Schulschiff

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Dieser Artikel handelt von Schiffen zur seemännischen Ausbildung. Zu dem Wiener Gymnasium siehe Bertha-von-Suttner-Gymnasium (Wien).

Ein Schulschiff ist ein Schiff, welches der Ausbildung von Berufseeleuten dient und von einer Seeakademie oder einer gleichartigen Organisation betrieben wird.[1] [2] Im militärischen Bereich wird zusätzlich eingeschränkt, daß nur Schiffe, die explizit für dieses Vorhaben gebaut oder ausgerüstet wurden, unter diesen Begriff fallen.[3]

Marineschulschiffe[Bearbeiten]

Die Olga
Gorch Fock I, um 1933–1940

Bei vielen Marinen der Welt werden auf einem Schulschiff neben einer Stammmannschaft eine Anzahl von Kadetten und/oder Unteroffiziersanwärtern zusammengezogen, die dann – oft auch im Rahmen von Auslandsreisen – in den üblichen militärischen Fächern ausgebildet werden, aber auch zu repräsentativen Zwecken unterwegs sind.

Schulschiffe der Handelsschifffahrt[Bearbeiten]

In der Handelsschifffahrt sind Schulschiffe heute nur noch vereinzelt in Gebrauch, da im Alltag an Bord die „praktische“ Seemannschaft kaum noch benötigt wird. Die nötige Praxis an Bord erlangen angehende Seeleute heute durch entsprechende Berufe oder Praktika, die in der Regel an Bord von Handelsschiffen durchgeführt werden.

Das erste deutsche Handelsmarine-Schulschiff war die 1901 in Dienst gestellte Großherzogin Elisabeth, das mit Unterbrechungen bis 1945 zur Ausbildung genutzt wurde. Das letzte zur See fahrende deutsche Segelschulschiff der Handelsschifffahrt wurde die Ketsch Seute Deern. Sie wurde 1964 bis 1967 vom Deutschen Schulschiff-Verein und 1967 bis 1969 vom Norddeutschen Lloyd zu Ausbildungsfahrten eingesetzt. Seit dem 1. Januar 1970 ist es für angehende Kapitäne keine Pflicht mehr, auf einem Segelschiff zu lernen.

Lediglich die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven nutzte noch bis 2007 je ein Schulschiff an den Standorten Elsfleth und Leer (Ostfriesland)

Seit 2007 wird Fahrenszeit auf Traditionsseglern vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) nicht mehr zu den vorgeschriebenen Praxissemestern auf See angerechnet. Es findet also offiziell keine Ausbildung von Offizieren der Handelsmarine auf Großseglern mehr statt. Aufgrund des Mangels an qualifizierten deutschen Seeleuten sind manche Reedereien inzwischen dazu übergegangen, Schiffe speziell für die Ausbildung auszurüsten bzw. verstärkt Praktikumsplätze an Bord anzubieten. So ließ beispielsweise das Bremer Unternehmen Beluga Shipping in einige Neubauten ein zusätzliches Deck einbauen, auf dem insgesamt acht angehende Seeleute untergebracht und ausgebildet werden konnten. Einen anderen Weg beschreitet das Bremer Unternehmen Harren & Partner, das im September 2006 ein Ausbildungsschiff, die Hanse Explorer, in Dienst stellte; dieses Schiff, das eher einer Yacht gleicht, ist speziell für die Ausbildung von seemännischem Personal gebaut worden.

Schulschiffe anderer Handelsmarinen[Bearbeiten]

Schwedisches Segelschulschiff Falken (1962)

1921 wurde von der dänischen Handelsmarine die København in Dienst gestellt. Sie ging Ende 1928/Anfang 1929 auf einer Reise von Buenos Aires nach Melbourne verschollen.

In vielen Staaten wird auch in der zivilen Seefahrt an der Tradition der Segelschulschiffe festgehalten. Auf den meisten von Handelsmarinen betriebenen Segelschulschiffen besteht für zahlende Gäste die Möglichkeit, als Mitsegler (Trainee) an Reisen teilzunehmen. So wurden in den 1980er- und 90er-Jahren auf der Danziger Werft sechs weitgehend identische Schulschiffe gebaut, die auch heute noch im Einsatz sind. Es handelte sich dabei um die Dar Młodzieży (Polen), Mir, Nadeschda und Pallada (alle Russland) sowie Khersones und Druschba (beide Ukraine). Die in Deutschland bekanntesten Schiffe der Klasse sind die Chersones und die Mir, die ebenso Mitsegler an Bord nehmen wie z. B. die russischen Viermastbarken Kruzenshtern und Sedov. An die private „Pythagoras Maritime and Technical Schools“ angegliedert wurde das ehemalige Frachtschiff Savilco von 1978 bis 1984 als Schulschiff in Piräus, Griechenland, verwendet.

Segelschulschiffe[Bearbeiten]

Segelschulschiffe sind von Kriegs- und Handelsmarinen, aber auch von Vereinen und Organisationen in Fahrt gehaltene Großsegler zur Ausbildung des seemännischen Nachwuchses. Es handelt sich entweder um speziell für Ausbildungszwecke konzipierte Schiffe (z. B. die Gorch Fock der Deutschen Marine[4]) oder um umgebaute Frachtsegler (z. B. die Krusenstern (ex Padua). Im Deutschen Reich unterhielt der Deutsche Schulschiff-Verein zwischen 1900 und 1944 insgesamt fünf eigene Segelschulschiffe.[5] Zivile Segelschulschiffe wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg meist auch zu Frachtfahrten eingesetzt.

Schulschiffe in der Binnenschifffahrt[Bearbeiten]

Im Stadthafen Duisburg-Homberg liegt das Schulschiff Rhein, auf dem angehende Binnenschiffer internatsmäßig untergebracht sind, während sie die theoretische Ausbildung im Schiffer-Berufskolleg RHEIN absolvieren. Das Schiff wurde 1984 von der Meidericher Schiffswerft gebaut. Rechtlich wird das Schiff, zusammen mit "Rhein II" als Schwimmende Anlage deklariert, das Schiff hat aber trotzdem eine Europa-Nummer.[6]

In den Niederlanden werden die angehenden Binnenschiffer auf dem Schul-Koppelverband Maxima ausgebildet. In Belgien wurde am 4. Mai 2012 der Schul-Koppelverband Province de Liège in Dienst gestellt. Er besteht aus einem Motorschiff auf dem sich die Unterkünfte und Ausbildungsräume für 20 angehende Binnenschiffer befinden und einem Tankleichter auf dem die praktische Ausbildung stattfindet. Der Koppelverband ist 85 m lang.

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Koop, Siegfried Breyer: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956 bis heute. Bernard & Graefe, Bonn 1996, ISBN 3-7637-5950-6.
  • Gerhard Eckhardt: Die Segelschiffe des Deutschen Schulschiff-Vereins. Eine Dokumentation, Bremen (Hauschild) 1981. ISBN 3-920699-37-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schulschiff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.   In: Adelung. 3, Leipzig 1798, S. 1681 (online, abgerufen am 12. Juni 2014).
  2.   In: Pierer's Universal-Lexikon. 15, Altenburg 1862, S. 466 (online, abgerufen am 12. Juni 2014).
  3.  Gebauer, Jürgen; Krenz, Egon: Marine Enzyklopädie. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin, ISBN 3894880783.
  4. Website der Deutschen Marine zu den Schwesterschiffen der Gorch Fock (II)
  5. Deutsche Segelschulschiffe, abgerufen am 20. Mai 2014.
  6. Schulschiff RHEIN