Schneekugel
Eine Schneekugel ist eine mit Wasser gefüllte Kugel aus Glas oder Kunststoff, in der sich außerdem kleine Partikel befinden, die beim Schütteln aufwirbeln und sich dann wie Schnee langsam wieder absetzen. Die Kugeln enthalten kleine Figuren oder Miniatur-Landschaften, die beim Schütteln „eingeschneit“ werden.
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Geschichte [Bearbeiten]
Wann die allererste Schneekugel hergestellt wurde, ist nicht bekannt. Eine Vorläuferin war eine mit Wasser gefüllte Glaskugel, in der Vögel schwammen. Der Alchimist Leonhard Thurneysser ließ sie im Jahr 1572 von der Grimnitzer Glashütte anfertigen. Eine der ältesten historisch bekannten Schneekugeln war 1878 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen. Das Motiv war ein Mann mit aufgespanntem Regenschirm.
Ende des 19. Jahrhunderts erfand der Wiener Chirurgieinstrumentenmechaniker Erwin Perzy die Schneekugel gewissermaßen neu und war der Erste, der sich die „Glaskugel mit Schnee-Effekt“ patentieren ließ. Eigentlich hatte sich Perzy auf die Herstellung von chirurgischen Instrumenten spezialisiert. Auf Wunsch von Chirurgen wollte er eine besonders helle Lichtquelle entwickeln, wozu er Versuche mit einer sogenannten Schusterkugel machte. Sie besteht aus einem mit Wasser gefüllten kugelförmigem Glaskolben, der vor brennenden Kerzen platziert wird, so dass er den Kerzenschein verstärkt. Perzy mischte dem Wasser Glasspäne bei, um die Reflexion zu verstärken.
Die wirbelnden Späne erinnerten ihn an Schnee und brachten ihn auf die Idee mit der Schneekugel. Er baute ein winziges Modell der Basilika von Mariazell, platzierte sie in eine Glaskugel, füllte sie mit Wasser und fügte Grieß als Schnee hinzu.[1] Dieses Modell gab er einem Freund, der einen Andenkenstand besaß, wo es auf lebhaftes Interesse von Kunden stieß. Im Jahr 1900 eröffnete Perzy mit seinem Bruder Ludwig zusammen einen Betrieb, um sich ganz der Produktion der Glaskugeln zu widmen. Dieser Betrieb besteht noch heute und wird jetzt von Erwin Perzys gleichnamigem Enkel geführt.
In den 1950er Jahren trat bei einigen Herstellern Polystyrol an die Stelle des Glases; die „Schneeflocken“ sind jetzt meistens aus einer Kunststoffmischung. Zusätze zum Wasser verhindern, dass sich Algen bilden können. Durch moderne Fertigungsmethoden wurde die Schneekugel zu einem Massenprodukt. Bei neueren Modellen lässt sich verdunstetes Wasser mit einer Spritze nachfüllen.
Motive [Bearbeiten]
Die Motive der Schneekugeln sind sehr vielfältig und dabei nicht immer winterlich; es gibt Landschaften, Kirchen bzw. religiöse Motive, Schneemänner, Märchen- und Comicfiguren, Horrormotive, Engel etc. Oft haben sie eine Funktion als Souvenir oder Kinderspielzeug. Für Liebhaber sind Schneekugeln zu einem beliebten Sammelobjekt geworden. Der wohl bekannteste Sammler war Walter Benjamin.
Als Berliner Souvenir war gegen Ende der 1980er Jahre eine „Smogkugel“ erhältlich, die einen schwarzen Niederschlag enthielt.
Verwendungen vom Schneekugel-Motiv [Bearbeiten]
Das Gemälde Die Schneekugelstadt einer Lichtvitrine vom Schweizer Künstler Matthias Zimmermann verwendet das Motiv der Schneekugel in künstlerischem Kontext.[2]
Die Schneekugelstadt einer Lichtvitrine, 2011 Leinwand auf Keilrahmen, 100×280 cm
Künstler: Matthias Zimmermann
Im Film Die Schneekugel (Snowglobe) aus dem Jahr 2007 bildet eine verzauberte Schneekugel den zentralen Gegenstand.[3]
Schneekugelmuseum [Bearbeiten]
In Wien gibt es ein Schneekugelmuseum, welches die Geschichte der Schneekugel, sowie div. Schneekugel-Typen umfangreich präsentiert.[4]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Ein Wiener Unikat – die Schneekugel auf ORF-Volksgruppen vom 8. Dezember 2006 abgerufen am 7. Dezember 2009
- ↑ Urs Bugmann: Eine Welt in extremer Künstlichkeit, publiziert in Neue Luzerner Zeitung, Schweiz (PDF; 4,8 MB)
- ↑ Schneekugel in der Internet Movie Database (englisch)
- ↑ Schneekugelmuseum Wien
Literatur [Bearbeiten]
- Ulli Ludewig: Die Schneekugel, das vollklimatisierte Reiseandenken, Marburg/Lahn, Jonas Verlag 1983, ISBN 3-922561-20-9
- Erwin Perzy: Die Geschichte der Wiener Schneekugel, 2. Auflage, Wien 2010.
- Juliane Seger: Privat-Kosmos zum Schütteln, Plädoyer für ein Kitschobjekt in Religion heute, April 1984, S. 75–78
- Juliane Seger: Schneekugeln, Bunte Welt im Glas, Fackelträger-Verlag, Hannover 1985, ISBN 3-7716-1459-7
Weblinks [Bearbeiten]
- Schneekugel-Museum in Wien
- Wie man durch Schütteln rührt – Artikel über Schneekugeln im Magazin NZZ Folio
- Eintrag zu Schneekugel in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (im Heimatlexikon)
- Historie der Schneekugel