Schutzweiche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Schutzweiche im Ausweichgleis des Bahnhofs Allersberg (Rothsee). Das geschützte Streckengleis kann mit bis zu 300 km/h befahren werden.

Eine Schutzweiche ist eine Eisenbahnweiche, die eine Fahrstraße vor anderen Zugbewegungen sichern soll. Sie wird dort verwendet, wo eine Entgleisvorrichtung (Gleissperre) auf dem Gleis nur einen ungenügenden Schutz vor einer Flankenfahrt bietet. Eine besondere Form ist die Zwieschutzweiche.

In Deutschland ist nach § 14 Abs. 11 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) Flankenschutz für mit mehr als 160 km/h befahrene Gleise in Bahnhöfen und Anschlussstellen zwingend mit Schutzweichen zu gewährleisten.

Mit der Dritten Verordnung zur Änderung der EBO wurden im Mai 1991 Schutzweichen zum Schutz von mit mehr als 160 km/h befahrenen Gleisen in Bahnhöfen und Anschlussstellen verbindlich vorgeschrieben.[1]

Technische Gründe[Bearbeiten]

Entgleisvorrichtungen auf dem Gleis (Gleissperre) dürfen nur in Rangiergleisen verwendet werden, und auch Sandweichen sind nur ausgelegt, um ein Entlaufen gegen eine Zugfahrstraße zu verhindern. Beide sind nicht dazu geeignet, einen Zug sicher zum Stillstand zu bringen, ohne dass ein anderer Zug dabei gefährdet werden kann. Dies ist dadurch bedingt, dass der äußere Schienenstrang nicht durchbrochen ist und die innere Radscheibe nach dem Entgleisen durch diesen äußeren Schienenstrang in Richtung Fahrgleis gedrückt werden kann, wenn das Fahrzeug nicht innerhalb der kurzen Distanz (ca. 3 m) zum Halten kommt. Deshalb ist bei Einmündungen, an denen mit größeren abzubremsenden Lasten zu rechnen ist, eine Schutzweiche einzubauen. Hinter der Schutzweiche muss genügend Freiraum vorhanden sein, um eine Folgegefahr auszuschließen. Da sehr wenige Sicherheitssteuerungen die Rangierbewegungen überwachen und damit beim Überfahren eines geschlossenen Rangiersignals keine Zwangsbremsung auslösen, ist eine Zuggefährdung nur dadurch zu verhindern, dass sich Fahrstraßen nicht berühren. Dies ist ein weiterer Grund für eine rein mechanische Lösung.

Die Schutzweiche kann auf zwei Arten ausgeführt sein:

Schutzweiche mit Prellbock[Bearbeiten]

Diese Schutzweiche endet, als normale Weiche aufgebaut, nach einer kurzen Strecke von meist 10 Metern an einem Prellbock. Dieser Strang führt vom Betriebsgleis weg, so dass, wenn der Prellbock überfahren würde, der Zug neben dem Betriebsgleis zum Stehen kommt. Diese Art von Schutzweiche wird vor allem bei Industriegleisen angewendet, die in ein Streckengleis münden, damit nicht gleich jeder entlaufene Wagen entgleist. Oft wird bei dieser Art von Weiche ein längeres Gleisstück angehängt, um einen Abstellplatz für Leerwagen zu erhalten, so dass hier der Übergang zu einer Rangierweiche fließend ist. Allerdings sind diese Schutzweichen immer in das Stellwerk des Bahnhofes eingebunden, auch wenn der Rest der Rangieranlage mit Handweichen ausgerüstet ist. Wird das Gleis nur zu Schutzzwecken verwendet, kann auf den Prellbock auch verzichtet werden.

Entgleisweiche[Bearbeiten]

Entgleisungsweiche in England (im Vordergrund)

Bei der Entgleisweiche (auch Entgleisungsweiche) handelt es sich um eine Weiche, deren Schienenstränge unmittelbar nach den Zungen oder nach dem Herzstück aufhören. Damit sich das Fahrzeug beim Entgleisen nicht gegen das zu schützende Gleis neigt, hört der äußere Schienenstrang früher auf als der innere, gegen das zu schützende Gleis zeigende. Auch hier zeigt der Schutzstrang vom zu schützenden Gleis weg. Diese Art von Schutzweiche ist vor allem in Großbritannien gebräuchlich, in Deutschland wird sie nicht verwendet.

Betriebliche Gründe[Bearbeiten]

Wenn von einer betrieblichen Schutzweiche die Rede ist, kann von einer Weiche, die in ein Anschlussgleis oder sonstiges Rangiergleis und Nebengleis führt und zusätzlich die Funktion einer Schutzweiche übernimmt, die Rede sein.

Da es in den Fahrdienstvorschriften ausdrücklich untersagt ist, feindliche Zugfahrstraßen einzustellen, müssen an bestimmten Stellen Schutzweichen eingebaut werden, um einen flüssigen Betriebsablauf zu ermöglichen. So ist es auf einer eingleisigen Strecke nicht erlaubt, ohne Schutzweiche gleichzeitig in den Kreuzungsbahnhof einzufahren. Wenn der eine Zug nicht rechtzeitig zum Stillstand käme, führe er dem Gegenzug in die Flanke. Ohne Schutzweichen müsste sonst ein genügend großer Durchrutschweg vorhanden sein. Aus Platzgründen geht dies meist nicht, und normalerweise ist die Anlage genügend langer Gleise auch teurer, als zwei zusätzliche Weichen einzubauen. Werden in beide Gleise auf der Ausfahrseite je eine Weiche eingebaut, die vom Streckengleis wegführt, ist eine gleichzeitige Einfahrt möglich. Zusätzlich können diese Weichen auch für Anschlussgleise genutzt werden.

Die Schutzweichen sind immer in das Stellwerk des Bahnhofes eingebunden und werden heutzutage meist ferngesteuert. Da Schutzweichen auch mit einer Weichenheizung versehen sind, ist es im Winter leicht an der fehlenden zweiten Zugfahrstraße zu erkennen, welche Weichen als Schutzweichen dienen.

Andere Anwendungen[Bearbeiten]

Grenzsperre[Bearbeiten]

An der innerdeutschen Grenze wurden auf der Seite der DDR Schutzweichen eingebaut, um einen unberechtigten Grenzübertritt zu verhindern. Die Weichen standen auf Abzweigstellung und wurden erst nach Beendigung der Kontrolle und nach Zustimmung der Grenzwache auf Durchfahrt umgestellt. Diese Zustimmung war als Sperrkreis so in die Stellwerksmechanik eingebaut, dass ohne diese die Weiche nicht aus der Schutzlage umgestellt werden konnte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schutzweiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Walter Mittmann, Fritz Pätzold, Dieter Reuter, Hermann Richter, Klaus-Dieter Wittenberg: Die Dritte Verordnung zur Änderung der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). In: Die Bundesbahn. Nr. 7-8, 1991, ISSN 0007-5876, S. 759–770.