Schneverdingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schneverdingen
Schneverdingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schneverdingen hervorgehoben
53.11669.792397Koordinaten: 53° 7′ N, 9° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Heidekreis
Höhe: 97 m ü. NN
Fläche: 234,58 km²
Einwohner:

18.837 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29640
Vorwahlen: 05193, 05198, 05199, 04265
Kfz-Kennzeichen: HK
Gemeindeschlüssel: 03 3 58 019
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schulstraße 3
29640 Schneverdingen
Webpräsenz: www.schneverdingen.de
Lage der Stadt Schneverdingen im Landkreis Heidekreis
Landkreis Heidekreis Niedersachsen Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Landkreis Verden Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Landkreis Celle Lindwedel Buchholz Schwarmstedt Essel Hademstorf Gilten Grethem Eickeloh Hodenhagen Böhme Häuslingen Ahlden Frankenfeld Rethem Walsrode Neuenkirchen Bomlitz Schneverdingen Osterheide Bad Fallingbostel Wietzendorf Soltau Munster BispingenKarte
Über dieses Bild

Schneverdingen (niederdeutsch/plattdüütsch Snevern) ist eine Stadt im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen und gehört zur Metropolregion Hamburg. Schneverdingen ist ein bekannter Ausgangspunkt für den Fremdenverkehr zum Naturpark Lüneburger Heide.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Schneverdingen liegt mitten in der Lüneburger Heide zwischen Soltau im Süden, Rotenburg (Wümme) im Westen und Buchholz in der Nordheide im Norden. Östlich von Schneverdingen beginnt der Naturpark Lüneburger Heide.

Neben Schneverdingen selbst gehören folgende Ortschaften zur Kommune: Ehrhorn, Großenwede, Heber, Insel, Langeloh, Lünzen, Schülern, Wesseloh, Wintermoor und Zahrensen.

[Bearbeiten] Nachbarstädte

Sittensen
32km
Buxtehude
45km
Buchholz (Nordheide)
29km
Rotenburg (Wümme), Bremen
28km, 60km
Nachbargemeinden Bispingen, Lüneburg
17km, 60km
Neuenkirchen, Visselhövede, Verden
12km, 22km, 47km
Soltau
17km
Celle
65km

[Bearbeiten] Geschichte

Im Jahre 1231 wurde Schneverdingen erstmals urkundlich erwähnt. Der Bischof Iso von Verden zwang den Ministerialen Lippold von Zahrenhusen, auf die Vogtei „Snewordinge“ zu verzichten.

Die Gegend um Schneverdingen herum ist maßgeblich von eiszeitlichen Einflüssen und Viehhaltung, insbesondere der Heidschnucken, geprägt. Durch die Bewirtschaftung mit diesem Vieh, in Verbindung mit den kargen Sandböden, entstand eine großflächige Heidelandschaft (mit Calluna vulgaris bewachsen), welche heutzutage viele Touristen anzieht. Trotzdem war weder die Viehhaltung noch der Ackerbau ergiebig, weshalb sich auch nie eine hohe Bevölkerungsdichte einstellte.

Mit der Erfindung des Mineraldüngers wurde die Landwirtschaft zunehmend bedeutender, standen doch große Flächen, vorher mäßig fruchtbar, plötzlich in zunehmendem Maße ertragreich, zur Verfügung. Mitte des 19. Jahrhunderts traten andere handwerkliche Berufe stärker in den Vordergrund. Große Bedeutung erlangte die Lederverarbeitung zur Herstellung von Schuhen. Zur Blütezeit arbeiteten in Schneverdingen über 300 Schuhmacher. Daraus entwickelten sich zahlreiche Schuhfabriken, von denen heute allerdings aufgrund des Strukturwandels in dieser Branche nur noch ein Betrieb existiert.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbindet die Heidebahn Schneverdingen mit Hamburg im Norden sowie Hannover im Süden. Sie trug unrühmlich zur Geschichte des Deutschen Reiches bei. Auf ihr wurden Menschen in Konzentrationslager transportiert, insbesondere ins KZ Bergen-Belsen. Zu diesem Thema werden noch lokal-historische Forschungen angestellt, weswegen eine abschließende Dokumentation schwer möglich ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts unterhielt der Yachtkonstrukteur Max Oertz für Testflüge einen Flugplatz in Schneverdingen. Noch heute zeugen die Straßen "Am alten Flugplatz" und die "Max-Oertz-Str." hiervon, der Flugplatz ist heute ein Segelfluggelände.

Bei Reinsehlen, ein Teil des Ortsteils Insel, entstand ab 1938 ein Militärflugplatz der Deutschen Luftwaffe. Er diente während des Zweiten Weltkriegs als Ausbildungs- und Einsatzflugplatz unter dem Tarnnamen Posemuckel. In der Kriegsendphase ab 1945 waren auf dem Flugplatz die ersten neuartigen Düsenflugzeuge stationiert, wie der erste strahlgetriebene Bomber Arado 234. Nach dem Einmarsch britischer Truppen nutzen sie militärischen Einrichtungen und Unterkünfte, stellten sie aber 1946 deutschen Behörden zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen zur Verfügung. Ab 1946 lebten darin durchschnittlich etwa 1.500 Personen, womit es eines der größten Flüchtlingslager in Norddeutschland war. 1949 forderte die britische Besatzungsmacht das Lager zurück zur Einrichtung eines militärischen Trainingscamps. Ab 1950 diente das ehemalige Flugplatzgelände unter dem Namen Camp Reinsehlen als Basislager für britische Panzerübungen in der Lüneburger Heide.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich der Ort. Die Bevölkerung wuchs schnell an. 1976 erhielt Schneverdingen Stadtrechte. Heutzutage prägen über 1.500 Betriebsstätten aus den Bereichen Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung das Stadtbild und stellen rund 4.000 Arbeitsplätze.

Aufgrund der besonderen landschaftlichen Lage ist der Fremdenverkehr mit etwa 200.000 jährlichen Übernachtungen der wichtigste Wirtschaftsfaktor geworden, vor allem nachdem im Jahre 1994 die militärische Nutzung des Soltau-Lüneburg-Übungsraumes rund um das britische Militärlager Camp Reinsehlen aufgegeben wurde.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten und Touristik

[Bearbeiten] Infrastruktur

[Bearbeiten] Politik

Schneverdingen ist gegliedert in den Kernort Schneverdingen und zehn Ortschaften. Jede der Ortschaften hat einen Ortsvorsteher. Diese werden vom Stadtrat auf Vorschlag der Fraktion bestimmt, deren Mitglieder der Partei oder Wählergruppe angehören, die in der jeweiligen Ortschaft bei der letzten Stadtratswahl die meisten Stimmen erhalten hat. Hauptamtliche Bürgermeisterin ist seit 1. November 2011 Meike Moog-Steffens (parteilos, jedoch für die SPD angetreten). Ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeister sind Hans-Jürgen Thömen (SPD), Karin Meyer (CDU) und Christopher Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

Der Stadtrat setzt sich aus dem hauptamtlichen Bürgermeister sowie 32 weiteren Ratsfrauen und -herren zusammen. Nach dem Ergebnis der letzten Kommunalwahlen 2011 entfielen auf die SPD insgesamt vierzehn, auf die CDU elf, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fünf, sowie auf eine örtliche Wählergemeinschaft und die NPD jeweils ein Sitz. Die Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bilden eine Gruppe, mit der sie über eine solide Mehrheit (19 der 32 ehrenamtlichen Ratsmitglieder) verfügen.

In den Verwaltungsausschuss, der hinter dem Stadtrat und vor dem Bürgermeister das zweithöchste Entscheidungsorgan der Stadt ist, entsenden die SPD neben der Bürgermeisterin vier, die CDU drei und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Beigeordneten. Der Erste Stadtrat Friedrich Heine (parteilos) hat einen Sitz mit beratender Stimme.

[Bearbeiten] Partnerstädte

Zu der polnischen Stadt Barlinek (ehemals Berlinchen) in der Woiwodschaft Westpommern (ehemals Kreis Soldin) pflegt Schneverdingen seit 1993 eine aktive Partnerschaft. Um die Partnerschaft mit Leben auszufüllen, wurde am 15. März 1995 die Deutsch-Polnische Gesellschaft Schneverdingen e. V. gegründet. Auf polnischer Seite fand im Gegenzug die Gründung einer Polnisch-Deutschen Gesellschaft statt. Zahlreiche Begegnungen haben seither stattgefunden. Waren es zunächst gegenseitige Besuche der „Offiziellen“, wurde die Partnerschaft zunehmend durch Kontakte auf der Ebene der Vereine und Schulen bereichert.

In seiner Sitzung am 7. Juni 2001 hat der Rat der Stadt Schneverdingen hat eine weitere Städtepartnerschaft mit Eksjö in Schweden beschlossen. Da bereits seit 1996 eine Partnerschaft zwischen Eksjö und Barlinek besteht, wurde damit die Dreierbeziehung Schneverdingen-Barlinek-Eksjö komplett. Die Partnerschaftsurkunde wurde in Eksjö während der Veranstaltung „Eksjö-Tattoo“ vom 2. bis 5. August 2001 und in Schneverdingen während des Stadtjubiläums am 27./28. Oktober 2001 unterzeichnet.

[Bearbeiten] Bildung

Schneverdingen bietet seinen Bürgern Bildungseinrichtungen im Elementar-, Primar-, Sekundar-I- und Sekundar-II-Bereich. Insgesamt hat die Gemeinde vier Grundschulen, eine Förderschule und eine Kooperative Gesamtschule, inklusive gymnasialer Oberstufe, die einzige weiterführende Schule der Kommune.

[Bearbeiten] Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Schneverdingen hat zehn Ortsfeuerwehren mit insgesamt 80 aktiven Kameraden. Stadtbrandmeister ist seit 2012 Manfred Ehlermann und stellv. Stadtbrandmeister Gerd Bürger

[Bearbeiten] Hamburg-Anbindung

Schneverdingen ist traditionell nach Hamburg orientiert. Viele Berufstätige pendeln täglich nach Hamburg, Schneverdingen wird auch manchmal als südlichster Zipfel des „Hamburger Speckgürtels“ bezeichnet. Für diese Zugehörigkeit spricht auch, dass Schneverdingen mittlerweile an den HVV (Hamburger Verkehrsverbund) angeschlossen wurde. Bislang gilt der HVV-Tarif allerdings nur für Zeitkarten.

[Bearbeiten] Sport

Der TV Jahn Schneverdingen ist mit knapp 3500 Mitgliedern der größte Verein des Landkreises. Im Damen-Faustball zählt der TV Jahn mit etlichen gewonnenen Deutschen Meisterschaften sowie Erfolgen im Europapokal und Weltpokal zu den erfolgreichsten Vereinen.

[Bearbeiten] Religion

Peter-und-Paul-Kirche

Die Mehrheit der konfessionell gebundenen Einwohner gehört zur evangelisch-lutherischen Landeskirche. Insgesamt bestehen drei evangelisch-lutherische Gemeinden: Die Peter-und-Paul-Kirche, die Markusgemeinde mit der Eine-Welt-Kirche und die Friedenskirche Heber. Daneben existiert die römisch-katholische Filialgemeinde St. Ansgar der Soltauer Pfarrgemeinde St. Maria, eine neuapostolische Gemeinde sowie Zeugen Jehovas und Angehörige des Islam. Im Ortsteil Lünzen besteht ein buddhistisches Meditationshaus des Tibetischen Zentrums Hamburg, in dem einige Nonnen und Mönche der tibetischen Gelugpa-Tradition leben, welches auch öffentliche Seminare durchführt.

[Bearbeiten] Kultur

[Bearbeiten] Bilingualität

Schneverdingen liegt im Verbreitungsraum der niederdeutschen Sprache. Es werden Anstrengungen unternommen, die Kinder schon in frühem Alter an die Sprache heranzuführen, die in den vorhergehenden Jahrzehnten zunehmend aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt worden ist. Zwischen 2006 und 2009 wurden nach und nach die Ortsschilder in den meisten Orten der Gemeinde Schneverdingen mit bilingualen Ortsschildern ersetzt.

[Bearbeiten] Brauchtumspflege

Darstellung des Ortswappens im Heidegarten

Örtliche Traditionen, wie zum Beispiel die Osterfeuer, das Pfingstbaumpflanzen und Pfingstwagen (hauptsächlich in den Schneverdingen umgebenden Dörfern), werden in Schneverdingen weiter gepflegt. Seit geraumer Zeit wird in Schneverdingen auch das Heideblütenfest gefeiert, welches alljährlich ein Publikumsmagnet ist. Höhepunkt ist der Festumzug und das Festspiel mit anschließender Krönung der neuen Heidekönigin.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • Johann Christian Meier (1732-1815), Pädagoge, Pfarrer und Schriftsteller, starb hier
  • Max Oertz (1871-1929), Yachtkonstrukteur, unterhielt einen Flugplatz in Schneverdingen
  • Ewald Hillermann (1906-2003), Autor plattdeutscher Erzählungen, Gedichte und Liedtexte
  • Gustav Bosselmann (1915-1991), CDU-Politiker, früherer niedersächsischer Justiz- und Innenminister
  • Uwe Friedrichsen (*1934), deutscher Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher
  • Peter Goerke-Mallet (*1955), Bergbau-Ingenieur und Markscheider des Bergwerks Ibbenbüren

[Bearbeiten] Literatur

  • Gerhard Röper: 750 Jahre Schneverdingen. Mit einem Beitrag von Wilhelm Thömen. Schneverdingen, Stadt Schneverdingen 1981.
  • Walter Peters: 40 Jahre Schneverdingen. 1946–1986. Fakten Daten Bilder. Eine Dokumentation. Schneverdingen, Stadt Schneverdingen 1987.
  • Dierk Lawrenz / Lothar Eichmann: Die Heidebahn - Von Buchholz über Schneverdingen nach Soltau. 85 Jahre durch die Lüneburger Heide, EK-Verlag: Freiburg 1986, ISBN 3-88255-209-3 [2., überarbeitete und neu bebilderte Ausgabe, EK-Verlag: Freiburg 1997, ISBN 3-88255-419-3].
  • Evangelisch-lutherische Peter und Pauls-Kirchengemeinde Schneverdingen (Hg.), 250 Jahre Peter und Paul Schneverdingen 1746 bis 1996. Festschrift zum 15. September 1996 aus Anlaß des 250jährigen Bestehens der Kirche Peter und Paul zu Schneverdingen. Schneverdingen 1996.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Schneverdingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
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