Schwarzruthenien

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Schwarzrussland in einer Karte Polens mit Grenzen von 1771 und die Teilungen der I. Republik in den Jahren 1772, 1793 und 1795

Schwarzruthenien (auch Schwarzreußen oder Schwarzrussland) ist die deutsche Bezeichnung einer historischen Landschaft im Südwesten des heutigen Weißrussland. Der Name war für das betreffende Gebiet etwa vom 13. an bis ins 19. Jahrhundert im allgemeinen Gebrauch, heute ist seine Verwendung dagegen unüblich.

Abgrenzung und Geographie[Bearbeiten]

Zur Zeit der ersten Namensnennungen im Hochmittelalter war die genaue Ausdehnung zunächst wenig festgelegt.

Ab dem 14. Jh. galten als Grenzen Schwarzrutheniens der Oberlauf des Njemen im Norden, der Ptitsch im Osten, die Pripjetsümpfe im Süden und das waldreiche Quellgebiet der Narew (östlich von Białystok).

Das Gebiet wird im Wesentlichen vom westlichen Teil des Weißrussischen Landrückens bedeckt, der im Norden zur Niederung der Memel und im Süden zum Tiefland von Polesien abfällt.

Wichtige Städte: Zentral gelegen und größte Stadt auf dem Gebiet des alten Schwarzruthenien ist Baranowitschi, das aber vor dem Ende des 19. Jh. völlig unbedeutend war. Schon im Mittelalter bedeutsam waren Nawahradak, Wolkowysk, Slonim, Sluzk, Njaswisch.

Der Name[Bearbeiten]

Der Name "Schwarzruthenien" ist abgeleitet vom polnischen Namen Ruś Czarna (weißrussisch: Чорная Русь) bzw. seiner lateinischen Übersetzung Ruthenia Nigra. Die alternative Latinisierung Russia Nigra führte zu den im Deutschen ebenfalls gebräuchlichen Formen Schwarzreußen und Schwarzrussland.

Die Übersetzung "Schwarze Rus" käme dem Slawischen am nächsten, wurde aber in der Vergangenheit (bis heute) kaum benutzt. Außerdem besteht Verwechslungsgefahr mit der Kiewer Rus, die gelegentlich mit dem gleichen Namen belegt wird und zu deren Herrschaftsgebiet Schwarzruthenien im Hochmittelalter gehörte.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Hochmittelalter taucht der Name erstmals auf, seine Bedeutung ist umstritten.

Anfang des 13. Jh. gehörte Schwarzruthenien überwiegend zu den Fürstentümern Polazk und Turow-Pinsk. Um 1220/40 eroberte der litauische Fürst Mindaugas I. das Land und konnte es gegen Angriffe Daniels von Halitsch-Wolynien behaupten. Spätestens ab 1300 galt Schwarzruthenien für ein halbes Jahrtausend als fester Bestandteil des Großfürstentums Litauen.

Im 14. Jh. wurde die Woiwodschaft Nowogródek (weißruss. Nawahradak, mit der gleichnamigen Hauptstadt) in den oben angeführten Grenzen gebildet, häufig auch "Woiwodschaft Schwarzruthenien" genannt. Damit war die Landschaft räumlich klar umrissen. Sitz des Landtages war Slonim.

Im Zuge der Teilungen Polen-Litauens kam 1793 der Osten Schwarzrutheniens um Sluzk an das Russische Reich und gehörte fortan zum Gouvernement Minsk, das Restgebiet folgte 1795 und wurde dem Gouvernement Grodno zugeteilt. Diese Einteilung sollte 130 Jahre lang Bestand haben.

Da die Landschaft Schwarzruthenien nun ohne verwaltungsmäßige Grundlage war, wurde die Verwendung des Namens im 19. Jh. immer weniger gebräuchlich und schließlich im 20. Jh. (außer in historischen Abhandlungen) ganz unüblich.

1921 kam der Hauptteil der schwarzruthenischen Gebiete an das wiedererstandene Polen, der Osten um Sluzk an die Weißrussische SSR als Teil der Sowjetunion. 1939, endgültig 1945 wurde auch der Westen dazugeschlagen.

Im Rahmen des seit 1991 unabhängigen Weißrussland verteilen sich die schwarzruthenischen Gebiete auf die Woblasze Hrodna, Brest und Minsk.

Siehe auch[Bearbeiten]