Schulsystem in Kanada

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Schulsystem in Kanada ist eine Angelegenheit der Provinzen, so dass es im Schulwesen eine große Vielfalt von Regelungen gibt. Die Struktur des Schulsystems der verschiedenen Provinzen wird in untenstehender Grafik abgebildet. Allen Schulen in Kanada ist gemeinsam, dass es sich um Ganztagsschulen und Einheitsschulen handelt. Schüler können zwischen öffentlichen und kostenpflichtigen privaten Schulen wählen. Die Schulzeit dauert zwölf Jahre und beginnt in der Regel mit dem fünften Lebensjahr. Der Lehrplan der kanadischen Schulen wird vom Erziehungsministerium der jeweiligen Provinz festgelegt (Ausnahme: Advanced Placement-Kurse). Die Schulen können lediglich aus einer Liste von Büchern, die für ihre jeweiligen Schüler als am geeignetsten angesehenen sind, auswählen. Besonders beliebt sind Schulen, die sogenannte Advanced Placement-Kurse (Kurse auf dem Niveau des kanadischen Colleges) anbieten. Wer einen solchen Kurs belegt hat, erhöht damit seine Chancen, vom College seiner Wahl aufgenommen zu werden.

Provinzen und Territorien[Bearbeiten]

Alberta
(Quelle)
  Elementary Junior High Senior High  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
British Columbia
(Quelle)
  Elementary Junior Secondary Senior Secondary  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Manitoba
(Quelle)
  Early Junior High Senior  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
New Brunswick
(Quelle)
  Elementary Middle School High School  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Neufundland und Labrador
(Quelle)
  Primary Elementary Intermediate Senior High  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Level I Level II Level III  
Northwest Territories
(Quelle)
  Primary Intermediate Junior Secondary Senior Secondary  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Nova Scotia
(Quelle; PDF; 1,4 MB)
  Elementary Junior High Senior High  
  Primary 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Ontario
(Quelle)
Elementary Secondary  
Junior Kindergarten Senior Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
PEI
(Quelle)
  Elementary Intermediate School Senior High  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Québec   École primaire École secondaire Cégep
garderie maternelle 1 2 3 4 5 6 Sec I Sec II Sec III Sec IV Sec V first second third
Saskatchewan
(Quelle)
  Elementary Level Middle Level Secondary Level  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  
Yukon
(Quelle)
  Elementary Junior Secondary Senior Secondary  
  Kindergarten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Leistungsniveau[Bearbeiten]

Das Leistungsniveau kanadischer Schulen gilt allgemein als hoch. Bei den PISA-Studien belegt Kanada regelmäßig einen der Spitzenplätze. In Kanada sind die Leistungen der Schüler mit Migrationshintergrund mit denen ihrer einheimischen Altersgenossen vergleichbar. Schüler, deren Muttersprache Hindi ist, sind sogar den englischsprachigen Schülern leistungsmäßig voraus. Das Leistungsniveau privater Schulen gilt als höher, als das der staatlichen Schulen. Kanada ist das einzige OECD-Land, in dem die Schülerschaft der Privatschulen selbst nach Kontrolle des familiären und sozioökonomischen Hintergrundes mehr lernt, als die Schülerschaft an öffentlichen Schulen.[1]

Probleme[Bearbeiten]

Obwohl alle Schulen dem gleichen Lehrplan folgen, haben einige doch einen besseren Ruf als andere. In Kanada gibt es bei den öffentlichen Schulen keine freie Schulwahl, da jede Schule ihr Einzugsgebiet hat. Man kann jedoch einen Antrag stellen, um eine außerhalb des eigenen Wohngebiets liegende Schule besuchen zu dürfen (cross boundary application). Viele Schulen mit besonders gutem Ruf haben jedoch weit mehr Bewerber von außerhalb, als sie aufnehmen können. So ist es für den Wert eines Hauses ein wichtiges Kriterium, ob gute Schulen in der Nähe sind.

Afrokanadische Schüler haben schlechtere Bildungschancen als ihre weißen Altersgenossen. In Toronto mussten zum Beispiel vierzig Prozent von ihnen die Schule ohne Abschluss verlassen. Als Lösung des Problems wurden von Bürgerrechtlern „afrozentrische Schulen“ (afrocentric schools) gefordert, die den Bedürfnissen und der Kultur der schwarzen Schüler eher entgegenkommen sollen. Von wieder anderen Bürgerrechtlern wurde die Idee abgelehnt. Die erste afrozentrische Schule hat im September 2009 in Toronto ihre Pforten geöffnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ghodsi Hejazi: Pluralismus und Zivilgesellschaft. Interkulturelle Pädagogik in modernen Einwanderungsgesellschaften. Kanada - Frankreich - Deutschland. transcript Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1198-4.
  • Valeria Lange: Risikogruppe Migranten? Über den Zusammenhang von schulischen Anerkennungsstrukturen und sozialer Ungleichheit in Kanada und Deutschland. ibidem Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 3-89821-800-7.
  • Judith Link: Schichttypische Benachteiligung im allgemeinen Bildungswesen. Ein Vergleich zwischen Kanada und Deutschland. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-18350-3.
  • Susan F. Semel, Alan R. Sadovnik, Peter W. Cookson Jr.: International Handbook of Educational Reform, (Kapitel 5: Canada), Greenwood Press, 1992.
  • Terry Wotherspoon: The Sociology of Education in Canada – Critical Perspectives, Oxford University Press, 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: "PISA 2006 - Schulleistungen im internationalen Vergleich". 2007. Bertelsmann Verlag, S. 270

Weblinks[Bearbeiten]