Schnelltelegrafie

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Morsenachricht mit 30 WPM
Halbautomatische Morsetaste von Vibroplex
Elektronische Morsetaste

Schnelltelegrafie ist Morsetelegrafie mit besonders hohen Geschwindigkeiten.

Die Geschwindigkeit von Telegrafienachrichten wird in BPM (Buchstaben pro Minute) oder WPM (Wörtern pro Minute) gemessen. Gebräuchlich ist dabei die PARIS-Norm: Wenn man das Wort PARIS 30 mal in genau einer Minute sendet, beträgt die Geschwindigkeit 30 WPM oder 150 BPM.[1] Dies entspricht einer Dauer von 40 Millisekunden für einen Punkt und 120 Millisekunden für einen Strich.[2]

Zur Erleichterung beim Senden werden mechanische halbautomatische Morsetasten oder elektronische automatische Morsetasten verwendet. Halbautomatische Tasten geben mehrere Punkte automatisch mit einem Pendel, während Striche von Hand gegeben werden. Elektronische Tasten geben auch Strichfolgen automatisch. Professionelle Funkdienste, wie etwa Küstenfunkstellen, sendeten Telegramme auch mit automatischen Gebern ab Lochstreifen.

Im Geben mit der Handtaste gilt der US-amerikanische Militärfunker und Funkamateur Harry Abner Turner (1906–1994, Rufzeichen W9YZE) mit einer Tastgeschwindigkeit von 175 Zeichen pro Minute im Jahr 1942 als Rekordhalter.[3][4] Internationale Wettbewerbe im Gehörlesen für Funkamateure werden von der International Amateur Radio Union organisiert. Der schnellste Telegrafist war der US-Amerikaner Theodore Roosevelt McElroy (1904–1963) im Jahre 1939 mit einer Geschwindigkeit von 75,2 WPM[5] und 1954 Fjodor Wassiljewitsch Rosljakow (1918–1972)[6] aus der Sowjetunion mit 88 WPM.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Umrechnung der Geschwindigkeit in die amerikanische CODEX-Norm dividiert man durch 1,2 und zur Umrechnung in die Schweizer VVVVV-Norm durch 1,28.
  2. Da Striche dreimal so lange dauern wie Punkte, besteht das Wort PARIS inkl. Zeichen- und Wortabständen aus 50 Punktlängen. Eine Geschwindigkeit von 30 WPM entspricht also 1500 Punktlängen in 60 Sekunden und somit einer Punktlänge von 40 ms.
  3. Joachim Beckh: Blitz & Anker: Informationstechnik - Geschichte und Hintergründe, Band 1. Books on Demand, Norderstedt 2005, Seite 350.
  4. Lewis Coe: Wireless Radio: A Brief History. McFarland, Jefferson NC 1996, Seite 139.
  5. World's record established in code receiving. In: The Asheville Times, 3. Juli 1939.
  6. Georgi Ulijanz (UY5XE): Entstehung und Entwicklung der Radioliebhaberbewegung. S. 30 f, abgerufen am 27. November 2012 (RTF, 947 kB, Fjodor Wassiljewitsch Rosljakow wird in der Umschrift als Fedor Rosljakow genannt).
  7. I. A. Demjanow, I. W. Kasanski: Радиоспорт в СССР. Energija, Moskau 1979, Seite 42.