Klassenarbeit
Eine Klassenarbeit ist ein schriftlicher Leistungsnachweis, den Schüler unter Aufsicht mit Zeitvorgabe in Hauptfächern (z. B. Deutsch, Mathematik, Englisch) mehrmals und in Nebenfächern (bspw. Politik, Erdkunde) ein- bis ca. sechsmal pro Halbjahr erbringen müssen. Der Begriff Klassenarbeit wird im deutschsprachigen Raum nicht einheitlich verwendet; so wird sie in Bayern als Schulaufgabe und in Österreich als Schularbeit bezeichnet. In manchen Fällen wird unter Klassenarbeit auch eine besondere Form der Gruppenarbeit verstanden. Unterschiedliche Interpretationen gibt es auch zwischen den verschiedenen Schularten. So werden in der Grundschule bspw. erst ab der dritten Klasse Klassenarbeiten gefordert. Klassenarbeiten sind Leistungskontrollen, die der Leistungsbewertung unterliegen und über die Notengebung zu einer Differenzierung führen. Eine anspruchsvolle Klassenarbeit sollte nicht nur darauf ausgerichtet sein, reines Faktenwissen abzuprüfen, sondern es sollte auch verlangt werden, dass bestimmte Tatbestände anwendungs- und problemorientiert zu verarbeiten sind. Das Hauptziel solcher Aufgabenstellungen besteht darin, außer den Kenntnissen und Fertigkeiten auch das Problemlösungsverhalten der Schüler zu überprüfen und zu beurteilen.
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[Bearbeiten] Kennzeichnung der Klassenarbeit
In Deutschland wird in der Sekundarstufe I eine Klassenarbeit (bzw. in Bayern als Schulaufgabe) als eine Arbeit bezeichnet, die normalerweise eine Schulstunde, in Fächern wie Deutsch, in denen die Bearbeitung der Aufgaben jedoch mehr Zeit in Anspruch nimmt, aber auch 2 Stunden (also 45 bzw. 90 Minuten) dauert. Die Termine für die Klassenarbeiten werden vom jeweiligen Fachlehrer oft schon zu Beginn des Halbjahres festgelegt. Sie müssen aber mindestens zwei Tage vor dem Termin den Schülern bekanntgegeben werden. In Klassenarbeiten werden größere Lerneinheiten abgefragt, die den Stoff der vergangenen Schulstunden beinhalten. Die entstehenden Noten sind meistens gewichtiger als andere Noten (zum Beispiel von Lernzielkontrollen oder mündlichen Noten). Beispielsweise werden Klassenarbeiten in der Sekundarstufe I in den Hauptfächern zwei bis drei Mal pro Halbjahr geschrieben, aus denen sich in schriftlichen Fächern die Gesamtnote unter Berücksichtigung der sonstigen Mitarbeit und der kleineren Arbeiten ergibt. In der gymnasialen Oberstufe heißen die Klassenarbeiten Klausuren Klausur (Prüfung). Es können im Hinblick auf den Umfang der Klassenarbeit unterschieden werden:
• Die großen Klassenarbeiten, die in Österreich als Schularbeiten bezeichnet werden und stets schriftliche Leistungsüberprüfungen darstellen. Im Gegensatz zu Tests ist die Anzahl pro Schuljahr (bzw. ob es in einem Gegenstand überhaupt Schularbeiten gibt) und die Dauer (mindestens 1 Schulstunde, d.h. i.d.R. 50 Minuten, bis zu 4 Schulstunden) der Schularbeiten im Lehrplan vorgeschrieben. In Deutschland und Österreich gelten als klassische Schularbeitsfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Vor allem an BHS gibt es jedoch zahlreiche weitere Schularbeitsfächer, wie z.B. Rechnungswesen und Betriebswirtschaft an Handelsakademien.
• Die kleineren Leistungsnachweise, die keine ganze Schulstunde in Anspruch nehmen oder unangekündigt durchgeführt und ebenfalls regional unterschiedlich benannt werden. Kleinere Arbeiten enthalten oft nur wenige Aufgaben, die den Schulstoff der unmittelbar vorangegangenen Lektion abfragen oder spontan im Ermessen des Lehrers durchgeführt werden. Sie werden in Ostdeutschland einheitlich Leistungskontrolle (LK) genannt. Westliche Bundesländer Deutschlands und Österreich benennen kleine Arbeiten als Lernzielkontrolle oder Hausaufgabenüberprüfung (HÜ). In der Umgangssprache wird hier auch von Test gesprochen. In Österreich sind auch offiziell so genannte Tests allerdings nicht unangekündigt, sondern zwei Unterrichtstage vorher bekanntzugeben (Leistungsbeurteilungsverordnung § 8, Abs. 2). [1].
In Bayern heißen kleine, angekündigte Arbeiten „Kurzarbeit“. An bayerischen Gymnasien können Schulaufgaben unter bestimmten Umständen durch je zwei Kurzarbeiten ersetzt werden. Die Arbeitszeit einer Kurzarbeit beträgt die Hälfte dessen, was für eine Schulaufgabe üblich ist. Kurzarbeiten werden allgemein in Deutschland auch in der Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums geschrieben, und zwar in den Fächern, in denen keine Schulaufgaben geschrieben werden. An den Realschulen hingegen zählen Kurzarbeiten (und nicht Klassenarbeiten) zweifach, eine abweichende Gewichtung kann jedoch von der Lehrkraft zu Beginn des Schuljahres festgelegt werden, und ist den Schülern im Voraus mitzuteilen. Unangekündigte, kleinere Wissenstests werden in Bayern (das, ugs. die) Extemporale oder Stegreifaufgabe, von Schülern umgangssprachlich auch „Ex“ genannt.
[Bearbeiten] Klassenarbeit in der DDR
Im einheitlichen Sprachgebrauch der DDR war eine Klassenarbeit eine große Arbeit über eine oder zwei Schulstunden, die stets ein Stoffkapitel abschloss und daher alle Facetten des Themengebietes umfassen konnte. Klassenarbeiten hatten das höchste Zensurengewicht und wurden grundsätzlich vorher angekündigt. Als Sonderform gab es die sogenannten Kontrollarbeiten, die zur Festlegung der Endjahreszensur als Klassenarbeiten zu werten waren. Der Terminus Klausur wurde in der DDR in traditioneller deutscher Sprache verwandt, so dass keine Klausur geschrieben wurde, sondern die Klassenarbeit, Prüfung etc. unter Klausur angefertigt wurde.
Mittlere Arbeiten über 30 bis 45 Minuten hießen Leistungskontrolle. Abgefragt wurden größere Unterkapitel, aber niemals ein Stoffgebiet als ganzes. Im Gegensatz zur Klassenarbeit musste eine Leistungskontrolle nicht angekündigt werden (unangekündigte LK). Als Variante der Leistungskontrolle gab es auch die mündliche Leistungskontrolle, meistens nur für ein oder zwei (zufällig ausgesuchte) Schüler, grundsätzlich aber vor der ganzen Klasse abzulegen, so bspw. eine ausführliche Abfrage des Stoffs, ein kommentiertes Vorrechnen, ein improvisiertes Referat oder ein Colloquium mit dem Lehrer. Die regelmäßigen Lesekontrollen gegenüber allen Schülern einer Klasse (lautes Lesen langer, oft schwieriger Textpassagen auf Zensur, bewertet nach Wortfehlern, Betonungsfehlern, Lautungsfehlern) waren in der Regel als Leistungskontrolle eingestuft. Diktate galten ebenso als Leistungskontrolle.
Kleine Arbeiten hießen grundsätzlich Kurzkontrolle und dauerten normalerweise zwischen 15 und maximal 30 Minuten. Kurzkontrollen wurden in der Regel nicht angekündigt. Der Stoff der letzten Stunden oder allgemeine Überlegungen zu einem Thema standen im Vordergrund. In der Unterstufe der polytechnischen Oberschule nannte sich eine Sonderform der Kurzkontrolle tägliche Übung. Tägliche Übungen fanden zu Beginn einer jeden Unterrichtsstunde statt und setzten sogleich in der ersten Woche nach Schulanfang ein. Es handelte sich in Mathematik z. B. um 10–20 Rechenaufgaben, oder im Schönschreiben um 5–10 Buchstabenzeilen, jeweils drei dieser streng bewerteten täglichen Übungen wurden dann zu einer Zensur zusammengefasst. Die Kurzkontrolle gab es ebenfalls als mündliche Kurzkontrolle. In der DDR durften ohne Einschränkung alle Hausaufgaben eingesammelt und benotet werden, genauso wie die Mitschriften der Schüler (Beurteilung der Form, der Ordnung, der Vollständigkeit usw.). Als Einstufung wurde oft die Kurzkontrolle, aber bei größerem Umfang auch die Leistungskontrolle gewählt. Schwammige mündliche Mitarbeitsnoten wurden nicht erteilt, denn Mitarbeit war eine der vier Kopfzensuren. Deswegen bestanden die sogenannten mündliche Jahresleistungen in einem Fach stets aus Diktaten, Tafelrechnen, Lesekontrollen, Kurzkontrollen, Leistungskontrollen, Referaten oder dergleichen, d.h. aus gut zensierbaren, punktuellen mündlichen Bewertungen.
[Bearbeiten] Bewältigung von Klassenarbeiten
Da die Inhalte anspruchsvoller Klassenarbeiten entsprechende Anforderungen an die Schüler stellen, sind für jede dieser Arbeiten die intensive Vorbereitung und eine gründliche Planung durch die Schüler nötig. Die Betroffenen sollten rechtzeitig mit der Planung beginnen, damit am Ende kein Vorbereitungsdruck entsteht. Aus dem Unterricht sind Mitschriften zu überarbeiten und das Lernpensum ist entsprechend zu dosieren. Ohne intensive Planung sind auch die besten methodischen Hilfen zwecklos. Bedeutsam ist, dass der Schüler den Stoff nicht auswendig lernt, sondern dass er die spezielle Problemstellung der Aufgabe erkennt und zu kreativen Lösungen gelangt.
Zu Beginn einer Klassenarbeit ist die Aufgabenstellung vom Schüler mit höchster Konzentration zu lesen. Die Bewältigung anspruchsvoll gestellter Aufgaben setzt planvolles Vorgehen voraus, was vor allem für die Einhaltung der zur Verfügung stehenden Zeit gilt. Jeder Schüler solle ein Uhr zur Verfügung haben, damit er entsprechend planen und die Abgabezeit einhalten kann. Diejenigen Aufgabenstellungen mit einer hohen Punktzahl sind besonders intensiv zu bearbeiten[2]. Es gilt zu vermeiden, bei einer Aufgabenstellung mit geringer Puniktzahl zu viel zu schreiben, weil am Ende dann die Zeit für andere Aufgaben fehlt. Bei der Bewältigung von Klassenarbeiten ist außerdem zu beachten:
• Zum Aufsetzen von Text besteht meistens keine Zeit. Es erscheint allerdings sinnvoll, bei umfangfreichen Aufgaben auf dem Konzeptblatt zunächst Stichpunkte zu notieren, damit auf dieser Basis zweckentsprechend formuliert werden kann und die Sauberkeit der Arbeit erhalten bleibt. Eine korrekte, saubere Bearbeitung ist schon auf den ersten Blick zu erkennen. Der Fachlehrer sollte seinen Schülern vorher verdeutlichen, dass keine Punkte vergeben werden können, wenn die Schrift des Schülers nicht lesbar ist.
• Vor allem ist auf korrekte Orthographie, Grammatik und Interpunktion zu achten. Schachtelsätze und unpassende Füllwörter wie beispielsweise "natürlich", "nun" und "übrigens" sind zu vermeiden. Vielmehr sind treffsichere Worte und klare Formulierungen zu wählen. Der Schüler kann mit der Lösung einer leichteren Aufgabe beginnen, um seine Nervosität abzubauen und das Selbstvertrauen zu bestärken.
• Zur besseren Lösung von Klassenarbeiten sollten noch folgende Regeln Beachtung finden: Das eigentliche Problem der Aufgabe ist zu erkennen. Die wichtigsten Aussagen der Aufgabenstellung sind zu unterstreichen! Nicht am Problem "vorbeischreiben"! Einzelaussagen sind ausführlich zu begründen! Reine Behauptungen sind nicht gefragt. Für das Niederschreiben nicht gefragter Inhalte gibt es keine Punkte.
Jeder Schüler sollte die zur Bearbeitung vorgesehene Zeit voll nutzen und keinesfalls seine Arbeit zu früh abgeben. Es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die vom Schüler für die Klassenarbeit benötigte Zeit vom Fachlehrer vorausberechnet wurde. Vor der Abgabe der Klassenarbeit ist die gesamte Arbeit noch einmal gründlich durchzulesen, um eventuelle Flüchtigkeitsfehler und Widersprüche nachträglich zu beheben.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Zu den rechtlichen Regelungen siehe Schriftlicher Leistungsnachweis in der Schule
- Zur pädagogischen Einschätzung von Leistungsbeurteilungen siehe Leistungsbeurteilung (Schule).
- Vergleichsarbeit als besondere Form der Klassenarbeit
- Drittelerlass zur Bewertung von Klassenarbeiten
- Klausur (Prüfung) die "Klassenarbeit" in der Sekundarstufe II
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ http://www.ris.bka.gv.at GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10009375
- ↑ Rahn, H.J.: So schreibt man bessere Klassenarbeiten! in: Erziehungswissenschaft und Beruf, 59. Jg. (2011), S. 537-548