Schokolade aus Modica

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Schokolade aus Modica

Schokolade aus Modica (ital.: Cioccolato modicano oder Cioccolato di Modica) ist eine Schokolade, die in der sizilianischen Stadt Modica hergestellt wird. Sie ist als Prodotto agroalimentare tradizionale italiano eine offiziell vom italienischen Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik anerkannte Spezialität. Schokolade aus Modica wird nach einem traditionellen Rezept „kalt“ („a freddo“) hergestellt und nicht conchiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Rezeptur wurde wahrscheinlich durch die Grafen von Modica aus Spanien überliefert. Deren Adelshaus war im 16. Jahrhundert, während der spanischen Vorherrschaft auf Sizilien, die einflussreichste Feudalmacht im Süden Italiens.[1] Noch heute gibt es in Form der Chocolate a la piedra eine ähnliche Zubereitungsform in Spanien; auch in Mexiko und Guatemala sind derartige Sorten bekannt. Leonardo Sciascia zufolge stammt das Rezept aus Alicante; es habe ursprünglich nur zwei Zubereitungsformen, mit Zimt und mit Vanille, gegeben.[2] Bevor das Produkt eine international bekannte Spezialität wurde, war es eine festtägliche Nachspeise in Adelsfamilien.

Herstellung[Bearbeiten]

Gemahlener Kakao von São Tomé, dem die Kakaobutter nicht entzogen wurde, wird auf höchstens 40° erwärmt. Der Masse wird Zucker beigefügt und eventuell ein Gewürz wie Zimt, Vanille, Ingwer, Chili, gemahlene Mandeln oder Nüsse oder geriebene Schalen von Zitrusfrüchten. Der Kakaoanteil beträgt 45 % bis 90 %. Bei der traditionellen Zubereitung von Hand wurde die Masse in einer halbmondförmigen, erwärmten Form aus Lavagestein in mehreren Schritten mit Rollen unterschiedlicher Dicke ausgewalzt, bis sie die gewünschte Konsistenz hatte. Heutzutage geschieht dies mittels Maschinen. Die fertige, warme Schokoladenmasse wird dann in Zinnformen in Form dicker Tafeln ausgegossen.

Die Zuckerkristalle lösen sich bei diesem Verfahren nicht auf. Die fertige Schokolade hat daher eine körnige, raue Konsistenz, mit Einschluss kleiner Luftblasen; sie krümelt beim Zerbrechen. Im Verkauf sind die Tafeln an der Oberfläche durch ausgeschiedene Kakoabutter leicht grau. Im Mund entfaltet die Schokolade ein intensives Kakoa-Aroma.

Abgesehen von den genannten Substanzen enthält Schokolade aus Modica keine weiteren Zutaten, insbesondere keine Milch, keine Butter, kein Pflanzenfett und kein Lezithin.

Schutzgemeinschaft[Bearbeiten]

2003 wurde die Schutzgemeinschaft Consorzio di Tutela del Cioccolato di Modica gegründet, um für Schokolade aus Modica eine geschützte Herkunftsangabe zu erhalten. Ihr gehören 20 Hersteller an.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Von 2005 bis 2008 war Modica neben Perugia Gastgeberin der Eurochocolate.[3] Seit 2009 veranstaltet die Stadt gemeinsam mit der Fine Chocolate Organization[4] das Festival Chocobarocco.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Zeffiro Ciuffoletti: Storie e storia dal cacao al cioccolato. Alinari IDEA, Florenz 2003, ISBN 978-8872924624, S. 87.
  2.  Leonardo Sciascia, Giuseppe Leone: La contea di Modica. Electa, Mailand 1983, ISBN 8843509802.
  3. L’Eurochocolate a Modica, abgerufen am 23. Oktober 2012
  4. Website der Fine Chocolate Organization, abgerufen am 23. Oktober 2012
  5. ChocoBarocco a Modica: vieni a passare un ponte di cioccolato, Newsfood.com, 3. März 2009, abgerufen am 23. Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten]