Schulatlas

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Putzger von 1924, Schweizer Ausgabe

Der Schulatlas ist als didaktisch aufbereitete, systematisch angeordnete und gebundene Sammlung von Karten (mitunter auch ergänzt durch bildliche, textliche und andere grafische Darstellungen) das umfassendste und vielseitigste kartografische Unterrichtsmedium für die Hand des Schülers, das in der Unterrichtsstunde und bei der Erledigung von Hausaufgaben genutzt werden kann.

Der Atlas (als Printmedium und in digitaler Form) ermöglicht im Unterrichtsverlauf die individuelle und selbstständige Arbeit aller Schüler. Das regional und thematisch differenzierte Kartenmaterial gestattet die vergleichende Betrachtung von Territorien und von verschiedenen Erscheinungen einer Region und damit die Ableitung mannigfaltiger Beziehungen zwischen einzelnen natürlichen und anthropogenen Komponenten (Synopse, Entnahme direkter und indirekter Informationen).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Nutzung im Unterricht

Schulatlanten wurden und werden vor allem für den geografischen Unterricht (einschließlich des Heimatkunde- bzw. Sachkundeunterrichts) entwickelt, mit Abstand gefolgt vom Geschichtsunterricht, wenn auch schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an den höheren Schulen Deutschlands Geschichtsatlanten zu den unverzichtbaren Lehrmitteln gehörten. Gegenwärtig zeichnet sich der Trend zur Entwicklung von überfachlichen (fächerübergreifenden) Schulatlanten als Weltatlanten mit/ohne Regionalteil ab (Integrations- bzw. Kombiatlanten). Doch scheint die Hegemonie der Geografie dabei erhalten zu bleiben (siehe z.B. ALEXANDER KombiAtlas - Verlag Klett-Perthes ab 2003; MENSCHEN, ZEITEN, RÄUME - Verlag Cornelsen ab 2003).

[Bearbeiten] Schulatlastypen

Das geografisch orientierte Schulatlantensortiment in Deutschland ist sehr vielfältig. Es umfasst vor allem (mit Beispielen) :

  • Weltatlanten - Gesamtausgabe/Großausgabe (ca. 200-250 Seiten; vorwiegend für Sek. I und II )
    • ALEXANDER - Gesamtausgabe. Klett-Perthes, 2000 ff.
    • DIERCKE - Weltatlas. Westermann, 2008 ff.
    • HAACK - Weltatlas. Klett-Perthes, 2007 ff.
    • UNSERE WELT - MENSCH UND RAUM (Große Ausgabe), Atlas für Berlin und Brandenburg. Cornelsen/Volk und Wissen, 1998 ff.
  • Weltatlanten - Kurzausgabe/Grundausgabe (ca. 100-150 Seiten; vorwiegend für Sek. I )
    • ALEXANDER - SchulAtlas. Klett-Perthes, 2002 ff.
    • HARMS - Weltatlas, Ausgabe Sachsen-Anhalt, Schroedel, 2001 ff.
    • HEIMAT UND WELT - Weltatlas, Ausgabe Sachsen. Westermann, 2004 ff.
    • UNSERE WELT - MENSCH UND RAUM (Allgemeine Ausgabe). Cornelsen, 2001 ff.

(Die regionalen „Ausgaben“ der großen und kleinen Weltatlanten enthalten jeweils einen ca. 10-15 Seiten umfassenden Regionalteil des entsprechenden Heimatlandes.)

  • Regionalatlanten
    • ALEXANDER - Kleiner Atlas, Ausgabe für Baden-Württemberg. Klett-Perthes, 2001 ff.
    • HARMS BERLINER GRUNDSCHULATLAS. Schroedel, 2001 ff.
    • UNSERE WELT - Atlas für die Grundschule Nordrhein-Westfalens. Cornelsen, 2004 ff.
  • Heimatatlanten
    • DIERCKE - Grundschulatlas, Ausgabe Niedersachsen/Bremen. Westermann, 2002 ff.
    • HAACK - Grundschulatlas, Ausgabe Hamburg, Schleswig-Holstein. Klett/Perthes 2008 ff.
    • HEIMATATLAS Brandenburg - Vom Bild zur Karte. Volk und Wissen/Cornelsen, 1999 ff.
    • KARTE, BILD, WORT, Ausgabe Brandenburg. Schroedel, 2002 ff.
  • Grundschulatlanten
    • DIERCKE - Grundschulatlas, Ausgabe Sachsen. Westermann, 2005 ff.
    • HAACK - Grundschulatlas, Ausgabe Berlin, Brandenburg. Klett/Perthes, 2009 ff.
    • HEIMATATLAS Mecklenburg-Vorpommern - Vom Bild zur Karte. Volk und Wissen/Cornelsen, 1998 ff.
    • UNSERE WELT - Atlas für die Grundschule Nordrhein-Westfalens. Cornelsen, 2004 ff.
  • Elementaratlanten/Kartenfibeln
    • DIERCKE - Grundschulatlas, Ausgabe Berlin. Westermann, 2002 ff.
    • HAACK - Grundschulatlas, Ausgabe Baden-Württemberg, Klett/Perthes, 2008 ff.
    • HEIMATATLAS Thüringen - Vom Bild zur Karte. Volk und Wissen/Cornelsen, 2000 ff.
    • KLEINER ATLAS IN BILDERN. Klett-Perthes, 2004 ff.
    • PERTHES KARTENFIBEL - Einführung in das Kartenlesen. Klett-Perthes, 1996 ff.
    • START IN DIE KARTENWELT. Westermann, 2000 ff. (Kartenfibel).

(Entsprechend der thematischen und/oder grafischen Gestaltung sind manche Serienatlanten bzw. Einzeltitel mehreren Atlasgruppen zuzuordnen (sowohl - als auch), wie es obige Beispiele erkennen lassen. So sind z.B. die meisten Grundschulatlanten gleichzeitig auch als Regionalatlanten, Heimatatlanten und/oder Elementaratlanten zu nutzen.)

Noch überwiegen die Schulatlantentypen in der Printform (analoge Atlanten); aber fast alle Schulkartenverlage legen ihren Atlanten in neuerer Zeit (2008) eine digitale Version (CD-ROM) bei. Als Testmodell für die Schule ist im Jahre 2005 vom Cornelsen-Verlag ein digitaler Atlas erschienen, der als Kombination von zahlreichen Karten aus dem „Putzger - Historischer Weltatlas“ und dem geografischen Atlas „Unsere Welt“ - ergänzt durch klickbare Bilder, Filme, Tondokumente und Texte - gleichzeitig ein fächerübergreifendes, multimediales Kartenwerk (für die Unterrichtsfächer Geografie, Geschichte und Politik) darstellt. Auch der „Haack Weltatlas digital“ (Klett/Perthes 2008) ist eine ähnliche Neuentwicklung, die für den Bildschirm als Schülerarbeitsmittel und auch als frontales Medium mithilfe eines Beamers genutzt werden kann.

Nicht immer sind die Atlanten im Titel als „Schulatlanten“ erkennbar (z.B. Alexander-Gesamtausgabe, Diercke-Weltatlas, Unsere Welt - Mensch und Raum), wenn auch ihre Grundanlage pädagogisch-didaktisch bestimmt ist. Sehr stark sind durchaus Lehrplan-/Rahmenplanbezüge ausgeprägt, zumal die einzelnen Atlastitel ausgewählten Schultypen (z.B. Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium) empfohlen werden.

Die Weltatlanten sind ohnehin in allen Klassenstufen (4-13) einsetzbar, während die Grundschulatlanten, Elementaratlanten und Heimatatlanten als „Stufenatlanten“ speziell nur für einige Klassenstufen bestimmt und altersgemäß gestaltet sind. Diese Eindeutigkeit ist bei den Regionalatlanten nicht immer gegeben.

Außer den analogen Elementaratlanten und Kartenfibeln, in denen vor allem die „Arbeit an der Karte“ (Wesen der Karte, Verfahrensweisen der Kartennutzung) im inhaltlichen Vordergrund steht, enthalten auch fast alle Welt- und Stufenatlanten einen mehr oder weniger umfangreichen Block (2-6 Seiten) von Hinweisen bzw. Anleitungen zur Kartennutzung.

[Bearbeiten] Atlasgestaltung

Die Atlanten für die mittleren und oberen Jahrgänge der Schule, insbesondere Weltatlanten für die Oberstufe, sind thematisch sehr vielseitig und kombinativ (Karten mit Bildern oder Grafiken, Kartodiagrammen, Kartogrammen o.Ä. kombiniert) gestaltet. Auch regional-thematische Differenzierungen (nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt von „Fallbeispielen“) und der globale Anteil (thematische Erdübersichten) haben sehr zugenommen (2008).

Allerdings besteht die Gefahr der thematischen und grafischen „Überfrachtung“ der Atlanten bzw. einiger Einzelkarten. Manche Kartentitel wurden zwar sehr aussagereich (lexikalisch), aber zu ausdrucksarm (unübersichtlich für die Schüler). Beweglichkeit bzw. Kombinationsmöglichkeiten der digitalen Versionen dürfen in der allgemeinbildenden Schule nicht zu „Informationsüberhäufungen“ der kartografischen Printmedien führen. Die Karte muß eine übersichtliche Abbildung von Strukturen oder Prozessen in Erdräumen bleiben.

Die Arbeit mit dem Atlas sollte in der Schule nicht verselbstständigt werden. Grundlegende Kartennutzung ist nur eine Kompetenz von Lerntechniken in der Schule. „Nutzerorientierung“ muß die Determinante für die Gestaltung von Schulatlanten sein.

[Bearbeiten] Schulatlas-Verlage

Als heutige führende deutsche Verlage für Schulatlanten mögen die Verlagshäuser Cornelsen/Berlin, Klett-Perthes/Stuttgart-Gotha (Ernst Klett Verlag) und Westermann/Braunschweig genannt werden.

Der Lehrmittelverlag des Kantons Zürich verlegt den Schweizer Weltatlas.

In Österreich ist es der Verlag Ed. Hölzel, der bereits in der zweiten Hälfte des 19 Jh. mit Blasius Kozenn die Schulatlanten für Österreich-Ungarn verlegte. Bis in die 1970er Jahre gab es vom selben Verlag den Österreichischen Mittelschulatlas sowie den Hauptschulatlas. Heute gibt es sowohl Hölzel-Atlanten als auch Neue Kozenn Atlanten nach wie vor vom Verlag Ed. Hölzel.

Die Anfänge der Schulatlaskartografie waren bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts (J.B. Homann und J. Hübner „Kleiner Atlas Scholasticus“, Nürnberg 1710, gefolgt von dem „Atlas Methodicus“, Nürnberg 1719).

[Bearbeiten] Literatur

  • Atlasarbeit. Geographie heute, H.34 (1985), (Themenheft).
  • Breetz, Egon: Zur Spezifik moderner geographischer Schulatlanten in Deutschland. In: Zt. f. d. Erdkundeunterr., H. 4/1991, S. 129-135.
  • Breetz, Egon: Lehrerbände zu den Heimatatlanten Sachsen (1997), Sachsen-Anhalt (1998), Mecklenburg-Vorpommern (1998), Brandenburg (1999) und Thüringen (2000). Berlin 1997–2000.
  • Herzig, Reinhard: Interpretation von Atlaskarten mit Hilfe von Begleitmaterialien für Lehrer. In: Zt. f. d. Erdkundeunterr., H. 4/1991, S. 136-141.
  • Mayer, Ferdinand: Schulatlanten im Wandel von Atlaskonzeption, kartographischer Gestaltung und Herstellungstechnologie. In: Mitt. d. Österr. Geogr. Gesellsch., 127 (1986), S. 107-120.
  • Neumann, Joachim (Hrsg.): Abriss der Geschichte der deutschen Schulatlanten. Stuttgart 2008.
  • Norkowski, Theo: „Unsere Welt“ und „Seydlitz Weltatlas“ - Entwicklung in modernen Weltatlanten. In: Wiener Schr. zur Geogr. und Kartogr., Bd. 5, Wien 1992, S. 194-205.
  • Pobanz, Wolfram: Anfänge der deutschen geographischen Schulatlanten im 18. Jahrhundert. In: Kartogr. Schr., Bd. 8, Bonn 2003, S. 127-132.
  • Sperling, Walter und Brucker, Ambros: Atlas, Schulatlas. In: Brucker, A.: Handbuch Medien im Geographie-Unterricht. Düsseldorf 1986, S. 161-178.
  • Thiele, Dagmar: Schulatlanten im Wandel. = Geographiedidaktische Forschungen, Bd. 13, Berlin 1984, 344 S..
  • Zahn, Ulf: Schulatlanten gestalten und bewerten. In: Geographie und Schule, H. 80 (1992), S. 13-18.

[Bearbeiten] Siehe auch

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