Schultheater

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Ein Schultheater (auch Schulspiel) umfasst die Entwicklung, Erprobung, Einstudierung und Aufführung dramatischer Werke mit Schülern unter der Anleitung von Lehrern. Es wird häufig von Literaturkursen an Schulen eingeprobt und aufgeführt. Dies geschieht meist unter Leitung einer dafür Initiative ergreifenden Lehrkraft. Durch das große Engagement der betreffenden Schüler sind hier oftmals schon semi-professionelle Leistungen zu sehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im Mittelalter gab es an Klöstern und Lateinschulen sowie unter Vaganten und Studenten eine rege Theatertätigkeit. Auch bei Bräuchen, Festen und in Parodien wie der des Kinderbischofs übernahmen Schüler wichtige darstellerische Aufgaben.

Im Gefolge der Reformation erlebte das Schultheater einen ersten Aufschwung, da die Schulbühne als Laientheater dem direkten kirchlichen Zugriff entzogen war. Auf Initiative von Luther und Melanchthon wurden an evangelischen Schulen Theaterstücke mit biblischen Inhalten aufgeführt. Aber auch das klassische Drama wurde gepflegt. Eine führende Position nahm dabei das evangelische Gymnasium in Straßburg unter Rektor Johannes Sturm ein, der 1565 den Vorwurf, zu wenig Bibeldramen aufzuführen, zurückwies. Ein bedeutender Förderer war auch der Zittauer Rektor Christian Weise, der jährlich für den Schulgebrauch ein Lustspiel, ein biblisches und ein historisches Stück verfasste, insgesamt 55. Im Zuge der Gegenreformation setzte sich, geleitet von Jesuiten, das Schultheater ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch an katholischen Schulen durch. Diese spezielle Form ist als Jesuitentheater bekannt.

Durch den Dreißigjährigen Krieg, die Wanderbühnen und das immer stärker aufkommende Berufsschauspielertum kam es im 18. Jahrhundert zu einem Niedergang des Schultheaters. In Preußen, Sachsen und anderen Ländern wurde es zeitweilig ausdrücklich verboten. Dennoch blieb das Schultheater weiterhin üblich, sein Stellenwert schwankte aber von Schule zu Schule beträchtlich. Rückschläge brachten unter anderem die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch die Studentenbewegung, wo Schulspielverbände einschliefen und ältere Spielleiter keine Nachfolger fanden.

Gegenwart[Bearbeiten]

Zu einer neuen Aktivität kam es ab Ende der 1970er Jahre, als an vielen Schulen wieder Theatergruppen entstanden. Schultheaterfestivals auf Länderebene wurden gebildet, und die staatliche Lehrerfortbildung förderte die Qualifizierung der Spielleiter.

1980 konnte der erste Bundeswettbewerb „Schüler machen Theater“ ausgeschrieben werden. In Berlin wurde erstmals das „Theatertreffen der Jugend“ durchgeführt. 1985 folgte das Schultheater der Länder als bundesweites Schultheatertreffen, wodurch sich das Schultheater im Hinblick auf das Unterrichtsfach Darstellendes Spiel weiterentwickelte. Darüber hinaus gibt es zahlreiche lokale, regionale und landesweite Schultheatertreffen.

Pädagogisches Konzept[Bearbeiten]

Die Theaterpädagogik an der Schule soll fächerübergreifend und projektbezogen einerseits Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Fertigkeiten im rhetorischen Bereich, kreatives und selbstständiges Arbeiten und Sozialkompetenz ausbilden, andererseits ästhetische Bildung vermitteln.

Theaterpädagogische Arbeit geht von den darstellerischen Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen aus und entwickelt sie durch ganzheitliches, kreatives Lernen weiter.

Im Fach Deutsch liefern theaterpädagogische Arbeitsweisen in zahlreichen Unterrichtssituationen sowohl Lernmethode als auch Präsentationsform. In eigenen szenischen Versuchen werden die Schüler sensibilisiert für die dramaturgische Auseinandersetzung mit Texten. Sie lernen, wie Sprache zusammen mit Intentionen und Erfahrungen, Gefühlen und Bewegungen in der szenischen Umsetzung eine intensivere sinnlich wahrnehmbare Gestalt annimmt. Ihre interaktiven Kompetenzen werden im Verbund mit der mündlichen und schriftlichen Kommunikationsfähigkeit spielerisch erprobt und gefördert. Theaterpädagogische Arbeitsformen stärken die Lernmotivation und schaffen die Voraussetzung sich nachhaltig mit den Lerninhalten zu identifizieren.

Im Fremdsprachenunterricht kommt theaterpädagogischen Arbeitsweisen und Techniken eine motivierende Bedeutung zu, da die Schüler durch die Verbindung von Fremdsprache, Emotion und Körpersprache in besonderem Maße lernen situationsgemäß und flexibel zu reagieren.[1]

In der Wiesbadener Reform-Gesamtschule Helene-Lange-Schule gehört das gemeinsame Theaterspiel in allen Jahrgängen zum ständigen Bestandteil der Schulpraxis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Bubner, Christiane Mangold: Schule macht Theater. Westermann, Braunschweig 1995, ISBN 3-14-162021-0.
  • Körber-Stiftung und Bundesarbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel e.V.(Hrsg.): Theater in der Schule. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2003, ISBN 3-89684-012-6.
  • Tanja Bidlo: Theaterpädagogik. Einführung. Essen 2006.
  • Leopold Klepacki u.a. (Hrsg.): Grundrisse des Schultheaters. Pädagogische und ästhetische Grundlegung des Darstellenden Spiels in der Schule. Weinheim, München 2005.
  • Leopold Klepacki: Schultheater: Theorie und Praxis. Münster, München 2004 (= Erlanger Beiträge zur Pädagogik. Hrsg. v. Michael Göhlich und Eckart Liebau).
  • Lebendiges Schultheater: personales Spiel, technisch-mediales Spiel, figurales Spiel; Grundlagen, Projekte, Hinweise ; Handreichungen zum Grundkurs Dramatisches Gestalten. Donauwörth, Auer, 2001.
  • Wolfgang Schneider (Hrsg.): Theater und Schule. Ein Handbuch zur kulturellen Bildung. Bielefeld 2009.
  • Wolfgang Schneider u.a. (Hrsg.): Theater im Klassenzimmer. Wenn die Schule zur Bühne wird. Baltmannsweiler 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Theater in der Schule auf schule-bw.de