Schnurlostelefon

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Schnurlostelefon-Clipart

Ein Schnurlostelefon ist ein Mobilfunktelefon, das über Radiowellen mit einer bis zu etwa 200 Meter entfernten Basisstation am Festnetz verbunden ist und so dem Teilnehmer in einem entsprechenden Radius freie Bewegung während des Telefonats ermöglicht. Die Erfindung geht auf George Sweigert zurück. Schnurlostelefone werden hauptsächlich im häuslichen Bereich eingesetzt.

„Schnurlostelefon“ entspricht dem englischen Begriff „cordless telephone“, abgekürzt CT. Unter dieser Bezeichnung wurden zunächst zwei standardisierte Techniken auf den Markt gebracht, CT1 und CT2. CT1 definiert ein schnurloses Telefon mit 80 analogen Duplex-Kanälen, wobei die Kanäle einen Frequenzabstand von 25 kHz haben. CT2 hat 40 Duplex-Kanäle und arbeitet mit einem digitalen Übertragungsverfahren.

CT1 und CT2 wurden inzwischen von Geräten nach dem DECT-Standard abgelöst.

Wortgeschichte[Bearbeiten]

Obwohl es sich bei dem Gerät technisch gesehen um ein kabelloses Telefon handelt, hat sich der Ausdruck „schnurlos“ wohl aus zwei Gründen eingebürgert. Zum einen wird umgangssprachlich immer wieder statt „Kabel“ das Wort „Schnur“ gebraucht, gerade wenn – wie im Falle eines spiralförmigen Kabels beim Telefon – das äußere Erscheinungsbild auf den ersten Blick nicht an das prototypische, gerade verlaufende Kabel erinnert. Zum anderen handelt es sich bei dem Ausdruck „schnurlos“ (bzw. bei „Schnurlostelefon“) auch um eine Übernahme des englischen Wortes „cordless“ (bzw. „cordless telephone“), das aber nicht nur „ohne Schnur“, sondern sachlich richtigerweise hier auch „ohne Kabel“ bedeutet.

Aufbau[Bearbeiten]

Ein schnurloses Telefon besteht in der Regel aus dem Mobilteil, also dem Telefonhörer, sowie einer Basisstation, die über eine Telefondose mit dem Festnetz verbunden ist. Die Basisstation dient meist auch als Ladestation, über die der Akku des Mobilteils aufgeladen wird. Es gibt aber auch Geräte, bei denen Basisstation und Ladestation getrennt sind. Zudem existieren Varianten, bei denen die Basisstation mit anderen funktionalen Geräten wie einem Radioempfänger oder einem Wecker kombiniert sind.

Übertragungsverfahren[Bearbeiten]

CT1 bis CT3[Bearbeiten]

Schnurlostelefon aus dem Jahr 1991 mit Standard CT1+

Im Jahr 1984 wurde CT1 als erster europäischer Standard dieser Art von der CEPT verabschiedet und von elf europäischen Ländern anerkannt. Das Mobilteil sendet auf 914–915 MHz (Uplink), die Basisstation auf 959–960 MHz (Downlink). Für jeden Frequenzbereich wurden jeweils 40 Kanäle im Abstand von 25 kHz definiert. Da dieser Bereich aber auch im GSM-Band liegt, konnten die GSM-Kanäle 120 bis 124 nicht verwendet werden. Am 1. Januar 1998 wurde dieser Frequenzbereich vollständig an GSM übergeben. Seit diesem Datum sind CT1-Geräte in Deutschland nicht mehr zugelassen. In Österreich endete die Betriebserlaubnis für CT1-Geräte im Jahr 2005.

In Belgien, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz wurden weitere 80 Kanäle im Frequenzbereich 885–887 MHz (Uplink) und 930–932 MHz (Downlink) freigegeben. Diese Erweiterung wird mit CT1+ bezeichnet.

Das digitale Übertragungsverfahren CT2 wurde zuerst 1985 in Großbritannien als MPT1375 standardisiert und später von vielen anderen Ländern übernommen. Es benutzt den Frequenzbereich 864–868 MHz.

Das Übertragungsverfahren CT3 erlangte keine praktische Bedeutung, da es von DECT abgelöst wurde.

Die Allgemeinzuteilung von Frequenzen für die schnurlosen Telefonsysteme CT1+ und CT2 endete in Deutschland am 31. Dezember 2008. Seit diesem Stichtag ist der Betrieb solcher Geräte in Deutschland nicht mehr gestattet und eine Ordnungswidrigkeit, die zur Zahlung eines Bußgeldes führen kann.[1][2][3] Anfang November 2008 hat die Bundesregierung allerdings in der Antwort auf eine entsprechende Kleine Anfrage abgeschwächt: „Ein Weiterbetrieb wird auch in Deutschland geduldet, solange keine Störung durch das CT1+-Gerät erfolgt“.[4]

DECT[Bearbeiten]

Seit 1992 ist DECT als Nachfolger des CT1- und des CT2-Verfahrens der aktuelle Standard bei schnurlosen Telefonen. Mit DECT-GAP können auch Geräte verschiedener Hersteller an derselben Basisstation genutzt werden.

DECT nutzt in Europa den Frequenzbereich 1880–1900 MHz. Da in außereuropäischen Ländern, beispielsweise den USA, für DECT-Geräte andere Frequenzbereiche verwendet werden, dürfen diese Geräte in Europa nicht benutzt werden und umgekehrt.

Moderne DECT-Telefone ermöglichen oft neben der eigentlichen Funktion als Telefon auch den Versand und Empfang von Festnetz-SMS.

Andere Übertragungsverfahren[Bearbeiten]

Bluetooth[Bearbeiten]

Mit dem Cordless Telephony Profile (CTP) stünde ein technischer Standard für Schnurlostelefone auf Bluetooth-Basis zur Verfügung, der sich aber nicht durchsetzen konnte. In den Jahren 2003–2005 wurden lediglich einige wenige Prototypen und Endgeräte produziert (z. B. Olympia CDP-24 201).

WLAN[Bearbeiten]

Zunehmend auf dem Markt erhältlich sind schnurlose WLAN-Telefone für IP-Telefonie.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schnurlostelefone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heise Online News; [1]
  2. Bundesnetzagentur warnt vor Nutzung alter Schnurlos-Telefone nach 2008. Heise Zeitschriften Verlag, abgerufen am 28. Mai 2008.
  3. Schnurlos telefonieren - aber bitte nicht mit Geräten der ersten Generation. Bundesnetzagentur, abgerufen am 28. Mai 2008.
  4. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl. Deutscher Bundestag, abgerufen am 30. November 2008 (PDF; 67 kB).