Schneisingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schneisingen
Wappen von Schneisingen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4318i1f3f4
Postleitzahl: 5425
Koordinaten: 669899 / 26360247.5194398.36667493Koordinaten: 47° 31′ 10″ N, 8° 22′ 0″ O; CH1903: 669899 / 263602
Höhe: 493 m ü. M.
Fläche: 8.26 km²
Einwohner: 1317 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 159 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.schneisingen.ch
Kirche in Oberschneisingen

Kirche in Oberschneisingen

Karte
Klingnauer Stausee Deutschland Kanton Zürich Bezirk Aarau Bezirk Baden Bezirk Brugg Bezirk Laufenburg Bad Zurzach Baldingen AG Böbikon Böttstein Döttingen AG Endingen AG Fisibach Full-Reuenthal Kaiserstuhl AG Klingnau Koblenz AG Leibstadt Lengnau AG Leuggern Mellikon Rekingen Rietheim AG Rümikon Schneisingen Siglistorf Tegerfelden WislikofenKarte von Schneisingen
Über dieses Bild
w
Landgasthof Alpenrösli
Schafe in Oberschneisingen

Schneisingen (schweizerdeutsch: ˈʃnæisigə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Zürich und rund fünf Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in der Übergangszone zwischen dem Tafeljura und dem Mittelland in einem zwei Kilometer langen Seitental der Surb und besteht aus mehreren Ortsteilen. Diese sind locker zusammengewachsen und verleihen dem Dorf eher den Charakter einer Streusiedlung. Von der südöstlichen Ecke des Gemeindegebiets in Richtung Nordwesten sind dies Hüniken (445 m ü. M.), Unterschneisingen (460 m ü. M.), Mittelschneisingen (493 m ü. M.) und Oberschneisingen (531 m ü. M.). Nicht mit diesen Ortsteilen verbunden ist der Weiler Widen (475 m ü. M.), der rund einen Kilometer von Oberschneisingen entfernt unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Lengnau liegt.[4]

Das Gelände westlich des Seitentals besteht aus dem sanften Abhang der Egg (600 m ü. M.), die zwischen Oberschneisingen und Widen liegt. Daran schliesst sich die weitläufige, flache Hochebene des Bowalds an, die eine Höhe von 607 Metern erreicht. Ganz im Norden besitzt Schneisingen einen kleinen Anteil am Tal des Chrüzlibachs, der bei Rekingen in den Rhein mündet. Das Gelände östlich des Seitentals ist wesentlich steiler und steigt zum 596 Meter hohen Schüliberg an, der ebenfalls eine flache Hochebene aufweist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 826 Hektaren, davon sind 343 Hektaren bewaldet und 77 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 611 Metern beim Schüliberg im Gebiet Platten, der tiefste auf 440 Metern an der Surb.

Nachbargemeinden sind Wislikofen und Siglistorf im Norden, Niederweningen im Osten, Ehrendingen im Süden, Lengnau im Westen sowie Böbikon im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Fundgegenstände beweisen, dass die Gegend schon während der Römerzeit besiedelt war. Die erste urkundliche Erwähnung von Sneisanch erfolgte im Jahr 1113. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Sneisunwang und bedeutet «Abhang bei der Schneise».[3] Die Edlen von Waldhausen stifteten die Propstei Wislikofen und schenkten dem Kloster St. Blasien zu diesem Zweck umfangreichen Grundbesitz in der Region. Nachdem die Freiherren von Regensberg und später das Bistum Konstanz für einige Jahrzehnte die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt hatten, kam diese schliesslich ebenfalls zum Kloster. Die hohe Gerichtsbarkeit (und damit die auch Landeshoheit) lag zunächst bei den Grafen von Kyburg, nach deren Aussterben im Jahr 1264 bei den Habsburgern.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Schneisingen gehörte fortan zum Amt Ehrendingen der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. 1681 verpfändete das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit an die Familie Schnorf aus Baden, die bis 1798 sämtliche Untervögte stellte. Vier grosse Brände in den Jahren 1771, 1773, 1780 und 1785 richteten erheblichen Sachschaden an. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Schneisingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Seit der Zeit der Helvetik befindet sich im Bowald nördlich von Oberschneisingen ein Alpenrosengarten, was im Tafeljura einmalig ist. Der Sage nach sollen die Samen von Flüchtlingen aus Nidwalden hierher gebracht worden sein, als sie vor Napoleons Truppen flohen. Seit 1874 steht der Alpenrosengarten unter Naturschutz. Noch heute wird Schneisingen oft auch «Alpenrosendorf» genannt.[5]

1891 erhielt Schneisingen einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als die Linie DielsdorfNiederweningen eröffnet wurde, der Bahnhof befindet sich exakt an der Gemeindegrenze. Der Weiterbau durch das Surbtal nach Döttingen kam nie zustande und wurde 1937 endgültig zu den Akten gelegt. Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts stoppte den Bevölkerungsrückgang. Neben dem Bahnhof entstand ein Teil der Niederweninger Maschinenfabrik Bucher. Allein seit 1970 hat die Bevölkerungszahl um mehr als die Hälfte zugenommen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über hohem grünen Dreiberg zwei sechsstrahlige gelbe Sterne.» Das Wappen war erstmals 1872 auf dem Gemeindesiegel abgebildet. Mit Grün und Blau herrschen zwei dunkle Farben vor, die sich gegenseitig neutralisieren. 2002 schlug die kantonale Wappenkommission vor, entsprechend den heraldischen Farbregeln den Dreiberg gelb oder weiss zu färben, was der Gemeinderat jedoch ablehnte.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 442 623 536 602 778 878 874 1037 1135 1232 1339

Am 31. Dezember 2013 lebten 1317 Menschen in Schneisingen, der Ausländeranteil betrug 8,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 57,4 % römisch-katholisch und 28,3 % reformiert und 2,3 % moslemisch; 1,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,1 % Albanisch, 0,6 % Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Schneisingen gehört zum Friedensrichterkreis Kaiserstuhl.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Schneisingen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 380 Arbeitsplätze, davon 21 % in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 49 % im Dienstleistungssektor.[10] Die wichtigste Firma ist das Maschinen- und Fahrzeugbau-Unternehmen Bucher Industries, deren Fabrikgelände sich teilweise auf Schneisinger Gebiet befindet. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Baden oder in der Agglomeration Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Schneisingen liegt an der Hauptstrasse 17, die von Döttingen durch das Surbtal und das Wehntal nach Dielsdorf führt. Der Bahnhof Niederweningen, die Endstation der Linie S5 der S-Bahn Zürich liegt exakt an der Kantonsgrenze. Von dort aus führt eine Postautolinie nach Döttingen, eine weitere Linie führt von Baden über Schneisingen nach Kaiserstuhl.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Lengnau besucht werden, die Bezirksschule in Baden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schneisingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 184–187.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5. Die Sage der Schneisinger Alpenrosen
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 270.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.