Schwanenberg

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51.16.266666666666783Koordinaten: 51° 6′ 0″ N, 6° 16′ 0″ O

Schwanenberg
Stadt Erkelenz
Wappen von Schwanenberg
Höhe: 83 m
Fläche: 5,9 km²
Einwohner: 1598 (31. Jul. 2014)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 41812
Vorwahl: 02431
Schwanenberg (Nordrhein-Westfalen)
Schwanenberg

Lage von Schwanenberg in Nordrhein-Westfalen

Schwanenberg ist ein Ortsteil der Stadt Erkelenz (Kreis Heinsberg, ehemals Kreis Erkelenz) in der niederrheinischen Tiefebene, in der Nähe der Stadt Mönchengladbach gelegen. Bis zur kommunalen Neugliederung im Jahre 1972 war Schwanenberg eine eigenständige Gemeinde, die die Ortsteile Lentholt, Grambusch, Genhof und Genfeld – letzteres Dorf nur zur Hälfte – mit einschloss. Diese Nachbardörfer werden hier gleichfalls dargestellt. Das Dorf Schwanenberg hat mit Grambusch und Lentholt 1613 Einwohner. (Stand 28. Februar 2010)

evangelische Pfarrkirche Schwanenberg

Geografie[Bearbeiten]

Kartenausschnitt „Mairie de Schwanenberg“, um 1806

Schwanenberg liegt am Nordrand der Erkelenzer Börde, am Übergang zur Schwalm-Nette-Platte, einem Teilgebiet des Niederrheinischen Tieflandes.

Früher soll die Schwalm in Schwanenberg entsprungen sein, führte doch ein Wasserlauf vom Pastorat zum heutigen Beginn des Baches bei Geneiken (Gendyk).

Nachbardörfer[Bearbeiten]

Lentholt[Bearbeiten]

jüdischer Friedhof in Lentholt

Lentholt (51° 6′ N, 6° 16′ O51.0983333333336.2736111111111) liegt südlich von Schwanenberg. Die Bebauung der Ortschaften geht nahtlos ineinander über. 1312 wurde Lenthout in einer Urkunde genannt, 1473 wurde der Ortsnamen als Lentholt niedergeschrieben. Lentholt gehörte wie Schwanenberg zur Reichsherrschaft Wickrath. Das Dorf lag in der Pfarre Schwanenberg und nahm ebenfalls die Reformation an.

An den jüdischen Friedhof Schwanenberg in Lentholt erinnert nur noch ein Gedenkstein. Er ist die vierte Station der Route gegen das Vergessen.

Im Ortsnamen ist das Wort Lint (=Linde) enthalten. Holt bedeutet Gehölz, Wald.

Genhof[Bearbeiten]

Genhof (51° 6′ N, 6° 15′ O51.0997222222226.2577777777778) befindet sich westlich von Lentholt. Zwischen den Orten lag die Genhofer Windmühle. Der Ort hat 241 Einwohner (Stand 28. Februar 2010).

1467 wurde geyn Have erstmals urkundlich erwähnt. 1568 erscheint der Ort als den Hoven.

Das Präfix Gen im Ortsnamen ist ein Rest aus Präposition und Artikel (an gen = an dem, den).

Genfeld[Bearbeiten]

Genfeld (51° 6′ N, 6° 15′ O51.1055555555566.2513888888889) erscheint 1560 in einer Urkunde als uff den veldt (=auf dem Feld). Der Ort hat 99 Einwohner (Stand: 28. Februar 2010).

Das Dorf lag teils in der Reichsherrschaft Wickrath und teils im Herzogtum Jülich. Diese Einteilung blieb unter der französischen Herrschaft von 1794 bis 1814 und auch zunächst in der preußischen Zeit bestehen. Damals gehörte es teils zur Bürgermeisterei Schwanenberg und teils zur Bürgermeisterei Wegberg. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung fast vollständig reformiert und gehörte zur Gemeinde Schwanenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Gebiet von Schwanenberg lassen sich Funde aus der Steinzeit und der Römerzeit nachweisen.

Vor der Besetzung des Rheinlands durch Napoleon war Schwanenberg Teil der Reichsfreiherrschaft Wickrath und damit eine protestantische Enklave mit reformiertem Bekenntnis im ansonsten katholischen Umland. Bis heute bekennt sich die Mehrheit der Bevölkerung Schwanenbergs zur protestantischen Konfession und ist die Geschichte der Gemeinde Schwanenberg eng mit der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg verknüpft, was beispielsweise die Namensgebung einer Straße im Neubaugebiet "An der Schlei" in "August-Wirtz-Platz" in Erinnerung an den Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg (bis 1969) signalisiert. Allerdings ist die Kirchengemeinde stets größer als die Gemeinde Schwanenberg gewesen und umfasste auch die Dörfer Kehrbusch, Flassenberg, Isengraben, Rath-Anhoven (nur zu einem kleinen Teil), Hoven, Golkrath, Gerderhahn, Geneiken.

In der napoleonischen Zeit gehörte Schwanenberg als eigenständige Gemeinde (Maire) zum Departement Roer (Rur). Nach der Niederlage Napoléons und der anschließenden Annektierung zum Königreich Preußen.

Die Anfänge der noch heute existierenden evangelischen Schule in Schwanenberg (heute: Evangelische Gemeinschaftsgrundschule Schwanenberg) liegen um 1600, die frühestes Nachricht ist datiert von 1607. Dem Dorfbrand 1777 fiel auch das Schulgebäude zum Opfer, das jedoch noch im selben Jahr wieder aufgebaut wurde. Zur 1792 vorgeschlagenen Erweiterung der Schule kam es erst 1821. Während der französischen Besatzung soll es neben der Schule in Grambusch auch vorübergehend eine kleine Schule in Genhof gegeben haben. Zur Finanzierung der Schulerweiterung wurde ein Grundstück am "Judenkirchhof"(!) in Lentholt gerodet und der Erlös des Holzverkaufs für den Anbau verwendet.[1] Wegen der anhaltend hohen Schülerzahlen wurde 1858 in Geneiken eine weitere Schule für einen Teil Genfelds und für Geneiken gebaut. Die Schule in Grambusch bestand bereits seit 1787.[2] Ein neues Schulhaus wurde im Jahr 1821 gebaut, das allerdings schon dreißig Jahre später (1851) durch ein stattliches Haus zwischen den beiden Dorfstraßen ersetzt wurde und das noch heute an der "Schulgasse" besteht (In Grambusch 19).[3]

Schwanenberg beherbergte vom 17. Jahrhundert bis zum Jahre 1938 auch eine jüdische Gemeinde, die über eine Synagoge am Lindches Weg und einen Friedhof im Ortsteil Lentholt verfügte. Zwar noch kein eigenes Schulgebäude, aber "Jüdischen Unterricht" gab es mindestens seit 1821 in Form von Privatunterricht. Ab 1860 gab es Überlegungen, eine israelische Schule in Schwanenberg einzurichten. Ab 1870 gab es einen Kantor und Religionslehrer für die Synagogengemeinde Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz, der mindestens 40 Kinder unterrichtete ("Jüdische Religionsschule Erkelenz-Schwanenberg"). Zwanzig Jahre später wurden noch um die 20 Kinder unterrichtet.[4] Am Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Abwanderung der jüdischen Bevölkerung in die Städte und Großstädte ein. Um 1900 wurden in der Schwanenberger Schule von 118 Schülern 8 Schüler jüdischen Glaubens unterrichtet.[5] Um 1930 lebten nur noch wenige Juden in Schwanenberg. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vor allem durch die Hitlerjugend Schwanenberg zerstört und geschändet. Das Holz der Inneneinrichtung wurde von der Bevölkerung als Brennholz genutzt, nach und nach das ganze Gebäude abgerissen. Auf dem jüdischen Friedhof wurden alle Grabsteine zerstört, entwendet und von Landwirten zur Befestigung ihrer Hofeinfahrten verwendet. Die jüdischen Bürger wurden vertrieben oder deportiert. Initiativen des evangelischen Pfarrers Dr. Paul Gerhard Aring (1926-2003) während seiner Amtszeit 1970-1979 zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und mit dem christlich-jüdischen Dialog generell wurden von der Bevölkerung mit großem Vorbehalt und vielen Vorwürfen zur Kenntnis genommen.[6] Erst eine sorgsame und seelsorgerlich orientierte theologische Fundierung der Fragen um Judentum und Unrecht durch Arings Nachfolger Pfarrer Erich Walter Fuchs (1932-2007) legten die Basis für eine intensivere Beschäftigung innerhalb der ev. Kirchengemeinde seit den 1990er Jahren. Heute erinnert auf dem Lindches Weg eine Gedenktafel an den Standort der ehemaligen Synagoge, sowie seit vielen Jahren im Ortsteil Lentholt ein Platz an den alten jüdischen Friedhof. Bezirksausschuß und Presbyterium einigten sich Mitte 2005 darauf, dass in Zusammenhang mit dem nächsten zu erschließenden Baugebiet im Bereich Schwanenberg eine Straße nach der jüdischen Familie Leyens benannt wird.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein Zuzug von katholischen Bürgern nach Schwanenberg, es bildete sich die katholische Kapellengemeinde Schwanenberg, die ein eigenes Kirchengebäude im Ort wünschte. 1963 wurde die Kirche St. Severin eingeweiht.

Am 1. Januar 1972 wurde Schwanenberg nach Erkelenz eingemeindet.[8]

Während bei Ende des Zweiten Weltkriegs nur wenige Bürger römisch-katholischen Glaubens in der evangelischen Enklave Schwanenberg wohnhaft waren, beläuft sich seit 2010 das konfessionelle Verhältnis auf jeweils die Hälfte römisch-katholischer und evangelischer Christen.

Ortsname[Bearbeiten]

Der Name hat seinen Ursprung in dem Namen des Bachs, der hier früher entsprang - die Schwalm. Bei der erstmaligen urkundlichen Erwähnung 1312 hieß der Ort Schwalenbricht. 1427 wurde das Dorf Swalenbergh genannt, diesen Namen findet man auch auf einer Kirchenglocke von 1754, diese weist die Inschrift Schwalenbergae auf.

Das Grundwort -berg kann zwei Bedeutungen haben, einmal tatsächlich Berg, schon leichte Erhebungen können in dieser flachen Landschaft so bezeichnet werden. Das Wort könnte aber auch die Bedeutung Burg besitzen. Das Beiwort Schwalm kommt vom mittelhochdeutschen Wort swal ‚Quelle, schwellendes Wasser‘.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen von 1969 zeigt im unteren Feld einen aufrecht stehenden Schwan auf einem Berg. Dieses Motiv entstammt einem alten Schöffenssiegel von ca. 1750. Im oberen Feld liegt ein Zinnenbalken, als Symbol für die ehemalige, reichsunmittelbare Herrschaft Wickrath. Der Schwan findet sich auch in dem Wappen der Wickrather Herrschaftsfamilie von Quadt.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schwanenberger Markt
  • Evangelische Kirche von 1547
  • Bauernhöfe aus Fachwerk
  • Pastorat
  • Plastik Schwalmquelle von der Bildhauerin Ursula Klügel

Vereine[Bearbeiten]

  • Turnverein 1924 Schwanenberg
  • SV "Schwarz-Weiß" Schwanenberg e. V. (von 1931)
  • Evangelischer Kirchenchor Schwanenberg
  • Evangelischer Posaunenchor Schwanenberg
  • Freiwillige Feuerwehr Schwanenberg/Geneiken
  • B. B. – Bitburger Borussen (Fanclub vom Fußballclub Borussia Mönchengladbach)
  • Heimatverein Grambusch

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Grambusch befindet sich eine Fahrrad-Manufaktur, die Pedersen-Fahrräder herstellt, hinzu kommt eine Baumschule sowie eine große Zahl mittelständischer Handwerksbetriebe. Die Landwirtschaft hat an Bedeutung verloren, nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe existieren im Gebiet der ehemaligen Gemeinde.

Infrastruktur[Bearbeiten]

  • Evangelische Grundschule Schwanenberg
  • Evangelischer Kindergarten Schwanenberg
  • Kreissparkasse Heinsberg, Geschäftsstelle Schwanenberg
  • Autobahnanbindung zur A46 ca. 4 km
  • Anbindung zur B57 ca. 3 km
  • Nächster Bahnhof in Erkelenz ca. 4 km
  • Busanbindung der Linie 418 Richtung Wegberg und Erkelenz (Haltestelle im Ortskern gelegen)

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Voss: Schwanenberg 1558–1958. Zur 400jahrfeier der Reformation. Evangelische Kirchengemeinde, Erkelenz 1958
  • Gustav Voss: Schwanenberg. Bilder einer Gemeinde in Vergangenheit und Gegenwart. Evangelische Kirchengemeinde, Erkelenz 1972

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwanenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Josef Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhunderts im heutigen Stadtgebiet Erkelenz, Erkelenz 1984, S. 235-244.
  2. Gustav Voss: Geschichte der Schule in Grambusch. Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Schule am 9. Januar 1937, Erkelenz 1936.
  3. Vgl. Josef Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhunderts im heutigen Stadtgebiet Erkelenz, Erkelenz 1984, S. 121-126.
  4. Josef Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhunderts im heutigen Stadtgebiet Erkelenz, Erkelenz 1984, S. 233f.
  5. Josef Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhunderts im heutigen Stadtgebiet Erkelenz, Erkelenz 1984, S. 243.
  6. Siehe Reiner Andreas Neuschäfer: Art. Paul Gerhard Aring, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. XXXVI (2015).
  7. Klaus Eberl: Jüdisches Leben in Schwanenberg (unveröffentlichter Vortrag), S. 1.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 307.
  9. Stadtarchiv Erkelenz