Schwarzer Peter

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die gleichnamige Oper siehe Schwarzer Peter (Oper).
Historische Schwarzer-Peter-Karte

Schwarzer Peter ist neben Quartett eines der am weitesten verbreiteten Kartenspiele für Kinder.

Die Redewendung „jemandem den Schwarzen Peter zuschieben“ bedeutet, Unannehmlichkeiten, ein unliebsames Problem, eine Schuld oder die Verantwortung auf diese andere Person abzuwälzen.[1] Der Name Schwarzer Peter erinnert möglicherweise an einen Zeitgenossen und Kumpan des Schinderhannes, den Räuber Johann Peter Petri, der auch unter dem Namen „der alte Schwarzpeter“ oder „Schwarzer Peter“ bekannt war und das Spiel in seinen Gefängnisjahren ab 1811 erfunden haben soll;[2][3] der Ursprung des Spiels ist aber höchstwahrscheinlich älter (siehe unten).

Die Regeln[Bearbeiten]

Schwarzer-Peter-Spiele bestehen meistens aus 31 oder 37 Karten, nämlich dem Schwarzen Peter und 15 bzw. 18 Kartenpaaren[4]. Anstelle von speziellen Spielkarten kann man aber ebenso gut ein Paket traditioneller Karten mit einem Joker verwenden. Am Spiel können beliebig viele Mitspieler teilnehmen, zumindest aber zwei. Die Karten werden gemischt und gleichmäßig an die Spieler verteilt. Findet ein Spieler in seinem Blatt ein Paar, d. h. zwei Karten mit demselben Eckzeichen, so legt er diese sofort ab.

Nun beginnt das Kartenziehen: Das jüngste Kind, oder das Kind, das die meisten Karten hält, oder der Spieler links vom Geber zieht nun aus dem Blatt seines linken Nachbarn eine Karte und steckt sie zu seinem Blatt. Kann er mit dieser Karte ein Paar bilden, so legt er dieses ab. Sodann ist der linke Nachbar an der Reihe und spielt in gleicher Weise. Auf diese Art setzt sich das Spiel solange fort, bis alle Paare abgelegt und einem Spieler als einzige Karte der Schwarze Peter in der Hand bleibt. Dieser Spieler ist Schwarzer Peter und erhält die vereinbarte „Strafe“, wie etwa einen schwarzen Punkt auf Stirn, Nase oder Wange.

Kartenspiel aus Tschechien

Old Maid und Vieux Garçon[Bearbeiten]

Der Ursprung von Schwarzer Peter ist wahrscheinlich in Old Maid (englisch Alte Jungfer) bzw. Vieux garçon (französisch Alter Knabe) oder englisch Jackass zu suchen, einem einfachen Glücksspiel, bei dem es darum geht, einen Verlierer zu bestimmen, der die nächste Runde Getränke zu bezahlen hat (vgl. Trinkspiel).[5][6]

Man verwendet ein Paket zu 32 Blatt französischer Karten und entfernt daraus bei Old Maid die Herz-Dame bzw. bei Vieux garçon oder Jackass einen Buben, mischt, lässt abheben und verteilt die Karten gleichmäßig unter den Spielern. Hat ein Spieler ein oder mehrere Paare, z. B. zwei Siebener oder zwei Könige, so legt er diese offen ab. Hat ein Spieler drei Karten vom gleichen Rang, so darf er zwei davon ablegen. Die Farben sind ohne Bedeutung. Gespielt wird wie bei Schwarzer Peter. Der Spieler, der zuletzt mit einer einzelnen Dame bzw. einem einzelnen Buben übrig bleibt, ist die Old Maid bzw. der Vieux garçon oder Jackass und muss die nächsten Getränke bezahlen.

Namen in anderen Ländern[Bearbeiten]

Italienische Kinder spielen Asinello (Eselchen). In Schweden heißt das Spiel Svarte Petter, in den Niederlanden ist es als Zwarte Piet bekannt. Dies ist dort gleichzeitig der Name des Helfers des heiligen Nikolaus, ähnlich Knecht Ruprecht oder Krampus im deutschsprachigen Raum.

Weitere Bedeutungen[Bearbeiten]

  • Schwarzer Peter ist der Titel einer Oper von Heinrich Traulsen, Wilhelm Wisser, Walter Lieck und Norbert Schultze nach einem niederdeutschen Märchen.
  • Unter dem Namen „Schwarzer Peter“ gibt es auch Bücher, Gedichte, Märchen, ein Musical, Drinks, Kuchen, Torten, Restaurants und Vereine.
  • Weiters existieren in Deutschland eingetragene Marken für die Markenklassen 30 bis 34 (Obst und Gemüse, Feine Back- und Konditorwaren, Kakao und Kakaoerzeugnisse, Alkoholische Getränke, Biere, Zigaretten, Feinschnitttabak und Pfeifentabak), sowie für Schwarzer Peter Wachs-Schuhcreme.
  • Der CSU-Politiker Peter Gauweiler bezeichnet sich manchmal selbstironisch als „Schwarzer Peter“.[7]
  • Der schwarze Peter ist der Titel eines tschechoslowakischen Spielfilms von Miloš Forman aus dem Jahr 1964.
  • In der Wirtschaft ist es ein Verhandlungsmittel des angreifenden Verhandlungsführers, dem Gegenüber den schwarzen Peter zuzuschieben, damit dieser in eine Verteidigungsrolle gerät.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Fleischer: Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. Bibliographisches Institut, 1982. S. 159.; Rudolf Köster: Eigennamen Im Deutschen Wortschatz: Ein Lexikon. De Gruyter 2003. S. 137.; Dr. Wort: Mich laust der Affe: Neues aus der Welt der Redewendungen. rororo Verlag 2012.
  2. Grafen, Gold und Schwarzer Peter bei veldenz.de
  3. Ernst Probst: Der Schwarze Peter - Ein Räuber Im Hunsrück und Odenwald, GRIN Verlag, 2010, ISBN 3638951421, Seite 17
  4. Spieletest für das Spiel: Schwarzer Peter.
  5. Old Maid. In: Encyclopedia Britannica. 1911
  6. David Parlett: Oxford Dictionary of Card Games. Oxford University Press, Oxford und New York 1992/96
  7. Franz Kotteder: „Euro-Krise nicht durch Staaten-Hartz-IV lösen“. In: Süddeutsche Zeitung. 11. September 2011
  8. Carsten Grau,Karsten Markwardt: Internationale Verträge. Springer-Verlag 2011. S. 63.