Schoduvel

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Schoduvel 2011: Ein Wagen auf dem Altstadtmarkt (im Hintergrund das Altstadtrathaus) mit den vier bekanntesten Braunschweiger Stadtoriginalen: (v.l.n.r.) Rechen-August, Deutscher Hermann, Harfen-Agnes und der Tee-Onkel.

Der Begriff Schoduvel (aus dem mittelniederdeutschen duvel „Teufel“ und scho „scheuchen“) bezeichnet einen alten Brauch, durch Lärm, Verkleidung und schreckenerregendes Auftreten die bösen Geister der Kälte, des Todes und der Gefahr zu verscheuchen. Seit 2005 wird der Karnevalsumzug in Braunschweig mit dem Begriff Schoduvel verbunden.

Ursprung[Bearbeiten]

Eine erste Erwähnung des Schoduvel ist im Jahr 1293 im Braunschweiger Stadtbuch nachweisbar.[1] Dort heißt es, die Mitglieder der Gilden

„lepen sunderliche schoduvel unde hadden grote danße in dem vastelavende unde sunderliche lage“

( = begannen den sonderlichen Schoduvel und hatten großen Tanz am Fastelabend und ihr sonderliches Fest). Hierbei scheinen also der Tanz und das Schoduwellaufen wie auch in Magdeburg ein gleichzeitiges Ereignis gewesen zu sein. Dort sprang einer der Gildenschüler in Teufelsmanier herum, nachdem er zunächst tanzte. ( "eynlich dess begunden enes dantzes vor deme biscoppe vnde sprungen also schuduuele"). 1474 wird dann der Schoduvel erstmals auch in einem Urkundenbuch erwähnt.[2]

Das mittelniederdeutsche Wort „Schoduvel“ bedeutet so viel wie „Maske, Larve, (Teufels-)Antlitz“, evtl. auch „Scheuchteufel“ oder „etwas, womit man den Teufel verscheucht“. Etwas populärer kann man es auch mit Schaulaufen des Teufels übertragen.

Braunschweiger Karnevalsumzug[Bearbeiten]

Karnevalsumzug in Braunschweig 2005

Der Braunschweiger Umzug findet am Sonntag vor Rosenmontag statt. Wiederbelebt wurde das närrische Treiben durch einen Kinderkarnevalsumzug im Jahr 1979. Seit 2005 wird versucht, dieses Karnevalstreiben historisch zu „untermauern“, indem namentlich eine Verbindung zum mittelalterlichen Schoduvel hergestellt wird. Eine seitdem durchgehende Karnevalskultur gab es in Braunschweig jedoch nicht.

Besucherzahlen[Bearbeiten]

1984 sahen etwa 50.000 Jecken den Braunschweiger Schoduvel. Anfang der 1990er Jahre wurde erstmals die Zuschauerzahl von 200.000 überschritten. Die bisher höchste Anzahl Schaulustiger wurde 1998 beim 20. Karnevalsumzug und 2011 beim 33. Schoduvel mit ca. 280.000 Besuchern verzeichnet.[3]

Mit einer Länge von mehr als 6 km wird der Braunschweiger Schoduvel als größter Karnevalszug Norddeutschlands beworben und als viertgrößter nach Köln (Nr. 1), Düsseldorf (Nr. 2) und Mainz (Nr. 3).[4]

Mottos des Umzuges[Bearbeiten]

  • 2003 − „Braunschweigs Umzug, das ist wahr, läuft schon 25 Jahr.“
  • 2004 − „Jubel, Trubel, Heiterkeit – Helau zur fünften Jahreszeit.“
  • 2005 − „Brunswiek Helau klingt’s meilenweit, denn es ist wieder Narrenzeit.“
  • 2006 − „Schoduvel-Tied is wedder mal, up niedütsch het dat Karneval.“
  • 2007 − „Ob Wissenschaft, ob Narretei – Brunswiek ist stets vorn dabei!“ – als Anspielung auf Braunschweigs Titel „Stadt der Wissenschaft 2007“.
  • 2008 − „Frohsinn, Brunswieks Narrenpflicht – schlechtes Klima gibt’s hier nicht!“
  • 2009 − „Heinrich der Löwe überall, München, Braunschweig – Karneval!“
  • 2010 − „Bühnenkunst und Narretei, in Braunschweig sind die Narren Frei!“
  • 2011 − „Nun schon 33-mal – Schoduvel, Brunswieks Karneval!“
  • 2012 − „Schoduvel, mach dich auf die Socken, um den Frühling anzulocken!“
  • 2013 − „Brunswiek, die mobile Okerstadt, ist froh, dass sie die Narren hat!“
  • 2014 − „Wir freuen uns in Gelb und Blau und rufen laut: Brunswiek – Helau!“

Braunschweiger Karnevalsvereinigungen[Bearbeiten]

Veranstaltet wird der Schoduvel vom gemeinnützigen Komitee Braunschweiger Karneval.[5] Dieses besteht aus den drei traditionellen braunschweiger Karnevalsgesellschaften: der Karnevalsvereinigung der Rheinländer e. V. (KVR), der von Max Jüdel gegründeten Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872 (BKG) und der Mascheroder Karnevalgesellschaft Rot-Weiß 1965 e.V. (MKG). Unterstützt werden diese von der Stadt Braunschweig.

Am Umzug selbst nahmen über 200 Gruppen von Karnevalsvereinigungen und Spielzügen aus ganz Niedersachsen teil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Dornack: Chronik des Karnevalsumzuges in Braunschweig 1979–1989, Braunschweig 1989
  • Jens Dornack: Karneval, In: Garzmann, Schuegraf, Pingel (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon – Ergänzungsband, Braunschweig 1996, ISBN 3-926701-30-7, S. 77

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.sitm.info/history/Groningen/sondergaard.htm
  2. Volksfeste Niedersachsen
  3. - Artikel der Braunschweiger Zeitung
  4. Stadt Braunschweig - Angaben zum Braunschweiger Karneval
  5. Komitee Braunschweiger Karneval