um 1900 in einen nördlichen und einen südlichen Teil; vom nördlichen Teil trennte sich später noch der unterhalb des Zugspitzgipfels gelegene Östliche Schneeferner ab, der inzwischen ganz verschwunden ist.

Danach war der flächenmäßige Rückgang weniger drastisch; insbesondere die verbliebenen Teile des Nördlichen Schneeferners neigen aufgrund ihrer Lage in einem Becken eher zum Einsinken der Oberfläche. Zwischen 1965 und 1968 sowie zwischen 1974 und 1980 führten gletschergünstige Phasen sogar zu einer Aufwölbung des Gletschers[3]; beim Südlichen Schneeferner waren auch deutliche Flächenzuwächse zu verzeichnen[1].

Seit 1980 befinden sich die Gletscher auf dem Zugspitzplatt wieder auf dem Rückzug. 2006 bedeckten die beiden verbliebenen Gletscher noch eine Fläche von 39 ha[1]; dazu kommen noch ein paar kleinere Firnfelder.

Die globale Erwärmung hat dazu geführt, dass auf der Zugspitze seit 1990 durchweg überdurchschnittliche Sommertemperaturen zu beobachten waren.[4] Schädlich für die Gletscher sind dabei vor allem die dadurch immer seltener werdenden sommerlichen Schneefälle, die durch die steigende Albedo die Energieaufnahme des Gletschers verringern und das Abschmelzen unterbrechen.

Seither sind jährlich im Durchschnitt etwa 80 cm Eis abgeschmolzen. Falls es bei diesen Abschmelzraten bleiben sollte, werden die Gletscher auf dem Zugspitzplatt irgendwann zwischen 2015 und 2030 verschwunden sein[5]; nur kleinere Eisreste könnten sich u.U. noch länger halten.

Nördlicher Schneeferner[Bearbeiten]

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Nördlicher Schneeferner
Nördlicher Schneeferner im September 2009

Nördlicher Schneeferner im September 2009

Typ Kargletscher
Länge 0,85 km [3]
Fläche 0,278 km² (2009)[1]
Exposition Ost
Höhenbereich 2792 m – 2556 m (2009)[1]
Neigung ⌀ 14° (25%) [3]
Breite max. 2,8 km
Eisdicke ⌀ 16,8 m; max. 52 m (November 2006)[1]
Eisvolumen 5,16 Millionen m³ (2006)[1]
Koordinaten 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ O47.41388888888910.9752674

Der Nördliche Schneeferner ist mit einer Fläche von 28 ha (Stand 2009) der größte deutsche Gletscher. Mit einer mittleren Höhenlage von 2.630 m liegt er auch höher als die anderen deutschen Gletscher Höllentalferner, Watzmanngletscher und Blaueis. Seine Eisdicke wurde im Jahr 2006 im Durchschnitt zu 17 m bestimmt; an der mächtigsten Stelle waren es 52 m. Der Ferner verläuft von Westen nach Osten und hat insbesondere im unteren Bereich nur eine sehr geringe Neigung. Nördlich vom Gletscher befindet sich der Grat von der Zugspitze zum Zugspitzeck; im Westen reicht er fast bis zur breiten Schneefernerscharte. Nach Osten und Süden zu ist er offen; auch der Schneefernerkopf im Südwesten kann ihm im Sommer nur wenig Schatten spenden.

Der Gletscher wird vor allem durch Niederschlag genährt, der direkt auf seine Oberfläche fällt; dazu kommt noch Schnee aus Lawinen, die aus den Felsen des Zugspitzecks und des Schneefernerkopfs niedergehen. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Gletscher fortbewegt, beträgt im mittleren Bereich nur 25 bis 30 cm pro Jahr[3]; Massetransport in tiefere Lagen findet also kaum statt. In den steilen Flanken des Schneefernerkopfs kann die Fließgeschwindigkeit aber auch mehrere Meter pro Jahr betragen. Hier ist der Gletscher allerdings in den letzten Jahren fast völlig verschwunden bzw. seine Reste von Geröll überdeckt, und es findet kaum noch Akkumulation statt.

Bewirtschaftung des Gletschers[Bearbeiten]

Heute steht der Nördliche Schneeferner im Zeichen des Wintersports. Seit 1955 wurden auf der Eisfläche 5 Liftanlagen errichtet, die das einzige deutsche Gletscherskigebiet bilden; einst war hier sogar Sommerskilauf möglich. Die natürliche Entwicklung des Gletschers musste sich dem unterordnen. Durch das Heranschaffen von Schnee aus umliegenden Gebieten nimmt die Eisdicke seit 1990 in einzelnen Bereichen zeitweise wieder zu.

Seit 1993 werden bestimmte Bereiche des Gletschers über den Sommer mit Planen abgedeckt, um das Eis und den Schnee des Winters vor Sonneneinstrahlung und Regen zu schützen. Im Jahr 2007 wurden 9.000 m², also knapp 3 % des Gletschers abgedeckt; in den Jahren zuvor waren es 6.000 m².[6] Man hofft, dadurch die Ausaperung von Felsen, die den Wintersport erschweren könnten, so lange wie möglich hinauszögern zu können. Auf die Lebensdauer des Gletschers hat das allerdings kaum eine Auswirkung, weil das so gewonnene Eis nur etwa 1 % des Verlusts ausgleicht, der in den ungeschützten Bereichen des Gletschers zu erwarten ist.[7] Zudem werden bevorzugt die Bereiche abgedeckt, in denen der Gletscher unter natürlichen Bedingungen am schnellsten verschwunden wäre.

Der Gletscher im Rekordsommer 2003[Bearbeiten]

An heißen Tagen sinkt die Eisfläche des Nördlichen Schneeferners um bis zu 11 cm ein. Im August 2003 gab der Gletscher dabei 35.000 m³ Wasser täglich ab[5], was etwa einem Zehntel des durchschnittlichen Wasserverbrauchs von München entspricht. Experten bezeichnen dieses enorme Abschmelzen des Eises als Gletscherrauschen (welches die Schmelzwasserbäche erzeugen).

Südlicher Schneeferner[Bearbeiten]

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Südlicher Schneeferner
Südlicher Schneeferner Ende August 2003

Südlicher Schneeferner Ende August 2003

Typ Firnfeld
Fläche 4,8 ha (2009)[1]
Exposition Nordost
Höhenbereich 2665 m – 2557 m (2009)[1]
Eisdicke ⌀ 4,6 m; max. 16,5 m (November 2006)[1]
Eisvolumen 0,4 Millionen m³ (2006)[1]
Koordinaten 47° 24′ 8″ N, 10° 58′ 23″ O47.40222222222210.9730555555562611

Der Südliche Schneeferner bedeckte einst den gesamten südwestlichen Teil des Zugspitzplatts. 2009 war von ihm nur noch eine Fläche von weniger als 5 ha erhalten. Seine 2006 ermittelte Eismächtigkeit war mit durchschnittlich weniger als 5 m ebenfalls nur noch sehr gering. Zum Ende des 20. Jahrhunderts hat sich der Gletscher in einen südöstlichen Teil unterhalb vom Wetterwandeck und einen nordwestlichen Teil unterhalb der Wetterspitzen, der danach in die letzte verbliebene größere Eisfläche und mehrere kleinere Firnfelder zerfallen ist, aufgespalten. Diese Reste kann man heute nicht mehr als Gletscher bezeichnen. Es ist zu vermuten, dass auch sie in wenigen Jahren komplett abgeschmolzen sein werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m bayerische-gletscher.de
  2. Zum Gletscherverhalten in den Alpen im zwanzigsten Jahrhundert, Klimastatusbericht 2001 des DWD
  3. a b c d Die Entstehung des Zugspitzmassivs und seiner Gletscher, Information der Bayerischen Zugspitzbahn
  4. Wetterwarte Garmisch-Partenkirchen / Zugspitze 1900 bis 2006 (PDF; 5,9 MB), DWD
  5. a b Informationen zum Gletscherschwund – Gletscherschwund und Klimawandel an der Zugspitze und am Vernagtferner (Ötztaler Alpen), Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 2003
  6. Gletscherabdeckung 2007, Bericht der Bayerischen Zugspitzbahn
  7. Information der Kommission für Glaziologie zur Gletscherabdeckung 2007