Schule als Staat

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Schule als Staat (SaS oder SalS) ist ein beliebtes Schul-Projekt, bei dem die veranstaltende Schule für einen bestimmten Zeitraum in einen von Schülern und Lehrern bewohnten „Staat“ verwandelt wird.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorbereitung

Meistens – wenn auch nicht immer – wird eine demokratische Staatsform gewählt und in der Planungsphase von einem Kreis interessierter Schüler, dem Organisationsteam, erarbeitet. Die Schülerschaft gibt sich eine Verfassung, ein Wirtschaftssystem wird ausgearbeitet und schließlich werden Parteien gegründet, deren Mitglieder sich aus Schüler- und Lehrerschaft rekrutieren und die einen Wahlkampf um die Macht im neuen Parlament führen.

[Bearbeiten] Durchführung

Obwohl der Reiz der „Schule als Staat“-Idee gerade darin liegt, dass anders als im Schulalltag keine Vorgaben existieren, lassen sich einige häufige Gemeinsamkeiten der entstehenden Staaten feststellen.

  • Der Staat gibt sich eine eigene Währung, die in seinem Innern zirkuliert, es entsteht ein ökonomischer Mikrokosmos. Die Schüler erleben Begriffe wie Geldkreislauf und Inflation, indem sie selbst Teil des entstandenen Wirtschaftssystems sind oder es erdacht haben.
  • Während der staatlichen Öffnungszeiten sind Schüler und Lehrer gleichberechtigt. Sie unterliegen gleichermaßen den parlamentarisch verabschiedeten Gesetzen. Kommt es zu einer „Gerichtsverhandlung“, spielt der Schulalltag im Idealfall keine Rolle.
  • Besucher haben beim Betreten des Staates oftmals ein Visum („Eintrittskarte“) zu erstehen und sind so eine wichtige Einnahmequelle für das Projekt.
  • Eine weitere Einnahmequelle der Organisatoren ist der Geldumtausch von Euro in die projektinterne Währung.

Anders als im normalen Unterricht lernen die Schüler das sonst nur abstrakt vorhandene Gebilde eines Staatsmodells „von innen“ kennen. Es entwickelt sich ein – rudimentäres – Gespür und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, für Entscheidungsprozesse und Informationsflüsse. Größter Unterschied gegenüber dem Frontalunterricht im Klassenzimmer ist die aktive Teilnahme am Staatsgeschehen – als Wähler, Abgeordneter, Betriebsinhaber etc. –, die die Schüler für die Zeit der Projekttage in eine mit Schule nur noch entfernt verwandte Erlebnissituation versetzt. Besonders profitiert allerdings derjenige relativ kleine Kreis von Schülern der mit der Erschaffung und Führung des Staates betraut ist. Es handelt sich dabei – je nach Engagement der Beteiligten – um eine Aufgabe, wie sie in ihrer um Dimensionen über das Maß gewohnter SMV-Arbeit hinausreichenden Komplexität und auch Dauer im Schulalltag niemals vorkommen kann.

So erfordert das Projekt allerdings eine breite Unterstützung von Seiten der Schülerschaft, der Lehrerschaft und der Schulleitung, um erfolgreich zu sein, und bleibt in der jeweiligen Schulgeschichte meist ein Einzelereignis. Aufgrund seiner recht offenen Aufgabenstellung ist vom erfolglosen und uninteressanten Modell des „Pflichtstaats“, in dem weniger die Schülerschaft als das Chaos regiert, bis hin zur Kür mit bis in die Klassenzimmer getragenen Grundsatzdiskussionen, interstaatlichen Allianzen, straffer und durchdachter Organisation und einem fünfstelligen Eurogewinn am Ende einfach alles möglich.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Elevia, … Man denkt fast an Utopia!. LpB BW, Stuttgart 2001.
  • Volker Reinhardt: Schule als Polis, in: Volker Reinhardt (Hg.): Forschung und Bildungsbedingungen. Handbuch für den sozialwissenschaftlichen Unterricht. Basiswissen Politische Bildung, Band 4, hgg. von Dirk Lange und Volker Reinhardt, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2007, S. 251-256; http://www.paedagogik.de/index.php?m=wd&wid=1279

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

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