Schreibtisch

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Ein häuslicher Schreibtisch in Benutzung mit Rechner, Telefon, Kalender und Büchern

Ein Schreibtisch ist ein Möbelstück für Schreib- und Büroarbeiten mit Schubladen und Fächern für die Aufbewahrung von Schreibutensilien, Papier oder Akten.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Sekretär[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel: Sekretär

Sekretär aus dem 18. Jahrhundert (Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim)

Bei einer weiten Auslegung des Begriffs oder einer funktionalen Betrachtung kann der Sekretär oder Schreibschrank im privaten und das Schreibpult (Stehpult) des Kontorbüros als Vorläufer des Schreibtisches gelten. Eine Variante war das tragbare Pultbureau und der Sekretär oder Schreibschrank. Zu den ältesten Beispielen gehören die Pultschreibtische mit einer Kommode als Unterbau und gelegentlich mit einem flachen Aufsatz ausgestattet. Zum Ende des 17. Jahrhunderts kam das Bureau plat auf, ein verhältnismäßig langer, eleganter Tisch mit drei flachen Schubladen direkt unter der Tischplatte. Ergänzt wurde dieser Schreibtisch durch einen danebenstehenden schmalen Schrank, dem Cartonniere. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschien das Zylinderbureau, dessen Fächer und Schübe sich hinter einem im Halb- oder Viertelkreis geführten Rollladen befanden. Das Zylinderbüro war nach 1760 eines der wichtigsten Möbel der Pariser Tischlerkunst. Gleichzeitig gab es aber auch schon die heutige Form, also den dreiteiligen Unterbau mit flachem Schubladenteil in der Mitte und den weiter nach unten reichenden seitlichen Fächern oder Schüben.

Der Sekretär und die kleinere Variante für Damen, der Bonheur du jour, waren im 18. und 19. Jahrhundert Luxusobjekte und vornehmlich in Frankreich verbreitet. Sie wurden in privaten Bibliotheken und Salons aufgestellt und dienten auch der Repräsentation.

Der moderne Schreibtisch[Bearbeiten]

Schreibtisch in einer Behörde

Der Schreibtisch in seiner heutigen Form geht auf die Dienstleistungsgesellschaft zurück, die ein funktionales Möbel als Arbeitsplatz definierte. Frühe Exemplare etwa das Stahlrohrmodell von Marcel Breuer für Thonet in den 1920er Jahren weisen bereits den einseitigen Schubladenblock auf, entsprechen jedoch nicht den großen Maßen, die durch Geräte der Bürokommunikation benötigt wurden. Aus Gründen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für im Berufsalltag genutzte Schreibtische zahlreiche Anforderungen hinsichtlich Größe, Verstellbarkeit in der Höhe, Art der Oberfläche definiert (so z. B. in der Bildschirmarbeitsverordnung aus dem Jahr 1996). In Japan legen zum Beispiel manche Angestellte Wert darauf, am Ende eines Arbeitstages einen leeren Schreibtisch zu hinterlassen.

Fertigungsmaterialien[Bearbeiten]

In vergangenen Jahrhunderten wurden Schreibtische fast ausnahmslos aus Massivholz gefertigt. Seit Erfindung der Spanplatte ist die Verwendung von Materialkombinationen für Schreibtische gebräuchlicher. Je nach Anforderungen wird ein Tischgestell aus Stahl oder Aluminium zusammen einer mitteldichten Holzfaserplatte zu einem Schreibtisch verbaut. Die Tischplatten werden zudem mit einer Melaminharzbeschichtung oder anderen Veredelungen versehen, um die Kratzfestigkeit, Wasserunempfindlichkeit und die unkomplizierte Reinigung und Pflege zu gewährleisten.[1]

Andere als Schreibtisch geeignete Möbel[Bearbeiten]

Höhenverstellbare Schreibtische[Bearbeiten]

Heutzutage werden wegen neuerer Erkenntnisse in der Ergonomie immer mehr höhenverstellbare Schreibtische angeboten. Diese bieten dem Benutzer die Möglichkeit, die Arbeitshöhe individuell nach den jeweiligen Bedürfnissen einzustellen.[2] Der dadurch resultierende Haltungs- und Belastungswechsel aktiviert das Herz-Kreislaufsystem und verbessert die Durchblutung. Arbeitsmedizinische und -physiologische Untersuchungen ergaben, dass durch die verschiedenen, zeitlich ausgewogenen Belastungen haltungsbedingte Beschwerden reduziert werden, ebenso werden Konzentrationsschwächen und Leistungsabfällen vorgebeugt. Dieser Effekt wird gemeinhin als Steh-Sitz-Dynamik bezeichnet.[3]

Bedeutung[Bearbeiten]

Häufig wird der Schreibtisch besonders von Philosophen und Schriftstellern mit deren Werk assoziiert, unabhängig davon, wo es geschrieben wurde. Das Arbeitszimmer von Ernst Bloch ist öffentlich zugänglich, ebenso wie das von Ernst Jünger. Der Schreibtisch von Theodor Adorno wird gar als Denkmal in einem Glaskasten in Frankfurt öffentlich ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, ISBN ???, Band 21, S. 261.
  • Renate Dolz: Möbel-Stilkunde. Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, ISBN 3-453-13046-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ratgeber: Der Schreibtisch als Arbeitsmittel
  2. Ohne Rückenschmerzen aus dem Büro
  3. Büromöbel Lexikon von Büromöbel-Experte.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schreibtisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schreibtisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen