Schulbibliothek

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Schulbibliotheken sind Bibliotheken in Schulen. Sie werden auch als Schulbücherei oder Schulmediothek bezeichnet.

Historische Schulbibliothek des Gymnasium Laurentianum (Arnsberg) in der ehemaligen Klosterbibliothek des Stift Wedinghausen

Erscheinungsformen der Schulbibliothek[Bearbeiten]

Im Allgemeinen wird in der pädagogischen und bibliothekarischen Literatur heute mit dem Begriff Schulbibliothek eine Einrichtung bezeichnet, die zentral für alle Schüler und Lehrer zugänglich ist. Die Aufgaben einer Schulbibliothek erstrecken sich dieser Vorstellung nach auf alle Angehörigen einer Schulen und deren Informationsbedürfnisse.

Allerdings hat sich dieses Verständnis noch nicht überall durchgesetzt. Man findet in der Praxis immer noch vier Schulbibliothekstypen.

  • Schulbibliotheken, die zentral alle Medienbestände verwalten und deren Bestand sowohl Schülern als auch Lehrkräften zugänglich ist
  • Schülerbibliotheken, die allein auf die Versorgung der Schüler ausgerichtet sind
  • Lehrerbibliotheken, die nicht (oder nur in Ausnahmefällen) für Schüler zugänglich sind und ihren Medienbestand auf das pädagogische Personal einer Schule ausrichten.
  • Klassenraumbibliotheken, deren Bestände sich in einem Klassenzimmer befinden und zumeist von der jeweiligen Klasse betreut werden. Insbesondere in Grundschulen und Kindertagesstätten sind solche Lösungen zu finden.

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Schulbibliothek in Schwerin-Lankow mit 5.000 Bänden und 300 Schallplatten (1989)

In Deutschland gibt es kein einheitliches Schulbibliothekswesen. Zwar besitzen viele Schulen eine Bibliothek, diese genügt aber in wenigen Fällen den Ansprüchen an eine moderne, multimediale, pädagogisch orientierte Bibliothek mit Schülerarbeitsplätzen, Leseecken, Computern, digitalem Katalog (OPAC) und geschultem Personal.

Für das Bibliothekswesen sind die kommunalen Gebietskörperschaften (i. d. R. Städte und Gemeinden) zuständig, für Schule die Kultusministerien (Unterricht/Lehrkräfte) und die Gebietskörperschaften (Schulbau, nichtpädagogisches Personal). Wo Schulträgerschaft und Bibliothekszuständigkeit in einer Hand liegen, wie in den (kreisfreien) Großstädten, gibt es gelegentlich eine nennenswerte Kooperation in Form von kombinierten Stadt- und Schulbibliotheken. Die fehlende gesetzliche Absicherung von Schulbibliotheken und die unklare Zuordnung wirken sich auf Ausstattung und Zielsetzung der einzelnen Bibliotheken aus.

Die Schulbibliotheken werden in Deutschland überwiegend von Lehrern, sehr selten von Bibliothekaren geleitet. Ihnen stehen oft Hilfskräfte zur Seite, die längere Öffnungszeiten ermöglichen (Schüler, Eltern, aber auch andere ehrenamtlich Tätige). Auch ALG II-Empfänger werden oft zu einer „gemeinnützigen Tätigkeit“ als Hilfskräfte in Schulbibliotheken herangezogen.

In einigen deutschen Städten und Regionen sowie einzelnen öffentlichen Bibliotheken wurden schulbibliothekarische Arbeitsstellen eingerichtet. Deren Aufgabe ist die Unterstützung von Schulbibliotheken, die Beratung bei der Gründung, oft auch die laufende Unterstützung. Einige dieser Arbeitsstellen (die größte wird von der Stadtbücherei Frankfurt am Main betrieben, weitere gibt es u.a. in Hamburg und Leipzig) sind seit Jahrzehnten tätig.

Insgesamt haben sich in Deutschland die Schulbibliotheken noch nicht als fester Bestandteil des Bildungssystem etabliert.[1]

Situation in deutschsprachigen Ländern (außer Deutschland)[Bearbeiten]

In Österreich wurden mit Hilfe von Fördermitteln der Bundesregierung in den Gymnasien, zunehmend aber auch in den anderen Schulformen Bibliotheken eingerichtet. Die österreichischen Schulbibliotheken entwickeln sich zu multimedialen Bibliotheken. Sie werden überörtlich durch das Unterrichtsministerium[2], den Österreichischen Buchclub und Lesekompetenzzentren in den Bundesländern unterstützt.

In der Schweiz werden die Interessen der Schulbibliotheken von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (SAB) vertreten.[3]

Im deutschsprachigen Südtirol findet eine flächendeckende Förderung des Schulbibliothekswesens statt.[4] Einen hohen Stellenwert hat das Schulbibliothekswesen auch in den Regionen der deutschsprachigen Minderheiten in Belgien und Dänemark.

Schulbibliotheken in anderen Ländern[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

Eine Schulbibliothekarin händigt Schülern Lehrbücher aus (Russland, 1959)

Nahezu flächendeckend sind Schulbibliotheken in Frankreich, im Vereinigten Königreich und in Dänemark eingerichtet. In Frankreich heißt die Schulbibliothek "Centre de documentation et d'information (CDI)" (Dokumentations- und Informationszentrum) und wird von einer Lehrkraft (professeur documentaliste) geleitet. Im Vereinigten Königreich ist ein Schulbibliotheksverband aktiv, die School Library Association (SLA). In Portugal hat das Bildungsministerium in jüngster Zeit sehr viele Schulbibliotheken eingerichtet. In Schweden wurde die Verpflichtung zur Einrichtung von Schulbibliotheken aus dem Bibliotheksgesetz, wo sie unbeachtet geblieben war, 2011 ins Schulgesetz (Version vom 2. Januar 2011 im Internet Archive), § 36,2, übernommen. Einen Überblick über die Situation in Europa gibt die Dissertation einer niederländischen Schulbibliothekarin.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA sind Schulbibliotheken eine traditionelle und feste Institution, die an 92 % der öffentlichen und fast allen privaten Schule zu finden ist.[5] Je nach der finanziellen Ausstattung des Schuldistrikts bzw. des privaten Trägers sind die Bestände oftmals ähnlich umfangreich wie die einer öffentlichen Bibliothek. An 86 % öffentlichen Schulen werden die Schulbibliotheken von Fachkräften (Teacher-librarian, School Library Media Specialist) betreut, die über ein Lehrerzertifikat hinaus auch eine Ausbildung als Bibliothekar vorweisen müssen.[5] An ihrem Arbeitsplatz üben sie nicht nur bibliothekarische Tätigkeiten aus, sondern betreuen auch die Schüler, die hier arbeiten oder Bücher ausleihen und unterrichten selbst. Schulbibliothekarische Verbände in den USA klagen allerdings regelmäßig über einen zu starken Einsatz von School Library Media Specialists als Ersatzlehrkraft für Ausfallstunden. Dies würde zu Lasten der schulbibliothekarischen Arbeit gehen. Bereits an den Grundschulen (elementary schools) gehört der im Klassenverband erfolgende wöchentliche Bibliotheksbesuch, bei dem Bücher für zu Hause ausgeliehen werden, ebenso zum Stundenplan wie der Sport-, Kunst- oder Musikunterricht.[6] Verstärkt dringen Schulbibliotherkverbände und -forscher/-innen auf den embedded teacher-librarian[7], die oder der im Unterricht, in der Unterrichtsplanung, in der Fachkonferenz und im Kollegium im Team mit den Fachlehrer/-innen Lehr- und Lernprozesse organisiert. Die Haushaltssituation der US-amerikanischen Gebietskörperschaften erfordert auch im Bildungsbereich Kürzungen. Das trifft Schulbibliothekar/-innen besonders hart, weil sie eher als entbehrlich scheinen denn Fachlehrer/-innen.

Japan[Bearbeiten]

Hauptartikel: Japanisches Bibliothekswesen#Schulbibliotheken

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Holderried / Birgit Lücke (Hrsg.), Handbuch Schulbibliothek: Planung - Betrieb - Nutzung. Schwalbach/Ts., 2012[8]
  • Sabine Wolf / Karsten Schuldt, Praxisbuch Schulbibliotheken. Schwalbach/Ts., 2011
  • U.S. National Commission on Libraries and Information Science. School Libraries Work!. 2008, Third Edition Online-Version
  • Konrad Umlauf: Schule, Bibliothek, Schulbibliotheken (PDF-Datei; 638 kB) Berlin 2006
  • Niels Hoebbel (Hrsg.), Kommission für Schulbibliotheken des ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstituts. Schulbibliotheken: Grundlagen der Planung, des Aufbaus, der Verwaltung und Nutzung. Beiträge Jugendliteratur und Medien <zusammen mit> Schulbibliothek aktuell, 2003
  • IFLA, UNESCO School Library Manifesto, 2000 Link zum deutschen Text
  • Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München. Die Schulbibliothek: Nutzung, Betreuung, Verwaltung, Organisation, Handreichung für Bibliotheksbeauftragte. Donauwörth, 1996
  • Lust? Last? Luxus? Schulbibliotheken in Hessen, hrsg. LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V. und (ehem.) Hess. Landesinst. f. Pädagogik, Wiesbaden 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zeit.de/2011/15/C-Schulbibliotheken Wo Wikipedia auf Brockhaus trifft - Deutschlands Schulen vernachlässigen ihre Bibliotheken, dabei sind die unerlässlich – gerade im Zeitalter des Internets. (Artikel von Burkhard Wetekam in DIE ZEIT, 7. April 2011 Nr. 15)
  2. http://www.schulbibliothek.at/index.php?id=239 Serviceportal für Schulbibliotheken in Österreich
  3. http://www.sabclp.ch/ Website der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken
  4. http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/schulbibliotheken.asp Schulbibliotheksseite auf der Website der Abteilung Deutsche Kultur der Autonomen Provinz Bozen Südtirol
  5. a b Michie, J. S.; Holton, B.A.: America's Public School Libraries. 1953-2000 (PDF-Datei; 768 kB) U.S. Department of Education. National Center for Education Statistics.Washington, DC: United States Government Printing Office, 2005, p. 3
  6. Teacher Librarian: The Journal for School Library Professionals
  7. http://blog.schoollibrarymedia.com/index.php/2011/03/05/are-you-an-embedded-librarian/ Blogpost auf "School Library Monthly", 5. März 2011
  8. http://www.ekz.de/index.php?id=5151