Schuschtar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schuschtar
Shushtar abshar.JPG
Schuschtar (Iran)
Schuschtar
Schuschtar
Basisdaten
Staat: IranIran Iran
Provinz: Khuzestan
Koordinaten: 32° 3′ N, 48° 51′ O32.04361111111148.85694444444470Koordinaten: 32° 3′ N, 48° 51′ O
Höhe: 70 m
Einwohner: 73 354 (2006)
Zeitzone: UTC+3:30

Schuschtar (persisch ‏شوشتر‎) ist eine antike Befestigungsstadt in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran. 2009 wurde das historische Bewässerungssystem von Schuschtar in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.[1]

Der antike Name der Stadt Šurkutir, der auf Schrifttafeln in Persepolis erwähnt wurde[2], lässt sich auf die elamitische Zeit zurückführen. Die heutige Bezeichnung der Stadt bezieht sich auf Susa (pers.: Schusch) und ist eine Steigerung des Namens.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Brücke von Schuschtar, der am weitesten im Osten gelegene römische Ingenieurbau[3]

Die Stadt befand sich auf der Persischen Königsstraße, die die elamische Hauptstadt Susa mit dem achämenidischen Persepolis verband. Alexander der Große überquerte den Karun-Fluss 331 v. Chr. an dieser Stelle. In der Spätantike bildete die Stadt ein wichtiges Zentrum des Christentums[4].

Während der Regentschaft der Sassaniden war Schuschtar eine Inselstadt am Karun. Dieser wurde in Kanälen um die Stadt herumgeführt. Brücken und Stadttore im Osten, Westen und Süden der Stadt machten sie zugänglich. Ein unterirdisches Kanalsystem von Qanaten versorgte die Stadt mit Wasser für den privaten Gebrauch und für die Bewässerung der Zuckerrohr-Felder, für die die Stadt bis heute berühmt ist und die bereits 226 n. Chr. bebaut wurden[5]. Schon zu achämenidischer Zeit war hier mit dem Bau künstlicher Wasserfälle an einem Zufluss des Karun, dem Gargar-Fluss, begonnen worden, was unter den Sassaniden fortgeführt wurde und für die Zeit ungewöhnliche Bautechniken beanspruchte. Auch heute dienen einige von ihnen noch Bewässerungszwecken[6].

Nach der Niederlage Kaiser Valerians im Jahr 260 n. Chr. wurden der persischen Überlieferung zufolge zahlreiche römische Soldaten zum Auf- und Ausbau des Bewässerungssystems von Schuschtar herangezogen.[7] Der so entstandene Band-e Kaisar ("Caesars Damm"), eine originelle Verbindung aus Bogenbrücke und Stauwehr, hatte eine Länge von 500 m und gilt als die östlichste Römerbrücke und römische Staumauer.[3] Die Mehrzweckanlage übte einen tiefen Einfluss auf den iranischen Ingenieurbau aus und trug maßgeblich zur Entwicklung der sassanidischen Wasserbaukunst bei.[8]

Weitere Wassermühlen entstanden während der Regierungszeit der Safawiden, von denen heute noch einige erhalten sind[6].

Im 19. Jahrhundert zerfiel das Bewässerungssystem allmählich, so dass die Stadt ihren Status als landwirtschaftliches Zentrum einbüßte.

Während der Regentschaft Mohammad Reza Pahlavis wurden Anstrengungen unternommen, die Landwirtschaft des Gebietes wieder anzukurbeln. In diesem Zusammenhang errichtete die Karun Agro-Industries Corporation eine Satellitenstadt, Shustar New Town (Neu-Schuschtar), um Unterbringungsmöglichkeiten für die Angestellten der hier entstandenen Zuckerrohrfabrik zu schaffen und der Stadt weitere Wachstumsmöglichkeiten zu eröffnen.

Heute ist der Ort ebenfalls für seine Möglichkeiten im Bereich des Wassersports bekannt.

Die Bewohner Schuschtars sprechen einen ihnen eigenen Dialekt, das sogenannte Schuschtari [5].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UNESCO World Heritage: Shushtar Historical Hydraulic System, abgerufen am 1. Mai 2010
  2. vgl. Artikel auf Livius.org
  3. a b Schnitter 1978, S.28, Abb. 7
  4. vgl. Livius.org
  5. a b vgl. engl. Wikiartikel
  6. a b vgl. cais-Artikel
  7. Römischer Bau: Schnitter 1978, S.32; Kleiss 1983, S.106; Hartung & Kuros 1987, S.232; Hodge 1992, S. 85; O'Connor 1993, S.130; Huff 2010; Kramers 2010; erster seiner Art: Smith 1971, S.56–61; Vogel 1987, S.50
  8. Einfluß auf Ingenieurbau: Huff 2010; auf Wasserbaukunst: Smith 1971, S.60f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartung, Fritz; Kuros, Gh. R.: Historische Talsperren im Iran, in: Garbrecht, Günther (Hrsg.): Historische Talsperren, Bd. 1, Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, S. 221–274, ISBN 3-87919-145-X.
  • Hodge, A. Trevor: Roman Aqueducts & Water Supply. Duckworth, London 1992, S. 85, ISBN 0-7156-2194-7.
  • Huff, Dietrich: Bridges. Pre-Islamic Bridges, in: Yarshater, Ehsan (Hrsg.): Encyclopædia Iranica Online, 2010.
  • Kleiss, Wolfram: Brückenkonstruktionen in Iran, in: Architectura, Bd. 13 (1983), S. 105–112 (106).
  • Kramers, J. H.: Shushtar, in: Bearman, P. (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam, 2. Aufl., Brill Online, 2010.
  • O’Connor, Colin: Roman Bridges. Cambridge University Press, 1993, S. 130 (Nr. E42), ISBN 0-521-39326-4.
  • Schnitter, Niklaus: Römische Talsperren, in: Antike Welt, Bd. 8, Nr. 2 (1978), S. 25–32 (32).
  • Smith, Norman: A History of Dams. Peter Davies, London 1971, S. 56–61, ISBN 0-432-15090-0.
  • Vogel, Alexius: Die historische Entwicklung der Gewichtsmauer, in: Garbrecht, Günther (Hrsg.): Historische Talsperren, Bd. 1, Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, S. 47–56 (50), ISBN 3-87919-145-X.