Schulbibliothek

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Schulbibliotheken sind Bibliotheken in Schulen. Sie werden auch als Schulbücherei oder Schulmediothek bezeichnet.

Historische Gymnasialbibliothek des Gymnasium Laurentianum Arnsberg in der ehemaligen Klosterbibliothek des Stift Wedinghausen

Erscheinungsformen der Schulbibliothek[Bearbeiten]

Im Allgemeinen wird in der pädagogischen und bibliothekarischen Literatur heute mit dem Begriff Schulbibliothek eine Einrichtung bezeichnet, die zentral für alle Schüler und Lehrer zugänglich ist. Die Aufgaben einer Schulbibliothek erstrecken sich dieser Vorstellung nach auf alle Angehörigen einer Schulen und deren Informationsbedürfnisse.

Allerdings hat sich dieses Verständnis noch nicht überall durchgesetzt. Man findet in der Praxis immer noch vier Schulbibliothekstypen.

  • Schulbibliotheken, die zentral alle Medienbestände verwalten und deren Bestand sowohl Schülern als auch Lehrkräften zugänglich ist
  • Schülerbibliotheken, die allein auf die Versorgung der Schüler ausgerichtet sind
  • Lehrerbibliotheken, die nicht (oder nur in Ausnahmefällen) für Schüler zugänglich sind und ihren Medienbestand auf das pädagogische Personal einer Schule ausrichten.
  • Klassenraumbibliotheken, deren Bestände sich in einem Klassenzimmer befinden und zumeist von der jeweiligen Klasse betreut werden. Insbesondere in Grundschulen und Kindertagesstätten sind solche Lösungen zu finden.

Gymnasialbibliotheken[Bearbeiten]

Als Gymnasialbibliotheken werden Sammlungen meist historischen Ursprungs bezeichnet, die als Bibliotheken von Gymnasien oder Lyzeen, also von „höheren Schulen“ entstanden. Es gibt dazu auch bereits Überlieferungen aus der Antike. In Deutschland sind Gründungen ab ca. dem 15. Jahrhundert bekannt. In Ihnen befinden sich nicht nur Lehrmaterialien im engeren Sinne, sondern in hohem Umfang (historische) wissenschaftliche Literatur, Schulprogramme und Inkunabeln[1]. Sie dienten damit vor allem der wissenschaftlichen Arbeit der Gymnasiallehrer. Sie waren teilweise mit Rats- und Stadtbibliotheken assoziiert. In einigen Fällen übereigneten Gelehrte ihre Privatbibliotheken den Schulen oder sie wurden vor allem im 19. Jahrhundert angekauft. Auch Bestände aus früherem Kirchen- oder Klosterbesitz oder aus städtischen Lateinschulen wurde aufgenommen. Viele dieser Bibliotheken gingen in den Bestand von Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken oder Archiven über, zum Beispiel in Stralsund, Schleusingen oder Arnsberg. An Schulen übernommene Gymnasialbibliotheken sind heute Teil der Schulbibliotheken mit meist aus Bestandsschutzgründen separierter Aufstellung, Benutzung und Verwaltung.[2][3]

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Schulbibliothek in Schwerin-Lankow mit 5.000 Bänden und 300 Schallplatten (1989)

In Deutschland gibt es kein einheitliches Schulbibliothekswesen. Für das Bibliothekswesen sind die kommunalen Gebietskörperschaften (i. d. R. Städte und Gemeinden) zuständig. Das Bibliothekswesen gehört, wie der gesamte Kulturbereich mit dem Unterhalt von Theatern, Orchestern, Museen und Bibliotheken, zu den freiwilligen, d.h. frei gestaltbaren, nicht einklagbaren Aufgaben der Kommunen.[4] Die Aufgabe, für ihre Bürger ausleihbare Medien bereitzuhalten, wird in vielen Kommunen durch Outsourcing geregelt, indem z.B. an Stelle der betreffenden Kommune lokale Kirchengemeinden Büchereien betreiben.

Auf dem Land sind darüber hinaus oftmals nicht Städte und Gemeinden Schulträger, sondern Landkreise bzw. Kreise, insbesondere dann, wenn Schüler aus mehreren Gemeinden eine bestimmte Schule besuchen. Wo Schulträgerschaft und Bibliothekszuständigkeit in einer Hand liegen, was in kreisfreien Städten und Stadtstaaten der Regelfall ist, gibt es gelegentlich eine nennenswerte Kooperation in Form von kombinierten Stadt- und Schulbibliotheken bzw. einer institutionalisierten Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Stadtbibliotheken.[5] Die fehlende gesetzliche Absicherung von Schulbibliotheken und die unklare Zuordnung wirken sich auf Ausstattung und Zielsetzung der einzelnen Bibliotheken aus.

Das jeweils zuständige Land spielt insofern eine Rolle, als Schulbibliotheken in Deutschland überwiegend von Lehrern, also in der Regel von Landesbediensteten, geleitet werden, die hierfür zumeist Entlastungsstunden erhalten. Nur selten wird eine Schulbibliothek von einem ausgebildeten Bibliothekar geleitet (mit unterschiedlichen Finanzierungsmodi bis hin zu privatem Sponsoring). Den Bibliotheksleitern stehen oft ehrenamtliche Hilfskräfte zur Seite, die längere Öffnungszeiten ermöglichen (Schüler, Eltern, aber auch andere ehrenamtlich Tätige). Auch ALG II-Empfänger, für die die Jobcenter, also letztlich der Bund, zuständig sind, werden oft zu einer „gemeinnützigen Tätigkeit“ als Hilfskräfte in Schulbibliotheken herangezogen.

In einigen deutschen Städten und Regionen sowie einzelnen öffentlichen Bibliotheken wurden schulbibliothekarische Arbeitsstellen eingerichtet. Deren Aufgabe ist die Unterstützung von Schulbibliotheken, die Beratung bei der Gründung, oft auch die laufende Unterstützung. Einige dieser Arbeitsstellen (die größte wird von der Stadtbücherei Frankfurt am Main betrieben, weitere gibt es u.a. in Hamburg und Leipzig) sind seit Jahrzehnten tätig.

Insgesamt haben sich in Deutschland die Schulbibliotheken noch nicht als fester Bestandteil des Bildungssystem etabliert.[6] Der „Deutsche Bibliotheksverband“ bewertet Deutschland „in Sachen Schulbibliotheken“ als „Notstandsgebiet“: Von den etwa 43.000 allgemeinbildenden und den ca. 9.000 berufsbildenden Schulen verfügen dem Verband zufolge nur wenig mehr als 15 Prozent über eine fachlichen Standards entsprechende Schulbibliothek.[7] Zwar besitzen deutlich mehr als 15 Prozent aller Schulen eine Bibliothek, diese genügt aber in wenigen Fällen den Ansprüchen an eine moderne, multimediale, pädagogisch orientierte Bibliothek mit Schülerarbeitsplätzen, Leseecken, Computern, digitalem Katalog (OPAC) und geschultem Personal.

Situation in deutschsprachigen Ländern (außer Deutschland)[Bearbeiten]

In Österreich wurden mit Hilfe von Fördermitteln der Bundesregierung in den Gymnasien, zunehmend aber auch in den anderen Schulformen Bibliotheken eingerichtet. Die österreichischen Schulbibliotheken entwickeln sich zu multimedialen Bibliotheken. Sie werden überörtlich durch das Unterrichtsministerium[8], den Österreichischen Buchclub und Lesekompetenzzentren in den Bundesländern unterstützt.

In der Schweiz werden die Interessen der Schulbibliotheken von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (SAB) vertreten.[9]

Im deutschsprachigen Südtirol findet eine flächendeckende Förderung des Schulbibliothekswesens statt.[10] Einen hohen Stellenwert hat das Schulbibliothekswesen auch in den Regionen der deutschsprachigen Minderheiten in Belgien und Dänemark.

Schulbibliotheken in anderen Ländern[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

Eine Schulbibliothekarin händigt Schülern Lehrbücher aus (Russland, 1959)

Nahezu flächendeckend sind Schulbibliotheken in Frankreich, im Vereinigten Königreich und in Dänemark eingerichtet. In Frankreich heißt die Schulbibliothek "Centre de documentation et d'information (CDI)" (Dokumentations- und Informationszentrum) und wird von einer Lehrkraft (professeur documentaliste) geleitet. Im Vereinigten Königreich ist ein Schulbibliotheksverband aktiv, die School Library Association (SLA). In Portugal hat das Bildungsministerium in jüngster Zeit sehr viele Schulbibliotheken eingerichtet. In Schweden wurde die Verpflichtung zur Einrichtung von Schulbibliotheken aus dem Bibliotheksgesetz, wo sie unbeachtet geblieben war, 2011 ins Schulgesetz (Version vom 2. Januar 2011 im Internet Archive), § 36,2, übernommen. Einen Überblick über die Situation in Europa gibt die Dissertation einer niederländischen Schulbibliothekarin.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA sind Schulbibliotheken eine traditionelle und feste Institution, die an 92 % der öffentlichen und fast allen privaten Schule zu finden ist.[11] Je nach der finanziellen Ausstattung des Schuldistrikts bzw. des privaten Trägers sind die Bestände oftmals ähnlich umfangreich wie die einer öffentlichen Bibliothek. An 86 % öffentlichen Schulen werden die Schulbibliotheken von Fachkräften (Teacher-librarian, School Library Media Specialist) betreut, die über ein Lehrerzertifikat hinaus auch eine Ausbildung als Bibliothekar vorweisen müssen.[11] An ihrem Arbeitsplatz üben sie nicht nur bibliothekarische Tätigkeiten aus, sondern betreuen auch die Schüler, die hier arbeiten oder Bücher ausleihen und unterrichten selbst. Schulbibliothekarische Verbände in den USA klagen allerdings regelmäßig über einen zu starken Einsatz von School Library Media Specialists als Ersatzlehrkraft für Ausfallstunden. Dies würde zu Lasten der schulbibliothekarischen Arbeit gehen. Bereits an den Grundschulen (elementary schools) gehört der im Klassenverband erfolgende wöchentliche Bibliotheksbesuch, bei dem Bücher für zu Hause ausgeliehen werden, ebenso zum Stundenplan wie der Sport-, Kunst- oder Musikunterricht.[12] Verstärkt dringen Schulbibliotherkverbände und -forscher/-innen auf den embedded teacher-librarian[13], die oder der im Unterricht, in der Unterrichtsplanung, in der Fachkonferenz und im Kollegium im Team mit den Fachlehrer/-innen Lehr- und Lernprozesse organisiert. Die Haushaltssituation der US-amerikanischen Gebietskörperschaften erfordert auch im Bildungsbereich Kürzungen. Das trifft Schulbibliothekar/-innen besonders hart, weil sie eher als entbehrlich scheinen denn Fachlehrer/-innen.

Japan[Bearbeiten]

Hauptartikel: Japanisches Bibliothekswesen#Schulbibliotheken

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Holderried / Birgit Lücke (Hrsg.), Handbuch Schulbibliothek: Planung - Betrieb - Nutzung. Schwalbach/Ts., 2012[14]
  • Sabine Wolf / Karsten Schuldt, Praxisbuch Schulbibliotheken. Schwalbach/Ts., 2011
  • U.S. National Commission on Libraries and Information Science. School Libraries Work!. 2008, Third Edition Online-Version
  • Konrad Umlauf: Schule, Bibliothek, Schulbibliotheken (PDF-Datei; 638 kB) Berlin 2006
  • Niels Hoebbel (Hrsg.), Kommission für Schulbibliotheken des ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstituts. Schulbibliotheken: Grundlagen der Planung, des Aufbaus, der Verwaltung und Nutzung. Beiträge Jugendliteratur und Medien <zusammen mit> Schulbibliothek aktuell, 2003
  • IFLA, UNESCO School Library Manifesto, 2000 Link zum deutschen Text
  • Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München. Die Schulbibliothek: Nutzung, Betreuung, Verwaltung, Organisation, Handreichung für Bibliotheksbeauftragte. Donauwörth, 1996
  • Lust? Last? Luxus? Schulbibliotheken in Hessen, hrsg. LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V. und (ehem.) Hess. Landesinst. f. Pädagogik, Wiesbaden 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Graf: Inkunabeln in historischen deutschen Schulbibliotheken. Archivalia, 3. Dezember 2010, abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Severin Corsten (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. Band 3: Fotochemigrafische Verfahren – Institut für Buchmarktforschung. Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9136-6, S. 316.
  3. Reinhard Feldmann: Historische Sammlungen der Schulbibliotheken im Rheinland und in Westfalen, in: Schulbibliothek aktuell 1993, S. 150-156 (online 2005).
  4. Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes: Politischer und verwaltungsorganisatorischer Aufbau der Bundesrepublik Deutschland
  5. Beispiel: das Programm „Kita und Schule“ der Stadtbibliothek Oldenburg (Oldenburg) ([1])
  6. Burkhard Wetekam: Wo Wikipedia auf Brockhaus trifft - Deutschlands Schulen vernachlässigen ihre Bibliotheken, dabei sind die unerlässlich – gerade im Zeitalter des Internets. In: Die Zeit, Ausgabe 15/2011. 7. April 2011
  7. Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes: Schulbibliotheken in Deutschland
  8. http://www.schulbibliothek.at/index.php?id=239 Serviceportal für Schulbibliotheken in Österreich
  9. http://www.sabclp.ch/ Website der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken
  10. http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/schulbibliotheken.asp Schulbibliotheksseite auf der Website der Abteilung Deutsche Kultur der Autonomen Provinz Bozen Südtirol
  11. a b Michie, J. S.; Holton, B.A.: America's Public School Libraries. 1953-2000 (PDF-Datei; 768 kB) U.S. Department of Education. National Center for Education Statistics.Washington, DC: United States Government Printing Office, 2005, p. 3
  12. Teacher Librarian: The Journal for School Library Professionals
  13. http://blog.schoollibrarymedia.com/index.php/2011/03/05/are-you-an-embedded-librarian/ Blogpost auf "School Library Monthly", 5. März 2011
  14. http://www.ekz.de/index.php?id=5151