Schwarzmund-Grundel

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Schwarzmund-Grundel
Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus)

Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus)

Systematik
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Grundelartige (Gobiiformes)
Familie: Grundeln (Gobiidae)
Unterfamilie: Benthophilinae
Gattung: Neogobius
Art: Schwarzmund-Grundel
Wissenschaftlicher Name
Neogobius melanostomus
Pallas, 1814

Die Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus (Syn.: Apollonia melanostomus)) ist ein europäischer Brack- und Süßwasserfisch.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Schwarzmund-Grundel hat eine typische Grundelgestalt und wird 15 bis 25 Zentimeter lang. Entlang der Seitenlinie befindet sich eine Reihe länglicher dunkler Flecken, vom Mundwinkel bis zum Auge besitzt sie zudem eine dunkle Zeichnung. Auf der vorderen Rückenflosse befindet sich ein sehr auffälliger, schwarzer Augenfleck. Während der Laichzeit sind männliche Schwarzmund-Grundeln vollständig schwarz gefärbt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) und Ausbreitungsgebiet (rot)

Die Schwarzmund-Grundel lebt im Brackwasser, an den Küsten des Schwarzen, des Asowschen- und mit der Unterart Neogobius melanostomus affinis an der westlichen Küste des Kaspischen Meeres. Außerdem bewohnt sie die Flüsse, die in diese Meere münden.

Ausbreitung als invasive Art[Bearbeiten]

Die Schwarzmund-Grundel ist neben Kessler-Grundel, Marmorierter Grundel und Flussgrundel eine der Grundelarten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten mit erstaunlicher Schnelligkeit über ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet hinaus in zahlreichen Gewässersystemen Europas ausgebreitet haben. Im Ballastwasser von Schiffen und auch auf natürlichem Wege konnte die Schwarzmund-Grundel sich inzwischen bis an die Nord- und Ostsee ausbreiten und besiedelt als Neozoon zahlreiche europäische Gewässer, in denen sie ursprünglich nicht heimisch ist. Seit den 1990er-Jahren ist eine Ausbreitung entlang der Donau nachgewiesen, 2004 sind erstmals Funde im deutschen Teil der Donau belegt. Im Einzugsgebiet des Rheins breiteten sich seit etwa 2008 zwei ursprünglich voneinander isolierte Populationen aus, eine vom niederländischen Rheindelta aus flussaufwärts, eine über den Main-Donau-Kanal von der Donau kommend flussabwärts, die sich schließlich trafen.[1] Inzwischen ist die Schwarzmund-Grundel im gesamten Einzugsgebiet des Rheins inklusive dessen großer Nebenflüsse wie Main, Mosel, Lahn und Neckar nachgewiesen. Weitere Gewässer, in denen die Schwarzmund-Grundel als Neoozoon inzwischen weit verbreitet ist, sind unter anderem Wolga, Trave, Oder und Eider.[2] Zusätzlich wurde die Schwarzmund-Grundel bereits in den 1990er-Jahren im Ballastwasser von Schiffen in die nordamerikanischen Großen Seen eingeschleppt, wo sie sich ebenfalls stark ausgebreitet hat.[3]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Schwarzmund-Grundel laicht von April bis September. Sie legt 320 bis 1000 große, ovale (2,2 x 3,9 Millimeter) Eier, die an Steine geklebt werden und vom während der Brutzeit schwarzen Männchen bewacht werden. Die Jungen schlüpfen nach zwei Wochen und sind schon voll entwickelt. Die Grundel hat kein Larvenstadium. Weibchen werden nach zwei bis drei, Männchen nach drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Nach ihrer ersten Laichsaison sterben die Männchen. Aufgrund ihrer Ausbreitungsfreudigkeit und Fortpflanzungspotenz gilt die Grundel als invasive Art, die gegenüber vielen heimischen Arten als Nahrungs- und Raumkonkurrent auftritt. [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Stemmer: Flussgrundel im Rhein-Gewässersystem: Vierte neue Grundelart im nordrhein-westfälischen Rhein nachgewiesen. In: Natur in NRW, 4/2008
  2. Fisch aus dem Schwarzen Meer erobert Lübecker Gewässer. Lübecker Nachrichten, 13. August 2011, abgerufen am 24. August 2013.
  3.  Matthew E. Neilson, Carol A. Stepien: Escape from the Ponto-Caspian: Evolution and biogeography of an endemic goby species flock (Benthophilinae: Gobiidae: Teleostei). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 52, Nr. 1, 2009, S. 84–102, doi:10.1016/j.ympev.2008.12.023.
  4. Die Invasion der Schwarzmeergrundeln. Neue Zürcher Zeitung, 3. Oktober 2012, abgerufen am 24. August 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarzmund-Grundel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien