Schukri al-Quwatli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schukri al-Quwatli 1943
Quwatli 1966 mit Familie

Schukri al-Quwatli (arabisch ‏شكري القوتلي‎, DMG Šukrī al-Quwatlī, auch Schukri al-Kuwatli, Choukri al-Kouatli; * 1891 in Damaskus, Vilâyet Syrien; † 30. Juni 1967 in Beirut, Libanon) war ein syrischer Politiker und Staatspräsident der Syrischen Republik von 1943 bis 1949 sowie von 1955 bis 1958.

Leben[Bearbeiten]

Schukri al-Quwatli erhielt in Istanbul eine Hochschulausbildung zum Staatsbeamten. Er trat seinen Dienst in der osmanischen Verwaltung in Damaskus an. Er betätigte sich früh als Aktivist des arabischen Nationalismus. Schon im Osmanischen Reich war Quwatli in einer führenden Rolle in der syrischen Untergrundorganisation al-Fatat tätig und wurde dafür 1916 inhaftiert. Nach dem Ersten Weltkrieg diente er als Assistent des Gouverneurs von Damaskus im kurzlebigen Königreich Syrien unter König Faisal I. Aufgrund des Sykes-Picot-Abkommens erhielt Frankreich jedoch auf der San-Remo-Konferenz im April 1920 das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon. Faisal I. wurde daraufhin durch die Franzosen vertrieben, Quwatli wurde zum Tode verurteilt und floh ins Exil nach zunächst Ägypten, später nach Deutschland.[1]

1922 wurde er Gründungsmitglied des Syrisch-Palästinensischen Kongresses einer Exilantenorganisation arabischer Nationalisten die sich für die Wiederherstellung eines arabischen Königreichs unter haschemitischer Führung einsetzte. Quwatli übernahm dabei Aufgaben als Funktionär und Geldbeschaffer. Während der Aufstände in Syrien ab 1925 versuchte Quwatli die Aufständischen als Exilant zu unterstützen. Als der Rebellenführer im Land Sultan al-Atrasch 1927 aufgrund der militärisch aussichtslosen Lage die Kämpfe einstellen ließ warf ihm Quwatli Feigheit vor und forderte eine Fortführung des bewaffneten Widerstands. Er überwarf sich mit dieser Position auch mit dem pro-haschimitischen Syrisch-Palästinensischen Kongress und fand im saudischen König Abd al-Aziz ibn Saud seinen neuen politischen Unterstützer.[2]

Quwatli war seit den 1930er Jahren Mitglied des Nationalen Blocks, einer anti-französischen Koalition von arabischen Parteien in Syrien, stieg innerhalb dieser Organisation schnell auf und wurde 1943 zum ersten Mal zum Staatspräsidenten ernannt. Sein wichtigstes Ziel war die Loslösung von Frankreich. Nachdem Frankreich 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde und die französische Mandatsverwaltung sich auf die Seite des Vichy-Regimes unter Marschall Philippe Pétain schlug, marschierten britische Truppen mit freifranzösischer Unterstützung in Juli 1941 im Syrisch-Libanesischen Feldzug in Syrien ein. Im Auftrag Charles de Gaulles wird das Völkerbundsmandat für beendet und Syrien für unabhängig erklärt. Frankreich ist jedoch immer noch militärisch präsent, was zu antifranzösischen Demonstrationen führt und in einer französischen Bombardierung von Damaskus gipfelt. Nachdem der britische Premierminister Winston Churchill mit der Entsendung von Truppen droht und die Vereinten Nationen Frankreich zum Rückzug auffordern, lenkt Frankreich ein: am 15. April 1946 verlassen die letzten Truppen das Land. Nach einer Verfassungsänderung 1947 wurde Quwatli ein Jahr später im Amt bestätigt.

Quwatlis Beerdigungsprozession
Grab von Quwatli im Bab-al-Saghir-Friedhof

Nach der vernichtenden Niederlage im arabisch-israelischen Krieg 1948, wuchs die Unzufriedenheit mit der Politik Quwatlis. Infolge politischer Instabilität und Regierungskrisen wurde die Regierung Quwatli im März 1949 durch einen Militärputsch unter Führung von Husni az-Za'im gestürzt. Quwatli ging nach kurzer Inhaftierung erneut ins ägyptische Exil. In dieser Zeit war das politische System Syriens extrem instabil. Im August sowie im Dezember 1949 gab es wiederum Militärcoups in Damaskus. Nach einem erneuten Militärputsch im Februar 1954 kehrte Quwatli nach Syrien zurück und wurde nach freien Wahlen wieder zum Staatspräsidenten gewählt. Doch die politische Lage blieb schwierig.

Der Aufstieg des Panarabisten Gamal Abdel Nassers in Ägypten nährte auch in Syrien Hoffnungen auf die Schaffung eines gemeinsamen arabischen Staates. Im Vorfeld des Suezkriegs bildeten beide Länder ein gemeinsames militärisches Oberkommando. Nach schweren Spannungen zwischen der Ba'ath-Partei und der Kommunistischen Partei entsendete die syrische Regierung aus Furcht einer kommunistischen Machtübernahme eine Delegation nach Ägypten, wo die Vereinigung der beiden Staaten beschlossen wurde. Am 1. Februar 1958 wurde der Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) bekanntgegeben. Präsident wurde Nasser, Quwatli wurde Vizepräsident. Schon bald traten Differenzen auf, 1959 kam es zum Bruch mit Nasser, Quwatli musste wieder ins Exil und beendete seine politische Karriere.

Nach seinem Tod im Jahr 1967 wurde er in Damaskus in einem aufwendigen Staatsbegräbnis beigesetzt.

Quellen[Bearbeiten]

  • Paolo Minganti, I movimenti politici arabi, Roma, Ubaldini, 1971, S. 117
  • Mirella Galletti, Storia della Siria contemporanea. Popoli, istituzioni e cultura, Bompiani, 2006
  •  Commons: Schukri al-Quwatli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sami Moubayed : Steel & Silk - Men and Women Who Shaped Syria 1900 - 2000, Seattle, 2006, S. 308
  2. Sami Moubayed : Steel & Silk - Men and Women Who Shaped Syria 1900 -2000, Seattle, 2006, S. 309