Schruns

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Schruns
Wappen von Schruns
Schruns (Österreich)
Schruns
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Bludenz
Kfz-Kennzeichen: BZ
Fläche: 18,06 km²
Koordinaten: 47° 5′ N, 9° 55′ O47.0802777777789.9191666666667700Koordinaten: 47° 4′ 49″ N, 9° 55′ 9″ O
Höhe: 700 m ü. A.
Einwohner: 3.632 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 201 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6780
Vorwahl: 05556
Gemeindekennziffer: 8 01 22
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 2
6780 Schruns
Website: www.schruns.at
Politik
Bürgermeister: Karl Hueber (ÖVP)
Gemeindevertretung: (2010)
(24 Mitglieder)
15 ÖVP, 2 SPÖ, 7 FPÖ
Lage der Marktgemeinde Schruns im Bezirk Bludenz
Bartholomäberg Blons Bludenz Bludesch Brand Bürs Bürserberg Dalaas Fontanella Gaschurn Innerbraz Klösterle Lech Lorüns Ludesch Nenzing Nüziders Raggal Sankt Anton im Montafon Sankt Gallenkirch Sankt Gerold Schruns Silbertal Sonntag Stallehr Thüringen Thüringerberg Tschagguns Vandans VorarlbergLage der Gemeinde Schruns im Bezirk Bludenz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Schruns (Blick von der Montjola)
Blick auf Schruns, vom Kapell

Schruns ist eine Marktgemeinde mit 3632 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im österreichischen Bundesland Vorarlberg im Bezirk Bludenz. Die Gemeinde ist Hauptort des Montafons und Sitz des Bezirksgerichts.

Geografie[Bearbeiten]

Schruns liegt in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, im Bezirk Bludenz auf 690 Metern Höhe im Alpental Montafon an der Litz, einem Nebenfluss der Ill. Von Schruns aus erstreckt sich ein Seitental des Montafons namens Silbertal. Zu Schruns gehört das Hochjoch-Bergmassiv der Verwallgruppe, welches durch Bergbahnen und Lifte erschlossen ist.

Nachbargemeinden von Schruns sind im Norden Bartholomäberg, im Osten Silbertal, im Süden Sankt Gallenkirch und im Westen Tschagguns. Die nächste Stadt ist Bludenz, etwa 12 Kilometer nordwestlich gelegen.

45,2 Prozent der Fläche sind bewaldet und weitere 18,1 Prozent sind Alpen. Es existieren in Schruns keine weiteren Katastralgemeinden.

Geschichte[Bearbeiten]

15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Um 1420 kam Schruns mit dem übrigen Montafon zu Österreich. Lange Zeit unterstand es der Pfarrgemeinde Bartholomäberg. Die Litz bildete die Grenze gegen diese flächenmäßig weit größere Gemeinde. Die Ill, die vor der Hochwasserkatastrophe von 1762 einen wesentlich anderen Verlauf genommen hatte, grenzte Schruns gegen Tschagguns ab.

In Urkunden von 1482 und 1484 wurde erstmals die Kirche St. Josen zu Schruns genannt.

16. und 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

1579 trennte sich die Kirche Schruns von der Mutterpfarre Sankt Bartholomäberg und Schruns wurde eigene Pfarrei. Das ganze Gebiet der Außerlitz blieb aber noch länger bei Bartholomäberg.

Im Jahre 1622 wurde Schruns im Dreißigjährigen Krieg von Truppen aus dem Prättigau geplündert, die über das Schlappiner Joch kamen. Zuvor war bereits der umgekehrte Fall eingetreten, als 1621 habsburgische Truppen den Prättigau plünderten.

Die Pest raffte 1591 sowie 1629 viele Menschenleben dahin. Im schweren Lawinenwinter 1689 gab es vier Tote auf dem Stiefen.

1682 brannte die Pfarrkirche ab. Da das mitten am Tage geschah, konnten die umliegenden Häuser gerettet werden.

1696 wurde in Schruns die Handwerkerzunft des Tales gegründet und als erster Zunftmeister wurde Ulrich Marent bestellt.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Am 1. März 1752 verlieh Kaiserin Maria Theresia den Montafonern das Privileg, jährlich zwei Viehmärkte in Schruns abzuhalten (2. April und 22. September). Auf diesen Märkten wurde das Montafoner Braunvieh gehandelt, bis sie im Jahr 1999 eingestellt wurden.

Im Jahre 1754 zählte Schruns bereits 1.230 Einwohner.

1762 verwüsteten die Flüsse Ill und Litz bei einer großen Überschwemmung die Felder des Ortes. Zwanzig Häuser fielen den Fluten zum Opfer. Nach langen Bemühungen erhielt Schruns im Jahre 1775 ein eigenes Gericht und gleichzeitig das Recht, allgemeine Märkte abzuhalten.

Zwischen 1796 und 1799 herrschte in Schruns Kriegsnot. Einheimische Schützen unter Landammann Batlogg nahmen an Kämpfen gegen Napoleons Truppen bei Feldkirch und am Schlappiner Joch teil. 1800 wurde der Ort besetzt.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den Jahren 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zu Bayern. Zu dieser Zeit wurde die Talstraße durch Schruns gebaut. Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg abwechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Schruns seit dessen Gründung 1861.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bau des „Litzdammes“ (1911)

Am 14. und 15. Juni 1910 verursachte ein Hochwasser der Ill großen Schaden im Gemeindegebiet. Als Folge wurde 1911 mit dem Bau des Litzdamms begonnen.[1]

1925/1926 weilte der wohl bekannteste Langzeitgast in Schruns: Ernest Hemingway. Er vollendete in dieser Zeit sein Buch „Fiesta“, mit welchem er seinen literarischen Durchbruch erzielte. Seine Schrunser Zeit fand zudem Niederschlag in den Romanen „Schnee auf dem Kilimandscharo“ und „Paris – Ein Fest fürs Leben“. Während seines Aufenthalts im Montafon wohnte er im Hotel Taube in Schruns und auch im Madlenerhaus auf der Bielerhöhe (in der Silvretta).

1924 beantragte Schruns die Markterhebung und ein Wappen. Am 1. Juli 1928 fand in Schruns eine große Feier statt, nachdem die Gemeinde bereits am 21. Oktober 1927 vom Landtag unter Ferdinand Redler offiziell zur Marktgemeinde erhoben wurde.[2][3]

Von 1938 bis 1945 gehörte Schruns zum Deutschen Reich.

Als französische Truppen am 4. Mai 1945 ins Montafon einrückten, blieb das Tal von Kampfhandlungen verschont. Lokale Widerstandsgruppen hatten bereits die Aufsicht übernommen und die Soldaten der Wehrmacht entwaffnet. Schruns war danach 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Seit dem Zweiten Weltkrieg erlebte Schruns ein gewaltiges Anwachsen der Wirtschaft und des Fremdenverkehrs. 1946 brannte in Schruns erstmals nach dem Krieg wieder ein Funken – der Funkenmeister war Otto Borger.

Gemeindeamt am Kirchplatz

Im November 1949 wurde der Skiclub Montafon gegründet. Er bildete einen Zusammenschluss aller Wintersportvereine des Tales und die organisatorischen Voraussetzungen für große, internationale Sportveranstaltungen. Schruns wurde mit den Goldschlüsselrennen in den Jahren von 1963 bis 1983 als Austragungsort von Weltcuprennen im alpinen Skiweltcup bekannt.

Im Jänner 1954 lösten sich in diesem schneereichen Winter innerhalb von nur drei Tagen einige hundert Schneebretter, Lawinen und Schneerutsche und forderten in Vorarlberg 112 Tote. Am 11. Jänner 1954 donnerte eine Staublawine vom Monteneu (oberhalb Bartholomäberg) bis hinunter ins Litztobel und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Zusammen mit einer zweiten Lawine am selben Tag starben in den beiden Gemeinden Bartholomäberg und Schruns 23 Personen unter den Schneemassen.[4] Im Herbst 2004 wurde den Opfern auf der Montjola ein Gedenkstein gesetzt.

Name[Bearbeiten]

Früher wurde das Dorf auch Sankt Jossen (zu Jodocus) genannt und 1317 finden wir „Schirun“, 1400 „Scherun“, 1410 „St. Josen in Schiruns“ und ab 1430 immer „Schruns“[5].

Für die Herkunft des Namens „Schruns“ gibt es verschiedene Theorien:

  • Der Name „Schruns“ kommt aus dem Rätoromanischen und soll sich von „Äscherun“ ableiten, was etwa „Riesenahorn“ bedeuten würde.
  • Oder aus dem Lateinischen „Aceronis“ – „Bei den Ahornen“.
  • Eine weitere Deutung bildet sich zu einer Ableitung aus dem Lateinischen „Serum“ (im Rätoromanischen „Scherun“) für „Molkerei“ oder „Milchverarbeitung“[5].

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Gemeinderat Schruns

Der Schrunser Gemeinderat hat 24 Mitglieder. Die Zusammensetzung nach der Wahl 2010 ist: ÖVP 15 Sitze, SPÖ 2 Sitze, FPÖ 7 Sitze. Bürgermeister ist Karl Hueber.

Die Gemeindeeinnahmen aus Steuern und sonstigen Abgaben lagen 2001 bei 5.221.525 €, die gemeindlichen Ausgaben bei 11.923.988 €. Der Schuldenstand betrug 2001 9.402.487 €.

Wappen[Bearbeiten]

Schruns

Die Verleihung des Wappens an die Marktgemeinde Schruns erfolgte mit Übergabe der Wappenurkunde am 10. Dezember 1927 durch die Vorarlberger Landesregierung.

Das Wappen stellt einen von Gold über Blau erhöht geteilten Schild dar: Oben auf Gold ist ein springender schwarzer Stier dargestellt. Unten auf Blau sind zwei gekreuzte goldene Schlüssel vor einem grünen Dreiberg mit dahinter aufgehender Sonne zu sehen.

Der Stier erinnert an den Aufschwung durch Viehzucht und Viehmärkte. Der Berg mit der aufgehenden Sonne weist auf den Fremdenverkehr hin. Die Schlüssel bekunden die Zugehörigkeit zur Talschaft Montafon: Das Montafoner Wappen mit dem Symbol der gekreuzten Schlüssel ist dem päpstlichen Wappen entnommen, wird seit dem frühen 15. Jahrhundert eingesetzt und beruht auf einer kuriosen Geschichte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Schruns

Kirchen, Klöster und Kapellen[Bearbeiten]

Pfarrkirche zum Heiligen Jodok[Bearbeiten]

Pfarrkirche zum Heiligen Jodok

Hauptartikel: Pfarrkirche St. Jodok (Schruns)

Mitten in Schruns am Kirchplatz steht die Pfarrkirche zum Heiligen Jodok, die in den Jahren 1865 bis 1867 erbaut wurde.

Sie überrascht im Inneren durch ihre reiche Ausstattung mit Bildern und Statuen und sie gehört heute zu den selten gewordenen Kirchen, die noch ganz einheitlich im Nazarenerstil des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gehalten sind.

Litz-Kapelle[Bearbeiten]

Die Litzkapelle

Seit mehr als 300 Jahren steht am Beginn des Dorfzentrums von Schruns, an der Abzweigung nach Bartholomäberg, eine anmutige kleine Wallfahrtskapelle. Der Sage nach stand hier früher ein fruchtbarer Birnbaum. Als dieser unerwartet verdorrte, erbaute der Besitzer 1688 an seiner Stelle dieses kleine Kirchlein.

Im Mittelpunkt der Kapelle steht heute auf dem Renaissancealtar eine von vielen Menschen verehrte Madonnenstatue.[6] Die Skulpturen des Altares stammen vom Tiroler Bildhauer Melchior Lechleitner.

Im Jahre 1981 wurde die Kapelle von Konrad Honold restauriert, wobei sich herausstellte, dass das Deckengemälde „Immaculata“ (lat.: „die Unbefleckte“) aus dem Jahre 1886 vom Schrunser Kunstmaler Jakob Bertle stammt.[7]

Der Innenraum der Kapelle wird von Nachbarn liebevoll geschmückt und noch heute wird jede Woche der Rosenkranz im Kirchlein gebetet. An der Außenfassade erinnert das in Marmor gehauene Wappen der Grafen von Starhemberg an Ernst Rüdiger Camillo Maria Starhemberg, welcher 1956 bei dieser Kapelle im 57. Lebensjahr den Herztod erlitt.

Franziskusfenster, Schruns, Franziskuskapelle Rieder Maisäß

Kapuzinerklosterkirche Gauenstein[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kapuzinerkloster Gauenstein

Das Kloster Gauenstein ist eine der schönsten Niederlassungen der Kapuziner in Vorarlberg. Das jetzige Gebäude samt dem Garten liegt etwas über dem Talboden mitten im Wald. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts befand sich hier eine Einsiedelei mit einem oder zwei Wald-Brüdern. Im Jahr 1701 kam Bruder Kaspar Ubanizi vom Dritten Orden hl. Franziskus, in Salzburg geboren, ins Montafon und erbaute auf der Höhe des Gaues eine Klause. Später zog er wieder weg, hatte aber Nachfolger. 1709 wurde die Klause erneuert und eine Kapelle dazugebaut. Der bedeutendste Eremit war Bruder Dismas; er baute sich hier eine eigene Zelle und legt einen Garten an. Das Kirchlein wurde am 25. Juli 1721 vom Fürstbischof von Chur zur Ehre der Schmerzensmutter Maria eingeweiht. Bruder Dismas vermachte die Klause samt dem Kirchlein den Kapuzinern, doch der Letzte starb im Jahr 1821. Die Gemeinde Schruns erlangte das Eigentumsrecht und verkaufte das Eremitorium den Geschwistern Johann Fidel Tschol und Maria Anna Tschol. Diese Ehe blieb leider kinderlos und so wurde Gauenstein wieder den Kapuzinern vermacht.

Die alte Kapelle wurde fast zur Gänze abgetragen und durch eine neue ersetzt. Schon in den Anfängen dieses Klosters griffen die Kapuziner zum Spaten, zu Pickel und Schaufel, und stellten eine fahrbare Straße her. Bis zum Jahre 1840 führte nämlich nur ein wenig begangener Weg zu dieser Anhöhe über Schruns hinauf. Am 14. Juni 1851 wurde die Kirche durch Georg Prünster, Weihbischof in Brixen, zur Ehre der Schmerzensmutter Maria gewiehen. 1929 erfolgte ein Erweiterungsbau, und 1995/96 kam es schließlich zur Generalsanierung der Kirche.[8]

Franziskus-Kapelle

2001 wurde die kleine Bergkapelle auf der Rieder Maisäß errichtet. Sie ist dem Heiligen Franziskus geweiht. 2011 erhielt sie fünf kleinformatige Fenster aus der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck in München.

Fitsch-Haus[Bearbeiten]

Auf der dem Eingang der Litz-Kapelle gegenüber liegenden Straßenseite befindet sich das „Fitsch-Haus“. Darin befinden sich eine schöne Stube und ein alter Gewölbekeller. Früher wurde Wein aus dem italienischen Veltlin in wohlhabende Häuser nach Deutschland geliefert.

Die Route führte aus dem Veltlin über die „Via Valtellina“ durch Schruns und in diesem Haus hier wurde der Wein zwischengelagert. Über mehrere Jahrhunderte wurde der italienische Wein über Saumwege auf dem Rücken der Pferde aus dem Veltlin (italienisch: „Valtellina“) durch das Puschlavtal und den Engadin nach Davos, Klosters und weiter über das Schlappinerjoch ins Montafon transportiert.

Montafoner Heimatmuseum[Bearbeiten]

Heimatmuseum Schruns

Im Jahre 1906 begann eine Gruppe heimatkundlich interessierter Einheimischer, im Montafon selten vorkommende Tiere, Pflanzen und Mineralien zu sammeln und in der Folge auch auszustellen. Unter der Leitung des Schrunser Schulleiters Johann Wiederin wurde die mittlerweile umfangreiche Sammlung durch alte Möbel, Bilder und Kunstwerke ergänzt. Im Frühmesshaus in der Silvrettastraße fand man eine geeignete Stätte für die Sammlung, und so konnte am 12. Juni 1921 das „Montafoner Heimatschutzmuseum“ in Schruns feierlich eröffnet werden.

Im Jahre 1978 übersiedelte das Museum an den Kirchplatz in Schruns in ein altes Montafoner Ständehaus (im Giebel bez. 1710; rätoromanische Bau; ehemals Sitz der Bergrichter), welches renoviert und durch einen Neubau ergänzt wurde. Durch diese optimale Kombination bietet sich in den beiden unterschiedlich ausgestatteten Gebäuden die Möglichkeit, das Ausstellungsgut den gegenwärtigen Erkenntnissen gemäß optimal zu präsentieren. Es beherbergt Kulturgut aus dem ganzen Tal und informiert über die Lebensweise der Montafoner. Während im Neubau Vitrinen eingerichtet sind, wird im alten Gebäude ein Rundgang durch die Wohnkultur und Arbeitswelt des Montafons geboten: bäuerliche Gerätesammlung, volkskundliche und kunstgeschichtliche Bestände, Kunstwerke der Gotik und des Barock (u. a. ehem. Hochaltarfiguren der Pfarrkirche Schruns von Josef Klemens Witwer aus Imst, um 1790).

Ein kleines Zimmer ist als Schulklasse eingerichtet, mit dem obligaten Lehrerpult, dem Harmonium und den feststehenden Holzbänken. Hier wurden acht Schulstufen gleichzeitig unterrichtet. Das ebenso hier untergebrachte „Montafon-Archiv“ von Josef Zurkirchen ist nach Voranmeldung für Studienzwecke zugänglich. Der Heimatschutzverein Montafon ist Träger des Heimatmuseums und der Eigentümer der Sammlung.

Im November 2011 erfolge in Schruns eine Bürgerbefragung zu einem geplanten Museums-Neubau und der Vorschlag der Architekten Marte/Marte in reduzierter Betonweise wurde hier durch die Bevölkerung abgelehnt.[9]

Denkmal für Landammann Batlogg[Bearbeiten]

Johann-Josef-Batlogg-Denkmal

Der Montafoner Johann Josef Batlogg (* 1751; † 1800) war Landammann, Richter und Landesverteidiger. Ab 1794 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen, hervorgebracht durch die französische Revolution, auch in Vorarlberg spürbar. 1799 verteidigte Batlogg erfolgreich Vorarlberg und das Montafon gegen die Franzosen, die aus der Schweiz herüber drängten.[10][11]

Im Winter 1907 wurde dieses Denkmal mit Natursteinen und einem Relief aus Carrara-Marmor nach einem Entwurf des Künstlers Jakob Bertle aufgestellt. In Schruns sind noch die Batloggstraße und die Batlogghalle (heute „Kulturbühne“) nach dem Freiheitskämpfer benannt.

Denkmal für Ernest Hemingway[Bearbeiten]

Ernest Hemingway verbrachte 1925/26 zwei Winter im Montafon. Er hatte in Schruns an seinem ersten Roman „Fiesta“ gearbeitet und auch in „The Snows of Kilimanjaro“ nimmt der amerikanische Schriftsteller Bezug auf seine Aufenthalte in Vorarlberg.[12] Das zwei Meter hohe Monument mit der Hemingway-Büste aus Bronze wurde Ende März 2008 enthüllt.[13]

Litzpromenade[Bearbeiten]

Die Litzpromenade

Die Litzpromenade mit der Lindenallee führt von Schruns entlang der Litz bis nach Tschagguns. Der Litzdamm wurde 1912 erbaut und somit das Siedlungsgebiet hier erschlossen.

Das Maklott-Haus

Das Maklott-Haus im Zentrum von Schruns, mit der auffallenden, rosafarbenen Jugendstilfassade, gehört nun schon in der 3. Generation der Familie Maklott. Der Erbauer des Hauses war für damalige Zeiten sehr wohlhabend. Er war der letzte Bergwerksbetreiber im Montafon.

An der dem Ortskern abgewandten Seite der Litz sieht man das Gebäude der ehemaligen Lodenfabrik. Die Besitzer waren damals mit ihren Produkten schon auf der Weltausstellung in Paris. In den Jahren 1906/07 wurde im Keller der Lodenfabrik vom Besitzer Heinrich Mayer ein modernes Dampf- und Brausebad eingerichtet, das von Hanns Kornberger, einem bekannten Vorarlberger Jugendstilarchitekten (auch Planer des Maklottgebäudes) entworfen wurde.

Als Gäste sind in den drei Jahren des Bestehens vor allem die „Fremden“ und weniger die Einheimischen überliefert, denn die Schrunser sahen in dem Bad eine „Brutstätte des Lasters“. Die Lodenfabrik ist 1910 vom Hochwasser der Litz schwer beschädigt worden.[14]
Otto Borger übernahm im Jahre 1934 gemeinsam mit seinen Brüdern Karl und Hugo die Schrunser Lodenfabrik von seinem Vater Hubert. Er leitete sie bis zu ihrer Stilllegung rund 40 Jahre später.

Westlich der Litz liegt das Hotel „Krone“ der Familie Mayer. In der „Krone“ selbst befinden sich wunderschöne Holzstuben, gefertigt vom Silbertaler David Bitschnau, der ebenfalls im 19. Jahrhundert auf der Weltausstellung war und Holzarbeiten im Schloss Herrenchiemsee gefertigt hatte.

Die Familie Mayer war schon früh recht fortschrittlich und Wilhelm Mayer betrieb das 1897 errichtete erste Stromkraftwerk an der Litz, das die Orte und die Eisenbahn mit Strom versorgte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Schrunser Bevölkerung lebte bis zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht, Handel oder Gewerbe. Und viele verdienten damals ihr Brot als Krautschneider, Maurer oder Stuckateure in der Fremde, während Frauen und Mütter die Daheimgebliebenen versorgten.

Um 1900 hatte Schruns bereits rund 350 bewohnte Häuser und bis zum Ersten Weltkrieg erhöhte sich diese Zahl bedeutend. 1910 erreichte Schruns die Zahl von rund 1.600 Einwohnern, die es um 1850 schon einmal aufgewiesen hatte.

Am Ort gab es im Jahr 2003 139 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 1.523 Beschäftigten und 196 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 1.861. Tourismus und Fremdenverkehr spielen dabei eine wichtige Rolle.

Verkehr[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof in Schruns

In Schruns liegt der Endbahnhof der Bahnstrecke Bludenz–Schruns.

Die Montafonerbahn AG konnte das ursprünglich im Jahre 1897 von Wilhelm Mayer privat errichtete Elektrizitätswerk an der Litz übernehmen und damit Schruns sowie die Bahn mit Strom versorgen: 1905 ging dann mit der Bahnlinie Bludenz-Schruns eine der ersten elektrisch betriebenen Normalspur-Lokalbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie in Betrieb.

2001 wurde das Bahnhofsgebäude mit dem Architekten Hans Hohenfellner umgestaltet. Der ostseitige erdgeschossige Anbau aus den 1930er Jahren wurde abgetragen und durch einen transparenten Baukörper für Fahrdienstleitung und Warteraum ersetzt.[15]

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Um 1870 kamen die ersten Feriengäste mit dem beginnenden Sommertourismus nach Schruns und damit begann seine Entwicklung als Fremdenverkehrsort. Der 1898 gegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein übernahm fortan die Förderung dieses neuen Erwerbszweiges. Allmählich wurden eine Vielzahl gemütlicher Gasthöfe sowie die ersten Hotels erbaut.

Die Umgebung von Schruns bietet heute Skigebiete von 700 bis 2.400 Meter, 62 Lift- und Seilbahnanlagen in Schruns-Tschagguns und in der näheren Umgebung mit 200 km präparierten Pisten.

Im Jahr 2001/2002 gab es insgesamt 359.463 Übernachtungen.

Kapell[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet befindet sich eines der größten Ski- und Wandergebiete des Montafons, die Silvretta Montafon ehemaliges Hochjoch (oder Kapell, von „Kapellalpe“). Bereits 1913 gab es Pläne, eine Bahn auf das Schrunser Kapell zu bauen. Im Herbst 1945 schlugen die beiden Schrunser Josef Thöni und Albert Zudrell sowie der Alpinschriftsteller Walther Flaig den Bau einer Kabinenseilbahn von Schruns über die Kapellalpe auf den Kreuzjochgipfel in 2.395 Meter Höhe vor.

1948 wurde die Montafoner Bergbahn GmbH gegründet. 1950 konnte die „Vierjahreszeitenbahn“ auf das Kapell eröffnet und schon 1951 auch die zweite Sektion (Kropfen-Kapellalpe) in Betrieb genommen werden. Anfangs war dies ein Sessellift und 1966 wurde eine Gondelbahn auf das Kapell gebaut. Seit 1980 ist auch das Grasjoch-Gebiet erschlossen und mit der Zamangbahn von Schruns sowie der Kapellbahn von Silbertal wurden weitere Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen.

Mit der Fusionierung der beiden Skiliftgesellschaften Montafoner Hochjochbahnen GmbH von Schrunser Seite sowie den Silvretta Nova Bergbahnen GmbH von St. Gallenkirch entstand 2011 mit der Silvretta Montafon das größte Skigebiet in Vorarlberg.

Kuranstalt Montafon[Bearbeiten]

1950 wurde in Schruns die Kuranstalt Montafon an der Litzpromenade vom Montafoner Arzt Edwin Albrich eröffnet. Er war zunächst im Schrunser Krankenhaus „Maria Rast“ tätig und erkannte die heilende Wirkung des Hochgebirgsklimas in Verbindung mit Bewegung in der Natur. Angeboten wurden Wasser-, Wärme- und Bäderkuren sowie eine „Elektrotherapie“. Damals standen in Schruns nicht ausreichend Hotels zur Verfügung, da sie entweder der französischen Besatzung dienten oder nicht die gewünschte Qualität aufwiesen – so wurde 1951 das Kurhotel eröffnet.

Es gingen dort in den Folgejahren viele berühmte Politiker, Persönlichkeiten und gekrönte Häupter ein und aus. Auch der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl oder Herbert von Karajan war hier zu Besuch.[16]

Goldschlüsselrennen[Bearbeiten]

Die Goldschlüsselrennen in den Jahren 1963 bis 1983 lenkten das nationale und internationale Interesse auf Schruns als Wintersportzentrum.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Die Montafonerbahn AG wurde 1904 in Schruns gegründet.
  • Die Spar- und Darlehenskasse für Montafon in Schruns wurde 1892 gegründet (heute Raiffeisen Bank).
  • Wilhelm Gantner gründet 1982 in Schruns die GANTNER Electronic GmbH.

Bildung[Bearbeiten]

Am Ort gab es 578 Schüler im Schuljahr 2007/2008, davon waren 130 Volksschüler und 448 Hauptschüler. Es gibt eine Spielgruppe und vier Kindergärten, zwei Volksschulen, zwei Hauptschulen (eine davon die Skimittelschule[17]) sowie die Musikschule Montafon. Eine Polytechnische Schule besteht im benachbarten Bartholomäberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Mit Verbindung zu Schruns[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1914 Aegidius Mayer (1857-1935), Pfarrer, Dekan, Landtagsabgeordneter
  • Franz Josef Wachter (1867-1951), Bürgermeister von 1919 bis 1939, Standesrepräsentant des Montafons und Abgeordneter zum Landtag
  • Johann Wiederin (1874-1952), Lehrer, Kirchenchorleiter und Mitbegründer und Leiter des Montafoner Heimatmuseums
  • Karl August Albrich (1878-1948), Tierarzt
  • 1954 Anton Ammann, Generaldirektor der Illwerke
  • 1960 Edwin Albrich (1910-1976), Dozent für Innere Medizin an der Wiener Universität und praktizierender Internist in Schruns
  • 1965 Franz Marent (1890-1978), Bürgermeister, Landtagsabgeordneter

Kurioses[Bearbeiten]

Gewichte und Maße[Bearbeiten]

Ehe das metrische System 1871 in Österreich eingeführt wurde, herrschte ein großes Durcheinander: Österreichische, schwäbische und Schweizer Einheiten bestimmten das Leben im Montafon – und selbst zwischen den einzelnen Dörfern gab es unterschiedliche Auffassungen:

  • Das Gewicht wurde in Pfund gemessen: Das Wiener Pfund wog 560 Gramm, in der Schweiz entsprach ein Pfund nur 440 Gramm und in Württemberg 456 Gramm.
  • Längenmaße wurden in „Fuß“ gemessen, der im Montafon „Schuh“ hieß. Dieser entsprach 31,5 cm und wurde in zwölf Zoll unterteilt. Stoffbahnen hingegen wurden mit der „Elle“ gemessen, eine solche entsprach 77,8 cm. Um Felder zu vermessen, wurde der „Schritt“ eingesetzt und dieser entsprach etwa 70 cm.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schruns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. montafon. 1906–2006 (PDF; 5,74 MB)
  2. Onlineauftritt Marktgemeinde Schruns Geschichte von Schruns
  3. 96 Gemeindewappen (Ausstellungskatalog des Vorarlberger Landesarchivs), 2008
  4. Helga Nesensohn-Vallaster: Der Lawinenwinter 1954. Heimatschutzverein Montafon, Schruns 2004, ISBN 3-902225-10-6
  5. a b Montafoner Heimatbuch (Herausgeber Stand Montafon)
  6. Onlineauftritt sagen.at Entstehung der Litz-Kapelle
  7. sagen.at zu Litzkapelle Konrad Honold hat Werk von Jacob Bertle festgestellt
  8. Kloster Gauenstein
  9. Bevölkerung lehnt modernen Museumsbau ab
  10. Hermann Sander: Johann Josef Batlogg, der Landammann von Montafon. Ein Lebensbild. (Innsbruck 1900; S.4.53)
  11. Johann Peter Düringer: Johann Josef Batlogg, der Landammann von Montafon (Festrede bei der Denkmalfeier in Vandans am 26. Mai 1927)
  12. Schruns erhält Ernest-Hemingway-Denkmal (26. März 2008)
  13. Hemingway-Denkmal feierlich eingeweiht (29. März 2008)
  14. Hubert Borger: Erstes modernes Jugendstil-Dampf- und Brausebad in Schruns. In: Bludenzer Geschichtsblätter. 39, 1997, S. 29–39
  15. Onlineauftritt Architekturzentrum Wien Bahnhofsareal Schruns
  16. Kuranstalt in Schruns wird abgerissen (30. November 2010)
  17. SMS Schruns öffnet ihre Türen (12. Januar 2012)