Schornsteinkopf

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Schornsteinkopf, Spätrenaissance, Hofrichterhaus

Der Schornsteinkopf (auch Essenkopf, österreichisch Kaminkopf) ist der Teil des (Haus-) Schornsteins, der sichtbar über die Dachhaut hinaus auskragt. Über ihn werden die Schornsteinabgase ins Freie abgeleitet. Als sichtbarer Gebäudebestandteil beeinflusst er die Gebäudewahrnehmung. Er besteht mindestens aus einem Schaft und einer Mündung. Zusätzliche Bestandteile können sein eine Abdeckplatte, eine Kopfabdeckung oder ein Aufsatz.

Technische Anforderungen[Bearbeiten]

Die freie Abströmung der Abgase sollte nicht behindert werden, die Mündungskonstruktion sollte deshalb keine wesentlichen Verengungen aufweisen, ein ggf. montierter Schutz vor eindringendem Niederschlag muss einen Mindestabstand zur Mündung aufweisen.

Um Zug behindernde Windeinflüsse auf den Mündungsbereich zu minimieren sollte die Mündung höher als umgebende Dachbauteile ausgeführt werden.

Von den austretenden Abgasen darf keine Gefährdung für Bewohner oder Nachbarn ausgehen, die Mündung ist deshalb höher als umliegende Fenster, Gauben oder Balkone auszuführen.

Der Schornsteinkopf muss so hergestellt werden, dass Windlasten die Statik nicht gefährden. Er darf keine losen Teile aufweisen.

Sofern keine obere Reinigungsmöglichkeit für den Schornsteinfeger unter Dach installiert ist, muss der Mündungsbereich für den Schornsteinfeger leicht und ohne Gefährdung zugänglich sein. Sofern der Schornsteinkopf sehr hoch über Dachhaut auskragt, muss ggf. eine weitere Reinigungsöffnung über Dach installiert werden.

Aufbau und Bauteile[Bearbeiten]

Schaft[Bearbeiten]

Der Schaft wird herkömmlich aus Ziegelmauerwerk oder Bruchstein hergestellt. Moderne, gemauerte Schornsteine bestehen meist aus Mantelsteinen, ggf. einer innen liegenden Dämmschicht und ggf. einem Abgas führenden Innenrohr. Als Materialien für Mantelsteine sind haufwerksporiger Leichtbeton, Beton, Ziegelsplitt, Vermiculite, Kalziumsilikatplatten seltener Kalksandstein, Gasbeton, Ton verbreitet. Die Mantelsteine sollten über Dach gegen Wettereinflüsse durch eine Verkleidung geschützt werden.

Folgende Arten der Verkleidung sind bei modernen Schornsteinen üblich:

  • Verkleidung mit einem Fertigkopf z. B. aus Faserzementplatten
Vorteil: Schnell aufzubauen, bei einigen Herstellern mit Hinterlüftung als Schutz gegen Feuchtigkeit
Fertigköpfe gibt es in vielen Strukturen und Farben und lassen sich so ideal dem Dach anpassen.
Nicht die preiswerteste Variante
  • Verschieferung mit Schieferplatten oder Verblechung mit galvanisierten Stahlblechen oder Aluminiumblechen
Wird oft vom Dachdecker mit übernommen.
Vorteil: Durch Verwendung desselben Klinkers wie beim Haus gute farbliche und stilistische Integration.
Nachteil: Diese Verkleidung durchfeuchtet oft mit der Zeit, da kein Luftaustausch stattfinden kann.
Schwer herzustellen, Gerüst usw. notwendig.
Schnell herzustellen, günstig, geringe Standzeit. Lässt sich farblich an das Dach anpassen.
Details moderner Schornsteinkopf (hier: Isomit 90)

Abdeckplatte[Bearbeiten]

Abdeckplatten schützen den Mündungsbereich vor Wettereinfluss. Darüber hinaus können sie die statischen Eigenschaften des Schornsteinkopfes verbessern (Gewichtseinbringung) sowie als statisch führende Aufnahme für Aufsätze oder Abdeckungen dienen. Bei modernen, hinterlüfteten Schornsteinen kann die Abdeckplatte als zusätzliche Funktion die Verbrennungslufteinbringung oder Abluftabführung mit übernehmen. Abdeckplatten werden herkömmlich aus Beton handwerklich vor Ort hergestellt oder es werden vorgefertigte Betonabdeckplatten verwendet. Moderne Varianten können auch hergestellt werden aus Faserzementplatten oder aus Edelstahlblechen. Diese Platten können mit einer Tropfkante ausgeführt werden, damit Regenwasser an der Verkleidung vorbei tropft.

Mündung[Bearbeiten]

Die Schornsteinmündung ist der Bereich des Kopfes, an dem die Abgase ins Freie geleitet werden. Bei modernen Schornsteinen mit einem Abgas führendem Innenrohr, welches unterhalb der Abdeckplatte endet, kann der Mündungsbereich ausgebildet werden mit einem Dehnfugenblech, welches zwischen (Beton)Abdeckplatte und Innenrohr eingebracht wird und die Längenausdehnung des temperaturbelasteten Innrohres kompensiert. Andere moderne Varianten führen das Abgas führende Innenrohr durch die Abdeckplatte hindurch und schützen den sich ergebenden Ringspalt zwischen Rohr und Abdeckplatte mit einer Abdeckschürze oder einem Regenkragen vor eindringendem Regenwasser. Abdeckschürze oder Regenkragen werden am Abgas führenden Innenrohr befestigt.

Schornsteinabdeckung[Bearbeiten]

Um in die Mündung eindringendes Regenwasser abzuhalten werden Schornsteinabdeckungen verwendet, in flacher Form als Meidinger-Scheibe (nach Heinrich Meidinger) bezeichnet, in gewellter Form als Napoleonhut. Die Abdeckungen können auf der Abdeckplatte verankert sein oder werden in die Abgasmündung eingesteckt. Der Abstand zwischen Abdeckplatte und Mündung sollte mindestens dem halben lichten Innenmaß bzw. Innendurchmesser des Schornsteins entsprechen, um die freie Abströmung nicht zu behindern. Sonderfall Regenabdeckungen auf Schornsteinen, bei denen Wärmeerzeuger mit geringen Abgastemperaturen angeschlossen sind: Der in den Abgasen enthaltene Wasserdampf kann an der Abdeckung bei sehr kaltem Wetter kondensieren. Dadurch kann sich eine Vereisung ergeben, die die freie Abströmung der Abgase behindert.

Schornsteinkopf mit Stahlaufsätzen

Schornsteinaufsätze[Bearbeiten]

Um die Schornsteinfunktion zu verbessern, die Bausubstanz zu schonen oder um die Optik des Schornsteinkopfes aufzuwerten, werden Schornsteinaufsätze verwendet. Unterschieden werden starre und Konstruktionen mit beweglichen Teilen. Materialseitig werden Stahlaufsätze, Betonaufsätze und keramische Aufsätze unterschieden.

Stahlaufsätze werden aus galvanisiertem Stahlblechen oder Edelstählen gefertigt. Vorteilhaft ist die einfache Herstellung und Montage, nachteilig bei galvanisierten Konstruktionen die geringe Lebensdauer (Rost) und die Optik.

Betonaufsätze werden auf der Abdeckplatte vermörtelt, sind meist sehr kurz und haben häufig seitliche lammellenartige Öffnung. Vorteilhaft ist der günstige Preis, nachteilig die geringe Standzeit, weil schwefelhaltige Abgase den Beton angreifen können.

Keramische Kaminaufsätze haben eine extrem hohe Standzeit weil säureresistent und sind optisch ansprechend. Nachteilig ist der höhere Montageaufwand.

Starre Aufsätze aus Keramik

Technische Funktion der starren Aufsätze: Durch die Verlängerung der wirksamen Schornsteinhöhe wird eine Zugverbesserung erreicht. Durch das Verschieben des Mündungsaustrittes nach oben Richtung First können den Abgasaustritt störende Windeinflüsse vermieden werden. Durch leichte Querschnittsverengungen kann der Abgasaustritt beschleunigt werden und damit eine bessere Lösung der Abgasfahne auch bei Wind erreicht werden. Durch lamellenartige Ausbildung der Aufsätze kann waagerecht anströmender Wind zusätzlich den Abgasaustritt beschleunigen. Dadurch, dass der Abgasaustritt erheblich über der Abdeckplatte erfolgt, können thermische Nachteile durch die Aufheizung der Abdeckplatte an Sommertagen, störende Windturbulenzen im Bereich des Schornsteinkopfschaftes sowie das Rückschlagen von chemisch aggressiven Abgas auf die (Beton-)Abdeckplatte oder den Schaft verringert werden.

Technische Funktion der beweglichen Aufsätze: Diese werden an der Mündung häufig mit drehbaren Lammelenkugeln oder –walzen ausgestattet. Diese erzeugen bei Wind einen zusätzlichen Unterdruck, dadurch soll die Abgasgeschwindigkeit im Schornstein erhöht werden. Ohne Wind können diese drehbaren Aufsätze allerdings einen Zug behindernden Strömungswiderstand darstellen. Eine andere Ausführungsform hat im Mündungsbereich einen Windschild, welcher sich selbsttätig gegen die Windrichtung ausrichtet. Dadurch sollen störende Windeinflüsse vermieden werden.


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schornsteinköpfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien