Schwarzer Kanal

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Dieser Artikel behandelt den Wagenplatz in Berlin. Zur gleichnamigen Fernsehsendung des DDR-Fernsehens siehe Der schwarze Kanal.
Wagenplatz Schwarzer Kanal an dem ehemaligen Standort in Berlin-Kreuzberg, 2006

Der Schwarze Kanal ist ein queerer Wagenplatz in Berlin. Er wurde 1991 angelegt, musste aber 2010 ein neues Areal beziehen. Er befindet sich seitdem in der Kiefholzstraße im Ortsteil Neukölln.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Schwarze Kanal entstand 1991 am Engeldamm 2 auf einem Gelände an der Schillingbrücke in unmittelbarer Nähe des ebenfalls autonomen Wohnprojekts und Kulturzentrums Köpi. Im Jahr 2002 wurde auf der Fläche die neue Verdi-Bundeszentrale errichtet. Die Bewohner folgten daher im September 2002 einem Angebot des Bauunternehmens Hochtief und zogen auf eine Brachfläche am Spreeufer in der Michaelkirchstraße. Ein Gebrauchsgestattungsvertrag sicherte die Nutzung von 3500 Quadratmetern bis zum März 2005. Gegen diese Nutzung klagten die benachbarten Office Grundstücksverwaltungsgesellschaft und das Deutsche Architekturzentrum wegen angeblicher Wertminderung kurz nach dem Umzug. Im Oktober und Januar wurde der Klage gegen Hochtief vom Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht entsprochen. Die Bewohner des Schwarzen Kanals räumten Ende April einen Teil des Grundstücks. Am 9. Mai 2005 besetzten einige der Wagenburgler kurzzeitig eine Brachfläche in der Friedrichshainer Richard-Sorge-Straße, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Der Rechtsstreit dauerte bis 2007 an.[1][2]

Hochtief erwarb das Grundstück, auf dem sich der Schwarze Kanal bis Ende März 2010 befand, von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Der Verkauf erfolgte mit der Auflage einer Bebauung bis 2010,[3] deshalb wurde der Vertrag mit dem Schwarzen Kanal zum 31. Dezember 2009 gekündigt.

Ende Oktober 2009 wurden nun Aktionstage unter dem Motto „Queer & Rebel“ auf verschiedenen Wagenplätzen organisiert, um auf die Lage des Schwarzen Kanals aufmerksam zu machen. Darunter war eine Demonstration von rund 600 Personen am 24. Oktober 2009 besonders eindrucksvoll.[4] Ein leerstehendes Schulgelände in der Adalbertstraße wurde für ein Wochenende besetzt.[5] Das Schulgelände gehörte dem Berliner Liegenschaftsfonds, der frühere städtische Grundstücke verwaltet, verkauft und versteigert. Die Besetzung führte dazu, dass zum ersten Mal seitens des Liegenschaftsfonds Ersatzgrundstücke angeboten wurden. Die für Januar 2010 angedrohte Räumung durch Hochtief konnte bis März 2010 verzögert werden. Der Schwarze Kanal verließ den alten Platz an der Michaelkirchstraße und bezog ein Ersatzgelände in der Kiefholzstraße 74 in Neukölln.[6]

Die Baufirma konnte nun den geplanten Verwaltungsbau für die Mitarbeiter ihrer Berliner Tochtergesellschaften auf dem Grundstück in Berlin-Mitte errichten.[7]

Beschreibung und Aktivitäten[Bearbeiten]

Auf dem Wagenplatz wohnen rund 25 Personen. Regelmäßig finden unkommerzielle Veranstaltungen statt wie das Queer-Varieté, ein Freiluftkino, Vokü oder verschiedene Konzerte. Bereits 2009 wurden auf dem einstigen Gelände das queere Filmfestival entzaubert (Juni), das feministische LaD.I.Y.fest (Juli) und das queere Musikfestival upyourears (September) organisiert. Mit dem Transgenialen CSD gibt es eine feste Zusammenarbeit. Regelmäßig wird ein Fahrradworkshop veranstaltet; zwei Mal im Monat findet dieser mit Bewohnern des Flüchtlingsheims Hennigsdorf statt.

Die vorherigen Standorte des Wagenplatzs lagen im Bereich des Investorenprojektes Mediaspree. Die Bewohner des Schwarzen Kanals engagieren sich gegen Mediaspree im Rahmen der Kampagnen Mediaspree versenken und Megaspree.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Aulich, Claudia Fuchs: Hoffnung für den „Schwarzen Kanal“. In: Berliner Zeitung, 2. November 2002
  2. Torsten John: Abseits von eingefahrenen Wegen. In: taz. 13. Mai 2003
  3. Adrian Pickshaus: „Schwarzer Kanal“ funkt SOS. In: taz vom 8. Oktober 2009
  4. Blog der Queer and Rebel 2009
  5. Aus Protest Schulgelände besetzt. In: Der Tagesspiegel, 24. Oktober 2009
  6. Lageangabe auf der Website des Schwarzen Kanals
  7. Eva Kalwa: Der Wagenburgfrieden wackelt. In: Der Tagesspiegel, 18. Juli 2009

52.48249313.462822Koordinaten: 52° 28′ 57″ N, 13° 27′ 46″ O