Schneeleopard
| Schneeleopard | ||||||||||||
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Schneeleopard (Panthera uncia) |
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Panthera uncia | ||||||||||||
| (Schreber, 1775) |
Der Schneeleopard oder Irbis (Panthera uncia) ist eine Großkatze (Pantherinae) der zentralasiatischen Hochgebirge. Er sieht einem Leoparden ähnlich, hat aber ein längeres, meist graues Fell. Schneeleoparden leben als Einzelgänger. Die Art ist trotz Einrichtung von Schutzgebieten infolge von Wilderei und Rückgang der Zahl der Beutetiere stark gefährdet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Merkmale
[Bearbeiten] Körperbau
Der Schneeleopard wirkt in seinem dicken Fell sehr massig, ist jedoch kleiner und leichter als ein durchschnittlicher Leopard.Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 100–150 cm, hinzu kommen 80–100 cm Schwanz. Die Schulterhöhe beträgt um die 60 cm und das Gewicht variiert zwischen 25 und 75 kg. Männliche Tiere sind mit durchschnittlich 45 bis 55 kg deutlich schwerer und auch größer als Weibchen, die meist zwischen 35 und 40 kg wiegen. Der dicht behaarte Schwanz ist extrem lang und hat beim Springen die Funktion eines Steuerruders. Beim Ruhen dient er dem Raubtier als Kälteschutz, indem er sich darin einrollt und das Ende über die Nase schlägt. Der Kopf ist relativ klein und durch eine kurze Schnauze sowie vergrößerte Nasenhöhlen gekennzeichnet, die die Aufgabe haben, kalte Atemluft zu erwärmen.
Die sehr großen Pfoten ähneln denen des Luchses und haben eine Art Schneeschuheffekt. Sie sind an den Sohlen mit einem Haarpolster bedeckt, das die Oberfläche zusätzlich vergrößert und so zur besseren Verteilung des Körpergewichtes beiträgt. Das erleichtert es diesen Großkatzen, über Schneefelder zu laufen, ohne allzu tief einzusinken. Darüber hinaus sind die Fußsohlen dadurch vor strenger Kälte besser geschützt.
[Bearbeiten] Fell
Die Grundfarbe des Fells ist ein helles Grau, das im Kontrast zu den schwarzen Flecken fast weiß aussehen kann. Die Variationsbreite der Färbung reicht von blassgrau bis cremefarben oder rauchgrau; die Unterseite ist heller, oft beinahe weiß. Die dunkelbraunen bis schwarzen Flecken auf Rücken, Flanken und Schwanz haben die Form von Ringen oder Rosetten, deren Inneres oft getupft ist. Nur an Kopf, Hals und Gliedmaßen werden die Rosetten durch Tupfen abgelöst. Das Fell ist zum Schutz vor extremer Kälte sehr lang und dicht, im Sommer aber wesentlich kürzer. Beim Sommerfell tritt auch die Fellzeichnung deutlicher hervor.
[Bearbeiten] Verbreitungsgebiet
Der Schneeleopard bewohnt die Hochgebirge Zentralasiens. Im Himalaya ist er ebenso zu Hause wie im Hindukusch, Pamir, Kunlun, Tianshan, Altai und benachbarten Gebirgszügen. Die nördlichsten Vorkommen liegen im Gebiet des Baikalsees, im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis Osttibet, im Süden bildet der Himalaya die Verbreitungsgrenze und im Westen der Hindukusch. Der größte Teil des Verbreitungsgebietes liegt in Tibet und anderen Teilen der Volksrepublik China.
Schneeleoparden leben in zwölf Ländern. Unklar ist, ob die Katze auch in Myanmar an der Grenze zu China vorkommt, wo zumindest potentielle Lebensräume existieren. Sollte es sich für dort bestätigen lassen, wäre Myanmar das 13. Land mit einer wildlebenden Schneleopardenpopulation.[1]
[Bearbeiten] Bestand
Die illegale, aber lukrative Pelzjagd hat die Bestände dieser Raubkatze erheblich reduziert. Auch die Knochen des Schneeleoparden sind in der Traditionellen Chinesischen Medizin begehrt und erzielen hohe Preise. Außerdem wird er verfolgt, weil er gelegentlich Haustiere schlägt. In allen Staaten seines Verbreitungsgebiets steht der Schneeleopard unter Schutz, doch Wilderei ist ein Problem, das ihn weiter gefährdet. Die Bejagung seiner natürlichen Beutetiere durch den Menschen stellt ebenfalls eine ernste Bedrohung für die Katze dar. In weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes ist der Schneeleopard heute sehr selten geworden. Die IUCN führt die Art als endangered (stark gefährdet).
| Land | Bestandsgröße | Jahr der Angabe |
|---|---|---|
| Afghanistan | < 100 | 2003 |
| Bhutan | 100–200 | 1994 |
| China | 2000–2500 | 1998 |
| Indien | 200–600 | 1994 |
| Mongolei | 500–1000 | 2000 |
| Nepal[3] | 300–400 | 2009 |
| Pakistan | 200–420 | 2003 |
| Russland | 150–200 | 2003 |
| Kasachstan | ca. 200 | 2001 |
| Kirgisistan | > 200? | 2001 |
| Tadschikistan | 180–220 | 2003 |
| Usbekistan | 20–50 | 2003 |
Schätzungen gehen von insgesamt 4500 bis 7500 wild lebenden Individuen aus, die sich auf eine Fläche von 1,9 Millionen km² verteilen. Im Lebensraum des Schneeleoparden existieren rund 120 Schutzgebiete, von denen die allermeisten aber zu klein sind, um mehrere dieser Raubtiere zu ernähren. Die Populationsdichte von Schneeleoparden schwankt je nach Region zwischen 0,5 und 10 Tieren pro 100 km². Die höchsten Dichten wurden in Nepal beobachtet, wo 5 bis 10 Tiere auf 100 km² leben.
[Bearbeiten] Afghanistan
Für Afghanistan liegen kaum Angaben zur Population des Schneeleoparden vor. Die Katzen dürften ebenso wie ihre Beutetiere durch den jahrzehntelangen Krieg starke Einbußen erfahren haben. Zum Verbreitungsgebiet gehören der große und kleine Pamir, der Wakhan-Korridor und die südlichen Teile Badakhshans.[1]
[Bearbeiten] Bhutan
In Bhutan befinden sich etwa 15.000 Quadratkilometer Lebensraum für Schneeleoparden. Es dürfte demzufolge etwa 100 Tiere beherbergen. Der wichtigste Nationalpark für den Schneeleoparden ist der Jigme-Dorje-Nationalpark.[1]
[Bearbeiten] China
China ist das Land mit der größten Zahl an Schneeleoparden und verfügt über 300.000 Quadratkilometer potentiell gutes Schneeleopardenhabitat.[4] Insgesamt werden über eine Million Quadratkilometer als geeignet eingeschätzt. Die Gesamtpopulation wurde für das Jahr 1994 auf 2000 bis 2500 Tiere geschätzt. Der Schneeleopard kommt innerhalb Chinas in den Provinzen beziehungsweise Autonomen Gebieten Tibet, Xinjiang, Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan vor. In der Inneren Mongolei steht er kurz vor dem Aussterben. In Gansu sind die meisten Populationen ebenfalls drastisch gesunken. Einige Teilpopulationen, etwa jene im Mazong Shan und weiteren nördlichen Gebirgen der Provinz sind völlig ausgestorben. Kleinere Restbestände halten sich in Gansu noch im Yanchiwan-Naturreservat und im Qilian Shan-Nautrreservat, von denen zumindest Letzteres eigentlich gute Lebensräume bietet. Über die Vorkommen in Sichuan und Yunnan am südöstlichen Rand des Schneeleoparden-Verbreitungsgebietes liegen kaum Daten vor.[1] Kürzlich konnte die Art allerdings durch Kamerafallen im Wolong-Naturschutzgebiet nachgewiesen werden.[5]
In den gewaltigen Schutzgebieten der zentralen tibetischen Hochländer, etwa im Changtang-Naturreservat und im Arjinshan-Naturreservat sind Schneeleoparden relativ selten, was auf die geringen Blauschafbestände und die wenigen Steilhänge in diesem Gebiet zurückzuführen sein dürfte. Im Autonomen Gebiet Tibet scheinen vor allem im Westteil und an der Grenze zu Nepal und Indien größere Bestände vorzukommen. So verfügt das Qomolangma-Naturreservat offenbar über eine recht gute Population.[1]
In der Autonomen Region Xinjiang wurde die Gesamtpopulation in drei Reservaten in den 1980er Jahren auf etwa 750 Tiere geschätzt, von denen etwa 15 im Tomur-Wildreservat im Tian Shan lebten.[6] In diesem Schutzgebiet, das eines der größten Schneeleopardenreservate Nordwestchinas darstellt, konnte sich die Population mittlerweile erholen. Zwei Untersuchungen der Jahre 2004 und 2005 kamen auf schätzungsweise 40-65 beziehungsweise 80-130 Tiere im Reservat.[7][8][9] Im Tian Shan erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis zur Mongolischen Grenze. Daneben kommen Schneeleoparden in Xinjiang auch im Altai, im Arjin Shan und Kunlun, die die Nordgrenze des Tibetischen Plateaus bilden und außerdem im Pamir und Karakorum an den Westlichen Grenzgebieten zu Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan vor. Eines der wichtigsten Reservate im Karakorum ist das Taxkorgan-Reservat, wo 1987 noch 50-57 Schneeleoparden vermutet wurden.[10]Hier ist die Zahl aufgrund der sinkenden Beutetierbestände allerdings inzwischen gesunken.[11] In Qinghai wurde die Gesamtpopulation in den 1980er Jahren auf etwa 650 Tiere geschätzt.[1]
[Bearbeiten] Indien
In Indien kommt der Schneeleopard nur in den Hochgebirgszonen im Norden des Landes vor. Das Land beherbergte in den 1980er Jahren vermutlich etwa 500 Schneeleoparden auf etwa 95.000 Quadratkilometer Fläche. Davon lebt der weitaus größte Teil in Ladakh, wo etwa im Hemis-Nationalpark eine große Population lebt.[1] Im Gebiet des Spiti-Flusses im Norden der Provinz Himachal Pradesh ernähren sich Schneeleoparden zu großen Teilen von Haustieren. Dennoch wird die Katze hier vor allem aus religiösen und kulturellen Gründen kaum verfolgt.[12]
[Bearbeiten] Nepal
In Nepal bewohnt der Schneleopard die Gebirgsketten im Norden an der Grenze zu Tibet. Relativ hohe Bestandsdichten von mindestens 5-10 Tieren pro 100 Quadratkilometer wurden in den 1980er Jahren im Gebiet des Shey-Phoksundo-Nationalparks im Nordwesten Nepals ermittelt.[13] Im Humla-Distrikt (Karnali) im Westen des Landes wird der Schneeleopard als Viehräuber verfolgt.[14] Ähnliches gilt für das Gebiet der Annapurna Conservation Area wo um des Jahr 1990 Untersuchungen zufolge die Mehrzahl der Viehalter eine Ausrottung des Schneeleoparden beführwortete.[15] Im Everest-Gebiet wurde der Schneeleopard auf nepalesischer Seite in den 1960er Jahren ausgerottet. Mittlerweile scheint er den Sagarmatha-Nationalpark wieder besiedelt zu haben. Dies war vor allem durch die Erholung der Bestände von Himalaya-Tahren und Moschustieren (Moschus chrysogaster) möglich.[16]
[Bearbeiten] Pakistan
In Pakistan bewohnt der Schneeleopard ausschließlich die Gebirgsketten der nördlichen Landesteile. Die Katze kommt hier in den Distrkten Chitral, Dir, Swat und Kohistan, in Gilgit-Baltistan sowie im Muzaffarabad-Distrikt vor. Pakistan besitzt etwa 80.000 Quadratkilometer potentielles Schneeleopardenhabitat, wovon etwa 40.000 Quadratkilometer als guter Lebensraum gelten. Die Art kommt in einigen Schutzgebieten des Landes, etwa im Chitral-Nationalpark und im Khunjerab-Nationalpark vor.[17] Schaller schätze die Population in Pakistan im Jahr 1976 vorsichtig auf 100-250 Tiere.[18] Eine jüngere Schätzung aus dem Jahr 2003 geht von insgesamt etwa 320-400 Schneeleoparden in ganz Pakistan aus. Diese Schätzung basiert im wesentlichen auf der Hochrechung einer Schneeleoparden-Zählung der Jahre 1998-2001 in der Region Baltistan, wo alleine etwa 90-120 Schneeleoparden leben sollen. In dieser Region bilden Schraubenziege und Sibirischer Steinbock die wichtigsten natürlichen Beutetiere. Die Bestandsdichten dieser Huftiere liegen zum Teil bei 0,5 pro Quadratkilometer. Die größte Bedrohung in Pakistan ist die Bejagung des Schneeleoparden als Viehdieb und zur Pelzgewinnung. Derzeit scheint der Druck auf die Katze allerdings noch mäßg zu sein, da die Viehhalter der Gegend arm und schlecht organisiert sind. Ob die zunehmende Trophäenjagd, von der die lokale Bevölkerung teilweise profitiert, eine Gefahr oder eine Chance für den Schneeleoparden darstellt, ist unklar und hängt vermutlich von den entsprechenden Bedingungen ab. Hohe Bestände von natürlichen Beutetieren nützen zwar erst einmal dem Schneeleoparden, doch könnte der Jagddruck auf die Katze zunehmen, wenn die lokale Bevölkerung sie als Feind dieser Einnahmen betrachtet.[17]
[Bearbeiten] Russland
Russland beherbert die nördlichsten Randpopulationen der Art. Zu den Bestandszahlen des Schneeleoparden in Russland liegen kaum handfeste Daten vor. Alle Angaben basieren lediglich auf groben Schätzungen. Eine Studie, die mit Hilfe von Kamerafallen und Spuren-Analysen im westlichen Sayan zwischen Januar und März 2008 durchgeführt wurde, kam zum Ergebnis, dass ein etwa 120 Quadratkilometer großes Areal im Bereich des Sayano-Shushenskoe-Reservates von insgesamt sechs Schneeleoparden aufgesucht wurde. Zu dieser Jahreszeit bewohnen die Tiere hier vor allem steile Süd- und Osthänge zwischen 540–1200 m über dem Meeresspiegel.[19]
[Bearbeiten] Kasachstan
Die einzigen stabilen Populationen in Kasachstan befinden sich offenbar im Almaty-Naturreservat und im Aksu-Jabagly-Naturreservat.[20]
[Bearbeiten] Gefährdung
Die Zahl der freilebenden Schneeleoparden wird auf maximal 4.500 bis 7.000 Exemplare geschätzt. Sie wurden deshalb bereits 1985 auf Vorschlag Deutschlands auf den Anhang I der UN Konvention zum Schutz der wandernden Tierarten gesetzt. Mit Ausnahme des tibetischen Plateaus befinden sich alle Schneeleopardenpopulationen genau in den Hochgebirgszügen, die sowohl die natürlichen als auch die nationalstaatlichen Grenzen zwischen den 12 Herkunftsländern bilden: Himalaja, Hindukusch / Karakorum, Tianshan und Altai. Im gesamten Verbreitungsgebiet der Schneeleoparden fehlt es eklatant an transnationaler Kooperation. In den Grenzregionen sind Schneeleoparden durch Wilderei und den Mangel an Beutetieren bedroht. Darüber hinaus häufen sich die Hinweise, dass in den Grenzregionen Angehörige des Militärs und Grenzposten sowohl Beutetieren als auch Schneeleoparden nachstellen. Der NABU fordert daher grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen für den akut vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden und begrüßt die Initiative Tadschikistans, im Rahmen der Vertragsstaatenkonferenz konkrete grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen in einem Abkommen festzuschreiben.[21]
Eine große Gefahr für den Schneeleoparden liegt darin, dass er bei den Viehzüchtern seiner Heimatregionen als Viehdieb ungeliebt ist und vielerorts auch verfolgt wird. Strategien zur Vermeidung von Angriffen auf Haustiere sind ein Schlüssel zum Schutz der bedrohten Katze. Besonders in Gebieten mit niedrigen Beständen an natürlichen Beutetieren greift der Schneeleopard häufig auf Haustiere als Nahrungsgrundlage zurück. Daher ist der Schutz von wilden Huftieren und Ausgleichszahlungen für geschädigte Viehzüchter entscheidend für den Erhalt des Schneeleoparden.[12][22]
Etwa 300 bis 500 Schneeleoparden leben heute in Zoologischen Gärten und ähnlichen Einrichtungen. In Gefangenschaft wird regelmäßig Nachwuchs großgezogen. Statt der durchschnittlichen Wurfgröße von zwei bis drei sind hier vereinzelt bis zu sieben Jungtiere zur Welt gekommen.
[Bearbeiten] Lebensweise
[Bearbeiten] Lebensraum
Der Lebensraum des Schneeleoparden liegt in Felsgebieten, Gebirgssteppen, Buschland und lichten Nadelwäldern. Er kommt in Hochebenen ebenso vor wie an steilen Klippen, doch immer ist er ein Bewohner des Gebirges. Dichte Wälder scheint er allerdings zu meiden. Im Sommer hält er sich bevorzugt oberhalb der Baumgrenze auf Bergwiesen und in felsigen Regionen auf, wobei er in Höhenlagen bis 6000 m aufsteigt. Im Winter folgt er seinen Beutetieren in die Täler, die in den Wäldern der tieferen Lagen (um 2000 m) Schutz und Nahrung suchen. In den nördlichsten, kühleren Regionen des Verbreitungsgebietes, etwa in Südrussland oder der Wüste Gobi, geht er bis auf etwa 900 m hinunter.
[Bearbeiten] Ernährung
Zu den Beutetieren des Schneeleoparden gehören im Sommer je nach Region Wildschafe, Blauschafe, Schraubenziegen, Moschustiere, Steinböcke, Tahre, Murmeltiere oder Pfeifhasen. Wenn er im Winter tiefere Lagen aufsucht, ernährt er sich vor allem von Hirschen, Rehen, Wildschweinen, Gazellen und Hasen. Schneeleoparden reißen immer wieder auch Haustiere wie Schafe, Ziegen, Yaks, Rinder, Esel und Pferde, die bis zum dreifachen ihres Körpergewichts wiegen können. In Notzeiten nimmt er auch mit Mäusen und Vögeln vorlieb.
Eine Studie, die zwischen 2007 und 2009 im Himalaya- und Karakorumgebiet im Norden Pakistans (Baltistan) durchgeführt wurde, kam zum Ergebnis, dass hier 70% der Gesamtbeutetiermasse aus Haustieren, vorwiegend Schafen, Ziegen, Rindern und Yaks, besteht. Nur etwa 30% der Nahrung machen Wildtiere, vor allem Sibirische Steinböcke, Schraubenziegen und Vögel aus. Eine Orientierung der Ernährung hin zu menschlichen Nutztieren kann man in vielen anderen Lebensräumen des Schneeleoparden beobachten. Die Ursache dafür sind rückläufige Bestände an natürlichen Beutetieren.[22] Im Pin Valley-Nationalpark in Himachal Pradesh (Nordindien), der über relativ gute Bestände an Sibirischen Steinböcken verfügt, machen natürliche Beutetiere etwa 58% der Nahrung aus. Dagegen besteht im benachbarten Kibber-Wildresevrat, in dem natürliche Beutetiere seltener, Haustiere dagegen häufiger, vorkommen, nur 42% der Nahrung aus natürlichen Beutetieren, vorwiegend Blauschafen. In beiden Reservaten fehlt zudem das Murmeltier, dass in anderen Gebieten einen großen Teil der Nahrung des Schneeleoparden ausmachen kann. Insgesamt scheinen Schneeleoparden in Gebieten, in denen Murmeltiere ausgerottet wurden, besonders stark auf Haustiere als Nahrung zurückzugreifen.[12] Im Mongolischen Altaigebirge stellen vor allem Sibirische Steinböcke eine wichtige Beute dar.[23]
Meist schleicht sich der Schneeleopard an die Beute an, um sie überraschend anzuspringen, oder aber er lauert ihr aus einem Hinterhalt auf. Dabei muss er den Abstand zwischen sich und seinem Opfer auf mindestens 30 bis 40 m reduzieren, um Erfolg zu haben. Meist nähert er sich aber auf etwa 6 bis 15 m an. Oft werden erhöhte Felsen als Ansitz genutzt, so dass er seine Opfer von oben überraschen kann.
[Bearbeiten] Streifgebiet
Die Größe des Streifgebietes richtet sich nach der Anzahl der verfügbaren Beutetiere. Da die Beutetiere im Hochgebirge meist nur in sehr geringen Populationsdichten vorkommen, nutzen Schneeleoparden in vielen Regionen riesige Flächen. Ein Revier umfasst 20 bis 40 km² in einem guten Jagdgebiet und bis zu 1000 km² in beutearmen Regionen wie der Mongolei. Die Territorien von Männchen und Weibchen überlappen einander oft beträchtlich.
Bis in die 1980er Jahre war über das Leben des Schneeleoparden in freier Wildbahn, insbesondere die Größe der Reviere und die Aktivitätszeiten, so gut wie nichts bekannt. Das wenige was bekannt war, stammte vor allem aus den Interpretationen von Spuren und den Berichten von Jägern. Die erste umfassende Studie, die detailiertere Informationen zur Lebensweise lieferte, wurde in den Jahren 1982-1985 im Shey-Phoksundo-Nationalpark im westlichen Nepal durchgeführt. Dabei wurde mittels Radiotelemetrie gearbeitet und insgesamt fünf Schneeleoparden mit Sendern markiert. Die Größe der Streifgebiete variierte hier zwischen 12 und 39 km², wobei teilweise große Überlappungen auftraten. In der Regel hielten die Individuen aber mindestens zwei Kilometer Abstand zueinander. Es gab keine Hinweise auf ein Patroullieren an den Reviergrenzen. Die meiste Zeit brachten die Tiere in den Kernzonen der Streifgebiete zu. Eine saisonale Verschiebung der Streifgebiete konnte in diesem Gebiet ebenfalls nicht beobachtet werden.[13]
Eine weitere recht umfassende Studie mit Hilfe von Radiotelemetrie wurde in den Jahren 1994-1997 im Mongolischen Altai, nordöstlich des Großen Gobi-B-Schutzgebietes durchgeführt. Die Streifgebeite lagen dabei zwischen 14 und 142 km². Die meisten Positionen wurden in konventioneller Weise vom Boden aus ermittelt, wodurch die Tiere bisweilen nicht geortet werden können, weil sie sich außerhalb des Empfangsbereiches aufhalten. Dies führt letztendlich zu einer Unterschätzung der Tatsächlichen Reviergröße. Ergänzend wurde in dieser Studie daher zusätzlich Satellitentelemetrie eingesetzt, bei der die Reichweite oder störende Bergketten unproblematisch sind. Mit dieser Methode ergab sich für ein Weibchen, dass nach den vom Boden aus durchgeführten Messungen ein Streifgebiet von 58 km² hatte, ein Streifgebiet von etwa 1600 km². Bei Hinzunahme der äußersten Ausreißer ergäbe sich sogar ein Areal von etwa 4500 km², was ber wohl über dem regelmäßig aufgesuchten Streifgebiet liegt. Reviere in der Größenordung von mehreren hundert Quadratkilometern decken sich besser mit dem was nach den recht niedrigen Beutetierbeständen zu erwarten ist. Die Schneeleparden leben in dem Gebiet vor allem von Sibirischen Steinböcken, deren Bestandsdichte hier bei etwa einem Tier pro km² liegt. Berechnet man die potentiell benötigte Reviergröße bei dieser Beutetierdichte, ergibt sich ein durchschnittliches Streifgebiet von etwa 130–260 km², bei überlappenden Revieren von durchshcnittlich jeweils drei Tieren etwa 380–770 km², was mit den über Satellitentelemtrie ermittelten Daten recht gut übereinstimmt.[23]
An häufig begangenen Wegen markiert der Schneeleopard sein Revier mit Kratzspuren, Kot und einem Duftsekret. Meist hält er sich etwa 7 bis 10 Tage in einem begrenzten Gebiet auf, um dann in einen anderen Teil des Reviers zu wechseln. Der Schneeleopard galt gemeinhin eher als Nachttier, ist jedoch offenbar auch häufig am Tage und vor allem in der Dämmerung aktiv. Als Unterschlupf sucht er häufig in Grotten oder Felshöhlen Schutz, deren Boden nach einer gewissen Zeit mit einer dicken Schicht aus Haaren gepolstert ist.
[Bearbeiten] Fortpflanzung
Schneeleoparden sind Einzelgänger und kommen nur zur Paarungszeit zwischen Januar und März zusammen. Der Paarungsruf ist ein langgezogenes Heulen. Der Sexualzyklus des Weibchens dauert 15 bis 39 Tage, und an 2 bis 12 Tagen eines Zyklus ist es paarungsbereit. Die Tragzeit dauert 98 bis 103 Tage. Im Wurf befinden sich ein bis fünf, meist zwei bis vier Junge, die zwischen April und Juni im Schutz einer Felshöhle zur Welt kommen. Diese ist mit den Haaren des Muttertieres ausgepolstert.
Die Jungen sind bei der Geburt schwarz, blind und wiegen etwa 450 g. Nach sieben bis neun Tagen öffnen sie die Augen, und nach etwa zwei Monaten nehmen sie erstmals feste Nahrung zu sich. Sie bleiben 18 bis 22 Monate bei der Mutter, wodurch zwischen zwei Würfen mindestens zwei Jahre liegen.
Angaben zum durchschnittlichen oder maximalen Alter wildlebender Individuen liegen nicht vor; in Gefangenschaft betrug die Lebensdauer bis zu 21 Jahre.
[Bearbeiten] Systematik
Der Schneeleopard zählt zu den Großkatzen (Pantherinae) und wurde ursprünglich zur Gattung Panthera gestellt. Aufgrund einiger Besonderheiten im Schädelbau wurde er später der separaten Gattung Uncia zugeordnet. Neuere molekulargenetische Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass er doch zur Gattung Panthera gehört.
Obwohl er wie Löwe, Jaguar, Leopard und Tiger ein unverknöchertes, elastisches Zungenbein besitzt, das früher mit der Fähigkeit zum Brüllen in Verbindung gebracht wurde, brüllt der Schneeleopard nicht. Neuere Studien zeigen, dass die Fähigkeit zum Brüllen vor allem mit der speziellen Morphologie des Kehlkopfs zusammenhängt. Der Schneeleopard besitzt diese Kehlkopf-Morphologie genauso wenig wie Kleinkatzen. Eine weitere Eigenschaft unterscheidet ihn von den vier genannten Arten. Er verzehrt seine Beute in Hockstellung, wie Kleinkatzen es tun, und nicht wie typische Großkatzen im Liegen.
Auf der Grundlage der Fellfärbung dreier Einzelindividuen wurden bis zu drei Unterarten vorgeschlagen: Diese sind Panthera uncia schneideri (Exemplar aus Sikkim), Panthera uncia uncoides (Fell aus Nepal) und Panthera uncia uncia (Fell unbekannter Herkunft). Diese Einteilung fand jedoch keine allgemeine Akzeptanz.
[Bearbeiten] Fossilfunde
Bis vor kurzem waren vom Schneeleoparden nur wenige Fossilfunde aus dem späten Pleistozän bekannt, die aus dem Altai-Gebirge an der Westgrenze der Mongolei stammen. Doch neuere Funde aus den Siwaliks in Nordpakistan zeigen, dass die Katze hier wahrscheinlich vor 1,2 bis 1,4 Millionen Jahren verbreitet war. Allerdings scheint der Schneeleopard schon immer auf den asiatischen Kontinent beschränkt gewesen zu sein. Angebliche Funde aus dem Jungpleistozän Europas stammen von Leoparden oder großen Luchsen.
[Bearbeiten] Der Schneeleopard als Kulturobjekt
Der Schneeleopard ist ein nationales Symbol für Tataren und Kasachen. Das Staatswappen Tatarstans zeigt einen stilisierten, geflügelten Schneeleoparden. Der Schneeleopard-Orden wurde an sowjetische Bergsteiger verliehen, die alle fünf Siebentausendergipfel auf dem Gebiet der Sowjetunion erfolgreich bestiegen hatten.
Angriffe auf Menschen wurden bisher nicht bekannt.
[Bearbeiten] Literatur
- Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9
- David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Deutsche Ausgabe: Könemann in der Tandem Verlag GmbH, 2004 ISBN 3-8331-1006-6
- Dianne N. Janczewski, William S. Modi, J. Claiborne Stephens, and Stephen J. O’Brien (1996). Molecular Evolution of Mitochondrial 12S RNA and Cytochrome b Sequences in the Pantherine Lineage of Felidae. Molecular Biology and Evolution 12 (4): 690. Retrieved on 26. September 2006.
- Sunquist, M. E. & Sunquist, F. C. (2009). Family Felidae (Cats). (128-130). In: Wilson, D. E., Mittermeier, R. A., (Hrsg.). Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009. ISBN 978-84-96553-49-1
[Bearbeiten] Weblinks
- Seite des NABU über ein engagiertes Artenschutzprogramm für den Schneeleoparden
- Snow Leopard Conservancy (english)
- Dissertation mit ausführlichen Informationen zum Schneeleopard (PDF-Datei; 1,32 MB)
- Der Schneeleopard
- Animal info (english)
- Uncia uncia in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Cat Specialist Group, 2002. Abgerufen am 11. Mai 2006
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g McCarthy, T. M. and G. Chapron (2003). Snow Leopard Survival Strategy. ISLT and SLN, Seattle, USA. International Snow Leopard Trust, Seattle, Washington.
- ↑ Bestandszahlen
- ↑ WWF International, 300 – 400 snow leopards estimated to be found in Nepal, 27. Juli 2009
- ↑ McCarthy, T. M. and G. Chapron (2003). Snow Leopard Survival Strategy. Seattle, USA, International Snow Leopard Trust.
- ↑ Sheng Li, Dajun Wang, Zhi Lu, William J. McShea: Cats living with Pandas - The status of wild felids within giant panda range, China. CATnews 52 Spring 2010
- ↑ George B. Schaller, Li Hong, Talipu, Ren Junrang and Qiu Mingjiang: The snow leopard in Xinjiang, China. Oryx (1988), 22 : pp 197-204
- ↑ Feng Xu, Ming Ma, and Yiqun Wu: Recovery of Snow Leopard Uncia uncia in Tomur National Nature Reserve of Xinjiang, Northwestern China. Pakistan J. Zool., vol. 42(6), pp. 825-827, 2010.
- ↑ Mardan Turghan, Ming Ma, Feng Xu and Yan Wang: Status of snow leopard Uncia uncia and its conservation in the tumor peak natural reserve in Xinjiang, China. International Journal of Biodiversity and Conservation Vol. 3(10), pp. 497-500, 4 October, 2011. ISSN 2141-243X
- ↑ Ma M, Xu F, Chunddawat RS, Jumabay K, Wu YQ, Aizezi, Zhu MH: Camera Trapping of snow leopards for the photo capture rate and population size in the Muzat Valley of Tianshan Mountains. Acta Zoologica Sinica, (2006) 4: 788-793
- ↑ Schaller, G. B., H. Li, et al. (1987). "Status of Large Mammals in the Taxkorgan Reserve, Xinjiang, China." Biological Conservation 42(1): 53-71.
- ↑ Philip Riordan and Shi Kun: Snow Leopard Survey of Taxkurgan Nature Reserve 2009. Report to Snow Leopard Conservation Grants Program. Wildlife Conservation Research Unit, January 2010.
- ↑ a b c S. Bagchi & C. Mishra: Living with large carnivores: predation on livestock by the snow leopard (Uncia uncia). Journal of Zoology 268 (2006) 217–224, ISSN 0952-8369
- ↑ a b Jackson, R. & Ahlborn, G. 1989. Snow leopards (Panthera uncia) in Nepal: Home Range and Movements. Nat. Geo. Research. 5(2):161-175.
- ↑ J.R Khatiwada and Y. Ghimirey: Status of Snow Leopard (Uncia uncia) in Humla District, Western Nepal. Scientific World, Vol. 7, No. 7, July 2009
- ↑ Madan K. Oli, Iain R. Taylor, M. Elizabeth Rogers: Snow leopard Panthera uncia predation of livestock: An assessment of local perceptions in the Annapurna Conservation Area, Nepal, Biological Conservation, Volume 68, Issue 1, 1994, Pages 63–68.
- ↑ Som B. Ale, Pralad Yonzon und Kamal Thapa: Short Communication: Recovery of snow leopard Uncia uncia in Sagarmatha (Mount Everest) National Park, Nepal. Oryx Vol 41 No 1 January 2007
- ↑ a b Shafqat Hussain: The status of the snow leopard in Pakistan and its conflict with local farmers. Oryx Vol 37 No 1 January 2003
- ↑ Schaller, G. (1976) Mountain Mammals in Pakistan. Oryx, 13, 351-356.
- ↑ A. E. Subbotin and S. V. Istomov: The Population Status of Snow Leopards Uncia uncia (Felidae, Carnivora) in the Western Sayan Mountain Ridge. Doklady Biological Sciences, 2009, Vol. 425, ISSN 0012-4966 (S. 183–186)
- ↑ O. Loginov: Status and Conservation of Snow Leopard in Kazakstan. 8th International Snow Leopard Symposium Proceedings. - Washington, 1995. Pp. 39-41.
- ↑ http://www.nabu.de/themen/international/laender/tadschikistan
- ↑ a b Muhammad Bilal Anwar, Rodney Jackson, Muhammad Sajid Nadeem, Jan E. Janečka, Shafqat Hussain, Mirza Azhar Beg, Ghulam Muhammad & Mazhar Qayyum: Food habits of the snow leopard Panthera uncia (Schreber, 1775) in Baltistan, Northern Pakistan. Eur J Wildl Res, 2011. DOI 10.1007/s10344-011-0521-2
- ↑ a b Thomas M. McCarthy, Todd K. Fuller, Bariusha Munkhtsog: Movements and activities of snow leopards in Southwestern Mongolia. Biological Conservation 124 (2005) 527–537
| Dieser Artikel wurde am 4. November 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |