Schwedenbrücke

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Schwedenbrücke Richtung Leopoldstadt und Mediatower

Die Schwedenbrücke ist eine Brücke über den Wiener Donaukanal und verbindet die Bezirke Innere Stadt und Leopoldstadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vorläuferin der Schwedenbrücke, die 1819 bis 1909 bestehende Ferdinandsbrücke - Bilderuhr von Carl Ludwig Hofmeister aus 1825

Bereits im Mittelalter befand sich an dieser Stelle die Schlagbrücke, eine 1368 urkundlich erwähnte Holzbrücke über den Wiener Arm der damals noch nicht regulierten Donau. Sie verband die Stadt – bis 1782 als einzige feste Verbindung – mit dem Unteren Werd, einer großen Insel auf dem Gebiet der heutigen Leopoldstadt, und befand sich etwas flussabwärts der Rotenturmstraße.

Aufgrund von Eisstößen und Hochwasser musste sie immer wieder neu errichtet werden, weswegen sie 1819 durch die neue, mit einem steinernen Mittelpfeiler versehene Ferdinandsbrücke ersetzt wurde. Sie wurde nach dem damaligen Kronprinzen benannt, der das Kaisertum Österreich 1835–1848 als Ferdinand I. regierte. 1850 wurde die Leopoldstadt eingemeindet. 1860 wurde nach der Demolierung der Stadtmauer der Franz-Josefs-Kai fertiggestellt, Zufahrt zur Brücke entlang des Donaukanals. 1865 wurde die Ferdinandsbrücke verbreitert. Von 1882 an verkehrte die Straßenbahn über die Brücke in die Taborstraße, vorerst als Pferdetramway, seit 1900 mit elektrischem Betrieb. Am 6. August 1901 wurde als letzter Teil der Wiener Stadtbahn ihre Donaukanallinie mit der Station Ferdinandsbrücke (heute U-Bahn-Station Schwedenplatz) eröffnet. Ab 21. Mai 1909 wurde die Brücke zugunsten einer neuen (und damals am Donaukanal größten), am 27. April 1911 eröffneten Bogenbrücke abgetragen.[1]

1919 erfolgte wie beim Schwedenplatz (vorher Ferdinandsplatz) die Neubenennung nach Schweden, zur Erinnerung an die humanitäre Hilfe für Wiener Kinder, die das Land nach dem Ersten Weltkrieg leistete. Bei einem der Luftangriffe auf Wien wurden 1945 der Großteil des Franz-Josefs-Kais und die Brücke durch Fliegerbomben zerstört, 1946 erfolgte nach provisorischer Reparatur die Verkehrsfreigabe. 1945–1955 befand sich an der Brücke die Sektorengrenze zwischen dem russischen Sektor Wiens, zu dem der 2. Bezirk gehörte, und dem interalliierten Sektor (1. Bezirk), in dem die Besatzungsmacht monatlich wechselte. Als erste Spannbeton­brücke Wiens wurde 1954/55 nach Plänen von Fritz Leonhardt und Adolf Hoch die Schwedenbrücke neu errichtet.

Der an der Ferdinands- bzw. Schwedenbrücke befindliche, langjährig beobachtete Pegel wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jh. zur Definition eines eigenen Wiener Höhen-Bezugssystems herangezogen. Dieses sogenannte Wiener Null entspricht einem Pegelwert von 4.00 m über dem Pegelnullpunkt und einer Höhe von 156.68 Meter über Adria. Es wird bis heute für städtische Projekte und die Grundwassermessstellen verwendet.
Das letzte Hochwasser im August 2002 erreichte + 0,60 m über Wiener Null. Ein hundertjährliches Hochwasser könnte noch um 50 cm höher liegen, würde aber dank der im 19. und 20. Jh. erfolgten Donauregulierung in der Stadt kaum Schäden verursachen.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Antonia Graf: Otto Wagner. Band 1: Das Werk des Architekten 1860–1902. Böhlau, Wien (u.a.) 1985, ISBN 3-205-08657-0.
  • Otto Wagner: Exposé zum Projekt für den Umbau der Ferdinands-Brücke über den Donaukanal in Wien. Vereinigte Eisen-Konstruktions-Werke L. und J. Biró & A. Kurz, vormals Anton Biró und Albert Milde & Co., Wien 1910.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kommunalzeitung. Eröffnung der Ferdinandsbrücke. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 16767/1911, 27. April 1911, S. 9, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp sowie
    Kommunalzeitung. Straßenbahnverkehr über die Ferdinandsbrücke. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 16768/1911, 28. April 1911, S. 10, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwedenbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Für die künstlerische Durchführung des Neubaus der Brücke war Otto Wagner verantwortlich. – Siehe: Graf: Otto Wagner, S. 594, online.
    Kurz vor der für Ende April 1911 angesetzten Freigabe der Brücke verlangte, nach einer Fahrt über den Franz-Josefs-Kai, Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand Aufklärung über die vier die Brücke einfassenden Pylone, die starke Ähnlichkeit mit Rauchfängen hätten. – Siehe: Erzherzog Franz Ferdinand und die neue Ferdinandsbrücke. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 16760/1911, 20. April 1911, S. 8, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp. Die tatsächliche Aufgabe der Pylonen war unter anderem die günstigere Ableitung von Horizontalkräften. – Siehe: Graf: Otto Wagner, S. 506, online.
    Die Allegorien tragenden vier Pfeilertürme sollten nicht bloß die vier Elemente versinnbildlichen, sondern eine Verbindung ausdrücken von Feuer und Stadtbahnbau, Wasser und Donaukanal-Regulierung, Luft und hygienischer Bedeutung der Sammelkanäle sowie von Erde und den architektonischen Veränderungen im Städtebild. – Siehe: Baunachrichten. Wien. (…) Der Umbau der der Ferdinandsbrücke. In: Wiener Bauindustrie-Zeitung. Der Bauinteressent, Jahrgang 1897, Nr. 11/1896 (XIV. Jahrgang), S. 119 unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz.

48.21194444444416.378888888889Koordinaten: 48° 12′ 43″ N, 16° 22′ 44″ O