Schroders

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Schroders plc
Firmenlogo
Rechtsform PLC
ISIN (Stammaktie), GB0002395811 (Vorzugsaktie) GB0002405495 (Stammaktie), GB0002395811 (Vorzugsaktie)
Gründung 1804
Sitz London, England, UK
Leitung Michael Miles, Vorstandsvorsitzender
Michael Dobson, CEO
Mitarbeiter 2.848
Branche Finanzdienstleistung
Website www.schroders.com
Stand: 31. Dezember 2011 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2011

Schroders plc (Tickersymbol: SDR) ist eine weltweit operierende Vermögensverwaltungsgesellschaft, die seit 1804 im Finanzgeschäft tätig ist. Der Hauptsitz ist in der City of London, das Unternehmen wird an der Londoner Börse gehandelt und ist Bestandteil des FTSE 100 Index. Schroders hat zwei Arten von Aktien: Stammaktien (Symbol: SDR.L, ISIN GB0002405495) und Vorzugsaktien (Symbol: SDRt.L oder SDRC, ISIN GB0002395811).

Geschichte[Bearbeiten]

Johann Heinrich Schröder (1784-1883)

1804 kam Johann Heinrich Schröder aus Hamburg nach London und wurde Partner seines Bruders Johann Friedrich im von ihrem Vater Christian Matthias Schröder aufgebauten Handelshaus. Dieses Jahr gilt als das Gründungsdatum von Schroders. 1818 gründete Johann Heinrich sein eigenes Unternehmen unter der Firma J. Henry Schröder & Co.. Im Jahr 1839 kam eine Filiale in Liverpool hinzu.

J. Henry Schröder & Co.[Bearbeiten]

Neben dem Handel mit Kaffee, Zucker, Baumwolle und Indigo aus Übersee nach Mittel- und Osteuropa wurde die Handelsfinanzierung ein immer wichtiger werdender Geschäftszweig; J. Henry Schröder wurde zunehmend zu einer Handelsbank, insbesondere seit John Henry Schröder die Londoner Firma 1849 übernommen hatte. Er vergrößerte das von seinem Vater aufgebaute Handels- und Bankgeschäft erheblich und setzte seinen Schwerpunkt in der Handelsfinanzierung und im Anleihegeschäft. 1853 platzierte er erstmals eine kubanische Anleihe in London. 1863 war J. Henry Schröder & Co. der Londoner Partner des französischen Bankhauses Erlanger bei der einzigen Auslandsanleihe der Konföderierten während des amerikanischen Bürgerkrieges, dem auf Baumwolle basierenden sogenannten Erlanger Loan. 1870 war Schröder federführend an der ersten japanischen Auslandsanleihe beteiligt.

1883 erbte John Henry Schröder von seinem Vater dessen Anteile an J. Henry Schröder & Co., London. Zur selben Zeit wurde J. Henry Schröder & Co. weltweiter Hauptagent für den Handel mit peruanischem Guano.

Seit 1864 britischer Untertan, verlieh ihm Queen Victoria 1892 den britischen Adelstitel Baronet für seine Dienste zugunsten des königlichen Haushalts.

Als er 1910 starb, gehörte sein Nachlass von über zwei Millionen Pfund Sterling zu den 30 größten Nachlässen Großbritanniens zwischen 1895 und 1914.

Sein Neffe Bruno Schröder aus Hamburg, seit 1893 im Londoner Unternehmen und seit 1895 Partner, übernahm 1910 die Rolle des Senior Partners und wurde 1914 in Großbritannien naturalisiert. Weitere Partner waren Henry Frederic Tiarks (of Foxbury, 1832-1911) und sein Sohn Frank Cyril.[1]

Sie führten die erfolgreichen Bankgeschäfte mit Schwerpunkt in der Handelsfinanzierung und im Anleihegeschäft fort. 1908 spielte J. Henry Schröder eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen des Kaffee-Valorisation, und 1913 war es das vom Kreditvolumen her zweitgrößte Bankhaus in der Londoner City, was vor allem durch die Finanzierung des deutschen Überseehandels begründet war. Auch wenn dieser Geschäftszweig im Ersten Weltkrieg zusammenbrach, so profitierte das Bankhaus doch auch erheblich von kriegsbedingten Handels- und Finanztransaktionen, so etwa im kubanischen Zuckerhandel.

In den 1920er Jahren gehörte Schröder zu den gesuchten Beratern deutscher und österreichischer Geldinstitute und der deutschen Regierung.[2] 1923 übernahm ein von ihm geführtes Syndikat Anteile der Bagdadbahn von der Deutschen Bank. In dieser Zeit gehörte Schröder neben Barings Bank und N M Rothschild & Sons zu den großen drei Bankhäusern der Londoner City.

Mit der Bankenkrise 1931 brach eine schwierige Zeit für das Unternehmen an, von der es sich erst in den 1950er Jahren wieder erholte.

Ab 1926 schon Partner im Unternehmen, übernahm Bruno Schröders Sohn Helmut (1901–1969) nach dessen Tod 1940 die Rolle des Senior Partners.

Schrobanco[Bearbeiten]

1923 entstand mit der J Henry Schroder Banking Corporation ('Schrobanco') ein Ableger in New York City, der sich zunächst erfolgreich auf die Beschaffung amerikanischen Kapitals für die Wirtschaft in Deutschland und Mitteleuropa spezialisierte.

1986 verkaufte das Unternehmen Schrobanco in New York an die Industrial Bank of Japan und erwarb 50 % der Anteile von Wertheim & Co, einer New Yorker Investmentbank.

J. Henry Schroder & Co.[Bearbeiten]

1957 wurde die Teilhaberschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt (gleichzeitig verschwand der Umlaut aus dem Firmennamen), und 1959 wurde J. Henry Schroder & Co. Ltd erstmals an der Londoner Börse öffentlich gehandelt als eine Aktiengesellschaft. Helmut Schröder blieb bis 1965 Vorstandsvorsitzender.

J. Henry Schroder Wagg[Bearbeiten]

Mit der Übernahme des Wertpapiermaklers Helbert, Wagg & Co 1962 wurde der Name vorübergehend zu J. Henry Schroder Wagg erweitert.

Schroders spielte eine führende Rolle bei der Privatisierung von Staatsunternehmen in Großbritannien in den 1980er Jahren (Thatcherismus). Unter der Leitung von Winfried Bischoff wuchs das Unternehmen beträchtlich. Schroders Wert betrug 30 Millionen £ bei seinem Amtsantritt als CEO im Jahr 1984; 2000 verkaufte Schroders seine Investmentbank-Abteilung an Citigroup für 1,3 Milliarden £. Der europäische Investmentbankteil von Citigroup firmierte als Schroder Salomon Smith Barney von 2000 bis 2003.[3]

Schroders: Gegenwärtiges Geschäft[Bearbeiten]

Klienten von Schroders sind heute Unternehmen, Versicherungen, Gebietskörperschaften, gemeinnützige Organisationen, Pensionsfonds und Privatkunden. Schroders operiert in 28 Ländern mit 37 Niederlassungen. Die Schweizer Niederlassung firmiert als Schroder & Co Bank AG. Die 4. Generation der Familie Schröder, Baron Bruno Lionel Schröder (* 17. Januar 1933) und seine Schwester Charmaine Brenda von Mallinckrodt (* 8. November 1935) halten 47 % der Anteile über Anteilsgesellschaften mit Namen wie Veritas Ltd. (27,81 %) und Vincitas Ltd. (16,51 %, beide nach dem Familienmotto Veritas vincit).

Am 30. Juni 2008 verwaltete Schroders £130.2 Milliarden (164,4 Milliarden € / 259,1 Milliarden USD). Schroders gehörte jedoch zu den Unternehmen des britischen Finanzsektors, die von der Finanzkrise ab 2007 besonders betroffen waren, und der Wert der nicht stimmberechtigten Aktien fiel zeitweise um bis zu 30 %.[4] Zum 31. Dezember 2008 betrug der Wert des verwalteten Kapitals £110.2 Milliarden (EUR 114.0 Milliarden / $158.4 Milliarden USD).[5] Der Wert des verwalteten Kapitals stieg zum 31. März 2011 auf £201.4 Milliarden (EUR 227.5 Milliarden / US$ 322.8 Milliarden).[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Roberts: Schroders. Merchants & Bankers. Macmillan, Basingstoke u. a. 1992, ISBN 0-333-44511-2.
  • Ulrike Kirchberger: Aspekte deutsch-britischer Expansion. Die Überseeinteressen der deutschen Migranten in Großbritannien in der Mitte des 19. Jahrhunderts (= Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte 73). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07439-2 (Zugleich: Stuttgart, Univ., Diss., 1998).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] engl. Lebensläufe bei www.tiarks.co.uk
  2. Siehe dazu auch die Akten der Reichskanzlei
  3. Citigroup boss banks on his 'foot soldiers'The Times – September 17, 2006
  4. Ben Harrington: Bank merger hits problems over equity stakes, Daily Telegraph. 10. Oktober 2008. Abgerufen am 11. Oktober 2008. 
  5. Schroders.com, abgerufen am 21. April 2009
  6. Schroders.com, abgerufen am 29. Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten]