Schulsystem in der Volksrepublik China

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In einer Primarschule in Xinjiang

Das Schulsystem in der Volksrepublik China umfasst Primarschulen (小学, Pinyin: xiǎoxué) und Sekundarschulen (中学, zhōngxué), die insgesamt mindestens 9 und höchstens 12 Jahre lang besucht werden. Neben den öffentlichen Schulen ist in der Volksrepublik China seit den frühen 1990er Jahren auch ein umfangreiches Netz von Privatschulen (私立学校, sīlì xuéxiào) entstanden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserreich China[Bearbeiten]

Ein gelehrter Beamter in der Zeit der Qing-Dynastie (fotografiert vor 1911)

Im Kaiserreich China bestanden Schulen zunächst nur für junge Adlige. Der chinesischen Mythologie zuzurechnen ist die von Kaiser Shun († 2240 v. Chr.) begründete Shang Xiang (上庠; Pinyin: shàng xiáng). Daneben existierten, ebenfalls der Legende nach, vier weitere kaiserliche Schulen: Dong Xu (東序), Cheng Jun (成均), Gu Zong (瞽宗) und Pi Yong (闢雍).[2] Weniger zweifelhaft ist die Existenz von Schulen in der späten Xia-Dynastie (bis ca. 1600 v. Chr.).[3]

Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des chinesischen Bildungswesens hatte der Konfuzianismus. In der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722–481 v. Chr.) und in der Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.) basierte das Curriculum chinesischer Schulen weitgehend auf dem einschlägigen Schrifttum der konfuzianischen Lehren, d. h. den Vier Büchern und den Fünf Klassikern.[4]

In der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) entstand erstmals ein System öffentlicher Schulen, an denen auch Schüler ausgebildet wurden, die nicht der Oberschicht angehörten.[4] So wurde im Jahre 124 v. Chr. die Kaiserliche Akademie des höheren Lernens (太学, Tàixué) eröffnet, an der künftige hohe Beamte die konfuzianischen Schriften studierten. Weitere Schulen bestanden in den Provinzen.[5] Diesem ersten Schritt in die Richtung einer Ablösung der feudalistischen Herrschaftsstrukturen durch eine Meritokratie lag die konfuzianische Überzeugung zugrunde, dass es der gesellschaftlichen Harmonie zuträglich sei, wenn Menschen durch die Befolgung bestimmter sozialer Pflichten und durch Bildung – d. h. das Studium der konfuzianischen Schriften – zu Gentlemen (君子, jūnzi) würden. Das Studium eröffnete die Möglichkeit, in die oberen sozialen Schichten aufzusteigen. Unter der Han-Dynastie entstand in China nicht nur ein ganzes Netz von Schulen, sondern auch die chinesische Beamtenprüfung wurde eingeführt, ein Wettbewerbssystem, das es dem männlichen Nachwuchs gebildeter Familien ermöglichte, eine Vielzahl öffentlicher Ämter einzunehmen. Obwohl sowohl die Anforderungen als auch die Durchfallquote äußerst hoch waren, stellten die Prüfungen für Angehörige der gebildeten Stände jahrhundertelang ein zentrales Lebensziel dar.

Unter der Sui- und der Tang-Dynastie wurde das Netz der Kaiserlichen Akademien wiederbelebt. Mitte des 8. Jahrhunderts umfasste es 6 Schulen, in denen über 2.000 junge Männer studierten. Weitere Schulen bestanden in den Provinzen.[5]

In einer Mädchenschule (fotografiert ca. 1902)

Fast die gesamte chinesische Kaiserzeit hindurch konnten nur Gebildete einflussreiche gesellschaftliche und politische Positionen einnehmen.[6] Die Beamtenprüfung bestand bis zum Ende der Qing-Dynastie (bis 1911) fort. Die Inhalte der chinesischen Schulbildung unterlagen im Laufe der Zeit jedoch auch einem gewissen Wandel. So führte die Niederlage des chinesischen Kaiserreichs im Ersten Opiumkrieg (1839–1842) zu einer Öffnung des Landes für westliche Einflüsse. Fremdsprachen, Naturwissenschaften und Technik hielten Einzug in das Curriculum chinesischer Schulen.[4]

Republik China[Bearbeiten]

Nach dem Sturz der Qing-Dynastie und der Gründung einer Republik unter Sun Yat-sen wurde ein Bildungsministerium eingerichtet und ein modernes Bildungssystem nach europäischem, amerikanischem und japanischem Vorbild ersetzt, das allerdings nur einen Teil der Bevölkerung erreichte. Im Jahr 1937, als der Krieg mit Japan begann, gab es in China 300.000 moderne Primar- und weiterführende Schulen.[7] Es wird geschätzt, dass noch im Jahre 1949 nur 20 % der Bevölkerung das anspruchsvolle chinesische Schreibsystem beherrschte und dadurch auch Zugang zur überlieferten Literatur hatte.[6]

Volksrepublik China[Bearbeiten]

Obwohl das weitverbreitete Analphabetentum sich als Hindernis für die Verbreitung der Programme der KP erwies, brachte auch die Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 zunächst kein flächendeckendes Schulsystem. Es entstanden jedoch individuelle Bildungsprogramme, darunter z. B. ein Programm von Winterschulen, in denen von 1949 bis 1951 mehr als 60 Mio Bauern eingeschrieben waren. Mao Zedong förderte Bildung, solange sie dazu beitrug, Klassengegensätze abzubauen.[6]

Als während der Kulturrevolution die Schulen geschlossen wurden, schlossen sich viele Schüler den Roten Garden an.

Der chinesischen Intelligenzija jedoch misstraute er zutiefst, und förderte später z. B. die Roten Garden u. a. mit dem Hintergedanken, die alten Eliten aus den Bildungseinrichtungen endgültig zu vertreiben. In den ersten Jahren der Kulturrevolution (1966–1969) waren praktisch alle Schulen des Landes geschlossen. Die dadurch beschäftigungslos gewordenen Schüler und Studenten wurden zu einem großen Teil in politische Programme eingebunden. Mit der Wiedereröffnung der Schulen im Jahre 1969 wurde die bis zu diesem Zeitpunkt 13-jährige Schulausbildung (Vorschule bis 12. Klassenstufe) auf eine 9- bis 10-jährige Ausbildung reduziert.[6]

Die Universitäten wurden sogar erst zwischen 1970 bis 1972 wieder eröffnet. Sie führten zunächst keine normalen Eingangsprüfungen durch, sondern nahmen vorzugsweise solche Bewerber auf, die sich politisch empfohlen hatten, und zwar unabhängig von deren akademischer Qualifikation. Damit sollte verhindert werden, dass Eliten gefördert wurden, die von intellektuellen Familientraditionen profitierten. Die bis dahin 4- oder 5-jährige Hochschulausbildung wurde auf 3 Jahre verkürzt, wobei die Studenten einen Teil dieser Zeit mit körperlicher Arbeit in der Landwirtschaft verbringen mussten. Ein zweijähriger Arbeitseinsatz wurde auch Bewerbungsvoraussetzung für die meisten Sekundarschulabsolventen, die eine Hochschule besuchen wollten.[6]

Zu erneuten Reformen des Bildungswesens kam es nach Maos Tod (1976) und im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik. Die Schulausbildung wurde nach und nach auf 12 Jahre erweitert. Im Gefolge der Vier Modernisierungen, die nach einer großen Zahl hochqualifizierter Fachkräfte verlangten, wurden 1977 die Aufnahmeprüfungen für Universitäten erneut eingeführt. Hochschulbewerber brauchten auch nicht für zwei Jahre aufs Land zu gehen. Nachdem Studenten sich in den 1970er und 1980er Jahren immer wieder für eine Demokratisierung eingesetzt hatten – eine Entwicklung, die im 1989 im Tian’anmen-Massaker eskalierte –, wurde der Eintritt in eine Hochschule jedoch erneut mit der Bedingung verknüpft, dass die Bewerber sich einer einjährigen politischen Schulung unterziehen.[6]

Im Mai 1985 veröffentlichte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einen „Beschluss über die Reform des Bildungswesens“, das die Grundlage für das in der Volksrepublik China bis heute bestehende Schulsystem bildete. Mit dem Beschluss wurde die Einrichtung eines horizontal differenzierten Bildungssystems vorgesehen, in dem sich einer sechsjährigen Primarstufe zwei jeweils dreijährige Stufen des sekundären Bildungsbereiches anschließen. Am 1. Juli 1986 folgte ein weiteres Gesetz, das eine allgemeine neunjährige Schulpflicht festschrieb.[1] Die Schulpflicht beginnt seither mit der Vollendung des sechsten Lebensjahres.[1] Weitere Gesetze und Regelungen schlossen sich an, darunter die von Zentralkomitee und Staatsrat gemeinsam herausgegebenen „Richtlinien für die Reform und Entwicklung der Bildung in China“ (1996) und ein Anfang 1999 vom Staatsrat ratifizierter „Aktionsplan für die Belebung der Bildung im Angesicht des 21. Jahrhunderts“. Letzterer sieht u. a. eine Stärkung der naturwissenschaftlichen und technischen Fächer vor. Der Aktionsplan, eine Initiative des Bildungsministeriums, basiert auf dem Bildungsgesetz der Volksrepublik China (1995) und den Richtlinien für die Reform und Entwicklung der Bildung in China (1993). Im Juni 1999 folgte eine von Zentralkomitee und Staatsrat gemeinsam veröffentlichte „Entscheidung über die Vertiefung der Bildungsreform und die volle Förderung von Qualitätsbildung“, deren Ziel es war, hochwertige Bildung mit den sozialistischen Grundsätzen zu vereinbaren.[4]

Im Jahre 2001 waren 98 % der Bevölkerung des Landes (99 % der Männer und 97 % der Frauen) alphabetisiert.[6] 1964 waren es 61,9 %, 1982 71,34 % und 1990 84,52 %.[8]

Das gegenwärtige Schulsystem[Bearbeiten]

Schulgebühren[Bearbeiten]

Der Besuch öffentlicher Schulen ist für die Schüler in der Volksrepublik China bis zur 10. Klasse kostenlos, wobei häufig jedoch Sondergebühren anfallen. Auch Bücher müssen von den Schülern selbst bezahlt werden. Vom 11. Schuljahr an werden auf jeden Fall Gebühren berechnet, deren Höhe nach Schulart und Region variiert; durchschnittlich betragen sie ca. 300 Euro pro Jahr (umgerechnet).[9] Privatschulen sind immer gebührenpflichtig.[10]

Verwaltung[Bearbeiten]

Die Verwaltung des chinesischen Bildungssystems ist stark zentralistisch. Oberste Bildungsbehörde, die die Rahmenkompetenz für Struktur und Inhalt im Schul- und Hochschulwesen ausübt, ist das Ministerium für Bildung; dem Ministerium sind Regionalämter und -kommissionen in den 31 Provinzen und speziellen Verwaltungszonen nachgeordnet. Im Zuge regionalen Autonomiestrebens wurde die Kompetenz der Zentralbehörde in den 1990er Jahren jedoch etwas zurückgenommen.[1] So liegt z. B. die Zuständigkeit für den primären Bildungsbereich heute bei den Kreisen und Gemeinden.[4]

Schulstufen[Bearbeiten]

Vorschule[Bearbeiten]

Für Kinder unter 6 Jahren bestehen in der Volksrepublik China zwei Vorschulprogramme: Krippen für Kinder im Alter von 2 Monaten bis 2 Jahren und Kindergärten für Kinder von 2 bis 6 Jahren.[11]

Die Krippen unterstehen dem Gesundheitsministerium. Das Personal besteht hauptsächlich aus Krankenschwestern, die sicherstellen, dass die Kinder gesund aufwachsen und aufs Lernen vorbereitet werden. Die Gebühren für den Besuch betragen monatlich umgerechnet 14–19 US-Dollar.[12]

Der Kindergarten (幼儿园, yòu ér yuán, wörtlich: „Kindergarten“) wird von den meisten Kindern vom dritten Lebensjahr an besucht.[10] Kindergärten sind in der Volksrepublik China Ganztagsschulen, an denen Kinder im Vorschulalter nach einem Grundschulcurriculum unterrichtet werden. Das pädagogische Ziel der Kindergärten besteht darin, die Kinder sozial und akademisch auf den Besuch der Grundschule vorzubereiten. Ordnung und Gehorsam spielen eine große Rolle, was sich heute oftmals mit dem Erziehungsstil von Großstadtfamilien reibt, die ihre Einzelkinder stark verwöhnen. Kindergartenlehrer besuchen vier Jahre lang eine berufsbildende Sekundarschule und unterrichten anschließend, jeweils zu dritt, Klassen von etwa 35 Schülern. Der Besuch staatlicher Kindergärten war lange Zeit kostenlos, heute werden jedoch Gebühren von umgerechnet etwa 13 US-Dollar pro Monat berechnet.[11] Der Kindergarten ist nach Klassenstufen gestaffelt: 2–3-Jährige: 小班 (xiăo bān, untere Klasse), 3–4-Jährige: 中班 (zhōng bān, mittlere Klasse), 4–5-Jährige: 大班 (dà bān, obere Klasse), 5–6-Jährige: 学前班 (xué qián bān, Vorschulklasse; nicht überall vorhanden).

Da an den staatlichen Kindergärten oftmals nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen, schreiben – vor allem in Beijing – viele bildungsorientierte Eltern ihre Kinder in privaten Kindergärten ein. Die Schulgebühren sind dort sehr hoch und übersteigen gelegentlich sogar die einer erstklassigen Hochschule.[13]

Im Jahre 2002 bestanden in der Volksrepublik China 111.800 Kindergärten, in denen 20.360.200 Kinder eingeschrieben waren.[1]

Primarschule[Bearbeiten]

Seit 1986 gibt es in der Volksrepublik China eine 9-jährige Schulpflicht, bestehend aus 6 Jahren Primarschule und 3 Jahren untere Mittelschule. Eingeschult wird man mit 6 oder 7 Jahren.

In den 456.900 Primarschulen des Landes lernten zur selben Zeit 121.567.100 Kinder; das waren 98,58 % aller Kinder im primarschulpflichtigen Alter. Die Anzahl der in Vollzeit arbeitenden Primarschullehrer betrug 5.778.900.[4] Nach der Einführung der Ein-Kind-Politik (1979/1980) ist die Zahl der Primarschulen stark zurückgegangen. So wurden etwa im Jahr 2005 nur noch 366.200 Primarschulen mit knapp 16,7 Mio Schülern gezählt. Trotz dieses Schülerrückgangs sind die Primarschulklassen sehr groß geblieben; in den Städten umfassen 60 % der Klassen mehr als 40 Schüler, gut 30 % umfassen mehr als 50 Schüler.[1]

Die Primarschule soll 6 Schuljahre umfassen, eine Praxis, die bisher allerdings nur in Groß- und Mittelstädten durchgesetzt werden konnte. In Kreisstädten und Dörfern bestehen oft noch Fünfjahresschulen.[1]

Sekundarschule: Unterstufe (Klassenstufen 7–9)[Bearbeiten]

Die Sekundarschule wird im Chinesischen als „Mittelschule“ (中学, zhōngxué) bezeichnet, ist jedoch in zwei Stufen (初级中学, chūjí zhōngxué, kurz: 初中, chūzhōng, 7.–9. Klassenstufe (selten auch: 7.–10. Klassenstufe), und 高级中学, gāojí zhōngxué, kurz: 高中, gāozhōng, 10.–12. Klassenstufe) untergliedert. Der Besuch der ersten ist Pflicht, die zweite kann freiwillig besucht werden. Da Ähnlichkeiten zu den Schulsystemen des englischsprachigen Raumes bestehen, unterscheidet man im Englischen zwischen der junior middle school einerseits und der senior middle school oder high school andererseits; im Deutschen werden vereinzelt die Bezeichnungen „untere“ und „obere Mittelschule“ verwendet.

Im Jahre 2002 hatten 97,02 % der Primarschulabsolventen Zugang zu einer Sekundarschule. Landesweit bestanden 65.600 Sekundarschulen/Unterstufe; 66.874.300 Schüler waren hier eingeschrieben, das waren 90 % aller Kinder im entsprechenden Alter. Die Zahl der an diesen Schulen in Vollzeit beschäftigten Lehrer betrug 3.467.700.[4]

Sekundarschule: Oberstufe (Klassenstufen 10–12)[Bearbeiten]

Im Jahre 2002 wechselten 58,3 % der Absolventen der Sekundarschule/Unterstufe Zugang zu einer Sekundarschule/Oberstufe.[4] Der Besuch dieser Klassenstufen erfolgt freiwillig, bildet aber die Voraussetzung für das Studium an einer Hochschule.

Seit den 1990er Jahren bemüht die chinesische Bildungspolitik sich um eine Differenzierung der Sekundarschule/Oberstufe. Eine steile Zunahme verzeichnen seither berufsbildende Sekundarschulen, die als Alternativen zur allgemeinbildenden, hochschulvorbereitenden Sekundarschule konzipiert sind.[1]

Der Anteil der Mittelschulabsolventen, die über Anlernverhältnisse oder als ungelernte Hilfskräfte in eine Beschäftigung wechseln, betrug 2002 schätzungsweise 40 %.[1]

Spezielle Schulen[Bearbeiten]

Schulen für Migrantenkinder[Bearbeiten]

Im Zuge der starken Migrationsbewegung vom Land in die Städte Chinas werden die Kinder von Wanderarbeitern entweder auf den Dörfern zurückgelassen, wo sie oftmals ohne Erziehung aufwachsen, oder sie migrieren mit ihren Eltern zusammen in die Städte. Zwar fehlen genaue Daten zur Zahl dieser Kinder, doch gingen Schätzungen von NGOs für das Jahr 2000 von 60 Millionen in der Heimat gebliebenen und 20 Millionen in die Städte migrierten Kindern aus.[14]

Den vom Land in die Städte migrierten Kindern wird häufig der Schulbesuch verwehrt, obwohl die Zentralregierung den Kindern das Recht auf den Schulbesuch am Zielort zuspricht.[15] Die öffentlichen Schulen errichten für Migrantenkinder hohe Hürden wie das Bestehen spezieller Eingangstests, das Entrichten von unbezahlbaren Gebühren oder den Nachweis einer städtischen Registrierung (Hukou), über die Wanderarbeiter meist nicht verfügen. Effektiv wird so der Schulbesuch von Migrantenkindern verhindert. Es wurde argumentiert, dass der Konflikt zwischen zentralstaatlichen Vorgaben und lokalen Umsetzungsschwierigkeiten nicht gelöst werden kann, so lange die Stadt- und Bezirksregierungen kein Interesse haben, für Kinder „fremder“ Orte Schulbildung zu finanzieren.[16]

Als Alternative gründeten Unternehmer seit den 90er Jahren private Schulen für Migrantenkinder in Chinas Städten, welche gegen Gebühren vom Kindergarten bis zur Mittelschule Unterricht anbieten.[17] Diese Schulen gerieten jedoch in die Kritik, weil sie nur Unterricht minderer Qualität und kaum anerkannte Zeugnisse anbieten können und teilweise sogar große Sicherheitsmängel aufweisen.[18] Darüber hinaus zementiert dieses System die Segregation von Migrantenkindern und den städtischen Kindern. Einige Bezirksregierungen haben seit den 2000ern begonnen, einzelne Schulen für Migrantenkinder in konzertierten Aktionen zu schließen, wobei auch chinesische Medien die Rigorosität kritisiert haben, mit der die Behörden die Schüler auf die Straße gesetzt haben, ohne für Alternativen zu sorgen. In neuesten Trends versuchen einige Bezirksregierungen, die privaten Schulen für Migrantenkinder zwar generell zu erhalten, aber mittels Finanzhilfen aufzuwerten.[16] Chinesische Wissenschaftler haben Studien in einzelnen Städten durchgeführt,[18][19] doch mangelt es an einem nationalen Überblick über die Zahl und die Situation der Schulen für Migrantenkinder.

Hochschulaufnahmeverfahren[Bearbeiten]

Um an einer Hochschule studieren zu dürfen, müssen Schüler am Ende des 12. Schuljahres eine Prüfung absolvieren. Das 1952 eingeführte Gao Kao (高考, „Hoher Test“) ist eine landeseinheitliche Prüfung, die nicht nur darüber entscheidet, ob man zum Studium zugelassen wird. Sie ist auch ausschlaggebend dafür, ob man das Fach seiner Wahl oder an welcher Universität man studieren darf.

Schulalltag in China[Bearbeiten]

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An den meisten chinesischen Schulen sind Schuluniformen Pflicht.[10]

Jeden Montag gibt es an chinesischen Schulen eine Art Zeremonie. Hierbei versammeln sich alle Schüler auf dem Schulhof und singen die chinesische Nationalhymne, während die Nationalflagge gehisst wird.

Die Schule wird an 5 Tagen pro Woche – von Montag bis Freitag – besucht. An der Mittelschule/Unterstufe dauert der Schultag 9 Stunden und ist damit länger als ein Arbeitstag.[20]

Der Schulunterricht beginnt in der Regel um 7:30 Uhr, wobei die Schüler manchmal bereits 10 Minuten vorher da sein müssen, um z. B. neu gelernte Vokabeln zu wiederholen.

Der Unterricht beginnt mit einem zehnminütigen Gymnastikprogramm und endet nachmittags um 16:30 Uhr. Unterbrochen wird der Unterricht nur durch eine zweistündige Mittagspause, in der die Schüler nicht nur essen, sondern auch spielen oder schlafen können.[21]

Während die „normalen“ Schüler dann Schulschluss haben, bleiben oftmals die „begabteren“ Schüler (die besten 10 % eines Jahrgangs) für den Förderunterricht bis ca. 18 Uhr, manchmal auch bis 21 Uhr, in der Schule. Im Förderunterricht werden sie auf Wettbewerbe vorbereitet.

Anschließend gibt es immer noch genug Hausaufgaben zu erledigen, damit die chinesischen Kinder die Inhalte, die sie in der Schule gelernt haben, ausführlich üben und verstehen können.

Die Wochenenden verbringen viele chinesische Schulkinder mit Instrumentalunterricht und privatem Schulergänzungs-Unterricht, etwa in den Fächern Mathematik und Englisch.[20]

Das Schuljahr beginnt im September und endet im Mai oder Juni. Rund um das chinesische Neujahrsfest (Januar/Februar) sind drei Wochen Ferien angesetzt.[21]

Leistungsfähigkeit und Kritik[Bearbeiten]

Nachdem in den PISA-Studien mehrere Jahre lang nur Daten aus Hongkong berücksichtigt wurden, liegen seit 2009 erstmals auch Untersuchungsergebnisse aus Macao und der Wirtschaftsmetropole Shanghai vor. Letztere erregten bei ihrer Veröffentlichung erhebliches Aufsehen, weil die Leistungen der Shanghaier Schüler in allen drei Kategorien (Mathematik, Naturwissenschaften, Leseverständnis) höher lagen als in irgendeinem anderen Land der PISA-Studien.[22]

Dennoch gibt es selbst in China Kritik an den chinesischen Schulen. Jian Xueqin, Vizeschuldirektor der High School of Peking University, bemängelt die mangelnde Neugier und Fantasie chinesischer Universitätsabsolventen und ihre fehlende Fähigkeit, unabhängig vom Lehrer oder im Team zu arbeiten.[23] Die geringe Kreativität und Fantasie chinesischer Schüler ist auch an anderer Stelle festgestellt und kritisiert worden.[24]

Viel kritisiert wird auch der extreme Arbeits- und Leistungsdruck, unter dem chinesische Schüler stehen. Extremreaktionen wie z. B. Schülerselbstmorde müssen – obwohl die Medien immer wieder darüber berichten – angesichts der Größe der chinesischen Population jedoch als eher seltene Erscheinungen eingestuft werden.[25]

Filme[Bearbeiten]

Spielfilme:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Bildungslandschaft: China
  2. Bulletin of the National Research Institute of History and Philology, Band 45, Teil 4, 1974
  3. History of Education in China; Names of Ancient Schools
  4. a b c d e f g h History of Education in China
  5. a b Insup Taylor, Martin M. Taylor: Writing and literacy in Chinese, Korean, and Japanese. John Benjamins Publishing, 1995, ISBN 90-272-1794-7, S. 167 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
  6. a b c d e f g Population, Education
  7. Insup Taylor, Martin M. Taylor: Writing and literacy in Chinese, Korean, and Japanese. John Benjamins Publishing, 1995, ISBN 90-272-1794-7, S. 169 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
  8. Insup Taylor, Martin M. Taylor: Writing and literacy in Chinese, Korean, and Japanese. John Benjamins Publishing, 1995, ISBN 90-272-1794-7, S. 166 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
  9. bildungsxperten.net
  10. a b c Das chinesische Schulsystem – Belohnung nur für die Besten. Focus Online
  11. a b Preschool around the globe. CNN Money, 21. Oktober 1991
  12. Preschool around the globe. CNN Money, 21. Oktober 1991. Shanghai Journal; To Keep China Working, Day Care Is Pampered. In: New York Times, 24. Dezember 1991
  13. In China, kindergarten costs more than college.
  14. The Children of Migrant Workers in China. China Labour Bulletin, 2008
  15. Xia Chunli: Migrant Children and the Right to Compulsory Education in China. In: Asia-Pacific Journal on Human Rights and the Law, vol. 7, no. 2, 2006, S. 29–74.
  16. a b Hans-Christian Schnack: Schulbildung für Migrantenkinder in der VR China: Zwischen staatlicher Ausgrenzung und privaten Alternativen. LIT, Berlin 2010.
  17. For China’s Rural Migrants, an Education Wall. In: New York Times, 12. Dezember 1999
  18. a b Han Jialing: Survey Report on the State of Compulsory Education Among Migrant Children in Beijing. In: Chinese Education and Society, vol. 37, no. 5, 2004, S. 29–55.
  19. Liu Yang, Fang Xiaoyi, Cai Rong, Wu Yang, Zheng Yaofang: The urban adaptation and adaptation process of urban migrant children: A qualitative study. In: Frontiers of Education in China 2009, vol. 4, no. 3, S. 365–389
  20. a b China’s children too busy for playtime. In: China Dayly, 13. Mai 2007
  21. a b Nathan Olson: China: A Question and Answer Book. Capstone Press, 2005, ISBN 0-7368-2687-4 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
  22. Top Test Scores From Shanghai Stun Educators. In: New York Times, 7. Dezember 2010
  23. The Test Chinese Schools Still Fail. In: The Wall Street Journal, 8. Dezember 2010
  24. Chinese students lack imagination, creativity; “Imagination-oriented education” pushed In: China Economic Review, 10. Januar 2011
  25. Three Chinese students commit suicide during gaokao, the national test. In: Shanghaiist, 9. Juni 2010. Wave of suicide sweeps China’s graduate class The Telegraph, 2. September 2011; die Volksrepublik China ist auch eines der wenigen Länder der Erde, in denen die Suizidrate bei jungen Frauen (15–19 Jahre) höher liegt als bei jungen Männern (Global suicide rates among young people aged 15-19. In: World Psychiatry, Juni 2005)